Angela Merkel zu Open Access

In einer Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Festakt zur 22. Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 23. November 2016 äußerte sich Angela Merkel am Rande zum freien Zugang zu Informationen:

Internet und Datenaustausch haben auch sämtliche Forschungsbereiche revolutioniert. Wissen lässt sich schnell und günstig in der Welt verbreiten. Informationen jeglicher Art stehen in Sekundenschnelle, teils auch in Echtzeit zur Verfügung. Rund um den Globus Kontakte zu knüpfen, zusammenzuarbeiten und Erkenntnisse zu teilen, ist heute viel einfacher als früher. So profitiert einer vom anderen. Dies hat Erkenntnisprozesse erheblich beschleunigt. Das ist auch der Grund dafür, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Open-Access-Strategie verfolgt. Sie dient dazu, nicht nur Wissenschaftlern, sondern jedem Interessierten den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen zu erleichtern. Ich weiß, dass es da Diskussionsbedarf gibt, aber wir sollten uns dem stellen. Die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung sollen, wie wir finden, auch der Öffentlichkeit zugutekommen.

[via @helmholtz_os]

Science Europe Position Statement on Research Information Systems

Science Europe hat am 10. November 2016 ein Position Statement on Research Information Systems (PDF) veröffentlicht, dass einige Anforderungen für Forschungssysteme zusammenfast. Die Kernprinzipien sind Flexibilität, Offenheit, FAIRness (angelehnt an die FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship) und “Dateneingabe-Sparsamkeit” (Eigenwortschöpfung angelehnt an Datensparsamkeit).

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Lizenz: CC BY 4.0

BASE: Weniger Quellen, höhere Volltextquote?

Klaus Graf kritisiert ein Interview von Richard Poynder mit Clifford Lynch  (PDF).

Poynder sagt, dass BASE keine Volltexte erfassen kann, wenn es keine Volltexte gibt. Nur ca. 60 % des Inhalts seien Volltexte. Poynder übersieht, dass BASE so gut wie keine Volltextsuche anbietet, das allermeiste sind OAI-PMH-Metadaten (auch von Volltexten). Dass BASE nicht nur Peer Review Beiträge bietet (Poynder denunziert die Suchmaschine, weil sie einen Blogpost von mir enthält) ist für mich absolut in Ordnung. Qualitäts-Fetischisten, die nur Peer Review Inhalte akzeptieren, können in der Geschichtswissenschaft schätzungsweise mehr als 99 % der Gesamtproduktion seit der Renaissance in die Tonne drücken. Retrodigitalisate und Dissertationen, die BASE erfreulicherweise nachweist, unterliegen/unterlagen keinem Peer Review.

Das soll eine Denunziation sein? Egal, kommen wir zum Inhaltlichen: Die Forderung nach Peer-Review-Kennzeichnung verkennt tatsächlich die Vielfalt der wissenschaftlichen Kulturen. Es ist gerade eine Stärke von BASE, auch Abschlussarbeiten etc. in großer Zahl nachzuweisen. Wo findet man sonst Bachelorarbeiten?

Poynders Kritik an der zu geringen Volltextquote in BASE teile ich allerdings, und das seit vielen Jahren. Etliche Quellen sollten einfach gestrichen werden. Was BASE vielleicht gut tun würde, ist ein radikaler Schnitt, wie ihn DOAJ gerade durchführt. Alle Quellen auf den Prüfstand. Alle anschreiben, ein Sigel ausschreiben. Kein kostenpflichtiges und sehr aufwändiges wie das DINI-Zertifikat. Eines, das deutlich weniger, aber sehr wichtige Kriterien abprüft. Als erstes: Gibt es ein OAI-Set, das nur OA-Volltexte enthält. Würde man diese dann zum “Kernbestand” des BASE-Index machen, hätte man tatsächlich eine OA-Suche, die zwar immer noch nur die Metadaten durchsucht und nicht die Volltexte, deren Treffer aber immerhin garantiert zum Volltext führen.

Es ist schon bezeichnend, dass die Facette “Open Access” nur noch 37 Mio Dokumente übrig lässt. Davon übrigens sehr viele aus Pubmed Central, DOAJ und CiteSeerX, Dubletten sind da wohl sehr wahrscheinlich. Beispielsuche in BASE nach The diploid genome sequence of an individual human: sieben Treffer für ein und denselben Artikel. Dubletten-Bereinigung ist nicht trivial, ist aber gerade bei Green OA ein sinnvolles Ziel. Das ist etwas, was Google Scholar deutlich besser macht. Dort gibt es nur einen Treffer – und 34 Orte, an denen man zum Text kommen soll.

