Angela Merkel zu Open Access

In einer Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Festakt zur 22. Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 23. November 2016 äußerte sich Angela Merkel am Rande zum freien Zugang zu Informationen:

Internet und Datenaustausch haben auch sämtliche Forschungsbereiche revolutioniert. Wissen lässt sich schnell und günstig in der Welt verbreiten. Informationen jeglicher Art stehen in Sekundenschnelle, teils auch in Echtzeit zur Verfügung. Rund um den Globus Kontakte zu knüpfen, zusammenzuarbeiten und Erkenntnisse zu teilen, ist heute viel einfacher als früher. So profitiert einer vom anderen. Dies hat Erkenntnisprozesse erheblich beschleunigt. Das ist auch der Grund dafür, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Open-Access-Strategie verfolgt. Sie dient dazu, nicht nur Wissenschaftlern, sondern jedem Interessierten den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen zu erleichtern. Ich weiß, dass es da Diskussionsbedarf gibt, aber wir sollten uns dem stellen. Die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung sollen, wie wir finden, auch der Öffentlichkeit zugutekommen.

[via @helmholtz_os]

10 Jahre Infobib

Seit nun zehn Jahren werden hier auf Infobib.de Postings zu diesem und jenem rund um die Themen Bibliothek, Information und Wissenschaft mit einer mal kleineren, mal größeren Leserschaft geteilt. Dieses Blog erfüllt dabei viele Funktionen: Es ist Zettelkasten, Plattform für die persönliche innerbibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit und vieles andere mehr.

Foto von JPCP.
Foto von JPCP (public domain)

In den letzten zehn Jahren wurden hier 3068 Postings veröffentlicht, als Auswahl hier die Nummern 1, 1000, 2000 und 3000. Dazu gesellten sich 2578 Kommentare. Noch ein paar Statistiken, Stand 20. November 2016? Advanced Blog Metrics hilft aus:

  • 25.6 Postings pro Monat
  • Durchschnittlich 188 Wörter pro Posting
  • Ein Posting erzielt im Schnitt 0,6 Kommentare mit je 42 Wörtern, dazu 0,2 Trackbacks
  • Vier AutorInnen haben 3068 Postings mit 576.621 Wörtern geschrieben – Gastpostings werden hier nonchalant den vieren zugeschlagen…
  • Kommentiert wurden dazu sagenhafte 131.616 Wörter. Vielen Dank an Sie/Euch alle!
  • Es gab 579 (erfolgreiche) Trackbacks

Zur Feier des Tages hier ein paar persönliche Highlights aus der ersten Infobib-Dekade:

  • Da ist zuerst ohne Zweifel die Libworld-Reihe zu nennen, in der 35 BloggerInnen aus aller Welt die Biblioblogosphäre ihres Heimatlandes vorstellten.
  • Weitere Bloghighlights gingen oft einher mit hoher Kommentar-Interaktion. Daher hier die fünf meistkommentierten Postings:
    1. Bibliothekarische Fachkommunikation 2010 (74 Kommentare) – hier wurde einer von vielen Grundsteinen für das #newLIS-Phänomen gelegt, was letztlich Anlass – nicht Grund – einer Neupositionierung der deutschsprachigen bibliothekarischen Zeitschriften hinsichtlich Open Access und einiger Neubegründungen war.
    2. Der schrumpfende BIB schließt bibliojobs.de weg (57) – Phu kommentierte: „Eine erste Idee für ein ‚OpenBibliojobs‘ […] Kann das so funktionieren?“ – Ja, sehr gut sogar.
    3. Das Zotero-Problem (31)
    4. Welche relevanten Autoren-IDs gibt es? (19)
    5. Discovery-System und/oder Katalog? (18)
  • Dazu dann zahlreiche blogübergreifende Diskussionen z.B. zu bibliothekarischen Unkonferenzen. Aus einer vagen Idee wurde durch viele, viele Menschen (ganz zu Beginn unter anderem Patrick Danowski, der WIMRE das erste Potsdamer Bibcamp mit-initiierte) inzwischen eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe, das Bibcamp.
  • Ein weiteres, der Öffentlichkeit nicht zugängliches Highlight sind zahllose Korrekturvorschläge durch Frank. Besten Dank!

Das ist nun nur das, was mir ad hoc einfiel. Vielen Dank an die werte Leserschaft für die zahlreichen Diskussionen rund um alle möglichen Themen, die hier im Blog über die letzten zehn Jahre verteilt auftauchten.

