Diebesnester in Bibliotheken

Zwar gibt es mangels Statistiken keine repräsentativen Zahlen über den Bücherschwund in Lesesälen. Aber faktisch gibt es ihn, viele Bibliothekare beklagen sich über Studierende, die Exemplare klauen oder verstecken. Die Täter sortieren die Fachliteratur absichtlich in die falschen Regale – auf diese Weise verschwinden laut deutschem Bibliotheksverband die meisten Bände. Sie tauchen ab in eine Art Paralleluniversum der nicht auffindbaren Bücher.

Mehr im UniSpiegel.

Besten Dank an Nina für den Hinweis!

Piwik in Bibliothekskatalogen

Piwik ist ein Tracking-Tool, das als Open-Source-Lösung eine Alternative zu Google Analytics bietet. Da die erfassten Daten anonymisierbar sind und bei Selbsthosting nicht an Dritte fließen, ist ein Einsatz mit dem Datenschutz und den dazugehörigen Beauftragten sicherlich vereinbar. An einigen Bibliotheken wird Piwik bereits eingesetzt. Gefunden habe ich Piwik zum Beispiel auf den Webseiten der UB der Ruhr-Universität Bochum, der ULB Düsseldorf, SUB Bremen oder der ULB Bonn.

In Katalogen direkt habe ich nur wenige Verwendungen gefunden:

Gibt es Erfahrungsberichte, seit wann, wie und mit welchem Ergebnis die Katalogverwendung getrackt wurde? Oder auch dokumentierte Überlegungen, die zur Nichtverwendung oder Nicht-Mehr-Verwendung solcher Tracker führten? Für Hinweise oder sogar Berichte wäre ich dankbar!

Interessante Fragen wären beispielsweise:

  • Wird das Tracking regelmäßig ausgewertet?
  • Welche Vereinbarung mit dem Datenschutzbeauftragten ging voraus?
  • Hat das Tracking Konsequenzen für die Gestaltung der Webseite oder den Bestandsaufbau?

PS: Ein weiterer Tracker, den ich gefunden habe, ist eTracker auf der Webseite der ZBW Kiel. Die Bibliothek der Leuphana (auch in Touchpoint) setzt Google Analytics ein. Ebenso bibnet.org.

Blekko: Grep the Web

Letzten Monat hat Blekko den Web-Grepper angekündigt:

The way it works is simple. Everyday, we will run 2 map jobs against our crawl of 4 billion pages. These will be greps for strings, patterns, regex expressions that blekko users submit to us and decide are cool. Got a grep you want to run? Submit it here. If enough people agree with you that this grep is interesting (by voting it up), we’ll run it. And we’ll post the results here. We make the top 500 results for every grep available for free to anyone who wants it. Pretty cool, eh?

Auf den Seiten von Blekko kann man Web-Greps sowohl vorschlagen als auch einen kleinen Ausschnitt der durchgeführten Greps einsehen.

Eine Anfrage galt zum Beispiel dem Mikroformat class=“hrecipe“. Das Ergebnis: Die Zeichenkette wurde 869.396 Mal auf 1.698 Domains gefunden.

#0zapftis: Wer archiviert die CCC-Schriften?

Der CCC hat einen Staatstrojaner analysiert (ob Bundestrojaner oder Landestrojaner) und der Aufschrei ist groß. Die Folgen werden es hoffentlich ebenso sein. Wer auch immer dies veranlasst hat, hier reicht ein einfacher Rücktritt nicht aus.

Irgendein Innenminister wird vermutlich in Kürze sein Amt abgeben müssen. Dies wird für Politikwissenschaftler heute und Historiker in späteren Zeiten interessant sein. Jetzt sind die Quellen zahlreich. FAZ, Zeit Online, Fefe, Netzpolitik und viele andere dokumentieren den Fall. Vieles, vielleicht auch dieser Artikel bei Heute.de wird in Kürze „depubliziert“ oder aus anderen Gründen nicht mehr verfügbar sein. Vielleicht auch die Analyse des CCC (PDF) nicht.

Wer archiviert solche Reports? Im Katalog der DNB habe ich nur neun Publikationen des Chaos Computer Club. Da der Output dort doch etwas größer ist, vermute ich, dass dortige Netzpublikationen nicht eingesammelt werden. Müssen sich kommende Generationen auch Archive.org und ähnliche Initiativen verlassen?

Welche relevanten Autoren-IDs gibt es?

Annahme: Wenn man eine Hochschulbibliographie oder auch eine andere Bibliographie aufbaut, ist es sinnvoll, Autoren eindeutige Identifikatoren zuzuweisen, diese verfügbar zu machen und mit anderen Daten zu verknüpfen.

Fragen:

  1. Welche IDs sammelt man? Die Auswahl ist groß. Welche Identifikatoren sollten unbedingt genutzt werden? Falls ja, warum genau diese IDs?
  2. Gibt es bestimmte IDs, die für spezielle Fachcommunities unverzichtbar sind? Zum Beispiel für Ingenieure, Sozialwissenschaftler, oder Informatiker?
  3. Gibt es vielleicht eine ID to rule them all?
  4. Welche Kriterien sind wichtig für die ID-Wahl (Offenheit, freie Lizenzierung, …)?

