Henry Bourne: "US biomedical research enterprise" ist in Schieflage

Henry Bourne beschreibt in einem Aufsehen erregenden Artikel „The writing on the wall“, wie die biomedizinische Forschung in den USA trotz sich stetig vergrößernder Fördertöpfe stagniert. Abstract:

The biomedical research enterprise in the US has become unsustainable and urgent action is needed to address a variety of problems, including a lack of innovation, an over-reliance on soft money for faculty salaries, the use of graduate students as a source of cheap labour, and a ‘holding tank’ full of talented postdocs with limited career opportunities.

Viele seiner Beobachtungen lassen sich auch auf hiesige Verhältnisse übertragen.

Technisches Update zu 027.7

Andreas Ledl weist in Inetbib auf Neuigkeiten zu „027.7 – Zeitschrift für Bibliothekskultur“ hin:

So verfügen jetzt alle Artikel über eine DOI-Nummer und erscheinen zusätzlich zum PDF auch in HTML und EPUB.

Der Titel ist ja Geschmackssache. Aber wenn mich nicht alles täuscht, ist 027.7 nun das erste deutschsprachige Open-Access-Journal aus der BID-Ecke mit Artikel-DOI und mehreren Ausgabeformaten! Glückwunsch!

Forrest Wright: "What do Librarians Need to Know About MOOCs?"

Erschienen in D-LIB. Abstract:

Over the past several months, the proliferation of MOOCs (Massive Open Online Courses) has been hailed as a potent defense against the rising cost and insular culture of attending a traditional college. The courses, which are generally taught by experts with affiliations to elite universities, are characterized by their unique pedagogy and unlimited enrollment. To date, no course has been accepted for transfer credit at a major on-campus institution; however some administrators and higher-education experts predict their gradual integration into university curriculum. This article examines the MOOC phenomenon, identifying aspects that academic librarians should consider in the coming years, including how these courses interact with scholarly resources and library services. Methods for integrating library services in these courses are evaluated, with recommendations for the best course of action.

Link: http://dx.doi.org/10.1045/march2013-wright

Board des Journal of Library Administration tritt zurück

Der ubiquitious librarian berichtet über die Hintergründe:

“Authors find the author agreement unclear and too restrictive and have repeatedly requested some form of Creative Commons license in its place.”

“After much discussion, the only alternative presented by Taylor & Francis tied a less restrictive license to a $2995 per article fee to be paid by the author. As you know, this is not a viable licensing option for authors from the LIS community who are generally not conducting research under large grants.”

IEEE-Thesaurus: "easily accessible"?

The IEEE Computer Society is the computing professional’s single, unmatched source for technology information, inspiration and collaboration. By making the most up-to-date and advanced information in the computing world easily accessible, we are the source that computing professionals trust to provide high quality, state-of-the-art information on an on-demand basis.

Diese Selbstbeschreibung findet sich auf computer.org. Dort ist die IEEE Computer Society zuhause. Auf eben dieser Seite suchte ich nach einem Informatik-Thesaurus. Ich wurde auch fündig. Aber der Weg zum Dokument war bemerkenswert.

Über die Suchfunktion gelangte ich zügig auf die Thesaurus-FAQ. Dort ist zu lesen:

 

Q: How does a TC [Anm.: technical committee) know IEEE vocabulary documents are sufficient for their field of interest?

A: Each TC can review the Thesaurus for any missing words in their field of interest. As the Thesaurus is a PDF document, you can directly search for terms. It is preferable to search for the term stem because “-ing,” “-ers,” and plural versions of terms might already exist or be found as non-preferred and link to preferred terms.

Klickt man auf den Link „PDF document“, wird aber kein PDF-Dokument geladen. Sondern ein RTF-Dokument. Was dort enthalten ist? Kein Thesaurus. Sondern:

Ruft man dann die Webseite auf, muss man tatsächlich nur noch seinen Namen und seine E-Mail-Adresse angeben (die Institutionszugehörigkeit ist optional), bevor man zum Download eines 520-Seiten-PDF-Dokuments geführt wird. PDF ist ja bekanntlich State-of-the-Art in Sachen Thesaurus-Präsentation. Nichts schlägt eine PDF-Datei, denn (siehe Zitat oben): you can directly search for terms!

