Jürgen Plieninger macht in Netbib auf einen Artikel zur Onleihe aufmerksam, den Lambert Heller auf Twitter als „7-seitigen Werbe-Artikel für ekz / DiVibib GmbH“ bezeichnete. Bitte auch die Kommentare lesen!
c't-Editorial zum Browsermarkt
Im lesenswerten Editorial zur c’t-Ausgabe 1/2012 schreibt Herbert Braun über die Probleme, die sich mit der wachsenden Verbreitung von Googles Browser Chrome abzeichnen. Google „optimiert“ die eigenen Inhalte für den eigenen Browser, so dass die Benutzung anderer Browser bei der Allgegenwart von Googlediensten in Zukunft schwierig werden könnte.
Einen Vorgeschmack davon bekommt man, wenn man neue Google-Dienste mit Opera ausprobieren will – diesen sperrt Google nämlich systematisch und absichtlich aus. Und wer den Internet Explorer wählt, wird ständig von der Aufforderung belästigt, den Browser zu wechseln. Google missbraucht seine Macht als Inhalteanbieter, um seine Software auf den Markt zu drücken, nicht anders als Microsoft es seinerzeit mit seiner Vormachtstellung bei den Betriebssystemen getan hat.
Hier gilt, wie bei den meisten c’t-Editorials: Lesebefehl!
Linked Library Data Tools
Die Linked Library Data Group des W3C hat heute ihren Werkzeugkoffer geöffnet und führt nun im W3C-Wiki eine öffentlich zugängliche Liste mit Werkzeugen im Bereich Linked Library Data: LLDtools.
Aufgeführt sind zum Beispiel verschiedene Werkzeuge für die Publikation von LLD (z.B. Pubby) oder Dienste zur Ansicht und zum Browsen (z.B. der Sindice Web Data Inspector).
Technologie- und Handy-Verbreitung in Afrika
Gute Nachrichten aus Afrika hat Alexis Okeowo im Blog des New Yorker gesammelt. Darunter:
1. Die zunehmende Verbreitungs von Handys in Afrika:
Cell phones continue to change how Africans live. The devices have proven to be invaluable: health-care workers use cell phones to track and monitor pregnant women in rural Rwanda (where the number of maternal deaths is high) and H.I.V. patients in Kenya, and Kenya’s mobile banking system, which has been called the world’s most innovative, lets Kenyans pay bills, send remittances, purchase goods and airtime, move funds among accounts, and even take out and pay back loans for entrepreneurial ventures.
2. Die zunehmende Technisierung des afrikanischen Alltags.
Emeka Okafor, a Nigerian, once said that he couldn’t understand why, in the tech realm, so little interesting and creative activity seemed to be coming out of sub-Saharan Africa. Curious about what good ideas from Africa looked like, he helped found Maker Faire Africa, where inventors from across the continent gather to showcase their wares—this October in Cairo, in previous years in Nairobi and Accra. The result has been astounding: mobile apps, seed-planting devices, solar-powered computer kiosks made out of recycled oil drums, paraffin lamps, and other technologies that, importantly, address the immediate needs of Africans.
Als wenn es noch nicht genug gute Gründe gäbe, offene Formate und Open Access zu unterstützen, so kommt hier noch einer: Wer sein Paper hinter Paywalls oder in Printzeitschriften versteckt, wird in den Dörfern um Kairo, Nairobi oder Accra sicherlich nicht gelesen. Liegt es auf einem OA-Repository, so kann es auch dort gefunden und gelesen werden.
Freiheitskämpfer Guttenberg
KT zu Guttenberg wurde von Neelie Kroes engagiert als „Berater in der Frage […], wie Internetnutzer, Blogger und Cyberaktivisten in autoritär regierten Ländern auf Dauer unterstützt werden können“ (Pressemitteilung). Die Süddeutsche empört sich in die falsche Richtung:
Ausgerechnet der Ex-Minister, der das Internet für seine Texträuberei missbraucht, der von Onlineaktivisten widerlegt und verspottet wurde, soll nun die Freiheitskämpfer im Netz beflügeln.
