Auch Landesregierung Baden-Württemberg gegen ungesunde Lesewuth!

Wie man dem Newsletter der Württembergischen Landesbibliothek entnehmen kann, wird dort ab dem 9. Mai eine Jahresbenutzungsgebühr von 30 Euro erhoben.

bitte beachten Sie, dass nach der Verkündigung im Gesetzblatt Baden-Württemberg, voraussichtlich mit Wirkung zum 9. Mai 2009, eine novellierte Bibliotheksgebührenverordnung in Kraft treten wird.
Neu ist die Einführung einer Benutzungsgebühr für die Landesbibliotheken (§ 2 n.F).

30 Euro! Vermutlich möchte die Landesregierung der Schweinegrippe ungesunden Lesewuth entschlossen entgegentreten.

Sehr geehrter Ministerpräsident Günther Oettinger: können Sie mir sagen, wo der Sinn dieser Maßnahme liegt? Als Volkswirt sollten Sie eigentlich wissen, dass man an dieser Stelle nicht unbedingt kürzen sollte. Betriebswirtschaftlich sind Benutzungsgebühren übrigens auch nicht immer ein Erfolgsmodell, wie unter anderem das Beispiel Schaffhausen belegt.

Notiz zum Stellenwert des Themas Bibliotheken in Baden-Württemberg: Von dort kam zu meiner Umfrage zu Landesbibliotheksgesetzen außer einer nichtssagenden Antwort der FDP keine Reaktion.

[via Netbib]

Bestandsgarantie für schlechte Arbeit?

Heise: Verleger fordern Bestandsgarantie für „Kulturgut Zeitung“

Angesichts sinkender Auflagen mahnte Bauer, junge Leser zu gewinnen. Zeitungen seien die besten Wissens- und Bildungsvermittler. „In einem horizontlosen Meer des Internets sind Zeitungen Leuchttürme.“ Ähnlich wie in Rheinland-Pfalz und im Saarland sollten deshalb auch in Nordrhein-Westfalen Auszubildende mit Unterstützung der Betriebe Zeitungen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wenn Zeitungen die besten Wissens- und Bildungsvermittler sind, dann schließe ich mich dem Chor der Abendlanduntergangspropheten stante pede an. In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit, Zeitungsartikel zu einem Thema verfolgen zu können, in dem ich mich einigermaßen gut auskenne: die Debatte um Open Access und den Heidelberger Appell. Und man möge mir bitte eine Zeitung nennen, die sich zu diesem Thema geäußert und sich nicht blamiert hat. Ich habe vielleicht ein bißchen den Überblick verloren, aber mehr oder weniger grobe sachliche Fehler fanden sich eigentlich in jeder Zeitung. FAZ, taz, SZ, …

Wer eine Bestandsgarantie einfordert, sollte Qualität liefern. Dies ist in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht der Fall, wie übrigens auch die Umwidmung des Bildblogs in ein generelles Medienwatchblog belegt. Die Gefahr, dass schlechter Journalismus durch Bestandsgarantien geschützt wird, ist mir zu groß.

Bodo Kirchhoff: Dichtung und Wahrheit in Googles Buchsuche

Nach Marek Lieberberg möchte sich nun Bodo Kirchhoff vor den Karren des Börsenvereins spannen lassen. In den Tagesthemen durfte er bar jeder Kenntnis der Materie sein Unbehagen an der „Proletarisierung“ seiner Werke durch Googles Buchsuche zum Ausdruck bringen. Das sich jeder über Wissen hermacht, wie er will, ist offensichtlich nicht im elitären Sinne Kirchhoffs.

Ich konnte kein Werk von Kirchhoff ausfindig machen, dass über Googles Buchsuche tatsächlich vollständig verfügbar gemacht wurde. Bei allen (z.B. bei bei dieser Ausgabe des „Schundromans“) waren nur einzelne Abschnitte durchsuchbar, nicht einmal eine ganze Seite konnte ich mir anzeigen lassen. War das Kirchhoff nicht bekannt? Und ist ihm auch nicht bekannt, dass er selbst in die Proletarisierung in erheblich größerem Umfang eingewilligt hat, als er seine Einwilligung zur Veröffentlichung einer Leseprobe auf einer für ihn eingerichteten Webseite gab? Vielleicht ist er aber auch der abwegigen Meinung, dass man die von ihm genehmigte Leseprobe schließlich nur im Gesamtkontext der Webseite aufnehmen würde.

Die Tagesthemen übernehmen übrigens unkritisch das Wort „Urheberrechtsbruch“, was für mich ganz klar einer Vorverurteilung Googles gleich kommt. Wer sich über schlechten Journalismus und ahnungslose Dichter aufregen möchte, der sollte sich den Beitrag auf der Webseite der Tagesthemen ansehen. Der betreffende Teil fängt fast exakt in Minute 26 an.

Ein Kommentar zur Sendung findet sich auch bei Archivalia.

