Workshop "Lokaler Suchraum"

Workshop „Lokaler Suchraum“ in der UB Dortmund:

Dieser Workshop stellt verschiedene Lösungen von integrierten Suchoberflächen vor. Die Vorträge liefern u.a. Antworten auf die Fragen: Wie hoch ist der Aufwand, um ein Produkt auf die lokalen Bedingungen und Anforderungen anzupassen oder es selbst zu entwickeln? Welche Personalkapazitäten sind einzuplanen (Qualifikationen, Arbeitszeit etc.). Welche technischen Voraussetzungen sind zu schaffen, wie lang ist die Einarbeitungszeit der Administratoren?
Als weiterer Aspekt soll auch die Nutzersicht berücksichtigt werden. Welche Vorteile für die Nutzer verspricht sich die Bibliothek durch den Einsatz ihrer Lösung? Wurde die Usability des Projektes überprüft, und wenn ja, wie? Wie lautet das Feedback von Bibliotheksnutzern?

Und hier geht’s zum Programm und zu den Anmeldedetails.

[via Inetbib]

Wer traut der Cloud?

Gartner hat Cloud Computing zu einer der Strategic Technologies for 2011 erklärt. In Wikipedia ist Cloud Computing folgendermaßen zusammengefasst:

Ein Teil der IT-Landschaft (in diesem Zusammenhang etwa Hardware wie Rechenzentrum, Datenspeicher sowie Software wie Mail- oder Kollaborationssoftware, Entwicklungsumgebungen, aber auch Spezialsoftware wie Customer-Relationship-Management (CRM) oder Business-Intelligence (BI)) wird durch den Anwender nicht mehr selbst betrieben oder bereitgestellt, sondern von einem oder mehreren Anbietern als Dienst gemietet. Die Anwendungen und Daten befinden sich dann nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum, sondern in der (metaphorischen) Wolke (engl. „cloud“). Das Bild der Wolke wird in Netzwerkdiagrammen häufig zur Darstellung eines nicht näher spezifizierten Teils des Internet verwendet.

Es geht als darum, Ressourcen zu sparen. Klingt attraktiv, doch kann man der Cloud wirklich trauen? Zwei Fälle in der jüngsten Vergangenheit sollten mindestens misstrauisch machen.

Yahoo vs. Delicious.com

Yahoo will Delicious verkaufen. Zumindest nicht mehr schließen, wie es kurze Zeit hieß. Auch wenn sich die erste Aufregung schon wieder ein wenig gelegt hat, steht fest, dass Delicious und ähnliche, in der Cloud gelagerten Dienste nicht Teil einer kritischen Infrastruktur sein dürfen. Wenn die Linksammlung einer Bibliothek kurze Zeit ausfällt, bis sie zu einem anderen Dienst übertragen ist, wäre das nur ärgerlich. Es sind jedoch auch Szenarien denkbar, in denen ein Dienst wie Delicious eine für den Fortgang einer Bibliothek oder eines Forschungsprojekts wesentlichere Funktion einnimmt.

Wikileaks vs. Amazon

Man mag von den Cablegate-Veröffentlichungen halten, was man will. Fakt ist, dass bislang niemand für die Veröffentlichung der Depeschen verklagt oder gar verurteilt wurde. Dennoch hat sich Amazon, wo Wikileaks bislang in der EC2-Cloud gehostet wurde, dazu entschieden, Wikileaks auszusperren. Dies ist ein Vorgehen von nicht zu unterschätzender Relevanz. Wenn zum Beispiel eine Bibliothek ein Online-Archiv in der Cloud errichten möchte, kann sie es auf keinen Fall dem Cloud-Provider überlassen, welche Inhalte sie dort publizieren darf und welche nicht.

Wichtig: Risikoabschätzung

Das Thema „Cloud Computing“ ist nicht nur ein Modethema, es ist jetzt schon Alltag. Man denke nur an Google Docs oder die Dropbox. Wenn Cloud-Dienste in Anspruch genommen werden sollen, ist es unbedingt notwendig, die möglichen Risiken abzuschätzen. Hilfreich kann dabei die Broschüre zum Cloud Computing Risk Assessment der European Network and Information Security Agency sein. Dort werden verschiedene Risikofaktoren unterteilt in drei Felder (Technical risks, policy and organizational risks und legal risks) identifiziert und erörtert. Auch der NYT-Artikel „Lost in the Cloud“ von Jonathan Zittrain gibt Hinweise auf weitere mögliche Risiken zum Beispiel für den Datenschutz.

