Google digitalisiert Stadtbibliothek von Lyon

Lyon hat Google für die Digitalisierung ihrer Gemeindebibliothek ausgewählt. Es ist die erste französische Stadt, die sich einer Privatfirma anvertraut, anstatt die Verwirklichung der digitalen europäischen Bibliothek abzuwarten. „Die europäischen Fonds sind selten. Wenn wir eine öffentliche Initiative abgewartet hätten, würden wir in 20 Jahren immer noch warten“, erklärte Bürgermeister Gerard Collomb (PS) seine Initiative.

[via derstandard.at]

Google und das Bibliothekswesen

Zur Zeit tobt eine heftige Debatte durch die US-amerikanische Biblioblogosphäre, ausgelöst von einem Posting von Steven M. Cohen. Kurzfassung: Google warb jahrelang um die Gunst der BibliothekarInnen und zieht sich jetzt einseitig aus dieser einst innigen Beziehung zurück. Als Beispiel wird die Googles Librarian Central genannt, das für mehr als ein Jahr pausierte und wohl nur aufgrund der aktuellen Debatte wiederbelebt wurde.

Die Problematik war auch schon während der Inetbib-Tagung Flurgespräch. Zwar zeigte Stefan Keuchel dort Präsenz, und er forderte auch alle Bibliothekare auf, mit Google zusammen zu arbeiten. Dass dies praktisch fast unmöglich ist, müsste jedem klar sein, der es einmal versucht hat. Auf Mails wird nicht reagiert, und dass die Librarian Central komatös vor sich hin dämmerte, ist ein mehr als deutliches Zeichen.

Aber ernsthaft: Hat jemand etwas anderes erwartet? Google ist kein Wohltätigkeitsverein, und wenn kein handfestes finanzielles oder strategisches Interesse mehr an einem Partner besteht, lohnt sich auch Engagement nicht mehr. Googles Mission, das Wissen der Welt verfügbar zu machen ist in diesem Sinne so zu verstehen, dass Google Bibliotheken dort anpartnert, wo sie deren Rolle (noch) nicht übernehmen können. Cohen:

But even more, I’m disappointed in librarians who actually fell for this blatant marketing scheme. Did they really think that this relationship would continue? Did they grasp the importance of what Google was/is doing? Will they fight back? Or will they fit the stereotype that librarians are passive and let yet another company walk all over them? I hope they won’t, but then again, I won’t be surprised if they do.

Google Lively

Bei Googles kann man es offenbar nicht ertragen, irgendetwas nicht selbst anzubieten. Nun also pseudobrowserbasiertes Second Life unter dem Namen „Lively“.

Wirklich browserbasiert ist die Anwendung nicht. Erforderlich ist die Installation eines Clients, der ausschließlich unter Windows funktioniert. Hat man dies hinter sich gebracht, kann man verschiedene „Räume“ betreten. Es gibt auch schon ein paar „Libraries“. In diesem Raum kann man dann darauf hoffen, dass sich dort interessante Gesprächspartner aufhalten.

Man kann diese Räume auch per iframe in andere Webseiten einbinden. Beispiel:

Lively ist ein 3D-Chatroom mit umständlicher Bedienung und häßlichen Avataren, spaßfrei und ohne erkennbaren Nutzen: überflüssig. Ich bin gespannt, wann sich dennoch die ersten Bibliothekare an die Arbeit machen, Bibliotheksdienste in diesem Umfeld nachbilden zu wollen. Kann ja nicht lange dauern. Die gaming librarians stehen bestimmt schon in den KellerStartlöchern.

[via Heise]

Google: Suche in der Suche

Via Science Library Pad bin gerade auf eine interessantes neues Google-Feature gestoßen. Wenn man nach bestimmten Begriffen sucht, bekommt man gleich in den Suchergebnissen die Option, innerhalb der gefundenen Seite zu suchen. Das klingt verwirrender als es ist. Am Besten selbst gucken. Es scheint nur in der englischen Google-Version zu funktionieren, und auch da habe ich nicht viele Beispiele ausmachen können.

Hier ist also das vom Science Library Pad gepostete Beispiel „ala“.

