Muziekbibliotheek des MCO Hilversum droht Schließung

Seit 85 Jahren sammelt die Muziekbibliotheek des MCO Hilversum Aufführungsmaterialien des niederländischen öffentlichen Rundfunks. Vielleicht nicht mehr lange. Jutta Lambrecht informiert über den Fall in ihrem Blog info-netz-musik:

“Sollten im nächsten Jahr tatsächlich keine Gelder mehr zur Verfügung stehen, landet im schlimmsten Fall alles beim Altpapier” befürchtet Martie Severt, der Manager der Musikbibliothek. Das Notenarchiv des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besitzt Regalkilometer voll von Unikaten, die in den letzten 85 Jahren speziell für das Radio oder Fernsehen produziert wurden.

Die KollegInnen dort freuen sich sicherlich über Unterstützung auf der MCO-Webseite.

Natürlich bleiben Guttenberg & Co im Regal

Im Tagesspiegel schreibt Amory Burchard über den Umgang von Bibliotheken mit plagiierten Dissertationen. Im Artikel „Guttenberg & Co. bleiben im Regal“ beschreibt sie die großen Mühen der Universitäten, die betrügerischen Promotionen aufzuspüren. Dann:

Doch bis in die Bibliotheken reicht die Selbstreinigung der Wissenschaft nicht. Während die betroffenen Wissenschaftsverlage beanstandete Titel umgehend aus dem Programm nehmen, bleiben die plagiierten Werke in den Regalen. Sie werden nicht einmal durchgehend und transparent als Plagiate gekennzeichnet, wie Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der HU, auf Anfrage eingesteht. Im Fall Guttenberg wird nur gewarnt, wer die Dissertation über den Online-Katalog sucht. Als Anmerkung steht dort in zwei klein gedruckten Zeilen: „Entzug des Doktorgrades am 23. Februar 2011 durch die Promotionskommission der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth.“

Beschrieben wird weiterhin, dass es DBV-Position sei, beanstandete Bücher nicht aus dem Verkehr zu ziehen, […] auch […] wenn Autoren dies selber wünschen.

Natürlich! Burchard suggeriert, ein Bibliothekswesen sei wünschenswert, das erhebliche Eingriffe in die Schreibung der Wissenschaftsgeschichte vornimmt. Wenn die Dissertation Guttenbergs wissenschaftlich nicht mehr wahrgenommen wird, ist es jedoch selbstverständlich nicht Aufgabe der Bibliotheken, dies zu gewährleisten. Die Zeiten, in denen BibliothekarInnen bestimmen, was ihren Nutzern zuträglich ist, sind hoffentlich weitgehend vorbei.

Würden wir Bibliothekswesen versuchen, Werke, die nicht nach wissenschaftlichen Standards entstanden sind, aus dem Bestand zu entfernen, hätte dies mindestens zwei fatale Konsequenzen.

Zuerst würden wir, wie oben beschrieben, die Wissenschaftsgeschichte (und in vielen aktuellen Fällen auch die Erforschung der politischen Geschichte) erschweren oder sogar unmöglich machen. Darüber hinaus würden wir suggerieren, dass alle in Bibliotheken verfügbar gemachten Werke nach allen Regeln der Wissenschaft korrekt sind. Können wir das gewährleisten? Ein lachhafter Gedanke.

Identische Journaltitel im DOAJ

Im DOAJ sind zur Zeit 8356 Titel verzeichnet. Davon haben einige Journals identische Titel:

  • Journal of Agricultural Sciences: 3
  • Advances in Geosciences: 2
  • Asian Journal of Medical Sciences: 2
  • Chinese Medicine: 2
  • Cuadernos de Economía: 2
  • Investigaciones Geográficas: 2
  • Iranian Journal of Pediatrics: 2
  • Journal of Medical Sciences: 2
  • Journal of Social Sciences: 2
  • Natural Resources: 2
  • Pesquisa Agropecuária Tropical: 2
  • Psicológica: 2
  • Revista de Derecho: 2
  • Revista de Salud Pública: 2

Betroffen sind also 0,32 % der im DOAJ verzeichneten Journals.

Sciencestarter: Crowdfunding für die Wissenschaft

Uli Herb macht in seinem Blog auf Sciencestarter aufmerksam [1] Und er verlinkt auf eine Meldung bei Heise.de, die ebenfalls von ihm ist und diverse Crowdfunding-Projekte erwähnt. . Dabei handelt es sich um eine Crowdfundingplattform, die sich nicht nur im Namen sehr an Kickstarter anlehnt. Auch hier gibt es verschiedene „Finanzierungs-Stufen“, deren Ausgestaltung den Finanzierern als Anreiz dienen sollen.

Wie das aussieht, kann man sich ganz gut ansehen bei diesem Projekt zur Finanzierung einer Forschungsreise nach Westafrika oder diesem Projekt zur Entwicklung eines drahtlosen medizinischen Open-Source-Sensorknotens.

References

References
↑1 Und er verlinkt auf eine Meldung bei Heise.de, die ebenfalls von ihm ist und diverse Crowdfunding-Projekte erwähnt.

Causa Stralsund: Suspendierung und Rückabwicklung

Klaus Graf macht in Archivalia auf einen Meilenstein in der Causa Stralsund aufmerksam. Der Stralsunder OB Alexander Badrow (CDU) gab bekannt, dass ein von Nigel Palmer und Jürgen Wolf erstelltes Gutachten zur Rückabwicklung des Kaufes und zur Suspendierung der Archivleiterin führen soll.