PS: Wer noch keine Dropbox hat und mir einen Gefallen tun möchte, kann sich über diesen Link dort anmelden. Durch die Anmeldung bekomme ich eine Prämie in Form von mehr Speicherplatz.

Yahoo zum Delicious-Verkauf

Yahoo hat sich jetzt selbst zur drohenden Schließung von Delicious geäußert. Im Blog heißt es:

No, we are not shutting down Delicious. While we have determined that there is not a strategic fit at Yahoo!, we believe there is a ideal home for Delicious outside of the company where it can be resourced to the level where it can be competitive.

Das klingt schon wesentlich optimistischer. Kandidaten werden zur Zeit noch und nöcher diskutiert. Sogar die LoC war im Gespräch:

The Library of Congress should have bought it, similar to the way it has now archived every Tweet ever tweeted.

So much value. So unappreciated. So tragically lost. Where will we all gather next, where our bookmarks can be centralized for maximum network effect? Perhaps this story demonstrates that’s not the right question to ask.

Wobei es dann vermutlich schwierig wird, seine Wikileaks-Linksammlung über Delicious zu organisieren.

Delicious.com soll geschlossen werden

Techcrunch berichtet, dass Yahoo den beliebten Social-Bookmarking-Dienst Delicious.com schließen wird. Ein Verkauf oder die Veröffentlichung des Quelltextes scheint für Yahoo bislang keine Alternative zu sein. Wahrscheinlich wird die Delicious-Startseite daher bald ähnlich aussehen wie Geocities. Auch dies ein florierendes Projekt, dass von Yahoo gekauft, vergessen und schließlich geschlossen wurde.

Da zahlreiche Bibliotheken und Bibliothekswesen Delicious einsetzen, wird nun die Suche nach Alternativen beginnen. Einfach wird das nicht. Delicious hat verschiedene Features, die die Nutzung in verschiedenen Kontexten sehr komfortabel machen. Zum Beispiel für eine Materialsammlung zum Heidelberger Appell, die Quicklinks des FZ Jülich oder die virtuellen Bibliotheken der Bibliothek der FH Hannover.

Kurze, hoffentlich nützliche Linksammlung:

Ach ja: Es ist sicherlich empfehlenswert, die bestehende Delicious-Sammlung zu exportieren.

Welche Lektion kann man daraus ziehen? Ist die Cloud tot, bevor sie sich überhaupt richtig durchgesetzt hat? Für Bibliotheken sollte auf jeden Fall klar sein, dass man keinen Dienst einsetzen sollte, der keinen kompletten Datenexport erlaubt. Die in Delicious gespeicherten Bookmarks lassen sich sichern. Das persönliche Netzwerk ist dennoch weg, die Einbindung des Dienstes in Webseiten muss auch ersetzt werden. Idealerweise sollte daher auch stets eine Open-Source-Alternative bereit stehen, um den Dienst zur Not selbst anbieten zu können.

Eine weitere Lektion ist, dass man sich speziell auf Yahoo nicht verlassen sollte. Der Fall Geocities hätte eigentlich Warnung genug sein müssen. Nun Delicious, morgen vielleicht Yahoo Pipes oder Flickr?

Ein paar Links zu Wikileaks

Ein paar Links rund um Wikileaks:

  • Was WikiLeaks mit Internetsperren zu tun hat
  • Hätten die USA ein Zugangserschwerungsgesetz, wie es Ursula von der Leyen einst vorgeschlagen hat, hätten sie die nötige Infrastruktur – wie würden sie heute verfahren? Würde dieses Werkzeug weiterhin nur gegen Kinderpornografie eingesetzt? Oder wäre ein Land, in dem man Soldaten das Zeitunglesen verbietet, nicht womöglich doch bereit, eine solche Infrastruktur auch zum Schutz der eigenen Bevölkerung vor allzu viel Information zu nutzen? Wären Wikileaks.ch, Wikileaks.de und all die anderen Alternativadressen (mittlerweile sind es weit über 2000), unter denen man die Botschaftsdepeschen und andere Dokumente heute selbst nachlesen kann, von den USA aus noch zu erreichen? Oder würde im Interesse der nationalen Sicherheit nicht vielleicht doch gefiltert?

