"Geistiges Eigentum" behindert Innovation

Heidi L. Williams: Intellectual Property Rights and Innovation: Evidence from the Human Genome

This paper provides empirical evidence on how intellectual property (IP) on a given technology affects subsequent innovation. To shed light on this question, I analyze the sequencing of the human genome by the public Human Genome Project and the private firm Celera, and estimate the impact of Celera’s gene-level IP on subsequent scientific research and product development outcomes. Celera’s IP applied to genes sequenced first by Celera, and was removed when the public effort re-sequenced those genes. I test whether genes that ever had Celera’s IP differ in subsequent innovation, as of 2009, from genes sequenced by the public effort over the same time period, a comparison group that appears balanced on ex ante gene-level observables. A complementary panel analysis traces the effects of removal of Celera’s IP on within-gene flow measures of subsequent innovation. Both analyses suggest Celera’s IP led to reductions in subsequent scientific research and product development outcomes on the order of 30 percent. Celera’s short-term IP thus appears to have had persistent negative effects on subsequent innovation relative to a counterfactual of Celera genes having always been in the public domain.

Um diesen Artikel nicht für 5 US$ kaufen zu müssen, müsste man sein: a subscriber, a corporate associate of the NBER, a journalist, an employee of the U.S. federal government with a „.GOV“ domain name, or a resident of nearly any developing country or transition economy.

Daher statt des Volltexts eine Präsentation, die den Inhalt des Artikels hoffentlich einigermaßen gut wiedergibt. Weitere Informationen finden sich u.a. bei Techdirt.


human genome study slide summary –

Zum Thema behinderte Innovation sind auch folgende Artikel aktuell:

Big Potatoes – Das Londoner Manifest für Innovation

Geistiges Eigentum wird akribisch geschützt, weil es so hart erarbeitet werden muss. In den Wissenschaften werden viele Erkenntnisse frei untereinander ausgetauscht. Aber in der Geschäftswelt wird beim geistigen Eigentum mehr auf das Eigentum geachtet als auf die geistige Komponente. Die Arbeit von Patentanwälten erlangt zuweilen höheren Stellenwert als die der Innovatoren, obwohl diese wahrscheinlich härter arbeiten müssen.

Fair Use als Wirtschaftsmotor

Die US-Wirtschaft profitiert in Billionenhöhe von den Fair-Use-Regelungen des amerikanischen Copyrights. Das hat eine Studie des IT-Verbands Computer & Communications Industry Association (CCIA) festgestellt. Damit konterkariert sie diverse Anti-Piraterie-Studien der Medienindustrie, denen zufolge Verstöße gegen das Copyright nur Milliardenschäden verursachen.

Neuer Biblioblog: Ethik von unten

Peter Mayr behagte der „Code of Ethics“ nicht. Nun hat er das Blog Ethik von unten ins Leben gerufen, dass eine Diskussion von unten anstossen möchte:

Neben Beiträgen zur deutschen Situation soll versucht werden über den Tellerrand in andere Länder und Berufsgruppen zu schauen und vielleicht dort Anregungen zu bekommen.
Natürlich sind Gastautorinnen und -autoren immer gerne gesehen um ein möglichst breites Spektrum von Meinungen und Thesen abzubilden.
Fallbeispiele aus der konkreten bibliothekarischen Praxis sollen die Möglichkeit geben die – teils doch sehr abgehobenen – Prinzipien die in Berufsethiken dargelegt werden herunterzubrechen auf den Alltag in dem wir uns befinden.

Der erste Blick über den Tellerrand wandert nach Österreich. Dort hat der VÖB VÖBB eine Arbeitsgruppe gegründet, die über ihr Tun bloggt.

Kölner Killerbibliothekare

Der Standard berichtet von bibliothekarischer Randale in Österreich. Der runde Fisch zeichnet die klassische Laufbahn präzise nach:

Es fängt ja oft schon in der frühen Kindheit an. Bilderbücher, TKKG oder irgendwas vom Brezina. Irgendwann kommt dann das erste Abo für die Spatzenpost und der Beitritt zu einem Buchklub. Als Elternteil bekommt man das oft nicht mit, wenn das Kind schleichend in einen Lesezirkel abdriftet. Dann ist es oft schon zu spät und eine „Karriere“ in der Bibliothekaren-Szene scheint vorprogrammiert. Und irgendwann „kracht“ es dann, wie hier in Hermagor…

Es werden auch Ausstiegsprogramme für gewaltbereite Bibliothekare ersonnen.

Upload-Formulare in Repositorien III

Übersicht:

Nachdem ich den Ist-Zustand skizziert und mögliche Vorbilder vorgestellt habe, möchte ich nun einen Lösungsvorschlag für ein Open-Access-Upload-Formular machen. Es besteht aus drei Teilen.

