Biblionik

Neues Solo-Blog vom (bisherigen?) Netbib-Blogger Lambert Heller: Biblionik:

Der Titel dieses Blogs ist […] nicht nur Wortspielerei. Bionics (dt. Bionik) unterstellt der Natur raffinierterweise eigene Zwecke, um Eigenschaften der belebten Natur als “Werkzeuge” interpretieren und sie dann anschließend für menschliche Zwecke kopieren und remixen zu können. In gewisser Weise soll sich Biblionik mit der Web-Natur beschäftigen, stets mit den bibliothekarischen Erfahrungen und Zwecken vor Augen.

Viel Erfolg!

Google und das Bibliothekswesen

Zur Zeit tobt eine heftige Debatte durch die US-amerikanische Biblioblogosphäre, ausgelöst von einem Posting von Steven M. Cohen. Kurzfassung: Google warb jahrelang um die Gunst der BibliothekarInnen und zieht sich jetzt einseitig aus dieser einst innigen Beziehung zurück. Als Beispiel wird die Googles Librarian Central genannt, das für mehr als ein Jahr pausierte und wohl nur aufgrund der aktuellen Debatte wiederbelebt wurde.

Die Problematik war auch schon während der Inetbib-Tagung Flurgespräch. Zwar zeigte Stefan Keuchel dort Präsenz, und er forderte auch alle Bibliothekare auf, mit Google zusammen zu arbeiten. Dass dies praktisch fast unmöglich ist, müsste jedem klar sein, der es einmal versucht hat. Auf Mails wird nicht reagiert, und dass die Librarian Central komatös vor sich hin dämmerte, ist ein mehr als deutliches Zeichen.

Aber ernsthaft: Hat jemand etwas anderes erwartet? Google ist kein Wohltätigkeitsverein, und wenn kein handfestes finanzielles oder strategisches Interesse mehr an einem Partner besteht, lohnt sich auch Engagement nicht mehr. Googles Mission, das Wissen der Welt verfügbar zu machen ist in diesem Sinne so zu verstehen, dass Google Bibliotheken dort anpartnert, wo sie deren Rolle (noch) nicht übernehmen können. Cohen:

But even more, I’m disappointed in librarians who actually fell for this blatant marketing scheme. Did they really think that this relationship would continue? Did they grasp the importance of what Google was/is doing? Will they fight back? Or will they fit the stereotype that librarians are passive and let yet another company walk all over them? I hope they won’t, but then again, I won’t be surprised if they do.

Sneak Preview: ISBN2SRU

Das hier vorgeschlagene Plugin ist zwar noch nicht fertig. Aber ein funktionsfähiger Prototyp steht.

Screenshot:

Funktion:
Die Eingabe einer ISBN in der Form
[isbn]3-492-04549-9[/isbn]
erzeugt eine SRU-Anfrage beim GBV. Sofern Daten vorliegen, werden diese geparst und in das Posting kopiert.

Es ist noch einiges zu verbessern, in den nächsten Wochen wird es aber veröffentlicht werden. Für den Anfang sollen GVK, LoC und DNB zur Auswahl stehen. Möglich sind alle Datenbanken, die eine SRU-Anfrage erlauben und Dublin Core zurückgeben. Vorschläge, Wünsche?

Erste Ausgabe von BRaIn erschienen

Mit dem Schwerpunktthema Besondere Bibliotheken: Bibliotheken in der Bildenden Kunst startet das neue E-Journal der FH Potsdam „BRaIn – Potsdamer Beiträge und Reportagen aus der Informationswissenschaft“. Es handelt sich um eine Open-Access-Zeitschrift, die in einem studentischen Projekt konzipiert und umgesetzt wurde. Publiziert werden sollen vor allem Beiträge aus der Potsdamer FH.

[via IBI]

Google Lively

Bei Googles kann man es offenbar nicht ertragen, irgendetwas nicht selbst anzubieten. Nun also pseudobrowserbasiertes Second Life unter dem Namen „Lively“.

Wirklich browserbasiert ist die Anwendung nicht. Erforderlich ist die Installation eines Clients, der ausschließlich unter Windows funktioniert. Hat man dies hinter sich gebracht, kann man verschiedene „Räume“ betreten. Es gibt auch schon ein paar „Libraries“. In diesem Raum kann man dann darauf hoffen, dass sich dort interessante Gesprächspartner aufhalten.

Man kann diese Räume auch per iframe in andere Webseiten einbinden. Beispiel:

Lively ist ein 3D-Chatroom mit umständlicher Bedienung und häßlichen Avataren, spaßfrei und ohne erkennbaren Nutzen: überflüssig. Ich bin gespannt, wann sich dennoch die ersten Bibliothekare an die Arbeit machen, Bibliotheksdienste in diesem Umfeld nachbilden zu wollen. Kann ja nicht lange dauern. Die gaming librarians stehen bestimmt schon in den KellerStartlöchern.

[via Heise]

LibWorld Cover Contest: The Contributions

UPDATE: The poll is closed, new votes will no longer be counted. You can see the results here.

