Die Wahrheit über den Wissenschaftsbetrieb nach dem Klick.
Bibliothekarische Hausbesuche in Münster
Via Twitter bin ich auf das Konzept der Hausbesuche an der UB Münster aufmerksam geworden. Dort bietet man Studierenden, Wissenschaftlern und Ärzten der Uni-Klinik Besuche durch geschultes Personal an, dass Beratung für verschiedene Themen liefert.
Mögliche Themen der Hausbesuche:
- Desktop Publishing mit Adobe InDesign
- Elektronische Zeitschriften und Bücher
- Email Alerts und Nachrichtenfeeds
- Fernleihe und Subito
- Katalog und Ausleihe
- Literaturverwaltung mit RefWorks
- Open Access
- Quellen der Evidenz-basierten Medizin (Cochrane, UpToDate)
- Personal Digital Assistants
- PubMed und andere relevante Literaturdatenbanken
- Web of Science und Impact Faktoren
- Wikis und Weblogs
- … oder ein Überblick über die Angebote der Bibliothek
Dadurch, dass man sich in Münster aus der Bibliothek herausbewegt, ist – ähnlich wie bei der Stippvisite– neben den normalen Schulungseffekten auch mit positiven Auswirkungen im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit und der Vernetzung der Bibliothek in der Institution zu rechnen.
Gibt es Zahlen, wie oft die Hausbesuche in Anspruch genommen wurden? Wie kommt es dazu, dass InDesign geschult wird und geschult werden kann? Fragen über Fragen, auf die @obsto sicherlich antworten kann!
Ein paar Infos gibt es noch in diesem Posting hier.
Demonstration für freien Internetzugang in tschechischen Bibliotheken
In Prag wurde gegen die Abschaffung freien Internetzugangs in Bibliotheken demonstriert.
About 50 opponents of the abolition of free access to the Internet in Czech libraries, which the Interior Ministry is pondering as an austerity measure, held a protest meeting in front of the ministry yesterday.
The meeting was staged by the extra-parliamentary Czech Pirate Party. It took place in spite of the ministry’s recent statement that the free access project will continue until the government decides on a different way of its financing.
Weiteres im Prague Daily Monitor.
BMBF: Bildung und Forschung in Zahlen
Die Ausgaben der Hochschulen nach Fächergruppen, Lehr- und Forschungsbereichen sowie Ausgabearten aus den veröffentlichten Zahlen des BMBF für die Fächergruppe Bibliothekswissenschaften, Dokumentation, Publizistik.
| Jahr | Ausg. insg. | Laufende Ausg. | Personal | Sonstige laufende Ausg. | Investitionsausg. | Baumaßnahmen [1] Einschl. Erwerb von Grundstücken und Gebäuden. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2001 | 49 | 43 | 37 | 6 | 6 | 2 |
| 2002 | 49 | 46 | 38 | 7 | 3 | 1 |
| 2003 | 49 | 48 | 41 | 7 | 2 | 0 |
| 2004 | 53 | 51 | 43 | 7 | 2 | 0 |
| 2005 | 54 | 49 | 41 | 7 | 5 | 2 |
| 2006 | 50 | 49 | 41 | 8 | 1 | 0 |
| 2007 | 51 | 49 | 42 | 7 | 2 | 1 |
| 2008 | 106 | 102 | 52 | 50 | 4 | 2 |
- Kann jemand den Sprung der „sonstigen laufenden Ausgaben“ von 2007 zu 2008 erklären?
- Neuere Daten sind zwar zum Teil schon verfügbar, aber bis da keine maschinenlesbare API und eine vernünftige Lizenz dahintersteckt, lohnt sich die Beschäftigung mit den Daten nicht.
Aktuelle Zahlen („in Auswahl“) sind in einer Broschüre des BMBF verfügbar: Bildung und Forschung in Zahlen 2011 (PDF).
References
| ↑1 | Einschl. Erwerb von Grundstücken und Gebäuden. |
|---|
Bundesinnenminister fordert Ende der Anonymität im Internet
Der Bundesminister für Angst, Schrecken und Überwachung Hans-Peter Friedrich hat anlässlich der Anschläge in Norwegen ein Ende der Anonymität im Internet gefordert. „Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce“, sagte Friedrich dem SPIEGEL.
Muss man an den arabischen Frühling erinnern? An verhaftete Blogger?
Und muss man an dieser Stelle wieder an den Code of Ethics (PDF) erinnern, wenn durch das Ende der Anonymität die Schere im Kopf eine Renaissance sondergleichen erleben würde?
Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.
Wir können uns alle sicher sein, dass die bibliothekarischen Berufsverbände mit großer Vehemenz gegen den freiheitsfeindlichen Unsinn Friedrichs anwettern werden. Oder etwa nicht?
How many research papers are freely available?
Beneath this ferment, the proportion of research papers freely available is slowly and steadily creeping upwards. The chart shows the proportion of papers indexed on the (largely biomedical) PubMed repository each year that are now freely accessible: in 2009, it’s above 28%. (Some of this literature is not immediately available at the time that it is published, because of journal policies that impose embargo periods on when material can become free). Those numbers are even more impressive than a study last year which found that around 20% of research papers published in 2008 were freely available on the internet.