1. Datei(en) hochladen

Wie bei Youtube & Co sollte der Upload der Datei zuerst erfolgen. Ich erhoffe mir davon eine erhöhte Motivation der AutorInnen, den Veröffentlichungsvorgang zu komplettieren. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sollte auf jeden Fall einmal untersucht werden. Generell sollte in Zukunft ein Hauptaugenmerk bei der Weiterentwicklung von Repository-Software auf der Usability liegen. Welches Metadatenmodell unterstützt wird, interessiert AutorInnen nicht.

Hier geht’s zum Dummy [1] Vielen Dank für Begutachtung, Tipps und Diskussion an Andrea, Christian, Danny, Edlef, Frank, Horst, Lambert, Nina, Uli, Wiebke & alle anderen, die ich schändlicherweise vergessen habe . Achtung, diese Webseiten könnten verändert werden oder verschwinden. Die Screenshots dokumentieren den Zustand während des Verfassens dieses Postings. Das Formular funktioniert nicht. Um zum nächsten Schritt zu gelangen, bitte ganz unten auf „nächster Schritt“ klicken.

2. Dokument beschreiben

Es sollten wirklich nur Daten erhoben werden, die nicht selbst durch Autopsie erhoben werden können. Ich bin dabei (exklusive Datei-Auswahl, inkl. Lizenzauswahl) auf drei Phasen mit insgesamt 12 auszufüllenden Feldern gekommen. Würde man den Upload zum Beispiel mit einem Nutzerkonto verknüpfen, entfiele zum Beispiel noch die Angabe einer Email-Adresse.

Hier geht’s zum Dummy.

3. Lizenz wählen

Dies müsste graphisch noch eleganter gelöst werden. Im letzten Schritt sollten die bibliographischen Details überprüft und geändert werden können. Wichtiger jedoch ist die rechtliche Seite der Veröffentlichung. Hier werden Nutzungsrechte vereinbart und eine Creative-Commons-Lizenz gewählt. Das Menü für letzteres ist eins zu eins von Creative-Commons.org übernommen. Schöner, also nutzerfreundlicher, kann man es kaum machen. Durch die Auswahl zweier Checkboxen kann man auch ohne umfangreiche Vorkenntnisse zwischen sechs verschiedenen Lizenzmodellen wählen.

Hier geht’s zum Dummy.

Dummy

Ich habe einen Dummy erstellt, in dem man sich den hier vorgestellten Upload-Vorgang ansehen kann. Die Links funktionieren größtenteils nicht, das CSS ist von Creative-Commons.org übernommen, optisch ist da sicherlich mehr drin.

Kritik

Es gab im Vorfeld schon eine Menge guter Kritik am Dummy. In ungeordneter Reihenfolge:

  • Lizenzmodell NC-ND ist kontraproduktiv. Warnhinweis über die Konsequenzen müsste hinzugefügt werden
  • Upload zuerst könnte AutorInnen zu der Annahme verleiten, dass ihr Part damit schon erledigt ist.
  • Hinweis auf Genehmigung studentischer Arbeiten durch Erstprüfer fehlt noch, wenn das erwünscht sein sollte.
  • Ausführlichere Maske verlinken für AutorInnen, die selbst erfassen wollen
  • Neben Datei-Upload von der Festplatte möglichst noch Verweis auf PDF im Netz (automatischer Download von dieser Stelle).
  • Feld „Quelle“ ist nicht eindeutig. Die Erklärung sollte umformuliert werden.
  • Radikaler Ansatz: Bibliothek bekommt nur die Datei und die Nutzungsvereinbarung, bibliographische Angaben müssen nur ergänzt werden, wenn sie aus dem Dokument per Autopsie nicht ersichtlich sind.
  • Feld „Bemerkung“ beim Datei-Upload ist überflüssig.

Und jetzt?

Insgesamt fehlt es noch an einigem. Ich hoffe allerdings, dass die zugrunde liegenden Ideen deutlich werden und erkläre hiermit die Diskussion für eröffnet. Was fehlt? Noch besser: Was kann noch gestrichen werden? Ist die Reihenfolge so in Ordnung? Ich bitte um begründete Verrisse und Gegenvorschläge!

References

References
↑1 Vielen Dank für Begutachtung, Tipps und Diskussion an Andrea, Christian, Danny, Edlef, Frank, Horst, Lambert, Nina, Uli, Wiebke & alle anderen, die ich schändlicherweise vergessen habe

Upload-Formulare in Repositorien II

Übersicht:

Hier habe ich die Unübersichtlichkeit der klassischen Upload-Formulare in Open-Access-Repositorien zusammengefasst. Nun möchte ich darstellen, wer es besser macht. Und warum das so ist.

