And the Open Access Irony Award goes to…

Bei Mendeley bietet die Möglichkeit, in sogenannten Groups gemeinsam Literatur zu sammeln. Eine dieser Gruppen trägt den Titel „Open Access Irony Award“ und sammelt Literatur, die Open Access feiert, aber selbst nicht frei verfügbar ist.

Any paper that extols the virtues of open access publishing or the open sharing of data on the web, but is (ironically) inaccessible without the reader paying a subscription or fee.

Die Mission: Name them and shame them!

Auf ein besonders schönes Exemplar für den Award bin ich gerade via OATP aufmerksam geworden:

Ein Screenshot der Artikelseite bei ScienceDirect sagt mehr als Tausend Worte:

Als Sahnehäubchen möchte ich den ersten Satz aus dem Abstract nicht vorenthalten: OA is to become the future of academic library exchanges in China.

PS: Ich würde nie und nimmer für einen Aufsatz einen solchen Preis bezahlen. (Nemissimo, 2012)

PPS: Den Vogel schießt in der Gruppe m.E. der erste dort aufgenommene Artikel ab.

TIB/UB eröffnet Open Science Lab

Lambert Heller im Blog der TIB/UB Hannover:

An der TIB Hannover nimmt 2013 ein neues Team seine Arbeit auf, das Open Science Lab. Hier sollen neuartige Webanwendungen für ForscherInnen in enger Abstimmung mit überregionalen Benutzer-Communities erprobt und (weiter-)entwickelt werden. Alle Ergebnisse sollen schnell öffentlich zugänglich gemacht werden, auch dann, wenn es sich um vorläufige oder experimentelle Anwendungen handelt. Das Lab strebt vielfältige Kooperationen mit anderen Interessierten (einzelnen Softwareentwicklern, Verlagen, Bibliotheken etc.) an und will Drittmittel für neue Entwicklungen einwerben.

Untersucht werden sollen u.a. der Umgang mit publizierten Rohdaten oder alternative Publikationsarten. Die Ergebnisse sollen konsequenterweise unter freien Lizenzen veröffentlicht werden.

Bezahlschranken sind eine Motivationsbremse

In einigermaßen regelmäßigen Abständen werden Beiträge aus der Libworld-Reihe in Journals oder Büchern zitiert. Ich erfahre davon meistens über Alerts, z.B. bei Google Scholar. Was ich selten erfahre ist der eigentliche Inhalt der Publikation über den Abstract hinaus. Fast immer handelt es sich um Closed-Access-Publikationen. Natürlich ließe sich an die Artikel gelangen. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Ich könnte die meist geforderten 25 – 39 US$ zahlen, [1] Haha. Hat das überhaupt schon mal jemand gemacht? Oder ist das eher ein symbolischer Preis? ich könnte die Fernleihe bemühen, ich könnte nach eventuellen Embargo-Zeiten nach OA-Versionen suchen. Und noch vieles mehr.

Will ich das? Ich will ja nur schnell nachsehen, in welchem Kontext die Libworld-Publikation (aktuell der Finnland-Artikel von Reetta Saine, der anscheinend in diesem Artikel zitiert wurde) erwähnt wird. Dafür so ein Aufwand? [2] Besonders unverständlich ist das bei Publikationen der IFLA, die sich oft an ein Publikum aus Schwellen- und Entwicklungsländern richten.

Zusammenfassung: Bezahlschranken sind Zugangsschranken sind Entdeckungsverhinderer sind innovations- und wissenschaftsfeindlich.

References

References
↑1 Haha. Hat das überhaupt schon mal jemand gemacht? Oder ist das eher ein symbolischer Preis?
↑2 Besonders unverständlich ist das bei Publikationen der IFLA, die sich oft an ein Publikum aus Schwellen- und Entwicklungsländern richten.

IEEE bringt OA-Megajournal an den Start

Das nach dem Erfolg der PLoS und dem Riesenwirbel um PeerJ nun immer mehr Megajournals an den Start gehen würden, war zu erwarten. Die Ankündigung von IEEE, nächstes Jahr das eigene OA-Megajournal IEEE Access zu starten, überrascht mich dennoch.

IEEE Access will debut in 2013 as the first open access mega journal in the growing IEEE open access publishing program. The scope of this all-electronic, archival publication comprises all IEEE fields of interest, emphasizing applications-oriented and interdisciplinary articles.

Für die in Sachen Open Access eher zögerlichen Ingenieurswissenschaften klingt das nach einem großen Schritt. Article Processing Charges von US$ 1750 sind zwar alles andere als günstig, aber die Preise werden durch PeerJ & Co mittelfristig ohnehin sinken. Interessanter wird die Lizenzfrage sein:

For now, an author will be asked to sign a copyright transfer form for an open access article.

However, IEEE is reviewing options for new legal instruments for authors, including a license that would define usage rights for open access articles. When the appropriate documents are prepared, IEEE systems now used to manage copyright transfer will be modified for open access.

Bleibt abzuwarten, wie diese „new legal instruments“ gestaltet sein werden.