  • Heinrich C. Kuhn zieht die Konsequenz aus einer befremdlichen Diskussion über Wikileaks in Inetbib und meldet sich nach ca. 15 Jahren ab:
  • Wenn in einer Liste zum Bibliothekswesen nicht mehr einhellig die Freiheit der Information aus öffentlich zugänglichen Quellen verteidigt wird, wenn in diesem Kontext Schreiben über Netiquette wichtiger ist als Erwägen inhaltlicher Argumente und Erwägen was gültige Argumente sind, und was nicht, und warum: wenn dem so ist, dann bin ich zu sehr zum Dinosaurier geworden als dass meines Bleibens noch wäre. Der Punkt ist erreicht.

    Grund dürften unter anderem die absurden Behauptungen sein, die in dieser Diskussion aufgestellt wurden. Völlig unbeleckt jeder Tatsachen vermuten „Informationsprofis“ alles mögliche über Wikileaks. Dabei ist eine Faktenprüfung kaum je einfacher gewesen als im Falle Wikileaks. Man nehme: die FAQ zu den Cablegate-Dokumenten. Zweit- und Drittmeinungen und Expertisen jeglicher Couleur sind darüber hinaus einfach zu recherchieren.

  • Der Freitag, die tageszeitung, Frankfurter Rundschau, Perlentaucher, ECCHR, Der Tagesspiegel und Berliner Zeitung veröffentlichen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks
  • Abschließend die Reaktionen von BID, DBV und IFLA auf Wikileaks. An dieser Stelle sei nochmal erinnert an den Code of Ethics (PDF):
  • Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

Der Einsatz „für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen“ findet sicherlich hinter den Kulissen statt. In zukünftigen Wikileaks-Veröffentlichungen werden wir lesen können, wie unerbittlich die Vertreter des Bibliothekswesens in Sachen Wikileaks für die Meinungsfreiheit gekämpft haben.

Abschließend ein Zitat:

Die Frage, ob wir als Berufsgruppe bedingungslos an die Gesetze halten sollen wird sich dann stellen, wenn staatliche Stellen beginnen zensierend auf das Internet zu wirken. Die Geschichte Deutschlands muß als Warnung dienen. Die Schwelle zur Zensur wird in Deutschland auch in den letzten Jahren aktuell debattiert. Wenn es zu spät ist hilft nur noch ziviler Ungehorsam für das hohe Gut der Informationsfreiheit.

(Gerald Schleiwies im Blog Ethik von unten)

ZB MED befreit Katalogisate

Im Rahmen der Expertenkonferenz Open Access and Open Data hat die Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die Katalogisate der ZB MED ab sofort unter CC0 zum Download, zur Verbreitung, Bearbeitung etc. bereit stehen.

Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) stellt ab sofort ihre Katalogdaten zur freien Nutzung bereit. Dazu gehören über 1.000.000 Medien – unter anderem Bücher und Zeitschriften – aus den Fachbereichen Medizin, Gesundheit, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Durch eine Freigabe der Daten unter einer CC0-Lizenz ist es möglich, ohne jegliche Beschränkung die Daten herunter zu laden, zu modifizieren und für eigene Zwecke zu nutzen.

Die Daten sind auf der Open-Data-Seite im HBZ-Wiki im Format RDF – ISO 2709 zu finden. Die Daten sind vom Mai 2010 und in zwei Downloads („Ernährung, Umwelt, Agrar“ und „Medizin, Gesundheit“) unterteilt.

Montreux Sounds Digital Project

Mehr als 5000 Stunden des Montreux Jazz Festivals mit Künstlern wie Ella Fitzgerald, David Bowie und Miles Davies können dank dem „Montreux Sounds Digital Project“ für die Nachwelt erhalten bleiben. Seit dem Jahre 1967 liess das Festival seine Konzerte filmen. Am Projekt beiteiligen sich die ETH Lausanne, der Uhrenhersteller Audemars Piguet und die Montreux Sounds SA . Ziel ist es, die Aufnahmen in einem Verzeichnis zu erfassen und zu digitalisieren. Mehr Infos hier.