Dieses PDF-Monster ist übrigens tatsächlich CC-lizenziert. BY-NC-ND natürlich, aber immerhin. Wer möchte, kann den Thesaurus irgendwo hochladen, solange kommerzielle Interessen außen vor bleiben. Im Dokument selbst wird die CC-Lizenz nicht weiter erwähnt. Dafür ist in der Fußzeile jeder Seite zu lesen:

Na, wenn’s denn for the benefit of humanity ist, kann man gegen solch ein Prozedere kaum etwas einwenden.

Wikidata wächst und gedeiht

Wikidata ist zur Zeit vermutlich das spannendste Wikimediaprojekt. Umso schöner, dass es offensichtlich nicht nur eine Kopfgeburt ist, sondern von den aktiven Nutzern sehr gut angenommen wird. Im Wikimediablog sind nun erste Zahlen zur Nutzung zu lesen:

Vor einem Monat wurden Aussagen in Wikidata verfügbar gemacht. Inzwischen sind zu mehr als 660.000 Objekten auch Aussagen hinzugefügt worden, was im Endergebnis mehr als 1,4 Millionen Aussagen bedeutet. Das Objekt mit den meisten Aussagen ist das Objekt “Vereinte Nationen (Q1065)“, welches alle Mitgliedsstaaten auflistet. Das Wachstum der Aussagenmenge ist großartig und übertrifft unsere Erwartungen.

Bisher haben wir mehr als 22 Millionen Links zu Wikipedia Artikeln. Es gibt etwas 24 bis 25 Millionen Wikipedia-Artikel, was also bedeutet, dass wir bereits mehr als 90% aller Links in Wikidata haben. Angenommen die Bots arbeiten weiterhin so effizient wie bisher, sollten alle Links in einem oder zwei Monaten übertragen sein. Danach ist es zu erwarten, dass das Wachstum in der Anzahl der Objekte erheblich zurückgeht.

Es sind aber auch schon über zwei Millionen manuelle Edits durchgeführt worden.

Wer sich unter Wikidata nichts vorstellen kann, sollte sich einfach ein paar Beispieldatensätze ansehen (zum Beispiel Ranganathan, Academic Library, Nordhorn oder Harry Potter and the Philosopher’s Stone) oder auch Lydia Pintschers Vortrag zu Wikidata ansehen.

Drei DFG-Projekte zur "Neuausrichtung überregionaler Informationsservices" bewilligt

Drei DFG-Projekte zur Ausschreibung „Neuausrichtung überregionaler Informationsservices“ (PDF) wurden bewilligt.

Im Themenfeld 1 „Bibliotheksdateninfrastruktur und Lokale Systeme“ überzeugte das Konzept „CIB“ des hessischen Bibliotheksinformationssystems (HEBIS), des Bibliotheksverbunds Bayern (BVB) und des Kooperativen Bibliotheksverbunds Berlin-Brandenburg, das die Entwicklung einer cloudbasierten Infrastruktur für Bibliotheksdaten mit der verstärkten Anpassung und Einbindung bestehender Strukturen in internationale Nachweissysteme vorsieht.

Im Themenfeld 3 „Electronic Resource Management“ befürwortete der Hauptausschuss die Konzeption zum Electronic Resource Management System „ERMS“ des Hochschulbibliothekszentrums des Landes NRW (hbz), der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, der Universitätsbibliothek Freiburg und der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV). Dieses Projekt ist auf die Entwicklung eines bundesweit einsetzbaren, mandantenfähigen Systems ausgerichtet, das das Management elektronischer Ressourcen auf allen Ebenen (lokal, regional, national) unterstützt und die Bibliotheken von den entsprechenden Verwaltungsaufgaben entlastet.

Von den im Themenfeld 4 „Forschungsnahe Informationsinfrastruktur“ vorgelegten Konzepten konnte das Projekt „RADAR“ den Hauptausschuss überzeugen, das den Aufbau eines bislang fehlenden Datenzentrums als Basisdienstleistung zur Publikation und Archivierung von Forschungsdaten anstrebt.

Mehr Infos gibt es in der Mitteilung der DGF.