Die Zeit argumentiert ähnlich.
Ob er das Internet für seinen Betrug nutzte, weiß ich nicht. Er hätte es auf jeden Fall auch offline machen können. Wichtiger ist ein anderer Punkt. Guttenberg ist ausgewiesener Befürworter von Zensurinfrastrukturen.
Mit welcher Glaubwürdigkeit will er nun gegen Infrastrukturen argumentieren, die er selbst schaffen wollte? Dazu Markus Beckedahl:
Ich beschäftige mich intensiv mit diesem Thema und bisher ist mir Karl Theodor zu Guttenberg zu diesem Thema nicht einmal positiv aufgefallen. Wenn er sich bisher zum Thema Internet geäussert hat, ging es wahlweise um einen Ausbau von Überwachungsmaßnahmen oder zur Einführung von Netzsperren. Sowohl Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung als auch Netzsperren werden in repressiven Regimen zur Einschränkung von Meinungsfreiheit genutzt – u.a. exportiert von deutschen Unternehmen, weil das Wirtschaftsministerium keine Exportkontrolle für Überwachungstechnologien einführen will, dessen Minister zu Guttenberg vor nicht allzulanger Zeit war.
PS: Kommt es mir nur so vor, oder hat Guttenberg auch seine Comebackstrategie kopiert? Er macht den Özdemir in Zeitraffer.
- Skandal.
- Rücktritt.
- Arbeit für einen „Think tank“ in den USA.
- Posten auf EU-Ebene
- Rückkehr in die dt. Politik.
Cem Özdemir hat nur vergessen, seine Schuld zu konsequent zu leugnen und der eigenen Partei vor den Kopf zu stoßen. Und er hat sich ein paar Jahre Zeit gelassen. Nicht nur ein paar Wochen.
PPS: In der FTD sind ein paar schöne Tweets zum Thema gesammelt.
Koha für Einsteiger
Holger Büch erklärt in Bib-Blog.de (neuerdings auch in Plan3t.info enthalten), wie man das Open-Source-Bibliothekssystem Koha installiert: Koha für Einsteiger — Teil 1:
In der nächsten Zeit möchte ich Koha zur Verwaltung meiner privaten Bibliothek einrichten. Natürlich steht dabei nicht die Bibliothek (mit ~100 ME 😉 ) im Vordergrund, sondern die Erfahrungen mit dem System. Hier im Blog werde ich nach und nach von meinen Erfahrungen mit Koha berichten. An erster Stelle steht aber für heute eine Installationanleitung.
Er erläutert dabei jeden Schritt und hat zahlreiche Screenshots angefertigt. Also ideal zum Nachbauen! Dass man für die Installation von Bibliothekssystemen und Katalogen kein Informatikstudium benötigt, hatten kürzlich erst die Macher des Bachelopacs bewiesen. Wer nach Alternativen zu den Dickschiffen des Bibliothekswesens sucht, findet in Koha vielleicht eine geeignetes Experimentierfeld.
PS: Holger Büch kündigt an, auch die kommenden Schritte dokumentieren zu wollen.
DDC in BASE
BASE setzt auf ein automatisches Verfahren zur Dokumentenklassifikation nach der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC):
Es sei nicht verschwiegen, dass das automatische Klassifikationsverfahren nicht perfekt ist, da es auf der statistischen Analyse der Dokumenttexte basiert. Da die Wissenschaftssprache sehr komplex ist und sich zudem ständig verändert, kann es auch zu Fehlklassifikationen kommen.
In der Klassifikation stöbern kann man über die VuFind-eigene Browsing-Funktion.
