Erträglicher Artikel zu Open Access in der FAZ

In der FAZ ist ein Artikel von Bettina Wolff über Open Access zu finden, der deutlich über dem Niveau der sonstigen dort erscheinenden Artikel zu diesem Thema liegt. Was zwar nicht viel bedeuten muss; doch immerhin werden hier verschiedene Facetten des Themas beleuchtet. Einen Absatz möchte ich aber herausgreifen.

In der Praxis gibt es auch Zweifel am Modell des freien Zugangs. „Über Datenbanken kommt man bei der Recherche manchmal auf Open-Access-Artikel, aber in der Regel ist man dann skeptisch“, sagt Marcus Maurer, Professor am Institut für Publizistik der Universität Mainz. Es gebe nämlich einen völlig unübersichtlichen grauen Markt für Open-Access-Journals. Maurer war selbst schon einmal Peer Reviewer für die Open-Access-Zeitschrift „Plos One“ der Public Library of Science. Die ist für ihn aber auch die einzige Open-Access-Zeitschrift, die die Qualitätsstandards erfülle.

Ich gehe davon aus, dass das ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen ist. Sollte dies wirklich genau in dieser Form gesagt worden sein, zeugt das nicht unbedingt von großer Kenntnis des Open-Access-Zeitschriftenmarkts. Im nächsten Absatz wird übrigens erklärt, dass OA-Artikel häufiger zitiert werden. Maurers Skepsis scheinen ziemlich viele WissenschaftlerInnen nicht zu teilen.

Eine Kollegin, die mich auf den Artikel aufmerksam gemacht hat, prophezeit übrigens, dass darauf mit hoher Wahrscheinlichkeit die üblichen Anti-OA-FAZiaden folgen werden. Ich würde nicht dagegen setzen.

2016 kein Repository-Ranking von @OARR_org

due to limited resources OARR is taking a break in 2016. Glad to see your interest, we will be back next year!

Dies twitterte @OARR_org gerade. Das Ranking als solches ist vielleicht nicht unverzichtbar. Ob man auf Platz 7 oder 27 liegt, ist höchstens für die Öffentlichkeitsarbeit interessant. Und dafür hatte ich auch – mit Blick auf die Open Access Week – nach einem Repository-Update gefragt.

Externe Evalutation ist jedoch auf jeden Fall sinnvoll. Als Repository-Manager kann ein fremdes Paar Augen entscheidende Hinweise auf Stärken und vor allem Schwächen einer Dienstleistung liefern. Und auf diesem Weg war das OARR schon hilfreich.

Natürlich gilt es, die fremden Maßstäbe im Einzelfall auf ihren Sinn zu prüfen. Ein Beispiel aus OARR.org: “Citation guidelineswerden eingefordert, aber aus Gesprächen mit vielen Nutzern – sowohl LeserInnen als auch AutorInnen – des von mir betreuten OA-Servers (SerWisS, der Server für Wissenschaftliche Schriften der Hochschule Hannover) scheint mir hier kein Handlungsbedarf zu sein. Wichtiger ist die Möglichkeit, die bibliographischen Angaben zur Publikation komfortabel in ein Literaturverwaltungsprogramm übernehmen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, direkt den gewünschten Zitierstil in genau dem in diesem Moment von dieser Person gewünschten Zitierstildialekt zu liefern, ist doch recht gering. Man könnte zwar Export mit allen CSL-Stilen  integrieren, aber die Usability lässt in den Webseiten, in denen ich das bisher sah, auch ein bißchen zu wünschen übrig.

Eine Evaluation nach zu einem sehr großen Teil sinnvollen Kriterien liefert übrigens auch das DINI-Zertifikat, dass SerWisS, der Server für Wissenschaftliche Schriften der Hochschule Hannover, gerade erhalten hat. Vielen Dank an dieser Stelle an die Gutachterinnen und das wirklich tolle Repositorien-Team des BSZ!

Ach ja: Ohne ein 2016er-Ranking wird es leider in Zukunft auch nicht möglich sein, kontinuierliche Entwicklungen in der Repository-Landschaft anhand von OARR_org nachzuverfolgen.

OJS 3.0 erscheint am 31. August 2016

Das nach eigenen Angaben bedeutendste Update des Open Journal Systems (OJS) seit 2005 wird am 31. August veröffentlicht: OJS 3.0.

It incorporates a decade of feedback from our users on the community forum, through usability testing, and through thousands of conversations, feature requests, and helpful critiques. With OJS 3, you will find many new features and ways of organizing your workflow.

Aus dem OJS-Blog. Einige größere Änderungen sind hier zusammengefasst.

PLoS-Artikel endlich(!) in DOAJ

Aus dem DOAJ-Blog:

Finally, after saying: “It’s coming” for almost a year, DOAJ has added the entire PLoS catalogue to DOAJ. A total of 182,500 articles were added and the harvester is set to go out and collect new articles at 5.30am every morning. The harvester collects the metadata from Europe PMC.

Hier geht’s zum erwähnten PLoS-Katalog im DOAJ. Und von da aus dann in den Findex (via GBV-DOAJ?) und von dort bald in unseren VuFind-Katalog.