Youtube

Der Content-Gigant Youtube verzeichnete unlängst zwei Milliarden angesehene Videos pro Tag. Die genaue Zahl der Nutzer konnte ich nicht herausfinden. Die Schätzung von 300 Millionen Accounts konnte ich nicht verifizieren, ich halte sie aber zumindest in der Größenordnung nicht für unrealistisch. Ob es nun doppelt so viele sind oder nur 10% der 300 Millionen, ist an dieser Stelle unbedeutend. Festzustellen ist: Millionen von Usern sind in der Lage, ein Video auf Youtube zu veröffentlichen. Und das sieht folgendermaßen aus:

Datei hochladen

Dieses ist der erste Streich.

Videoinformationen und Datenschutzeinstellungen

Und der zweite folgt sogleich. Fünf Felder stehen zur Auswahl.

  1. Titel
  2. Beschreibung
  3. Tags
  4. Kategorie
  5. Datenschutz

Fertig.

Scribd

Noch radikaler geht Scribd vor. Auf der Startseite ist ein großer Upload-Button. Klickt man dort drauf, kann man sofort die zu veröffentlichende Datei auswählen. Dann folgt die Metadaten-Erfassung.

  1. Edit title
  2. Choose a category
  3. Ggf. Unterkategorie
  4. Scribble your description here

Slideshare

Auch Slideshare geht ähnlich vor. Zuerst lädt man die Datei hoch, dann füllt man folgende Felder aus:

  1. Title
  2. Description
  3. Tags
  4. Category
  5. Privacy
  6. Allow Download

Fazit

Gemeinsam ist den hier beschriebenen Upload-Vorgängen folgendes:

  1. Der Upload des Dokuments erfolgt am Anfang. Wenn die Datei einmal dem Server übergeben ist, ist die Motivation viel höher, auch noch die Erfassung vorzunehmen. [1] Dies ist eine These, die genauer untersucht werden muss. Vielleicht ein gutes Thema für eine Bachelor-Arbeit? Umgekehrt besteht überhaupt kein Problem, den Veröffentlichungsvorgang abzubrechen, wenn die Datei noch gar nicht hochgeladen wurde.
  2. Es werden nur die wichtigsten Daten erfragt. Bei einem Repository sind das immer mehr als z.B. bei Scribd. Aber der Unterschied ist so gravierend, dass man sich fragen muss, ob er nicht verkleinert werden muss.

Im nächsten Teil mache ich einen Vorschlag, wie ein Kompromiss zwischen den hier vorgestellten Diensten und den gängigen Veröffentlichungsformularen aussehen könnte.

References

References
↑1 Dies ist eine These, die genauer untersucht werden muss. Vielleicht ein gutes Thema für eine Bachelor-Arbeit?

Neuer Biblioblog: A growing organism

Anne Christensen, demnächst bibliothekarisch in Niedersachsen aktiv, hat den Schritt in die bloggende Selbständigkeit vorgenommen. Fürderhin bloggt sie in ihrem eigenen, nach Ranganathan benannten Blog A growing organism.

Deswegen wird es auch hier um neue Kataloge und andere innovative Informationsdienste von Bibliotheken für ihre Nutzerinnen und Nutzer gehen, aber nicht nur: „The library is a growing organism“ gebietet Altmeister S.R. Ranganathan – und das soll auch für dieses Blog gelten.

Im ersten Post-Hallo-Welt-Posting geht es um die Auskunftstheke, deren Abschaffung vor kurzem vielerorts diskutiert wurde.

Neue Ausleihtheke

Ein Thema, dass sich übrigens in vielen kleineren Bibliotheken dadurch schon vor längerer Zeit dadurch erledigt hat, dass ein reiner Auskunftsplatz überhaupt nicht ausgelastet wäre. In der Bibliothek der FH Hannover zum Beispiel sind Auskunft und Ausleihe schon seit mehreren Jahren zusammengelegt.

Upload-Formulare in Repositorien I

Übersicht:

Die Green Road funktioniert langfristig nur, wenn sich Open-Access-Repositorien den Bedürfnissen ihrer Nutzer anpassen. Nutzer sind dabei nicht die Mitarbeiter der Bibliotheken, die den jeweiligen Server administrieren. Nutzer sind die Autoren, deren Publikationen archiviert und publiziert werden sollen.

