Filme der Murnau-Stiftung werden digitalisiert

Heise.de:

Das Deutsche Filminstitut in Frankfurt und die in Wiesbaden ansässige Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung wollen künftig gemeinsam alte Filme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs digitalisieren und über das Internet jedem zugänglich machen. Die Zusammenarbeit ist Teil des europäischen Gemeinschaftsprojekts “The European Film Gateway” (EFG1914), wie das Institut am Montag in Frankfurt mitteilte.

Im Workplan heißt es zum konkreten Vorgehen:

The main goal will be to make the content digitised in EFG1914 accessible both via the European Film Gateway (EFG) service and via Europeana. To this aim, the work package is organized in four main activities: 1) investigating and realizing solutions for enabling OAI-PMH metadata exports from non-conformant archives; 2) definition of a suitable common schema for EFG1914 as an extension of the EFG schema and identification of the metadata mappings from the archive schemas to the new EFG1914 schema; 3) deployment of the EFG1914 metadata aggregation system as an extension of the EFG aggregation system, to deliver metadata from the archives to Europeana, EFG portal and Virtual exhibition tools; 4) management of harvesting and transformation activities necessary to grow and curate the information space.

Zur Lizenzierung der Filme habe ich bislang nichts gefunden. Die Metadaten scheinen jedoch zur Nachnutzung gedacht zu sein.

Paragraph 52a UrhG läuft aus

Bildungsklick.de berichtet über den auslaufenden Paragraph 52a UrhG:

Die letzten Wochen des Jahres rinnen den deutschen Bibliothekaren wie Sand durch die Finger. Zum 31. Dezember 2012 läuft eine Regelung des Urheberrechts aus, die nicht nur die Lern- und Lehrbedingungen an Hochschulen mitbestimmt. Sie regelt auch das Angebot der Bibliotheken. Sollte der Paragraph 52a UrhG bis dahin nicht verlängert werden, dann wird wissenschaftliches Arbeiten in wesentlichen Bereichen zum juristischen Problemfall – und das ist längst nicht die einzige Stelle, in der das Gesetz lückenhaft ist.

Auch in Inetbib (und anderswo) wurde die Angelegenheit schon thematisiert.

Norwegen digitalisiert das 20. Jahrhundert

Alle norwegischen Bücher des 20. Jahrhunderts sollen digitalisiert und auf Bokhylla für Zugriffe von norwegischen IPs zur Verfügung gestellt werden, so Winfuture:

Eine Grundlage für die Kooperation: Die Nationalbibliothek und Kopinor konnten sich auf ein Modell einigen, über das die Autoren und Verleger jener Bücher, die noch Schutzrechten unterliegen, vergütet werden. Sollte ein Autor nicht mit der Veröffentlichung einverstanden sein, kann er für die jeweiligen Werke auch Widerspruch einlegen.

Noch durch das Urheberrecht geschützte Bücher soll man ansehen, nicht aber herunterladen können. Das klingt nach “Viewern” und/oder DRM.

Nur gucken, nicht anfassen: Kulturerbe Niedersachsen

Wie der NDR berichtet, ist das Portal Kulturerbe Niedersachsen nun eröffnet:

Das Land Niedersachsen ist um ein virtuelles Museum reicher: Im Internet-Portal “Kulturerbe Niedersachsen” sind nun bedeutende Kulturschätze des Landes für jedermann kostenlos zu besichtigen. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) hat den offiziellen Startschuss für die Website am Dienstag gegeben.

Museum heißt hier, dass man sich bunte Bilder innerhalb des Portals ansehen kann. Bei vielen Werken (zum Beispiel hier)ist folgender Hinweis zu finden: Dieses Exponat kann nur nach vorheriger Rücksprache zur Verfügung gestellt werden.

Was bedeutet das? Ich finde keinen Unterschied zu Werken, bei denen dieser Hinweis nicht zu finden ist. Zum Beispiel bei diesem Gemälde von Jacob Philipp Hackert. Keine Downloadmöglichkeit, Rechtsklick funktioniert jedoch. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Beschränkung auf das Original bezieht.

In den Nutzungsbedingungen heißt es übrigens: Die Inhalte des Onlineportals “Kulturerbe Niedersachsen” sind urheberrechtlich geschützt.”