[via @lambo & @pmphlt]

Aktualisierte Liste der "predatory open access publishers"

„Beall’s List“ hatten wir hier vor einiger Zeit schon einmal. Die Liste wurde nun aktualisiert und vor einigen Tagen wurden auch die Kriterien veröffentlicht, die zu einer Aufnahme führen.

Einzelne Kriterien sind durchaus diskutabel. Ein paar Beispiele, denen man m.E. nicht zustimmen muss:

  • Depends on author fees as the sole and only means of operation with no alternative, long-term business plan for sustaining the journal through augmented income sources.
  • The publisher does not use ISSN numbers, DOI numbers or uses them improperly.
  • The publisher has no membership in industry associations […]

Auch wenn ein genauerer Blick auf die Verlage und deren Praktiken im Einzelfall nicht ganz erspart bleibt, ist die Liste sehr hilfreich.

[via Archivalia]

Die Geheimgesellschaft der Okulisten

Geheimgesellschaften und verschlüsselte Botschaften aus Wolfenbüttel – was wie die Zutatenliste zum neuen Bestseller von Dan Brown klingt, ist Inhalt eines Musterbeispiels für spannenden Wissenschaftsjournalismus. Noah Shachtman hat mit „They Cracked This 250-Year-Old Code, and Found a Secret Society Inside“ einen der besten Artikel auf Wired.com geschrieben, der dort in den letzten Jahren zu finden war. Es geht um die Entschlüsselung des Codex Copiale.

Wer sein Wissen nach der Lektüre vertiefen möchte, kann sich dank Beáta Megyesis selbstarchivierter Version an den Artikel aus dem Journal for Research into Freemasonry and Fraternalism begeben:

Knight, Kevin; Megyesi, Beáta; Schaefer, Christiane (2012): The Secrets of the Copiale Cipher. In: Journal for Research into Freemasonry and Fraternalism 2 (2), S. 314–324.
DOI: http://dx.doi.org/10.1558/JRFF.v2i2.314
OA: http://stp.lingfil.uu.se/~bea/publ/knight-megyesi-schaefer-copiale.pdf

Koha-Installationsparty / OBMS

Ob das Bibliothekssystem Koha „eine denkbare Alternative“ ist, will die Bibliothek der TH Wildau herausfinden. Und lädt zu einer „Installationsparty“ ein:

Im Rahmen einer Installationsparty wollen wir das freie Bibliothekssystem Koha gemeinsam installieren und einen ersten Blick in das System werfen. In gemeinsamer Diskussion soll erörtert werden, welche Probleme ein eigener Betrieb des Systems als Alternative zu einem bezahlten Hosting aufwirft und welche Art von Unterstützung notwendig wäre, um als Bibliothek diesen Schritt zu gehen.

Ziel des Abends soll sein, dass alle Teilnehmenden mit einer laufenden Koha-Installation und neuen Ideen nach Hause gehen.

Terminlich ist nur genannt, dass die Veranstaltung um 17 Uhr beginnt, das Ende offen ist und die Bibliothek am 2. Dezember um 11 Uhr schließt. Vermutlich findet die Installationsparty also am 1. Dezember statt. Die TH-Bibliothek nimmt Anmeldungen per Mail entgegen.

Auf der GBV-Verbundkonferenz hatte Inken Feldsien-Sudhaus (Leiterin der TUB Hamburg-Harburg) schon angekündigt, dass Koha auch in ihrer Bibliothek getestet werden wird. Sie ist auch Mitglied der AG OBMS, die sich der „Evaluation von Open Source Bibliotheksmanagement-Systemen für Wissenschaftliche Bibliotheken“ widmet. Die Arbeit der AG ist ist in einem Wiki dokumentiert. Behandelt wurden (u.a.?) Evergreen, Koha und Kuali OLE.

PS: Das BSZ bietet übrigens KOHA-Hosting an.

Wikidata.org ist online

Lydia Pintscher gab in der Wikidata-Mailingliste den Launch von Wikidata.org bekannt:

The Wikidata team is excited to let you know that http://wikidata.org is now online and running the repository code \o/

You can now create items and add language links to the various Wikipedias to them. Thank you to everyone who helped.

There are some caveats! We’re still testing things and fixing minor bugs. Please let us know about any problems you find and go easy on the new wiki.

Wer einen Single-User-Login für die Wikimedia-Projekte hat – hier steht, wie das funktioniert – kann sich auf der Projektseite schon einloggen.

You can already edit, but beware that any content may be lost in case we have to reset the database.

Wer viel Zeit in die Daten stecken möchte, sollte diese Warnung ernst nehmen.

Internet-Enquete zur OA-Week

“In Deutschland wird ein Großteil der Wissenschaft und Wissensproduktion durch die öffentliche Hand finanziert. Während die privatwirtschaftliche Aneignung und Nutzung des produzierten Wissens erwartet wird, sind die wissenschaftlichen Publikationen aber nur selten für den Steuerzahler frei verfügbar. Das muss sich ändern!”

Christian Heise und Mercedes Bunz schreiben in einem Gastbeitrag für Netzpolitik.org (der auch im Blog der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages erschien), über Open Access.