Ein Hoch auf die Ehrenamtler hinter OpenBiblioJobs

Ich möchte diejenigen sehen, die momentan aufschreien, die sich dauerhaft (!) dafür engagieren ein ähnliches Projekt zu schultern und nicht nach ein paar Monaten die Lust verlieren, nur weil es etwas Neues gibt über das man/frau sich aufregen kann.

Dies schrieb „blümchen“ 2012 in einer Kommentar zum Wegschließen der BIB-Stellenbörse und zu den ersten Ideen rund um eine frei zugängliche bibliothekarische Jobbörse.. Ein paar Jahre und fast 6500 veröffentlichte Stellenangebote später kann man sagen: Da sind sie! Eine tolle und wichtige Arbeit! Wer mithelfen möchte, kann sich übrigens dort melden.

Science Europe Position Statement on Research Information Systems

Science Europe hat am 10. November 2016 ein Position Statement on Research Information Systems (PDF) veröffentlicht, dass einige Anforderungen für Forschungssysteme zusammenfast. Die Kernprinzipien sind Flexibilität, Offenheit, FAIRness (angelehnt an die FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship) und „Dateneingabe-Sparsamkeit“ (Eigenwortschöpfung angelehnt an Datensparsamkeit).

science-europe-position-statement-on-research-information-systems
Lizenz: CC BY 4.0

Third-Party-Elements in Bibliothekswebseiten – wer liest mit?

Vor einiger Zeit wies ich hier auf ein Interview zu Third-Party-Elements hin. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich zwischenzeitlich einen Artikel zu diesem Thema in der Informationspraxis veröffentlichen konnte:

Titel: Third-Party-Elemente in deutschen Bibliothekswebseiten
Abstract:

4753 Webseiten wurden mit der Open-Source-Software webXray auf die Einbindung von Elementen untersucht, durch die Dritte über den Abruf einer Webseite durch einen Browser von einem Server informiert werden können. 54,77 % der analysierten Webseiten wiesen solche Third Party Elements (TPE) auf. 18,94 % setzten Cookies ein, 44,81 % banden Javascript von Drittanbietern ein. Google-Services dominieren die TPE-Anbieterliste, sie werden in 30,02 % der untersuchten Webseiten verwendet.

Warum ich den Artikel geschrieben habe, ist im vorletzten Absatz recht gut zusammengefasst:

Dieser Artikel soll einen Beitrag dazu leisten, sich der Verpflichtungen des Bibliothekswesens hinsichtlich der informationellen Selbstbestimmung ihrer NutzerInnen bewusst zu machen. Zur freien Verfügbarkeit von Informationen gehört immer auch die Möglichkeit, diese unbeobachtet nutzen zu können.

Den Volltext gibt es als PDF, HTML und EPUB. Wer übrigens mit einfachen Mitteln mal schauen möchte, welche Webseiten – z.B. auch die eigene Bibliothekswebseite –  Dritte mitschnüffeln lassen, dem sei die Firefox-Erweiterung Lightbeam ans Herz gelegt.

Wer mit wem im US-Bibliothekwesen?

Ann-Kathrin Terfurth schreibt im Teilchen-Blog der Zeit:

Mit wem wir bis zu unserem Lebensende zusammen sind, hat nicht nur etwas mit dem Charakter unseres Partners zu tun, sondern auch mit seinem Job. Die amerikanische Nachrichtenseite Bloomberg hat den US-Zensus 2014 ausgewertet. Aus den Daten der 3,5 Millionen amerikanischen Haushalte haben die Redakteure eine interaktive Grafik erstellt, die zeigt, welcher Beruf welchen heiratet.

Bibliothekswesen sind natürlich auch verzeichnet: Einfach „librar“ in das Suchfeld eingeben, es werden dann vier verschiedene bibliothekarische Spezies vorgeschlagen. Allen gemeinsam scheint die Vorliebe für LKW-Fahrer zu sein.

Automatisch generierte Peer Reviews

Alberto Bartoli, Andrea De Lorenzo, Eric Medvet, Fabiano Tarlao: Your Paper has been Accepted, Rejected, or Whatever: Automatic Generation of Scientific Paper Reviews.

Abstract:

Peer review is widely viewed as an essential step for ensuring scientific quality of a work and is a cornerstone of scholarly publishing. On the other hand, the actors involved in the publishing process are often driven by incentives which may, and increasingly do, undermine the quality of published work, especially in the presence of unethical conduits. In this work we investigate the feasibility of a tool capable of generating fake reviews for a given scientific paper automatically. While a tool of this kind cannot possibly deceive any rigorous editorial procedure, it could nevertheless find a role in several questionable scenarios and magnify the scale of scholarly frauds.