Google & Bibliotheken spielen keine Hauptrolle für Elementarteilchenphysikern

SuMa-Blogger Mario Behling berichtet über eine Umfrage zu Rechercheinstrumenten von Elementarteilchenphysikern.

Auf die Frage, welches Informationssystem für High Energy Physics sie denn am häufigsten benutzen würden, antworteten die Wissenschaftler (Auszug):

ARXIV: 49,7%
BIBLIOTHEKEN: 0,2%
GOOGLE: 7,8%
SPIRES: 38,2%

Vollständige Ergebnisse im Artikel „Information Resources in High-Energy Physics – Surveying the Present Landscape and Charting the Future Course“ (PDF). Eine ähnliche Studie hatten wir hier ja gerade erst.

Microsoft stoppt Büchersuche und Digitalisierungsprojekt

Microsoft stoppt Büchersuche und Digitalisierungsprojekt:

Microsoft will nächste Woche sein Projekt zur Digitalisierung von Büchern einstellen. Damit hat auch für Live Search Wissenschaftlich und für Microsofts Buchsuche Live Search Books das letzte Stündchen geschlagen.

Wie im Live-Search-Blog zu lesen ist, werden bisher digitalisierte Bücher über die herkömmliche MSN-Suchmaschine weiterhin zugänglich sein.

This also means that we are winding down our digitization initiatives, including our library scanning and our in-copyright book programs. We recognize that this decision comes as disappointing news to our partners, the publishing and academic communities, and Live Search users.

Sagte Wilhelm Hilpert von der BSB auf der Inetbib-Tagung nicht, es sei so gut wie ausgeschlossen, dass eine Firma wie Google von einem Tag auf den anderen ein solches Digitalisierungsprojekt abbricht? In diesem Fall ist es nicht Google, aber das prinzipielle Ungleichgewicht der Kräfte bei Public-Private-Partnerships mit Firmen dieser Größe ist auf jeden Fall bedenklich.

Ecocho – klickend Bäume pflanzen

Ein etwas eigenwillige Vorstellung vom Kampf gegen den Klimawandel hat das Suchinterface Ecocho:

Ecocho ist eine neue Suchmaschine, die versucht, dem Klimawandel entgegenzuwirken.
Für jeweils 1.000 Suchanfragen über Ecocho setzen wir ein Gegengewicht zum Ausgleich für bis zu einer Tonne Treibhausgase. Wir tun dies, indem wir 2 Bäume durch Werbung auf der Webseite sponsern.

Sozusagen das Krombacher-Konzept. Hier gibt’s ein bißchen mehr dazu zu lesen. Gesucht werden kann in den Ergebnissen von Yahoo und Google.

Update: Google ist ausgestiegen, wegen angeblichen Verstoßes gegen die Adsenserichtlinien.

Neuer Google-Bot auch für Kataloge?

Die neue Version des Google-Bots nutzt nun auch HTML-Forms, um auf bislang verborgene Inhalte zuzugreifen. Im Google-Webmaster-Blog wird das so beschrieben:

In the past few months we have been exploring some HTML forms to try to discover new web pages and URLs that we otherwise couldn’t find and index for users who search on Google. Specifically, when we encounter a

element on a high-quality site, we might choose to do a small number of queries using the form. For text boxes, our computers automatically choose words from the site that has the form; for select menus, check boxes, and radio buttons on the form, we choose from among the values of the HTML. Having chosen the values for each input, we generate and then try to crawl URLs that correspond to a possible query a user may have made. If we ascertain that the web page resulting from our query is valid, interesting, and includes content not in our index, we may include it in our index much as we would include any other web page.

Ein kleiner Blick: Die PICA-Kataloge nutzen das Form-Element, Aleph ebenso. Andere Systeme habe ich jetzt nicht geprüft, aber für die Mehrheit ist anzunehmen: Die Google-Bots werden in Kürze für eine drastische Erhöhung des Traffics sorgen. Zumal andere Suchmaschinen sicherlich nachziehen werden. Allerdings:

Only a small number of particularly useful sites receive this treatment, and our crawl agent, the ever-friendly Googlebot, always adheres to robots.txt, nofollow, and noindex directives.