Das ist dringend zu ändern. Einige Objekte sind sicherlich urheberrechtlich geschützt. Wenn man sich aber die Verteilung der Objekte auf die Jahrhunderte anschaut, merkt man sehr schnell, dass dies für den Großteil der Objekte nicht zutrifft (in Klammern steht die Zahl der Objekte aus dem jeweiligen Jahrhundert):

21. Jhd. (2)
20. Jhd. (762)
19. Jhd. (2565)
18. Jhd. (4666)
17. Jhd. (3410)
16. Jhd. (959)
15. Jhd. (87)
14. Jhd. (19)

Ohne jetzt einzelne Schutzfristen zu prüfen: Von 12470 Objekten kann man bei der Mehrheit davon ausgehen, dass sie nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Da das Portal und auch die Digitalisierungen mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden und die Werke nicht urheberrechtlich geschützt sind, ist hier (übrigens auch im Sinne der Verbreitung des niedersächsischen Kulturerbes) dringend geboten,

a) die Nutzungsbedingungen anzupassen und
b) eine Downloadmöglichkeit zu schaffen, am Besten für einzelne Objekte und auch für die Sammlung als Ganzes.

Tipp für die Projektbeteiligten: Wenden Sie sich an Open GLAM. Mathias Schindler (Wikimedia) hat auf dem Open-GLAM-Workshop (hierzublog schon einmal erwähnt) einen Vortrag gehalten, in dem er Empfehlungen für GLAMs (Galleries, Libraries, Archives and Museums) gibt.

Seiner Aussage auf der 19 13. Folie kann ich mich nur anschließen: “Betreiben Sie bitte kein Copyfraud“!

Buchscanner: HoverCam Impress

LastGadgetStanding führt die technischen Daten des HoverCam Impress auf. Dabei handelt es sich um einen Buchscanner mit Umblätter-Automatik, der demnächst zu einem moderaten Preis (gefunden habe ich Schätzungen zwischen 400 und 700 Dollar) verkauft werden soll.

  • V-shaped stand folds into shape of a briefcase. Everything is in one self-contained, portable unit.
  • Dual 5 MP CMOS sensor
  • 15 page per minute scanning speed
  • 300 dpi scanning resolution
  • Built-in LED lights
  • One USB 2.0 cable to computer for data exchange
  • External 12v adapter
  • Built-in image processing software
  • Scans books as small as an oversized paperback and up to a standard textbook
  • Mandatory Watermark insertion and user registration
  • Save in PDF or ePub

Ein Video von der CES 2012:

Auf der Webseite von HoverCam findet man allerdings noch nichts.

Library of Congress veröffentlicht WPA-Plakate

For greater knowledge on more subjects use your library often.

Dies ist die Botschaft eines von 907 im Rahmen des Works Progress Administration (WPA) entstandenen Plakats, die nun von der Library of Congress veröffentlicht wurden. Leider ohne Lizenzangabe. Ich fand bei Stichproben zumindest nur den Hinweis “Rights assessment is your responsibility”.

[via Telepolis, via @vform]

Bibliothekare entdecken bisher unbekannten Vordenker des deutschen Naturschutzes

Im zweiteiligen Posting “Bibliothekare entdecken bisher unbekannten Vordenker des deutschen Naturschutzes” (1: Naturschutzteil, 2: Bibliotheksteil) erklärt Gerhard Hachmann, wie er in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Rainer Koch die bisher als Begründer des deutschen Naturschutzes geltenden Ernst Rudorff, Wilhelm Wetekamp und Hugo Conwentz vom Sockel stieß und Philipp Leopold Martin emporhob.

Kein einziger deutscher Historiker kannte bisher Martins überragende Bedeutung für den deutschen Naturschutz.

Im bibliothekarischen Teil wird der methodische Weg beschrieben. Soviel sei hier erwähnt: Googles nGram-Viewer spielte eine herausragende Rolle. Weiteres in den oben verlinkten Postings!

Ich zitiere meinen eigenen Kommentar: Diese beiden Postings sind eine schöne Demonstration, was sich mit Daten (und Digitalisaten) alles anstellen lässt, wenn man sie mal genauer unter die Lupe nimmt. Eine Perle der Biblioblogosphäre!

Das Kerngeschäft der Buchwissenschaftler?

Der Buchwissenschaftler David Oels schrieb einen Kommentar für den Freitag, in dem er das Kerngeschäft der Bibliotheken thematisiert. Also, eigentlich thematisiert er es nicht.