Mehr im Nature-Blog.
Tagesspiegel über Open Access und Aaron Swartz
Zwei Artikel im Tagesspiegel:
1. Die Magna-Carta und die asiatischen Elefanten
Die Open-Access-Bewegung fordert mehr Freiheit für das Wissen im Netz. Zwar geht die nötige Reform des Urheberrechts nur langsam voran. Doch es gibt bereits eine ansehnliche Zahl digitaler Bibliotheken, die umsonst und frei sind. Surftipps aus der Netzspiegel-Redaktion.
2. Nur langsam mehr Freiheit des Wissens
Ein Hacker lädt eine große digitale Bibliothek herunter. Ist das Diebstahl oder die Befreiung des Wissens? Auf jeden Fall eine Reaktion darauf, dass die Open-Access-Bewegung zehn Jahre nach ihren Anfängen nur langsam vorankommt.
Bibcharts der ZBW
Die ZBW möchte darstellen machen, ob und wie Bibliotheken im Social Web sichtbar sind. Dazu wurden nun die Bibcharts ins Leben gerufen. Aus den FAQ:
Was sind die BibCharts?
Die Bibcharts sind ein monatlich erstelltes Ranking, das anzeigt, wie viele Follower auf Twitter beziehungsweise Fans bei Facebook Bibliotheken und Informationszentren im deutschsprachigen Raum verzeichnen.
Dass die Visualisierung von Followerzahlen Aufmerksamkeit für Social Media erregen könnte, ist richtig. Dass diese Aufmerksamkeit auf wesentliche Aspekte des Social Web – also zum Beispiel Transparenz, Interaktion oder Kommunikation – gelenkt wird, ist dagegen eher nicht zu vermuten. Statt dessen wird hier suggeriert: „Size matters! Ohne Followerzahlen im höheren dreistelligen Bereich sind wir gescheitert!“
Dass zum Beispiel auch die Interaktion mit einigen wenigen Multiplikatoren hinreichende Motivation für fortgesetztes Engagement sein kann, geht in dieser Darstellungsweise unter. Eine Sammlung von Fallbeispielen oder Anekdoten, was „Erfolg“ im Social Web ausmacht, wäre daher ein weitaus sinnvollerer Ansatz gewesen.
Sollten die Bibcharts eine breitere Aufmerksamkeit erfahren, ist eher von einer erneuten Zahlenfixierung der „Entscheider“ auszugehen. Jürgen Plieninger meint milde:
Es ist ein Ranking, es gibt ein Bild, man kann vergleichen und Überlegungen anstellen, wie man es selbst umsetzen könnte und ob der Aufwand sich lohnt. Nicht mehr und nicht weniger.
Dies ist wünschenswert, setzt aber voraus, dass Möglichkeiten und Schwachstellen solch einer Liste jedem Betrachter einleuchten.
Mehr zum Für und Wider eines solchen Rankings in den Kommentaren des ZBW-Blogs.
Neuer Übersetzungsentwurf der Open Knowledge Definition zur Diskussion freigegeben
Die Open Knowledge Definition (OKD) definiert anhand von 11 Klauseln offenes Wissen (oder Open Knowledge). Verkürzt gesagt sind danach Wissensinhalte oder Daten offen, wenn jede Person sie frei (also ohne Restriktionen) nutzen, zu eigenen Zwecken weiterverwenden und ändern sowie weiterverteilen kann. Diese Kernaussagen der Open Definition, die letztlich eine Übertragung des Open-Source-Prinzips auf Wissensinhalte beabsichtigt, werden in den erwähnten 11 Klauseln ausgeführt und beschrieben. Während die englischsprachige Version der OKD in Version 1.1 [http://www.opendefinition.org/okd/] vorliegt, bezieht sich die derzeitige deutsche Übersetzung auf die OKD-Version 1.0. Aus diesem Grund wurde ein neuer Übersetzungsvorschlag gemacht, der unter der Adresse http://primarypad.com/openknowledgeuebersetzung veröffentlicht ist.
Die Verfasser des aktuellen Übersetzungsvorschlages, Christian Hauschke und Ulrich Herb, bitten alle Interessierten bis zum 21.08.2011 um eine Diskussion und Kommentierung der Ergebnisse, idealerweise im oben verlinkten Dokument. Dies gilt keinesfalls nur, aber insbesondere für die Formulierungen, bei denen sie im Dokument um Rückmeldungen bitten. Weiterhin werden alle Leser dieses Aufrufs darum gebeten, ihn weiter zu verbreiten.
[ebenfalls veröffentlicht in Wisspub]
Logo für Closed Access
Jakob Voss hat ein Logo oder Icon entworfen, mit dem man Closed-Access-Publikationen kenntlich machen kann.
Er hat es auch schon in freier Wildbahn entdeckt. Neben der Kennzeichnung von Quellen in Open-Access-Journals könnte das Logo auch Verwendung in Hochschulbibliographien finden, um Autoren darauf hinzuweisen, dass Ihre Publikationen zwar veröffentlicht, aber nicht öffentlich sind.
Anmerkung: Die graue Variante des Logos halte ich für sehr gut, die farbige unterscheidet sich zu wenig vom Open-Access-Logo.
Mehr dazu in seinem Blog.