Die Bibliotheken sollten also endlich für permanente URLs in ihren Katalogen sorgen. Damit wird der Kataloginhalt wirklich nutzbar und auch durch Suchmaschinen zugänglich gemacht.

Inetbib 2008: Themenblock Suchmaschinen (Google)

Stefan Keuchel (Google Deutschland): „Google – mehr als nur Websuche“

  • Googlemission: die weltweiten Informationen zugänglich und nutzbar zu machen.
  • Nutzerbedürfnisse: Entertainment, Erforschen, Suchen, Zusammenarbeiten
  • Werbeveranstaltung. Google News; Maps, Earth, Docs etc.

Hendrik Speck: „Entwicklung des Suchmaschinenmarkts“
Google dominiert. Werbemodell. Preise, teuerste Suchbegriffe („school consolidation loans“). Bis jetzt könnte der Vortrag auch „Entwicklung von Googles Geschäftsmodell“ heißen.

Schönes Zitat: Google ist die digitale Litfaßsäule.

Größtes Social Network überhaupt ist Amazon mit Dutzenden von Social-Networking-Funktionen.

„Panoramio“?

Auf Nachfrage kam noch ein bißchen was zu Yacy und Wikia. Es sollte auf jeden Fall Freiwilligkeit bei der Suchmaschinenwahl herrschen. Der Vortrag hätte interessanter sein können, wenn es nicht nur um Google gegangen wäre und der Referent etwas langsamer und deutlicher gesprochen hätte.

Mario Fischer: „Websites Suchmaschinen-Optimierung SEO“
Search Engine Spider Simulator: http://searchengineworld.com/cgi-bin/sim_spider.cgi

36% aller Nutzer glauben, hoch gerankte Unternehmen seien Marktführer. Putzig.

Fazit: SEO lohnt sich. Überraschung.

Der „Themenblock Suchmaschinen“ hätte besser „Themenblock Google“ geheißen.

Inetbib 2008: eUniversity & Archivierung

Friedrich Hesse von der Universität Tübingen über „Dynamik bildungsrelevanter Informationsumwelten“
Paradigmen der Lernforschung: Auswendiglernen, Operantes Konditionieren (Verhaltensselektion), Beobachtungslernen, Modelllernen, Kognitive Wende. Ulrik Neisser führt von der Lern- zur Wissenspsychologie.

Wissensressourcen: Wissen ist nicht nur im Kopf vorhanden, sondern auch extern. Ist das dann Wissen oder Information?

Eric Hilgendorf: Anforderungen virtueller Studiengänge an Bibliotheken- am Beispiel der Jurisprudenz.
Hinter dem Wortschwall von Politik und Presse zum E-Learning verbergen sich ernstzunehmende Enwicklungen, die jedoch nicht mit ökonomischen Erwägungen verquickt werden sollten. Stichwort: Personaleinsparung durch computergestützte Lehre.

-> uniwikität – Kooperation mit Aserbaidschan

Reinhard Altenhöner: „Zwischen Vision und Alltag“ Über den neuen Sammelauftrag.

Ständiger Wandel der Formate, Migration und Emulation
Aufbau einer Harvesting-Infrastruktur, um sowohl Push- als auch Pullszenarien anbieten zu können.
Aufbau eines generischen Import-Verfahrens für Objekte und Metadaten.

Spannend: Die DNB möchte sich in Zukunft an der Entwicklung von Webstandards beteiligen. Eine Ankündigung, die Erwartungen weckt.

BSB & Google:
Ziel: Ca. 1000 Exemplare pro Tag. Workflowdatenbank. Bemerkungen, warum nicht gescannt werden konnte. GoogleZEND (ZEND)

Alles in Worldcat!

Vorsichtige Schätzung: Erste Ergebnisse ca. Ende Juli/Anfang August im Netz, Zuerst muss der Workflow wirklich perfekt funktionieren.

Die BSB möchet ausdrückllich verhindern, dass urheberechtsfreies Material frei verfügbar wird. Die BSB möchte offensichtlich ihre „Marktführerschaft“ im Altbestand durch künstliche Verknappung gemeinfreier Inhalte behalten.