A key feature of our tool is that it is built upon a small knowledge base, which is very important in our context due to the difficulty of finding large amounts of scientific reviews. We experimentally assessed our method 16 human subjects. We presented to these subjects a mix of genuine and machine generated reviews and we measured the ability of our proposal to actually deceive subjects judgment. The results highlight the ability of our method to produce reviews that often look credible and may subvert the decision.

Ein äußerst interessanter, aber leider wieder einmal hinter einer Paywall versteckter Artikel. Wer nicht bezahlen möchte und keiner Institution angehört, die dies für ihn oder sie übernimmt, kann die Zusammenfassung in der Times Higher Education lesen. Die gestattet immerhin drei kostenfreie Artikelabrufe pro Monat.

BASE: Weniger Quellen, höhere Volltextquote?

Klaus Graf kritisiert ein Interview von Richard Poynder mit Clifford Lynch  (PDF).

Poynder sagt, dass BASE keine Volltexte erfassen kann, wenn es keine Volltexte gibt. Nur ca. 60 % des Inhalts seien Volltexte. Poynder übersieht, dass BASE so gut wie keine Volltextsuche anbietet, das allermeiste sind OAI-PMH-Metadaten (auch von Volltexten). Dass BASE nicht nur Peer Review Beiträge bietet (Poynder denunziert die Suchmaschine, weil sie einen Blogpost von mir enthält) ist für mich absolut in Ordnung. Qualitäts-Fetischisten, die nur Peer Review Inhalte akzeptieren, können in der Geschichtswissenschaft schätzungsweise mehr als 99 % der Gesamtproduktion seit der Renaissance in die Tonne drücken. Retrodigitalisate und Dissertationen, die BASE erfreulicherweise nachweist, unterliegen/unterlagen keinem Peer Review.

Das soll eine Denunziation sein? Egal, kommen wir zum Inhaltlichen: Die Forderung nach Peer-Review-Kennzeichnung verkennt tatsächlich die Vielfalt der wissenschaftlichen Kulturen. Es ist gerade eine Stärke von BASE, auch Abschlussarbeiten etc. in großer Zahl nachzuweisen. Wo findet man sonst Bachelorarbeiten?

Poynders Kritik an der zu geringen Volltextquote in BASE teile ich allerdings, und das seit vielen Jahren. Etliche Quellen sollten einfach gestrichen werden. Was BASE vielleicht gut tun würde, ist ein radikaler Schnitt, wie ihn DOAJ gerade durchführt. Alle Quellen auf den Prüfstand. Alle anschreiben, ein Sigel ausschreiben. Kein kostenpflichtiges und sehr aufwändiges wie das DINI-Zertifikat. Eines, das deutlich weniger, aber sehr wichtige Kriterien abprüft. Als erstes: Gibt es ein OAI-Set, das nur OA-Volltexte enthält. Würde man diese dann zum „Kernbestand“ des BASE-Index machen, hätte man tatsächlich eine OA-Suche, die zwar immer noch nur die Metadaten durchsucht und nicht die Volltexte, deren Treffer aber immerhin garantiert zum Volltext führen.

Es ist schon bezeichnend, dass die Facette „Open Access“ nur noch 37 Mio Dokumente übrig lässt. Davon übrigens sehr viele aus Pubmed Central, DOAJ und CiteSeerX, Dubletten sind da wohl sehr wahrscheinlich. Beispielsuche in BASE nach The diploid genome sequence of an individual human: sieben Treffer für ein und denselben Artikel. Dubletten-Bereinigung ist nicht trivial, ist aber gerade bei Green OA ein sinnvolles Ziel. Das ist etwas, was Google Scholar deutlich besser macht. Dort gibt es nur einen Treffer – und 34 Orte, an denen man zum Text kommen soll.

BASE ist ein sehr gutes Werkzeug, das ich nahezu werktäglich einsetze. Aber es ist – und das ist keine Schande – tatsächlich noch Luft nach oben.

3sat-Beitrag zu Journal of Interrupted Studies und Science4Refugees

In einem guten – und dazu kurzen – 3sat-Beitrag wird das Journal of Interrupted Studies (JIS) und Science4Refugees vorgestellt. JIS ist ein schönes Projekt, kann aber m.E. den eigenen Anspruch, akademische Sichtbarkeit für geflohene WissenschaftlerInnen zu schaffen, nicht einlösen. Ein Open-Access-Journal würde sowohl die WissenschaftlerInnen stärker exponieren, aber auch der wissenschaftlichen Community ermöglichen, von den Publikationen zu profitieren. Bislang ist JIS in der ZDB nicht nachgewiesen. Per DOAJ wären die Artikel aber inzwischen sicherlich in zahlreichen Bibliothekskatalogen und Discoverysystemen gelandet.