Informationskompetente Informationskompetenzvermittler?

Das Bibliothekare ungern bloggen oder Blogs lesen, darüber habe ich mich gerade erst wieder ausgelassen. Es ist ja auch schon fast ein Dauerthema für die immer noch recht überschaubare Biblioblog-Szene. Anlässlich eines neuen Lotse-Tutorials zum Thema Plagiate stellte nun Lambert Heller in einem Kommentar bei Bibliothekarisch.de diese Art der „Informationskompetenzvermittlung“ in Frage. Sein Vorschlag: Man könnte – statt diese Tutorials en bloc zu veröffentlichen und das Online-Äquivalent zu Frontalunterricht umzusetzen – die einzelnen Kapitel auch peu à peu bloggen.

Ich will hier niemanden ein großes, arbeitsintensives eigenes Blogprojekt o.ä. Einreden. Sondern ich will allen professionellen Informationskompetenz-Vermittlern dringend empfehlen: Tauchen Sie bitte als KonsumentInnen in die Sphäre der originären Webmedien ein!

Ob es noch was wird mit den Bibliothekswesen und dem WWW?

Bibliothekarische Fachkommunikation 2010

Wir wurden erforscht, und zwar gleich mehrfach. Schon auf der Inetbib-Tagung haben Irene Barbers, Heike Gennermann, und Sabine Hack „IT-bezogene Trendthemen in der Diskussionsliste InetBib und deren Reflexion auf der InetBib-Tagung 2010“ untersucht. Verglichen wurden Aktualität und Inhalt von Inetbib-Liste, -Tagung und Fachblogs am Beispiel von Netbib und Infobib.

Und Petra Marker hat in ihrer Diplomarbeit „die Rezeption bibliothekarischer Fachblogs in Deutschland“ analysiert. Fazit: Es gibt immer noch sehr viele Bibliothekswesen, die Fachblogs nicht nutzen. Nutzung ist in diesem Sinne natürlich ein weiter Begriff, aber schon das Lesen von Blogs wird hier offensichtlich so verstanden. Als häufigste Gründe für die Nichtnutzung wurden angegeben: [1] S. 57

  1. die veröffentlichten Informationen sind für mich uninteressant/
    irrelevant
  2. die veröffentlichten Informationen sind nicht qualitätsgesichert
  3. ich kenne zu wenige fachlich relevante Blogs
  4. die Art der Informationsaufmachung der Fachblogs spricht mich
    nicht an
  5. ich bin unsicher in der technischen Handhabung der Fachblogs
  6. ich bevorzuge Mailinglisten, Fachzeitschriften, etc. als Informationsquelle

Dazu:

  1. Legitimer Einwand. Aber: Wem das Angebot nicht gefällt, kann gerne ein weiteres, besseres, passenderes Blog einrichten.
  2. Ein sehr lustiger Einwand. Wo bekommt man denn qualitätsgesicherte Informationen? Im Bibliotheksdienst? In BIT Online? Oder den anderen, einem knallhartem Double-Blind-Peer-Review unterworfenen Cutting-Edge-Zeitschriften im deutschsprachigen Raum?
  3. Siehe Punkt 1.
  4. S. Planet Biblioblog
  5. Ich bin unsicher bei der Beantwortung dieser Frage. Meine erste Antwort wäre: Anklicken, lesen, kommentieren. Vermutlich haben schon einige Weblogs genutzt, ohne es zu wissen.
  6. Zu diesem Punkt ein Ergebnis aus dem Inetbib-Vortrag: Blogs greifen Innovationsthemen zuerst auf. Beispiel: Wer sich über Open-Source-Bibliothekssysteme informieren wollte, konnte dies in Blogs schon ca. 2001 machen. In den ausgewerteten Fachzeitschriften (ABITechnik und BIT-online) wurden gar keine Artikel zu diesem Thema gefunden.

Bei der Bibcamp-Session über bibliothekarische Fachkommunikation wurde übrigens stets betont, wie wichtig es ist, Scheitern zuzulassen, einzugestehen und darüber zu berichten. Mehr dazu in einem weiteren Blogposting, da das Thema zu wichtig ist, um nur nebenbei abgehandelt zu werden. Aber dies ist definitiv auch etwas, das eher in Blogs und Mailinglisten als in Fachzeitschriften stattfinden würde.