Best of Montreux Jazz Festival 1967 – 2006

The Gatekeeper is Dead! Long live the Gatekeeper!

Cameron Neylon (Science in the Open) hat in dieser Präsentation zusammengefasst, warum er die These vom „Filter Failure“ für falsch hält. In guter alliterierender Tradition geht er vom „discovery deficit“ aus. Die Folien geben auch ohne Vortrag einen zumindest grundlegenden Eindruck, worum es geht:

In einem Posting erläutert Neylon die zugrunde liegende Überlegung: so lange Publizieren aufwändig und teuer war, mussten leistungsfähige Filter die Menge der publizierten Informationen begrenzen. Durch das Web ist Publizieren jedoch so einfach und auch kostengünstig geworden, dass diese Filter nicht mehr benötigt werden. Seine These:

We don’t need more filters or better filters in scholarly communications – we don’t need to block publication at all. Ever. What we need are tools for curation and annotation and re-integration of what is published. And a framework that enables discovery of the right thing at the right time. And the data that will help us to build these. The more data, the more reseach published, the better.

Diese These kann man auch im Zusammenhang mit der stets wiederkehrenden Debatte diskutieren, welche Inhalte für Kataloge in öffentlichen Bibliotheken „angemessen“ sind. So wird gerade in den Netbib-Kommentaren behauptet, für öffentliche Büchereien [sei] der Gesamtbestand von PaperC wohl doch zu wissenschaftlich ausgerichtet.. Zugegeben, die Zahl derer, die nach Perelmans mutmaßlichen(?) Beweis der Poincaré-Vermutung in ÖB-Katalogen sucht, wird eher gering sein. Doch wenn jemand danach sucht, warum soll es nicht zu finden sein? Vom PaperC-Bestand, der meines Erachtens zu einem beachtlichen Teil auch im herkömmlichen Sinne „ÖB-tauglich“ ist, ganz zu schweigen. Spontan gefunden habe ich zum Beispiel:

Wer kann behaupten zu wissen, was die Nutzer einer Bibliothek tatsächlich suchen? Dahinter steckt auch ein wenig die Frage, was sie zu verstehen in der Lage sind. Eine Antwort darauf zu finden, steht Bibliothekswesen meines Erachtens nicht zu. Finanzielle Gründe, juristische Straftatbestände oder mangender Platz im Buchregal sind Filtergründe. Rein inhaltliche Filter sind nicht oder nur schwer zu begründen.

Ver.di befragt über "gute Arbeit in Bibliotheken"

Ver.di möchte wissen, ob es „noch“ (?) erstrebenswert ist, in Bibliotheken zu arbeiten:

Wir, die ver.di-Arbeitsgruppe Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen, möchte es jetzt genau wissen: Wie steht es um die Qualität unserer Arbeit? Ist es noch erstrebenswert, als BibliothekarIn zu arbeiten?

Um diese Fragen besser beantworten zu können, haben wir uns entschlossen, die Arbeitswelt in Bibliotheken genauer zu untersuchen. Im Projekt „Index Gute Arbeit“ sollen unsere Mitglieder, aber auch interessierte Nichtmitglieder ausführlich beantworten, wie gut es sich in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten lässt, wie hoch die Zufriedenheit mit dem Beruf ist und welche Veränderungen beobachtet wurden.

Hier geht’s zur Umfrage über gute Arbeit in Bibliotheken.

Warum solch eine Umfrage nicht anonym möglich ist, erschließt sich mir nicht. Man muss auch die PLZ des Arbeitgebers angeben. Zwar „nur die ersten vier Stellen“, aber die reichen im Bibliothekswesen wohl häufig aus, um den Arbeitgeber eindeutig zu identifizieren. Sieht ein bißchen aus wie ein Fischzug nach potentiellen Mitgliedern und deren Daten. Zumindest, wenn die Daten für die Auswertung wie zugesichert tatsächlich anonymisiert werden.

Wer teilgenommen hat, kann seine/ihre Eindrücke des Fragebogens gerne hier in den Kommentaren schildern. Natürlich auch anonym.