Urheberrechtliche Bedenken bei der Pflichtabgabe?

Benedikt Köhler sorgt sich um die Beachtung des Urheberrechts bei der Ablieferung von Blogpostings als Pflichtexemplar an die DNB. Zu Recht macht er darauf aufmerksam, dass Blogs häufig Widgets oder ähnliches enthalten, für die man als Bloginhaber unmöglich inhaltlich oder rechtlich gerade stehen kann. Er fragte die DNB unter anderem, wie mit Veröffentlichungen zu verfahren sei, die Bestandteile enthalten, die nur für den Zweck der Veröffentlichung in meiner Netzpublikation freigegeben sind und keine Weitergabe an Dritte erlauben?. Antwort:

Für diese Frage muss ich Rücksprache mit dem Justitiariat halten. Die Antwort wird Ihnen nachgereicht.

Ich habe die Verordnung daraufhin noch einmal durchgesehen. Dort ist ausschließlich die Rede von der Ablieferung. Was danach mit den Archivexemplaren passiert, ist nirgendwo geregelt. Das heißt, die Netzpublikationen könnten theoretisch mikroverfilmt im Barbarastollen landen und im Jahre 235 nach Mad Max wieder hervorgekramt werden. Vielerorts wird automatisch davon ausgegangen, dass die DNB eine Art nationale Wayback Machine einrichtet. Dies ergibt sich aus der Verordnung aber meines Erachtens nicht.

Oder habe ich irgendwo eine maßgebliche Formulierung übersehen?

An dieser Stelle möchte ich übrigens mein tiefempfundenes Mitleid an die Kollegen in der DNB aussprechen, die sich mit der Verordnung und ihren Folgen herumplagen müssen.

Keine Panik: Pflichtabgabe von Netzpublikationen eilt nicht

In den Kommentaren zur Meldung über die Verordnung zur Pflichtabgabe von Netzpublikationen sind zum Teil gruselige Visionen beschworen worden. Der Telagonsichelputzer hat bei der DNB nachgefragt und früher als ich eine Antwort erhalten. Alle Angaben ohne Gewähr, wie man in seinem Blog nachlesen kann:

* Publikationen wie Weblogs sind momentan für die Erfassung nicht relevant.
* Private Inhalte auch außerhalb Weblogs, die mit Werbeanzeigen einen gewerblichen Charakter haben, sind für die Archivierung derzeit nicht relevant.
* Technisch gesehen ist die Archivierung von sehr vielen Datenmengen, insbesondere individuelle Publikationen wie Weblogs, noch nicht ausgereift.
* XML und RSS seien andenkbare Lösungen zur Aggregation der Inhalte, die jedoch noch in Planung sind.
* Die Pflege der Daten bei Aktualisierungen der publizierten Texte ist derzeit noch nicht gelöst.
* Digitale Bilder und Videos diverser Social Media Networks stellen die Nationalbibliothek vor eine Herausforderung, insbesondere die zu bereitstellende Speicherkapazität seitens der Nationalbibliothek für einen digitalen Film sind derzeit nicht abgedeckt.

Für Nichtblogger und Firmen: Kann man nicht einfach per wget oder einem ähnlichen Tool die Seiten runterschaufeln, das dann durch sowas wie HTML2PDF drehen und anschließend der DNB rüberschicken? Das kann man automatisieren, und wenn die Notwendigkeit bestünde, lässt eine bedienungsfreundliche Open-Source-Applikation bei Bedarf bestimmt nicht allzu lange auf sich warten.

Pflichtabgabe von Netzpublikationen

Laut Heise tritt die Verordnung zur Pflichtabgabe von Netzpublikationen heute in Kraft.

Generell soll die Anlieferung möglichst per FTP und bevorzugt als PDF erfolgen. Bilder, andere Darstellungselemente sowie „Software und Werkzeuge, die in physischer oder in elektronischer Form erkennbar zu den ablieferungspflichtigen Netzpublikationen gehören“, sind aber ebenfalls betroffen. Dies gilt vor allem für „nicht marktübliche Hilfsmittel“, ohne die ein Lesen der digitalen Werke im Offline-Modus nicht möglich ist.

Ohne mir jetzt die Zeit genommen zu haben, das auszuprobieren: es sieht nicht so aus, als ob die Deutsche Nationalbibliothek seit der Testphase etwas gelernt hätte.

Siehe auch hier, hier oder hier.

Na, wer traut sich ran und schreibt einen Erfahrungsbericht?

Open Source and Libraries

Einen schönes Posting über Open Source and Libraries gibt’s im Blog der Howard County Library.

Whenever I teach open source to librarians I always start by outlining why libraries are the prefect breeding grounds for open source. What many librarians probably don’t realize is that the open source community actually shares a lot of the same ethics, ideals and characteristics as the library world. I think that Glen Horton put it best in his talk at the 2008 Computers in Libraries conference:

Libraries and Open Source Both…

* Believe that information should be freely accessible to everyone
* Give away stuff
* Benefit from the generosity of others
* Are about communities
* Make the world a better place

OpenOffice.org 3.0 ante portas

Golem kündigt OpenOffice.org 3.0 an.