Thanks for your artworks! We are really glad that we do not have to decide which is the best one. No, this is your decision! We want to introduce the contributions to you. So please take a look at the artworks, choose your favourite one and vote for the LibWorld book cover!

The contributions to the LibWorld Cover Contest

Number One

Gloria Garnora from Chile sent this composition in red, yellow and white to us. She used GIMP to make this cover. And here it is:

Number Two

Laura Regnault sent this fine piece of cover art. She wants to express the „colorful flow of information in library blog world“.

Number Three

The next contribution came from Germany. The author calls himself Bücherninja (German for books ninja). He is convinced that the library world needs more ninja spirit:

Number Four

The next cover was designed by Edlef Stabenau, founder of Germany’s oldest and most popular biblioblog Netbib. He chose to use Wordle to produce his picture.

Number Five

This and the following two covers were made by David Comuñas Serrano using Inkscape. For the second one he chose to use a QR code

Number Six

Number Seven

Number Eight

Jaume Josep Llambrich Brull from Spain sent us two covers to choose from.

Number Nine

Number Ten

Last but not least: Laurent Meese from Belgium with his version of the LibWorld book cover.

Stiglitz & Sulston fordern Open Access (zumindest zwischen den Zeilen)

Die meist hitzige Debatte über geistiges Eigentum geht in eine neue Runde; diesmal angestoßen von sehr prominenter. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert – gemeinsam mit Medizin-Nobelpreisträger John Sulston – das System des geistigen Eigentums:

It is now widely recognised that the system of law and practice that has regulated science and protected the rights of those who make scientific discoveries and turn them into products and therapies in a process known as “innovation” is unfit to serve the needs of the contemporary world.

Weiter:

The second issue we wish to highlight is that of access to science itself. The ideal shared by almost all scientists is that science should be open and transparent, not just in its practices and procedures, but so that the results and the knowledge generated through research should be freely accessible to all. There is a broad consensus in the scientific community that such openness and transparency promotes the advancement of science and enhances the likelihood that the benefits of science are enjoyed by all. For more than a hundred years, these principles have been the bedrock of academia and the scientific community.

Ohne Sulston und Stiglitz Naivität unterstellen zu wollen: Liege ich sehr falsch, wenn ich den meisten vielen manchen Wissenschaftlern wesentlich weniger edle Motive unterstelle? Das Zurückhalten von Informationen ist doch immer noch gängige Praxis, wird durch die Konkurrenz bei Projektanträgen auch (ungewollt) gefördert.

Die Richtigkeit von Sulston & Stiglitz‘ Folgerungen bleibt davon natürlich unberührt. Auch wenn die Worte open und accessible im Text nicht direkt nebeneinander stehen, ist eindeutig, wie diesen Forderungen entsprochen werden kann und muss.

Mehr im offenen Brief von S&S in der Times.

ALA 2008: Top Tech Trends

Josh Hadro fasst im Library Journal die „Top Tech Trends“ des diesjährigen ALA-Konferenz zusammen.

  • Perennial favorites open source, APIs, and mobile devices given as top trends, among others
  • Technology glitches during streaming video, distracting chat room discussion during panel
  • Karen Coyle: Future may not involve libraries „if we don’t make some extreme changes.“

Äußerst empfehlenswerte Lektüre. Die meisten Erkenntnisse sind zwar weder neu, noch überraschend. So gebündelt findet man die diversen Ermahnungen („Mehr Offenheit!“) und Visionen („Mehr Offenheit!“) jedoch selten.

Thüringer Bibliotheksgesetz verabschiedet …

.. und alle Hoffnungen auf ein wirklich überzeugendes Bibliotheksgesetz verabschiedeten sich gleich mit. Am ausführlichsten aknn man das natürlich in Eric Steinhauers Posting zum Thema nachlesen. Drüben bei Netbib sind noch weitere Kommentare verlinkt. Passend dazu noch die Thüringer Allgemeine:

Gewiss, Jörg Schwäblein (CDU) hatte eine feine Nase, als er die Forderung des Bundespräsidenten in Weimar sofort aufnahm. Nun darf er sagen, er habe das erste deutsche Bibliotheksgesetz auf den Weg gebracht, darf dies „einen Meilenstein der deutschen Bibliotheksgeschichte“ nennen. Irgendwie ist das auch nicht wirklich falsch, nur, dass es nichts bedeutet. Denn der wirkende Kern eines solchen Gesetzes wäre die Sicherung, also Finanzierung, der Bibliotheken.

Für eine absolute parlamentarische Mehrheit gilt der bewährte Satz „Was die Partei beschloss, wird sein“. Und gestern beschloss sie: nichts.

Sogar die SuperIllu widmet dem Gesetz fünf Sätze! Wenn das kein Beweis für die Breitenwirksamkeit von Bibliotheksgesetzen ist, weiß ich auch nicht, was sonst. Und selbst dort wird kritisch angemerkt:

Auf Kritik stieß vor allem die Festlegung, dass Bibliotheken weiterhin freiwillige Leistungen der Kommunen bleiben sollen. Damit stünden sie an vorderer Stelle bei Sparprogrammen der Gemeinden.