[via @nesnu]

Frauen in Führungspositionen bei DBV-Mitgliedern

Frauen in Führungspositionen bei den DBV-Mitgliedern nach Sektionen. Vollansicht nach dem Klick:

Die Grafik ist „work in progress“. Die Basis der verwendeten Zahlen wurde mir freundlicherweise vom DBV nach sehr kurzer Antwortzeit (und mit der Genehmigung, sie als Open Data zu veröffentlichen!) überlassen. Die Daten sind bei Figshare zu finden:

Members of Deutscher Bibliotheksverband e. V. (dbv).
http://dx.doi.org/10.6084/m9.figshare.647329
Retrieved 19:35, Mar 17, 2013 (GMT)

Die dort zu findenden Daten habe ich für die Darstellung noch ein wenig angereichert und um ein paar Dutzend Angaben ergänzt. Sobald ich dazu komme, werde ich die vollständigeren Daten zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. An den Zahlenverhältnissen wird sich nach jetzigem Stand kaum etwas ändern.

Die schwarze Hilfslinie kennzeichnet den Gesamtanteil von Frauen im Bibliothekswesen nach „Berufe im Spiegel der Statistik“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Mittel von 2007 bis 2011 (74,48%). Auch da ist keine statistisch signifikante Änderung durch aktuellere Daten zu erwarten.

Sektion 3B, in denen der Frauenanteil in Führungspositionen höher ist als im gesamten Bibliothekswesen, beinhaltet 1113 Mitglieder in Öffentlichen Bibliothekssystemen und Bibliotheken für Versorgungsbereiche bis zu 50.000 Einwohner und Landkreise mit bibliothekarischen Einrichtungen. Am niedrigsten ist der Frauenanteil an den Spitzen von „Wissenschaftlichen Universalbibliotheken“ (Sektion 4) und Öffentlichen Bibliothekssystemen und Bibliotheken für Versorgungsbereiche von über 400.000 Einwohnern (Sektion 1).

In Danilo Vetters Film „Die geschätzte Kollegin vom festgezurrten Haupthaar : Geschlecht (k)eine Frage in Bibliotheken?“ wurde das Thema Frauen in Führungspositionen übrigens auch angesprochen, ebenso das Thema Reputation und (ungleiche) Bezahlung. Ein Beispiel: Frauen waren für die Führungsaufgaben ja angeblich überhaupt nicht geeignet (ca. 06:55).

FAZ attackiert Archivalia/freie Rede

Die FAZ mahnt Klaus Graf ab, weil er in einem Blog-Posting angeblich eine Lebenspartnerschaft zwischen Anette Schavan und einer FAZ-Journalistin behauptet hätte. In seinen eigenen Worten:

Da ich

http://archiv.twoday.net/stories/235550257/

die Formulierung „Schavan-Freundin Schmoll“ verwendet habe und einen Hyperlink auf http://causaschavan.wordpress.com gesetzt hätte, wo u.a. die Vorwürfe erhoben würden, Schmoll sei die Lebensgefährtin von Schavan, soll ich künftig bei einer Vertragsstrafe von 5001 EUR die Veröffentlichung unterlassen „dass Frau Dr. Heike Schmoll die Freundin und/oder die Lebenshefährtin von Frau Annette Schavan sei“.

Erbloggtes fasst das Geschehen in gut lesbarer Form zusammen, eine umfassende Sammlung weiterer Stimmen zum Vorfall hat Klaus Graf in Archivalia gesammelt.

Dass Blogpostings nun auch für Behauptungen abgemahnt werden sollen, die sie gar nicht aufgestellt haben, ist eine neue Eskalationsstufe. Wenn die FAZ damit durchkäme (und das ist weder zu hoffen noch zu erwarten), wäre jegliche Berichterstattung über jedes Menschen und ihre Beziehungen zueinander betreffende Thema unmöglich. Wie oft hat die FAZ von Freunden beliebiger Politiker geschrieben? Kohl und sein Freund Gorbatschow? Sehr geehrte Damen und Herren in der FAZ, nehmen Sie bitte Ihre Juristen an die Kette. Solche Abmahnungen können selbst Sie nicht wollen!