Sabine Stummeyer: Open Educational Resources (OER). Aktuelle Entwicklungen und neue Herausforderungen für Bibliotheken im Zusammenhang mit dem Zugang von Flüchtlingen an deutsche Hochschulen

“Open Educational Resources (OER). Aktuelle Entwicklungen und neue Herausforderungen für Bibliotheken im Zusammenhang mit dem Zugang von Flüchtlingen an deutsche Hochschulen.” von Sabine Stummeyer.

Open Educational Resources (OER) sind offen lizensierte und frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien, deren Inhalte übernommen, angepasst und unter der gleichen Lizenz weiter verbreitet werden dürfen. Sie stellen einen wichtigen Beitrag zum lebenslangen Lernen dar. In Zusammenhang mit dem wechselnden Rollenverständnis von Wissenschaftlichen Bibliotheken hin zu einem Lernort, gewinnen OER zunehmend an Bedeutung. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Nutzung und dem Umgang von OER in Wissenschaftlichen Bibliotheken. Dargestellt an ausgewählten Beispielen im Zusammenhang mit dem Studium von Flüchtlingen an der KIRON- Universität und deren Zugang zu deutschen Hochschulen. Abschließend gibt diese Arbeit einen Ausblick auf Bereiche, aus denen Bibliotheken zukünftige Dienstleistungen für Ihre Trägereinrichtungen im Bereich der OER entwickeln können. Die Arbeit basiert auf einer Prüfungsleistung vom 14.02.2016 in der Lehrveranstaltung „Aktuelle Entwicklungen im Informationsmanagement“ unter Frau Dr. Ina Blümel.

Hier geht’s zum Volltext, auch via URN, die zur Veröffentlichung des Postings eigentlich schon freigeschaltet sein sollte. Die Publikation ist Band 3 der Schriftenreihe Digitale Bibliothek – Offene Wissenschaft von Ina Blümel und Christian Wartena.

Über die Kiron-Universität gab es übrigens im Herbst einen ganz netten Artikel auf Zeit Online.

EU-Kommission will 100% Open-Access bis 2020

Große Neuigkeiten auf europäischer Ebene! Um das nicht alles noch einmal in anderen Worten umschreiben zu müssen, verweise ich einfach mal auf unser Bibliotheksblog: Europäische Kommission: 100 % Open Access bis 2020. Der Text ist übrigens unter CC BY 4.0 nachnutzbar, über einen Link auf unser Blog als Quelle freuen wir uns natürlich.

Weitere Infos und Meinungen zum Thema:

Geographische Funktionen im Wikidata Query Service

Der Wikidata Query Service wird langsam aber sicher zu einem wirklich nützlichen Werkzeug. Neu hinzugekommen sind geographische Funktionen. Technische Details finden sich im entsprechenden Ticket und in dieser Mail.

Ein Anwendungsbeispiel könnte die Fragestellung sein, welche Bibliotheken es im Umkreis von 100 km rund um Hannover gibt – die auch in Wikidata inklusive Koordinaten erfasst sind.

Elsevier kauft Social Science Research Network (SSRN)

Elsevier baut weiter an einer Wissenschaftslandschaft komplett aus einer Hand. Nun geht man in den Bereich Pre-Print und kauft das Social Science Research Network (SSRN). Dazu in den Nature-News:

After trying without success more than a decade ago to set up preprint servers — where academics share their papers before peer review — science-publishing giant Elsevier is now buying one. It is paying an undisclosed sum for the Social Science Research Network (SSRN), one of the world’s most popular repositories of research in economics, law and the social sciences.

 

Abstimmung: Checkliste für mehr Offenheit in/für Bibliotheken

Felix Lohmeier schreibt:

Bibliotheken stehen traditionell für den freien Zugang zum Wissen. Dieses Prinzip erlebt in der digitalen Welt mit Open Access, Open Source und Open Data seit Jahren eine Renaissance. Kaum eine Bibliothek, die sich nicht öffentlich dafür einsetzt. Und dennoch mangelt es oft an der nötigen Konsequenz, denn BibliothekarInnen werben beispielsweise am Campus für Open Access, publizieren aber selbst oft genug noch in Zeitschriften, die nicht unter einer freien Lizenz stehen.

Auf der Inetbib-Tagung in Stuttgart am 10.2.2016 wurden im Rahmen eines Vortrags (HTML-Version | Print-Version auf Dokumentenserver) 10 Vorschläge präsentiert und zur Beteiligung aufgerufen. Daraufhin sind insgesamt 22 Vorschläge zusammengekommen aus denen nun die besten 10 für die Checkliste ausgewählt werden sollen.

Nun soll über die Vorschläge für eine Checkliste Openness abgestimmt werden. Hier geht es zur Abstimmung. Im oben verlinkten Beitrag gibt es noch weitere Informationen.

Nicht alle Vorschläge sind für alle Einrichtungen umsetzbar. Wer den eigenen Bibliothekskatalog technisch nicht in der Hand hat, kann kein Schema.org einführen. Projektanträge stellt auch nicht jede Bibliothek. Aber um Vollständigkeit sollte es auch nicht gehen. Die Anregungen sind überwiegend gut, und ich bin auf das Ergebnis gespannt.