Eine weitere wesentliche Neuerung ist der PDF-Import, mit dem sich existierende PDF-Dateien verändern lassen, auch wenn die originale Quelldatei nicht mehr vorhanden ist. Neu ist auch das Startcenter, das sich nach dem Starten der Anwendung zeigt: Es erlaubt, direkt Dokumente zu öffnen oder neue anzulegen. Bislang startete die Textverarbeitung Writer als Standardapplikation.

Klingt erst einmal richtig gut. Der PDF/A-Support bei OpenOffice.org ist ja ohnehin vorbildlich. Vielleicht tut sich auf diesem Weg nun auch eine Möglichkeit auf, vorhandene PDF-Dateien nachträglich mit eingebetteten Schriften zu versehen?

Der 1. Release-Candidate steht schon zum Download bereit.

Verde – Schnittstelle zwischen ERM und EZB

ExLibris hat einen RSS-Feed. Dort kann man lesen, dass ExLibris von Leeds Equity gekauft wurde. Zweifellos eine wichtige Nachricht. Für deutsche ExLibris-Kunden zumindest kurz- und mittelfristig weitaus interessantere Nachrichten kann man dort leider nicht erfahren. Dazu muss man schon verschiedene Google-Alerts bemühen [1] seitdem dieser Text angefangen wurde, ist mit Inetbib-K ein Angebot an den Start gegangen, dass diesen Mißstand zu beheben versucht. Siehe auch hier. , die z.B. diese Pressemitteilung ans Tageslicht befördert:

Die Ex Libris (Deutschland) GmbH hat in Kooperation mit der EZB (Elektronische Zeitschriftenbibliothek) in Regensburg eine Schnittstelle zwischen der Electronic Resource Management (ERM) Lösung Verde und der EZB entwickelt. Durch diese Schnittstelle entfällt die bisher erforderliche, doppelte Pflege von elektronischen Zeitschriften in Verde und parallel in der EZB. Die Daten werden jetzt nur noch in Verde gepflegt und dann über ein automatisches Update an die Bestände der EZB geliefert.

„Mit dieser neuen Funktionalität bietet Ex Libris seinen Verde-Kunden einen wichtigen Produktivitätsgewinn und untermauert seine Position als führender Anbieter von ERM Lösungen für Bibliotheken und Forschungsinstitutionen“, erklärt Ullrich Jüngling, Sales und Marketing Direktor der Ex Libris (Deutschland) GmbH.

Nähere Informationen gibt es hier. Wie ExLibris auf Anfrage mitteilte, ist Verde in Deutschland schon an der FU Berlin und an der Jacobs University in Bremen im Einsatz. Auf die Frage, ob man Verde auch mit Nicht-Ex-Libris-Produkten verwenden kann, wurde mir mitgeteilt:

Für die Einbindung zu Nicht Ex Libris-Systemen stellt Ex Libris Verde-Kunden ein Dokument zur Verfügung, welches beschreibt, wie Deeplinks nach Verde generiert werden können, bzw. wie auch die Kommunikation mit den vorhandenen SOAP Services genutzt werden kann. Somit ist die gezielte Abfrage z.B. von Lizenzinformationen möglich, und kann systemunabhängig implementiert werden.

Es wurde in diesem Zusammenhang auf ExLibris Open-Platform-Strategie verwiesen, die eine generelle Öffnung der Produkte auch für Fremdanbieter vorsieht.

ExLibris begeht anscheinend nicht den Fehler, Offenheit nur technisch zu verstehen. Es wurde (oder wird?) eine Plattform geschaffen, auf der auch Ideen Externer in die Entwicklung an ExLibris-Produkten einfließen können. Es gehe um:

  1. Die Prozesse zu formalisieren, mit denen wir unsere Schnittstellen entwerfen, implementieren, dokumentieren und veröffentlichen, um eine Kontinuität bei allen Produkten zu erhalten und ein umfassendes Angebot zu erzielen.
  2. Verstärkung unserer Betonung von Prinzipien der serviceorientierten Architektur (SOA) in unseren zukünftigen Produktdesigns. Dabei möchten wir sicherstellen, dass unsere Lösungen Services als Kernbausteine für Applikationen zur Verfügung stellen, die von uns oder anderen Unternehmen entwickelt werden.
  3. Eine Platform bieten, die als Mittelpunkt für Zusammenarbeit dient und als solcher die Initiativen von Institutionen und Communities aktiv fördert und erleichtert, unsere Produkte zu verbessern oder sie auf eine Weise zu nutzen, die wir nicht vorhergesehen haben.

Klingt vielversprechend.

References

References
↑1 seitdem dieser Text angefangen wurde, ist mit Inetbib-K ein Angebot an den Start gegangen, dass diesen Mißstand zu beheben versucht. Siehe auch hier.