Egal, wie kommuniziert wird, es sollte diskutiert und nicht nur verkündet werden. Festzustellen ist dazu, dass zu wenig und fast ausschließlich ritualisiert kommuniziert wird. Projektberichte sind (frei nach ? auf dem Bibcamp) meist offene Briefe an die Projektgeber ohne größeren Mehrwert für die Fachöffentlichkeit. Die Bibliothekswesen haben immer noch keinen Blog auf offene Kommunikation.

Sehe ich zu schwarz? Immerhin haben die weitaus meisten Umfrageteilnehmer Unkenntnis relevanter Fachblogs als Gründe für die Nichtnutzung angegeben. Zitat: Die weiteren vorgegebenen Gründe scheinen nicht vorrangig ausschlaggebend für die Nichtnutzung zu sein. [2] S. 58 Da auch festgestellt wurde, das kaum jemand seine Kenntnis von Fachblogs über Plakate erlangte, sollten man vielleicht in Erwägung ziehen, Infobib-Plakate oder einen Flyer zu Archivalia zum Download anzubieten. Oder Netbib zu verfilmen. Jakoblog, das Musical. Medinfo als Hörbuch. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Beim Bibcamp gab es übrigens auch eine Session speziell zur bibliothekarischen Fachkommunikation.

[via Netbib]

References

References
↑1 S. 57
↑2 S. 58

YaCy als Open-Access-Suchmaschine

Im letzten Herbst wünschte ich mir eine dezentrale Alternative zum OAIster. Der YaCy-Entwickler Michael Christen fand die Thematik spannend und teilte mir mit, dass YaCy intern auch schon einige Vorraussetzungen beherrscht, um bibliographische Daten zu bearbeiten, unter anderem den Umgang mit Dublin Core. Im Bibcamp-Blog schrieb ich im Oktober recht optimistisch:

Ein interessante Frage stellt sich aktuell durch die drohende OAIster-Wegschließung: Wie kann man man eine dezentrale Alternative zu OAIster schaffen? Bis zum Bibcamp wird vermutlich ein YaCy-Prototyp für die Suche in Dokumentenservern stehen. Das Bibcamp bietet eine hervorragende Gelegenheit, diesen Prototypen auf Herz und Nieren zu prüfen und vielleicht sogar direkt vor Ort zu verbessern!

Der Prototyp ist da, und werden mehrere YaCysten beim Bibcamp sein, die sicherlich gerne über bibliothekarische Anwendungen von YaCy diskutieren würden. In einer indischen Bibliothek wird es schon für eine digitale Bibliothek eingesetzt, die mehr als 2TB Audio, Video und E-Books und eine HTML-Oberfläche mit über 800.000 Seiten umfasst. Denkbar und sinnvoll wäre eine Anwendung zum Beispiel in Virtuellen Fachbibliotheken. Wenn man sie schon mit viel Aufwand konstruiert und mühsam Webquellen sammelt, könnte man den Index auch anderen zur Verfügung stellen. Und genau dies ist mit YaCy möglich.

Ich habe die neueste Version übrigens mal testweise auf meinem Desktoprechner installiert und innerhalb kürzester Zeit 20 Repositories mit bis zu 35.000 Dokumenten indexiert. Geht ganz einfach, und ist hier erklärt. Für einen Prototypen sehr respektabel, wie ich finde.

Live in the library 17: Oberpichler – Erika

The next song in the famous and amazingly popular series „live in the library“ was performed last june at the Bezirksbibliothek Rheinhausen. The artists Oberpichler seem to be bookish people. They also played in three book stores this year.

If you find nice clips of live gigs in libraries please tell me in the comments! All songs will be tagged with „live in the library„.

Sony stoppt Diskettenproduktion

Von \ ( [1] Bild von „Great Beyond“, CC: BY-NC-SA )

Im März 2011 stellt das Unternehmen den Verkauf des Speichermediums in Japan ein. Dort bedient es rund 70 Prozent des Markts. In den meisten Ländern außerhalb Japans bietet Sony schon jetzt keine 3,5-Zoll-Disketten mehr an.

[via ZDNet]

References

References
↑1 Bild von „Great Beyond“, CC: BY-NC-SA

The Backchannel – Buch & Blog zu Twitter als Konferenzmedium

Auf der Inetbib-Tagung hat man sehr gut beobachten können, wie Twitter (auch, aber natürlich nicht nur bibliothekarische) Konferenzen verändert. Konferenzpublikum konnte sich schon immer beteiligen, es war aber stets damit verbunden, sich direkt exponieren zu müssen, und die Konferenzorganisation muss dies auch zulassen. Für beide Seiten ist die Partizipation nun leichter möglich. Man muss dazu nicht einmal mehr zwingend vor Ort sein.