Auch Marek Lieberberg weiß nicht, was Open Access bedeutet

Auch die Süddeutsche Zeitung schließt sich endlich dem Kreuzzug gegen Open Access an. In einem Artikel bringt Marek Lieberberg das Kunststück fertig, pflastersteinwerfende Deep-Purple-Anhänger in den 70ern mit Verfechtern des OA zu vergleichen. Die Verwechslung mit dem Google-Books-Programm ist ja inzwischen Alltag.

Die lückenlose Digitalisierung der Welt hat mit Googles jüngstem Coup, der Millionen Buchtitel online verfügbar macht, Literatur und Buchhandel mit demselben Virus infiziert, an dem die Musikindustrie zugrunde geht und der die Zeitungslandschaft bedroht. Diese Kapitulation wird von Anhängern der Open Access-Ideologie als Demokratisierung des Wissens bejubelt. In Wahrheit werden Rechte verschleudert, was Googles Allmacht weiter zementiert.

Herr Lieberberg, benutzen Sie doch bitte nur Begriffe, deren Bedeutung Sie kennen. Durch solch hanebüchenen Blödsinn verliert eine Zeitung insgesamt an Glaubwürdigkeit. Mehr zur journalistischen Ahnungslosigkeit und schlechten Recherche beim Thema Open Access gibt es hier.

Materialsammlung rund um den "Heidelberger Appell"

Update 12. Juni 2009: Auf dieser Seite werden nur die 100 aktuellsten Links angezeigt. Die vollständige Liste gibt’s bei Delicious:

Dem Heidelberger Appell und den vorhergehenden Artikeln in taz und FAZ folgten inzwischen glücklicherweise schon ein paar Appelle an den gesunden Menschenverstand. Hervorheben möchte ich hier nur die Matthias Spielkamps Essay Open Excess: Der Heidelberger Appell im Perlentaucher, Ben Kadens ausführliche Replik und natürlich Joachim Eberhardts Postings zu der Angst des Roland Reuß vor Open Access in drei Teilen (1, 2 & 3). Um den Überblick nicht zu verlieren habe ich eine kleine Materialsammlung rund um die Debatte angelegt, die unter dem Tag heidelberger_appell bei Delicious zu finden ist. Sicherlich nicht vollständig, aber vielleicht für den einen oder anderen ganz nützlich:

Privatuni Witten/Herdecke steht vor Rettung

Die finanziell stark angeschlagene Privatuni Witten/Herdecke scheint vor einer Rettung zu stehen.
Ein Paket sei geschnürt, bei dem die Software AG Stiftung 40% der Gesellschafteranteile übernimmt. Außerdem sollen die Studiengebühren, aber auch die Studierendenzahlen in den nächsten Jahren steigen.

Die Hochschule erhält von der Software AG Stiftung eine Bürgschaft über zehn Millionen Euro sowie über vier Jahre verteilt vier Millionen Euro als Investition.

[via spiegel.de]

"Lesen bewegt – gemeinsam 3.000 Schritte extra"

Am Freitag, den 13. März 2009, gaben Rolf Schwanitz, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Monika Ziller vom Deutschen Bibliotheksverband e. V. und Heinrich Riethmüller vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. auf der Leipziger Buchmesse den Startschuss für die Aktion „Lesen bewegt – gemeinsam 3.000 Schritte extra“. Bis zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2009 laden Bibliotheken und Buchhandlungen im Rahmen der Kampagne „Bewegung und Gesundheit“ des Bundesgesundheitsministeriums zu Lesungen, Aktionen und 3.000-Schritte-Spaziergängen ein. Rund 200 Bibliotheken in Deutschland haben bereits Interesse an der Teilnahme bekundet. Gemeinsames Ziel der Aktionspartner ist es, zu einem gesundheitsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper anzuregen.

Mehr dazu auf den Seiten des Deutschen Bibliotheksverbands.

[via bildungsklick.de]

Sisyphusarbeit im Kölner Stadtarchiv

Der Tagesspiegel berichtet von den Arbeiten der Archivmitarbeiter, die mit der Sichtung des „geretteten“ Materials beschäftigt sind.

„Wir haben eine professionelle Einstellung“, sagt Plassmann. Sie konzentrieren sich nur auf die Arbeit vor ihnen, das Retten des Papiers. Was darüber hinausgeht, versuchen sie von sich fern zu halten. „Die Trauer kommt später“, sagt Plassmann. Wenn nach Wochen oder sogar Monaten der ganze Schutt durchgewühlt ist und klar wird, was verloren gegangen, was für immer zerstört ist. Dann beginnt die Zeit der Restaurierung und Konservierung. Wie lange das dauern wird, darüber will Max Plassmann nicht spekulieren. „Sehr lange“, sagt er nur. Bettina Schmidt-Czaia, die Leiterin des Historischen Stadtarchivs, das nicht mehr existiert, spricht von Jahrzehnten, die diese Arbeit in Anspruch nehmen wird.