Der Kommentar trägt den Titel “Die Onleihe”. Um die Onleihe geht es aber auch nicht so wirklich. Vielmehr beschreibt Oels die miserable Situation der Bibliotheken. Budgetkürzungen, verkürzte Öffnungszeiten: Krise. Dann die Begründung:

Dabei sammeln Bibliotheken schon lange nicht mehr nur Bücher und machen sie ihren Benutzern zugänglich. Seit den siebziger Jahren verstehen sie sich als Informationsdienstleister, die Zugang ebenso zu den jeweils neuen Medien ermöglichen. Das ist löblich und verständlich, aber womöglich auch Teil des Problems.

Das bibliothekarische Selbstverständnis als Informationsdienstleister sorgt für Budgetkürzungen? Oels hält diese steile These wohl für selbsterklärend. Denn schon der nächste Satz singt das Hohelied des gedruckten Buches, das ja im Gegensatz zur Langspielplatte und Disketten auch nach vielen Jahrzehnten, Jahrhunderten noch benutzbar sind.

Ob Oels auf dieser Erkenntnis den nächsten Absatz aufbaut oder ihn völlig unabhängig davon geschrieben hat, ist mir nicht klar. Auf jeden Fall weist er nun auf den jüngsten Medienwandel hin, der eine Lösung eröffne:

Denn erstmals lassen sich E-Books, Zeitschriften, Datenbanken oder ­Archive zentral anbieten und dezentral nutzen. Die Deutsche Digitale Bibliothek soll ab 2012 das „kulturelle Erbe“ online verfügbar machen, und im ­Frühjahr dieses Jahres hat die Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder ein „Gesamtkonzept für die ­Informationsinfrastruktur in Deutschland“ verabschiedet, das auf Open ­Access setzt, also den unentgeltlichen Zugang zu relevanten wissenschaft­lichen Publikationen. Selbst die Stadt­bibliotheken forcieren die „Onleihe“. Angemeldete Bibliotheksnutzer können digitale Bücher, aber auch Filme, Musik und E-Paper großer Zeitungen unentgeltlich ausleihen.

[Kleine Detailkritik am Rande: Project Gutenberg ist mehr oder weniger seit 1971 aktiv. Datenbanken und elektronische Zeitschriften gibt es auch schon ein paar Jahre. Und wenn Open Access für Zugang zu “relevanten” wissenschaftliche Publikationen gilt, bedeutet das dann im Umkehrschluss… naja. Immerhin wird hier kurz die Onleihe erwähnt.]

Wie auch immer, wir feiern die digitalen Medien und ihre Möglichkeiten! Und plötzlich fordert Oels:

Für die stationären Bibliotheken ergibt sich damit die Chance, das Kerngeschäft, das gedruckte Buch und dessen Vermittlung, wieder ins Zentrum zu stellen. Darauf gilt es zu bestehen, und das gilt es durchzusetzen, auch wenn findige Stadtoberhäupter auf die Idee kommen sollten, analoge Bibliotheken angesichts der digitalen Möglichkeiten gleich ganz abzuschaffen.

Was hat das nun wieder mit Open Access, der Deutschen Digitalen Bibliothek und der Onleihe zu tun? Und teilt Oels Bibliotheken ein in stationäre und nicht-stationäre? Wo sind sie, die rastlos durch die Lande ziehenden und gezogen werdenden Bibliothekswesen? Digitale Nomaden, E-Books verteilend und relevante Publikationen zugänglich machend?

Zum Kerngeschäft der Bibliotheken kann ich im ganzen Artikel keine relevante Aussage finden. Aber es gehört offensichtlich zum Kerngeschäft der Buchwissenschaftler, einfach mal die Relevanz des gedruckten Buches in den Raum zu werfen.

[Besten Dank an Frank für den Hinweis!]

Abbyy Finereader 11 im Test

Kilian Schmidtner hat die Abbyy Finereader 11 getestet:

Das Ergebnis lässt sich leicht zusammenfassen: Die neue Version ist ein Performance-Update! Die Qualität der Text- und Layouterkennung hat sich (so gut wie) gar nicht verändert – die Ergebnisse waren im Vergleich zu FineReader 10 auf gleichbleibend hohem Niveau korrekt. Eine Verbesserung ist nur an ganz wenigen Stellen festzustellen.

Ein Update von Version 10 sei nur empfehlenswert, wenn große Seitenmengen bearbeitet werden müssen.

Mehr Infos im Editura-Blog.