Via ReadWriteWeb bin ich nun auf Cliff Atkinsons Blog und Buch „The Backchannel“ zu eben diesem Phänomen aufmerksam geworden.

Probekapitel und Inhaltsverzeichnis erwecken den Eindruck, als könnte dieses Buch eine Pflichtlektüre für Konferenzveranstalter werden.

Chapter 1 tells the story of the impact the backchannel can have on a presentation, and the new dynamics it introduces.

Chapter 2 explains how you can join a Twitter backchannel, and Chapters 3 and 4 describe the rewards and risks of doing so.

Chapter 5 explains what you can do to start getting ready for a backchannel, Chapter 6 helps you make your ideas more Twitter-friendly, and Chapter 7 offers specific things you can do to engage the backchannel in conversation.

Chapter 8 takes you through some scenarios so you can practice getting real-time feedback from the backchannel, and Chapter 9 describes how you can learn from the example of people who handle the backchannel well.

Zu den in Kapitel 3 und 4 beschriebenen Risiken gehört auch die Ablenkung vom Podiumsgeschehen, die von manchen kritisch, von anderen sicherlich auch als Chance gesehen wird.

Ich habe das Buch noch nicht gelesen, erhoffe mir aber eine hilfreiche Diskussion, wie schon zum Thema „negative Kritik via Twitter während des Vortrags“ am Beispiel von Danah Boyd.

Nebenbei bemerkt:Twitterwall-Spam wird übrigens hoffentlich ein Randphänomen bleiben. Auf der Webciety während der Cebit hat man gesehen, dass man sich damit als Marke keinen Gefallen tut.

Der Spiegel über Plagiate und Betrug in der Wissenschaft (1983)

Immer häufiger müssen Wissenschaftszeitschriften Publikationen zurückziehen – die Ergebnisse von Experimenten sind geschönt oder gefälscht.

So stand es im Spiegel vom 27. Juni 1983. Der Artikel ist angenehm unaufgeregt, auch Galileo Galilei soll schon zu Betrügereien gegriffen haben, um seine Thesen zu stützen. Dazu in Wikipedia:

Der Wissenschaftshistoriker Alexandre Koyré, der durch seine Études galiléennes als Galilei-Kenner ausgewiesen ist, hat behauptet, dass viele Experimente Galileis mit den Anfang des 17. Jahrhunderts verfügbaren Mitteln gar nicht zu realisieren gewesen seien. Er weist darauf hin, dass Galilei in seinen Schriften kaum jemals einen konkreten Wert angibt, und wenn doch – wie im Dialog – er jedes Mal völlig falsch liegt. So soll eine Kugel innerhalb einer Sekunde vier Ellen tief gefallen sein, das ist weniger als die Hälfte des Wertes, der nach dem Fallgesetz zu erwarten gewesen wäre.

Social-Media-Abteilungen in Bibliotheken?

Benötigen Bibliotheken Social-Media-Abteilungen? Notwendig ist auf jeden Fall Expertise und Erfahrung. Ob man diese jedoch in einer einzigen Abteilung (zum Beispiel im Umfeld der Öffentlichkeitsarbeit) bündeln sollte, ist nicht einfach zu entscheiden. Dafür spricht, dass in einer Social-Media-Abteilung Routine im Umgang mit Twitter & Co der Normalfall wäre. Dagegen spricht m.E. aber mehr.

Alan Wolk hat sich bei Social Media Today ein paar Gedanken zu eben dieser Frage gemacht. Zwar geht es bei ihm um Unternehmen, aber die Schlußfolgerungen lassen sich teils ohne Reibungsverluste übertragen, zum Beispiel zur Ressourcenfrage:

Many brands don’t have the resources (e.g. time and money) necessary to properly maintain so much as a Facebook page (let alone an entire social media program) and you don’t need to be a „guru“ to know that having a Facebook page that gets updated once every three months is a lot worse than not having one at all.

Ob konventionelle Verkündigungsmedien (Flyer, etc.) oder Social Media: es geht um Inhalte, um Kommunikation. Wenn ein hauptamtlicher Bibliothekstwitterer beschäftigt wird, muss dieser nicht zwangsläufig der ideale Kandidat sein, um eingehende Fragen zu beantworten oder die Kommunikation mit Nutzern zu führen.