Elsevier-Testimonial für 1000 Euro: DGI
Auf der nächsten DGI-Konferenz werden Nachwuchsvorträge mit einem Best Paper Award
ausgezeichnet:
Der 2010 erstmalig erfolgreich vergebene Preis wird wieder durch die Unterstützung des Wissenschaftsverlags Elsevier ermöglicht. Die langfristige Weiterführung der Partnerschaft zwischen der DGI und Elsevier unterstreicht das hohe Interesse von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft an der Förderung des Berufsnachwuchses.
Der beste Vortrag wird mit 500 Euro, der 2. und 3. Platz mit je 300 EUR und 200 EUR dotiert. Die Preisverleihung findet im feierlichen Rahmen der Abschlussveranstaltung der DGI-Konferenz am 23. März 2012 statt.
Mit satten 1000 Euro unterstreicht Elsevier also das „hohe Interesse“. Natürlich sind 200 Euro für den Drittplatzierten sicherlich netter als gar nichts. Und im Lebenslauf macht sich so ein Preis ja auch ganz gut. Angesichts der Profite Elseviers ist das jedoch kein Ausdruck hohen Interesses, sondern ein Witz. Für 1000 Euro bekommt man z.B. in der taz (PDF) eine Textteilanzeige von etwa 7 cm Höhe. In der Zeit (PDF) sind es etwa 1,8 cm, im Bibliotheksdienst (PDF) immerhin 2,5 Seiten. Da steht dann nicht mit dem Siegel einer Fachgesellschaft, wie sehr man sich für die Nachwuchsförderung in der Wissenschaft engagiert.
Ich muss jetzt davon ausgehen, dass dem DGI die sog. Zeitschriftenkrise bislang entgangen ist. Wer in den letzten 20 Jahren tiefgefroren oder auf einer einsamen Insel war, sei an dieser Stelle informiert: Die Preispolitik gerade des hier gepriesenen Nachwuchsförderers Elsevier sorgt dafür, dass der Nachwuchs nicht auf wissenschaftliche Informationen zugreifen kann. Wäre die DGI ein Verband für Meeresbiologie im Golf von Mexiko, hätte man sich vermutlich für BP als Sponsor entschieden. Im Umweltbereich nennt man das Greenwashing.
Liebe DGI-Organisatoren: Es gibt viele, viele mögliche Sponsoren, denen man ein Engagement für den Nachwuchs abnimmt. Da man von Elseviers bekundetem Interesse an „Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft“ jedoch zwei abziehen muss: dieser Sponsor gehört nicht dazu.
The Problem With QR Codes
Scott Stratten über QR-Codes und wann man sie eher nicht benutzen sollte.
[Besten Dank an Frank für den Hinweis!]
Bibliothekarische Projektlyrik
Karsten Schuldt widmete sich gestern der Projektlyrik, die allmonatlich in den bibliothekarischen Postillen zu bestaunen ist: meine beitrags- / lyrik ist hübscher / als deine // dude
Ich zitiere einfach mal ein paar Sätze, zu denen man ein lautes „Jawoll! So ist es!“ in den Raum zu rufen geneigt ist.
Wir lassen es zu, dass solche letztlich wenig inhaltsreichen Texte, die aber mit viel rhetorischen Bling-Bling gespickt sind, veröffentlicht werden und gerade deshalb die konkrete bibliothekarische Praxis nicht richtig sichtbar wird. Wir alle kennen die Worte, die dazu verwendet werden: Innovation, Evaluation, Kompetenz, Projekt, Marktanalyse und so weiter. Aber müssen wir sie auch ständig benutzen? Überzeugen wir damit irgendwen? Von was wollen wir da überhaupt wen überzeugen? Oder soll von irgendetwas abgelenkt werden? Und müssen wir eigentlich immer Projekte machen, nur weil wir mal etwas ausprobieren und verändern wollen?
Auf dem von ihm gewählten Beispiel muss man nicht weiter herumhacken. Andere Beispiele finden sich jeden Monate im Bibliotheksdienst, BuB & Co. Und viele, die hier lesen und schreiben, haben schon an ähnlichen Texten mitgewirkt. Die Frage ist: wie kommen wir da heraus?