BASE ist ein sehr gutes Werkzeug, das ich nahezu werktäglich einsetze. Aber es ist – und das ist keine Schande – tatsächlich noch Luft nach oben.

3sat-Beitrag zu Journal of Interrupted Studies und Science4Refugees

In einem guten – und dazu kurzen – 3sat-Beitrag wird das Journal of Interrupted Studies (JIS) und Science4Refugees vorgestellt. JIS ist ein schönes Projekt, kann aber m.E. den eigenen Anspruch, akademische Sichtbarkeit für geflohene WissenschaftlerInnen zu schaffen, nicht einlösen. Ein Open-Access-Journal würde sowohl die WissenschaftlerInnen stärker exponieren, aber auch der wissenschaftlichen Community ermöglichen, von den Publikationen zu profitieren. Bislang ist JIS in der ZDB nicht nachgewiesen. Per DOAJ wären die Artikel aber inzwischen sicherlich in zahlreichen Bibliothekskatalogen und Discoverysystemen gelandet.

Werden Open-Access-Publikationen in Patenten zitiert?

Werden Open-Access-Publikationen in Patenten zitiert? Ja. Aber ich würde gerne herausfinden, wie hoch der Open-Access-Anteil der in Patenten zitierten Literatur tatsächlich ist. Und ob und wie stark er steigt. Ich habe keine Veröffentlichungen gefunden, die sich dieser Thematik annehmen. Und auch keine geeigneten Daten oder Suchinstrumente. Eventuell könnte PatBase dafür in Frage kommen? Zumindest wird dies hier angedeutet.

Die OECD-Daten sind zu alt, das NBER Patent Citation Data File sowieso. Kann mir jemand weiterhelfen?

Corbyns Open Knowledge Library

We will create a free-to-use on-line hub of learning resources for the National Education Ser-
vice. The Open Knowledge Library will be the digital repository of lessons, lectures, curricula
and student work from Britain’s nurseries, schools, colleges and universities. We will require
the findings of all state-funded research to be made available without charge to the general
public through this learning portal. In collaboration with the teachers’ unions and the NUS,
the Open Knowledge Library will host virtual meeting places for educational professionals and
students to share experiences, disseminate ideas and form collaborations.

Der Canary verlinkt das Digital Manifesto von Jeremy Corbyn, aus dem diese Passage stammt. Es ist unter folgender URL zu finden:

https://d3n8a8pro7vhmx.cloudfront.net/corbynstays/pages/329/attachments/original/1472552058/Digital_Democracy.pdf?1472552058

Angedacht ist ein Repository für wissenschaftliche Publikationen und OER. Weitere Infos auch im Guardian.

Erträglicher Artikel zu Open Access in der FAZ

In der FAZ ist ein Artikel von Bettina Wolff über Open Access zu finden, der deutlich über dem Niveau der sonstigen dort erscheinenden Artikel zu diesem Thema liegt. Was zwar nicht viel bedeuten muss; doch immerhin werden hier verschiedene Facetten des Themas beleuchtet. Einen Absatz möchte ich aber herausgreifen.

In der Praxis gibt es auch Zweifel am Modell des freien Zugangs. „Über Datenbanken kommt man bei der Recherche manchmal auf Open-Access-Artikel, aber in der Regel ist man dann skeptisch“, sagt Marcus Maurer, Professor am Institut für Publizistik der Universität Mainz. Es gebe nämlich einen völlig unübersichtlichen grauen Markt für Open-Access-Journals. Maurer war selbst schon einmal Peer Reviewer für die Open-Access-Zeitschrift „Plos One“ der Public Library of Science. Die ist für ihn aber auch die einzige Open-Access-Zeitschrift, die die Qualitätsstandards erfülle.

Ich gehe davon aus, dass das ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen ist. Sollte dies wirklich genau in dieser Form gesagt worden sein, zeugt das nicht unbedingt von großer Kenntnis des Open-Access-Zeitschriftenmarkts. Im nächsten Absatz wird übrigens erklärt, dass OA-Artikel häufiger zitiert werden. Maurers Skepsis scheinen ziemlich viele WissenschaftlerInnen nicht zu teilen.

Eine Kollegin, die mich auf den Artikel aufmerksam gemacht hat, prophezeit übrigens, dass darauf mit hoher Wahrscheinlichkeit die üblichen Anti-OA-FAZiaden folgen werden. Ich würde nicht dagegen setzen.