Um ein bibliothekarisches Firmenbeispiel zu erwähnen: der Twitter-Account von Citavi funktioniert ziemlich gut, weil dort jemand twittert, der an Fachdiskussionen teilnehmen kann. Auf eine Anfrage, wer denn dort schreibt, wurde geantwortet: Primär Support – auch auf direkte Kundenanfragen – und Entwicklung. So soll es sein! Wer soll denn auch sonst Fragen zur Entwicklung und zur Benutzung beantworten? Die Marketingabteilung wäre dazu nur in der Lage, wenn ein enger Kontakt zu den jeweiligen Abteilungen bestünde.

In großen Organisationen muss die Öffentlichkeitsarbeit wahrscheinlich von der PR-Abteilung übernommen werden. In kleineren Organisationen halte ich den direkten Draht zwischen Öffentlichkeit und Fachpersonal jedoch für die gelungenere Variante.

Thieme setzt auf Flash für eBooks

Oliver Obst sinniert in Medinfo über die Vorläufigkeit der eBooks anhand von Thieme, die neuerdings auf Flash für nichtregistrierte User setzen:

Hier steht man mit zigtausend Euro bei dreitausend Studenten im Wort. Aus IHREN Studienbeiträgen wurden die Thieme-Bücher gekauft, IHNEN hat man versichert, dass sie PDFs bekommen würden, mit den man auch offline oder am iPhone/iPad arbeiten kann. Das soll jetzt nicht mehr möglich sein? (Der Download einzelner Seiten als PDF zählt für mich nicht als PDF-Nutzung, dazu ist es zu kompliziert und langsam – noch komplizierter als die bisherige Nutzung der in zig PDFs atomisierten Thieme-Bücher).

Atomisierte Bücher sind eine schöne Formulierung für die Unsitte, ein Buch nicht komplett zum Download anzubieten. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ ist auch bei anderen eBookern gern gesehen. Bei der Inetbib sprach ich darüber mit verschiedenen eBook-Anbietern. Auf die Frage, warum man ein Buch nicht komplett zum Download anbieten würde, wurde stets verneint, dass es primär um die Erhöhung der Klickraten ginge. Vielmehr seien in erster Linie die Begrenzung des Traffics der Grund und natürlich die Überlegung, dass atomisierte eBooks nicht so schnell ihren Weg in die dunklen Schlünde des Internets finden.

[via netbib]

Welttag des Buches 2010

Auch zum diesjährigen Welttag des Buches, gibt es wieder tolle Aktionen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Es folgt eine kleine Auswahl:

Aktionen:

Der „Georg Büchner Buchladen“ in Berlin wird 15 Jahre und feiert mit einer großen Büchersuche rund um den Kollwitzplatz.

Die Buchhandlung Tatzelwurm in Frankfurt am Main veranstaltet ein Frühlingsfest für alle Altersgruppen.

Bücher im Wind in Mainz:

Mehr als 100.000 Lieblingsbuch-Cover werden am Welttag des Buches an den Parkbäumen rund um den Sitz der Stiftung Lesen in Mainz im Wind wehen und so das „längste Bücher-Freundschaftsband der Welt“ bilden.

Die Auszubildenden der Thalia Buchandlung Gondrom in Ulm organisieren einen Lesemarathon zugunsten von Kindern.

Ausstellungen:

In der Staats- und Universitätsbibliothek in Bremen findet um 17.00 Uhr die Eröffnung der Ausstellung „Poetische Wissenschaften“ statt.

Der 2. Klever Poetry Slam wird von der Buchhandlung Hintzen veranstaltet.

Die Süddeutsche Zeitung bringt eine neue Romanedition heraus, diesmal handelt es sich um die Bibliothek der Metropolen. Den Beginn macht Don De Lillos „Cosmopolis zu New York. Weitere Titel die erscheinen werden, gibt es hier zu sehen.

Natürlich kann auch in diesem Jahr wieder das Buch „Ich schenke dir eine Geschichte“ in vielen Buchhandlungen abgeholt werden.

Veranstaltungen:

In der Mayerschen Buchhandlung in Aachen präsentiert der erfolgreiche Kinderliedermacher Frederik Vahle ein Konzert für Kinder von 3 bis 8 Jahren.

In Recklinghausen lesen Sabine und Michael van Ahlen aus „Mein einzig geliebtes Herz – Ehebriefe von Emilie und Theodor Fontane“. Ab 19.30 Uhr im Kutscherhaus.

Das Goethe Institut in Belgrad feiert den Welttag des Buches mit diversen Veranstaltungen.

Im Veranstaltungskalender auf der offiziellen Homepage des Welttags des Buches, kann man sich verschiedenste Aktionen sortiert nach Postleitzahlen anzeigen lassen.