Neues deutschsprachiges OA-Journal: "027.7 – Zeitschrift für Bibliothekskultur"

Bernhard Herrlich, Andreas Ledl und David Tréfás haben sich entschieden, ein neues deutschsprachiges OA-Journal herauszugeben, dass eine Nische neben Libreas & Co füllen soll: 027.7 – Zeitschrift für Bibliothekskultur. Ein längeres Zitat aus dem Editorial zur Entstehungsgeschichte:

Wir, drei wissenschaftliche Bibliothekare der Universitätsbibliothek Basel, haben seit geraumer Zeit darüber gesprochen, dass dem Bibliothekswesen im deutschsprachigen Raum ein Open Access-Journal gut tun würde. Kurz nachdem wir uns entschlossen, ein solches zu gründen verkündete am 14. Juni 2012 die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) in einer Pressemitteilung, die Zeitschrift „Bibliotheksdienst“ werde ab 2013 beim Verlag De Gruyter erscheinen, woran sich eine Open Access-Debatte entzündete.

Noch am selben Tag forderte Eberhard R. Hilf, es brauche „mutige Bibliothekare“, die „eine entsprechende OA Zeitschrift aufmachen und dafür werben“ (Hilf 2012). Dass sich solch couragierte Kolleginnen und Kollegen fanden, davon kann man sich auf dem Etherpad und Wiki des Projekts „newLIS“ und auf Twitter (#newlis) eindrucksvoll überzeugen. Umso überraschender kam am 4. Februar dieses Jahres die soweit wir sehen unwidersprochene Mitteilung, das Vorhaben sei gescheitert. In Kommentaren wurden zwischenzeitlich auch schon Gründe für den missglückten Versuch herausgearbeitet, so dass man leider wohl tatsächlich von einem – wenn auch in der Diskussion fruchtbaren – Fehlschlag ausgehen muss (vgl. Kaden 2013). Trotz ständiger Bedenken wegen des zu erwartenden grossen Wurfs aus Deutschland (noch dazu unterstützt von der HTW Chur), der unsere Pläne auf sehr wackligen Beinen stehen liess und im Erfolgsfall zunichte gemacht hätte, haben wir es letztendlich trotzdem gewagt: Wir haben „027.7“, die „Zeitschrift für Bibliothekskultur“, aus der Taufe gehoben.

Dem ersten Aufbruch und der Andeutung der HTW Chur folgte leider tatsächlich nichts mehr, die #newLIS-Debatte zerfaserte. Das ist zwar schade, aber immerhin konnte dieses zumindest vorläufige Scheitern von den 027.7-Machern produktiv verarbeitet werden.

In der ersten Ausgabe des mit OJS produzierten Journals finden sich nun ein paar Artikel im Themenrahmen „Bibliothek 2.0 am Ende?! / Library 2.0 on the Ropes?!“. Die drei Herausgeber schreiben zur Konzeption:

1. 027.7 ist bewusst als herkömmliche Zeitschrift mit Themenheften konzipiert, die vorläufig ausschliesslich elektronisch erscheint.
2. 027.7 versucht, ein Open beziehungsweise Post Peer Review-Verfahren zu etablieren.
3. Gegenwärtig besteht 027.7 aus 3 Rubriken: Editorial, Artikel/Articles und Standortwechsel/Relocation. Letztere ist im wahrsten Sinne geografisch zu verstehen und
soll helfen, die im Hauptteil verhandelten Thesen aus dem deutschsprachigen bzw. europäischen Raum durch einen nicht eurozentristisch geprägten Blickwinkel zu ergänzen und gegebenenfalls neu einzuordnen.

Besonders der Blick über den Tellerrand, bzw. der Blick von außerhalb auf unseren Teller kann sehr reizvoll sein, wie ich auch im Nachhinein am Beispiel der infobibschen LibWorld-Reihe immer wieder feststellen muss. Weitere Details sind dem Editorial zu entnehmen. Dort steht abschließend:

Wir bitten um Verständnis, dass 027.7 möglicherweise noch nicht seine endgültige Form erreicht hat, sich weiterentwickeln und hoffentlich wachsen wird. Es ist ein kleiner Anfang – aber es ist ein Anfang.

Dafür muss man m.E. nicht um Verständnis bitten. Ein starre Publikation wäre ungleich langweiliger.