Wer selbst einen Publikationsserver und somit auch Autoren betreut, wird diese Fragen und Hilferufe kennen:

  1. „Welche Lizenz wähle ich?“
  2. „Um Himmels Willen, muss ich das alles ausfüllen?“
  3. „Was ist SWD, warum sieht die aus wie eine Webseite von 2001 und vor allem: Was soll ich damit?“
  4. „Muss das wirklich so kompliziert sein?“

Diese und ähnliche Fragen kulminieren oft in: „Können Sie das vielleicht für mich übernehmen?“

Tobias Rütten: Labyrinth, CC-BY-SA

Die Antwort ist logisch: „Natürlich kann ich das für Sie übernehmen! Würden Sie der Bibliothek ein von Ihnen geschriebenes Buch schenken, müssten Sie es schließlich auch nicht selbst katalogisieren.“

Die Realität sieht oft anders aus. Wer sein Dokument auf dem Server und in die Bibliothekskataloge bekommen möchte, muss neuerdings selbst formal und inhaltlich erschließen.

Die in Deutschland am weitesten verbreitete Repository-Software ist meines Wissens OPUS. Das klassische Veröffentlichungsformular von OPUS enthält folgende Punkte:

Veröffentlichungsvorgang starten

Dokumentart

Über 20 verschiedene Dokumententypen stehen zur Auswahl, z.B. 22 in Hannover, 24 in Freiburg.

Lizenz

Die Auswahl der Lizenzen erfolgt per Drop-Down. Das führt dazu, dass man Creative-Commons-Lizenzen kaum ohne Vorkenntnisse auswählen kann. Wer weiß schon, was Angaben wie Creative Commons – Namensnennung, Nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen bedeuten?

BibTeX-Upload

Ein Feature, dass Experten sicher weiterhelfen kann, aber die meisten Autoren ebenso sicher verwirrt.

Beschreibungsdaten eingeben

Ich werde nun nicht jedes Feld kommentieren. Ein Blick auf die Menge der möglichen Angaben spricht für sich:

  1. Originaltitel der Arbeit
  2. Titel der Arbeit auf Englisch
  3. Verfassername (Nachname, Vorname)
  4. Sonstige beteiligte Personen (Nachname, Vorname)
  5. Urheber
  6. Sonstige beteiligte Körperschaft bzw. Institution (Sponsor, Organisator etc.)
  7. Quelle
  8. Kontrollierte Schlagwörter (Deutsch)
  9. Freie Schlagwörter (Deutsch)
  10. Freie Schlagwörter (Englisch)
  11. DDC-Sachgruppe
  12. Schriftenreihe / Sendereihe
  13. Bandnummer
  14. Kurze Inhaltszusammenfassung in der Originalsprache (max. 5000 Zeichen)
  15. Kurze Inhaltszusammenfassung in einer weiteren Sprache (max. 5000 Zeichen)
  16. Hochschule
  17. Institut
  18. Jahr der Fertigstellung
  19. Sprache
  20. ISBN
  21. Anzahl der zu übertragenden Dateien
  22. E-Mail Adresse
  23. Gültigkeitsdauer
  24. Zugriffsbeschränkung

Kontrollierte Schlagwörter, DDC, sonstige beteiligte Körperschaften? Wenn das wirklich jeder problemlos ausfüllen könnte, ohne sich eingehend damit beschäftigt zu haben, bräuchten wir keine professionelle inhaltliche Erschließung mehr. Auch eine interessante Debatte, aber weiter im Text…

Seite 3: Vorschau

Hier kann man die bibliographischen Daten kontrollieren und ggf. zurück zum Erfassungsformular springen.

Seite 4: Dateien hochladen

Nun kann man die Datei tatsächlich hochladen. Zumindest der Teil der publikationswilligen AutorInnen, die es bis hierhin geschafft haben. Nach – wenn ich mich nicht verzählt habe – 27 Feldern ist man also dort angekommen, wo man eigentlich hinwollte.

Wie kann man es besser machen?

Nicht nur bei OPUS ist die Lage derart unübersichtlich. Um nur ein anderes Beispiel zu nennen: E-Prints‘ Upload-Vorgang umfasst ebenfalls vier Seiten mit etwa 20 Feldern, davon zahlreiche Pflichtfelder. Wie man es besser machen kann, zeigen verschiedene Publikationsdienste aus dem nicht-akademischen Bereich, die ich morgen vorstellen möchte.

"Putting the fun in functional"

Amy Jo Kim von ShuffleBrain erklärt, wie Spielemechanismen genutzt werden können, um „funktionale Software“ effektiver zu machen:

Schon etwas älter, aber nach wie vor wichtig. Computerspiele sind nicht umsonst eins der stets wiederkehrenden Themen der Zukunftswerkstatt.