Word misstraut dem früheren Selbst

Was man beim Wandeln alter Dateien sehr heterogener Herkunft in PDF/A alles erlebt und erfährt, wäre (wenn es nicht ein so unglaublich trockenes Thema wäre) einen Abenteuerroman wert. Ein besonders schönes Fundstück: Microsoft blockiert das Öffnen von mit früheren Versionen von Word hergestellten Dateien durch Word 2007. Unglaublich, aber wahr. Um das zu beheben, muss nun in der Registry gefummelt werden.

Abwärtskompatibel geht anders. Wahnsinn, warum schickst Du mich in die Hölle…

Nach Hause telephonieren…

Gammliger ApfelNach Hause telephonieren reicht Apples iGeräten nicht aus. Sie fragen dort auch nach Handlungsanweisungen. Golem berichtet:

Die berichtete Fernlöschfunktion auf dem iPhone und dem iPod touch bestätigte Steve Jobs im Gespräch mit dem Wall Street Journal. Damit kann Apple gezielt eine einzelne Applikation auf allen Geräten löschen. Diese Möglichkeit wurde integriert, um bei Bedarf Schadsoftware entfernen zu können.

„Nach Hause telephonieren…“ weiterlesen

Open Library Environment Project

Ole ProjectMit Unterstützung der Andrew W. Mellon Foundation hat sich ein Konsortium anglo-amerikanischer und australischer Bibliotheken daran gemacht, ein offenes Bibliothekssystem unter dem Projektnamen „Open Library Environment“ („OLE Project“) zu entwickeln.

Hintergrund:

Proprietary Integrated Library Systems do not fit the modern scholarly research process or modern library workflows. It is nearly impossible for a library to integrate its commercial ILS with tools widely used by faculty and students, such as a course management system or emerging social-networking tools. Libraries find themselves adapting their workflows to outdated technology, rather than using technology to facilitate more efficient and effective workflows. The burden of maintaining and supporting existing ILS systems is hindering libraries’ ability to respond to new technologies and to scholars’ information needs and expectations. Dissatisfaction with current ILS systems is widespread. Many libraries are actively planning for life beyond their current ILS, but skeptical that good commercial alternatives will be available. By working together on a community-designed, open-source alternative to the ILS, libraries can design a technology system that will support rather than hinder their desire to innovate and to provide access to high quality scholarly information.

Ich bin nicht davon überzeugt, dass es wirklich notwendig gewesen wäre, ein komplett neues Projekt zu beginnen. Eine Integration vorhandener Lösungen wäre eventuell sinnvoller gewesen. Immerhin wird hier offensichtlich versucht, nicht nur den OPAC, sondern ein gesamtes Bibliothekssystem abzubilden.

PDF/A vs. Open Access?

Subjektive Meinung: PDF/A ist der vermutlich am schlechtesten implementierte Standard seit Erfindung von Dokumentstandards überhaupt. Es ist veröffentlichungswilligen und dem Open Access zugeneigten Autoren kaum zumutbar, schon vorhandene Dokumente in standardkonformes PDF/A zu konvertieren. Kaum eine Lösung hält, was sie verspricht, bei fast jeder Konvertierung schlägt irgend etwas fehl. Auf meinen Hilferuf zur PDF/A-Konvertierung haben sich etliche Leute bei mir per Mail gemeldet. Alle mit dem gleichen oder zumindest ähnlichen Problemen.

Wie ist Abhilfe zu schaffen? Eine mögliche Lösung scheint mir, auf die konsequente Einhaltung des PDF/A-Standards bei Dokumentenservern zu verzichten. Wer etwas veröffentlichen will, sollte nicht mit allzu vielen technischen Hürden belastet werden. So wie es momentan aussieht, steht die an sich gute Idee, einen offenen und einheitlichen Standard für Dokumentenserver zu verwenden, einer breiten Akzeptanz der Selbstarchivierung entgegen.

Es ist einfach lächerlich, dass jeder Autor vor der Archivierung seiner Dokumente drei Semester PDF/A studieren muss. Um eine breite Akzeptanz von OA zu erzielen, müssen wir es den Autoren so einfach wie möglich machen. Youtube und Slideshare müssen zumindest hierbei Vorbilder sein. Klar ist, dass eine solche Einfachheit vermutlich nicht erreicht werden kann. Zu unterschiedlich sind die Ziele der Dienste. Aber als Richtlinie kann und soll der Veröffentlichungsvorgang bei solchen Angeboten dienen.

Bleibt das Problem der Langzeitarchivierung. Eine mögliche Umsetzung wäre, diese zentral z.B. durch die DNB zu organisieren. Sie sollte auf jeden Fall nicht zum Problem der Autoren werden.

Ich bitte um Meldung in den Kommentaren: An welcher Bibliothek funktioniert der Umgang mit PDF/A auch nur halbwegs problemlos?