Infobib wird laut Graf übrigens im online m.W. nicht verfügbaren Gutachten erwähnt:

Zu den Quellen des Gutachtens heißt es: „Unsere Stellungsnahme beruht auf der Durchsicht der in Stralsund vorhandenen handschriftlichen Bestandsverzeichnisse der Gymnasialbibliothek, der Recherche in Antiquariatskatalogen mit aktuellen Angeboten aus dem Stralsunder Konvolut, den einschlägigen gedruckten Publikationen (Zober 1860, Ewe 1994, Fabian-Handbuch) und der Kenntnisnahme der Blogs der letzten Wochen im Internet: u. a. Archivalia, Schmalenstroer.net und Infobib.de.“

Dazu sei noch einmal ausdrücklich darauf verwiesen, dass es Falk Eisermann war, der die ganze Angelegenheit – also im Wesentlichen Klaus Graf – mit einem Kommentar ins Rollen brachte.

Auch wenn Badrow nun zurückrudert und die Angelegenheit tatsächlich wieder in Ordnung bringen sollte, bleibt noch zu klären, wie es zum Verkauf kommen konnte. Als Stralsunder würde ich die Politik da nicht so schnell aus der Verantwortung lassen. Immerhin wurde der Verkauf in geheimer Sitzung von der Stralsunder Bürgerschaft genehmigt.

Der $1500-DIY-Buchscanner

Buchscanner mit Umblätterfunktion sind recht teuer. 50.000 Euro, 100.000 Euro und mehr. Dany Qumsiyeh stellt in diesem Video seinen Linear Book Scanner vor, den er mit Materialien für $ 1500 (unter anderem ein Staubsauger) gebaut hat:

Die Baupläne des Linear Book Scanner sind unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht! Mehr Infos dort oder bei The Verge.

[via Netbib]

Koha-Installationsparty / OBMS

Ob das Bibliothekssystem Koha „eine denkbare Alternative“ ist, will die Bibliothek der TH Wildau herausfinden. Und lädt zu einer „Installationsparty“ ein:

Im Rahmen einer Installationsparty wollen wir das freie Bibliothekssystem Koha gemeinsam installieren und einen ersten Blick in das System werfen. In gemeinsamer Diskussion soll erörtert werden, welche Probleme ein eigener Betrieb des Systems als Alternative zu einem bezahlten Hosting aufwirft und welche Art von Unterstützung notwendig wäre, um als Bibliothek diesen Schritt zu gehen.

Ziel des Abends soll sein, dass alle Teilnehmenden mit einer laufenden Koha-Installation und neuen Ideen nach Hause gehen.

Terminlich ist nur genannt, dass die Veranstaltung um 17 Uhr beginnt, das Ende offen ist und die Bibliothek am 2. Dezember um 11 Uhr schließt. Vermutlich findet die Installationsparty also am 1. Dezember statt. Die TH-Bibliothek nimmt Anmeldungen per Mail entgegen.

Auf der GBV-Verbundkonferenz hatte Inken Feldsien-Sudhaus (Leiterin der TUB Hamburg-Harburg) schon angekündigt, dass Koha auch in ihrer Bibliothek getestet werden wird. Sie ist auch Mitglied der AG OBMS, die sich der „Evaluation von Open Source Bibliotheksmanagement-Systemen für Wissenschaftliche Bibliotheken“ widmet. Die Arbeit der AG ist ist in einem Wiki dokumentiert. Behandelt wurden (u.a.?) Evergreen, Koha und Kuali OLE.

PS: Das BSZ bietet übrigens KOHA-Hosting an.

Petition zur Rettung der Stralsunder Archivbibliothek

In der Frankfurter Rundschau und beim NDR wird inzwischen über die Stralsunder Missachtung von Kulturgut berichtet. Einen Überblick über die Vorgänge hatte ich hier schon einmal gegeben, aktuelle Informationen gibt es in Archivalia.

Eine der wesentlichen Neuerungen des Falls ist wohl die Petition „Rettet die Stralsunder Archivbibliothek“, die von Philipp Maass am 7. November ins Leben gerufen wurde. Da ich bislang keine Äußerungen des verantwortlichen Oberbürgermeisters Alexander Badrow (CDU) finden konnte, möchte ich mitlesende StralsunderInnen auffordern, sich zusätzlich zur Petitionsmitzeichnung doch direkt an ihn um Auskunft zu wenden.

Auf der „Aktuelles“-Seite des Stadtarchivs ist übrigens seit 15. Dezember 2011 nichts Neues zu verzeichnen. Abgesehen von einem Schimmelbefall und einem veritablen Skandal ist ja auch seither kaum etwas Ungewöhnliches passiert.

PS: Daß Stralsunder Kulturgut zerfällt, ist auch nichts Neues. Erinnert sei an die Einbäume von Stralsund. Vermutlich darf die MV-CDU demnächst wieder eine Pressemitteilung wie vor drei Jahren herausgeben, in der von einer „unglückliche[n] Verkettung von Fehlentscheidungen in der Vergangenheit“ gefaselt wird. Weiter: „Eine Vorverurteilung Einzelner oder von Landesbehörden ist der nun unbedingt notwendigen Untersuchung nicht sachdienlich.“ Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, wird dort offenbar auch als eher hinderlich empfunden.