Hier ist eine kleine Auswahl. Bitte rege kommentieren das Posting gerne weiterleiten und -verteilen!

Dieselbe Frage ist auch für Organisationen und Werke noch zu klären.

ShelfLife und LibraryCloud

David Weinberger stellt in seinem Blog zwei seiner Projekte vor, ShelfLife und LibraryCloud:

Upon the announcement of the beta sprint in May, we partnered up with folks at thirteen other institutions…an amazing group of people. Our small team at Harvard , with generous internal support, built ShelfLife and LibraryCloud on top of the integrated catalogs of five libraries, public and university, with a combined count of almost 15 million items, plus circulation data. We also pulled in some choice items from the Web, including metadata about every TED talk, open courseware, and Wikipedia pages about books. (Finding all or even most of the Wikipedia pages about books required real ingenuity on the part of our team, and was a fun project that we’re in the process of writing up.)

The metadata about those items goes into LibraryCloud, which collects and openly publishes that metadata via APIs and as linked open data. We’re proposing LibraryCloud to DPLA as a metadata server for the data DPLA collects, so that people can write library analytics programs, integrate library item information into other sites and apps, build recommendation and navigation systems, etc. We see this as an important way what libraries know can become fully a part of the Web ecosystem.

ShelfLife baut auf verschiedenen Annahmen auf. Unter anderem: Libraries are social systems. Library items are social objects. A library navigation system should be social as well.

Einen Prototypen gibt es auch. Mehr Infos in seinem Blog.

Citavi scheitert an Mac-Version

Im Citavi-Forum wird das Ende der Entwicklungsarbeit für die Mac-Version von Citavi verkündet.

Wir haben große Anstrengungen unternommen, viel Zeit, Kreativität und Geld investiert und Prototypen auf verschiedenen technischen Plattformen entwickelt, um diese Anforderungen zu erfüllen. Schließlich entschieden wir uns für MonoMac, einer vielversprechenden Entwicklung, hinter der die führenden Entwickler von Mono standen. (Mono ist eine Open-Source–Variante des .NET-Frameworks, auf dem Citavi aufsetzt.) Mono wurde von der bekannten Firma Novell finanziert und gepflegt. Vor kurzem wurde Novell jedoch verkauft. Die neue Besitzerin Attachmate entschloss sich, die Mono-Abteilung zu schließen und sämtliche Entwickler zu entlassen. Die Entwickler haben zwar eine neue Firma gegründet, die sich jedoch auf mobile Clients (iOS und Android) konzentriert, so dass MonoMac uns keine langfristig zuverlässige Perspektive mehr bietet. Deshalb sehen wir keine Möglichkeit mehr, die Ziele, die wir uns für Citavi Mac gesetzt haben, in absehbarer Zeit zu erreichen und dauerhaft zu sichern. Wir bedauern, die Interessenten für Citavi Mac jetzt enttäuschen zu müssen.

Bleiben die Mac-Anwender für immer von Citavi ausgeschlossen? Nein. Mittelfristig stehen weiterhin Virtualisierungslösungen zur Verfügung, insbesondere Parallels Desktop und VMware Fusion. Wir konzentrieren uns zunächst auf die Fertigstellung von Citavi 4, das wichtige und häufig gewünschte Erweiterungen enthalten wird. Danach planen wir … stopp, wir sollten jetzt zurückhaltender sein. Bei Citavi Mac haben wir zu früh Einblick in unsere Entwicklungsarbeit gegeben und Erwartungen geweckt, die wir enttäuschen mussten. Das ist für uns und alle Betroffenen schmerzhaft. Wir wollen es jetzt besser machen und informieren über das weitere Vorgehen nach dem Erscheinen von Citavi 4.

Parallels & Co sind zwar Virtualisierungslösungen, aber keine Problemlösungen im Sinner der gestellten Aufgabe. Abgesehen davon: VMware Fusion kostet zur Zeit EUR 37,45, Parallels 7 sogar fast 80 Euro. Zusatzkosten, die Studierenden nicht vermittelbar sind.

Statt Citavi 4 zu entwickeln, das eine Fortführung von Citavi 3 sein wird, ist m.E. ein neuer Ansatz gefragt. Im Hochschulbereich ist Windows zwar auch sehr weit verbreitet, Linux und Mac spielen jedoch eine weit größere Rolle als in den meisten anderen Bereichen. Die Entwicklung einer Onlineversion, oder auch einer browserbasierten Offline-Version muss Priorität haben vor einer weiteren Windows-Version. Im Forum schreibt jonas_kl dazu:

Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie Sie mit diesem Wissen immer noch auf ein Framework setzen, das nicht plattformübergreifend funktional ist. Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum Sie lieber eine vierte Windows-Version auf den Mark werfen (die Feinschliff ist, angesichts der schon seit der zweiten Version sehr hochwertigen Funktionalität) als der Linux-Community einen generellen Einstieg zu ermöglichen.

Es sieht jetzt zwangsläufig ein wenig nach Nachtreten aus. Aber: Das Problem der Entwicklung für .NET ist kein Neues und auch Citavi seit sehr langer Zeit wohlbekannt. Schon als Betatester für die erste Citavi-Version machte ich darauf aufmerksam, dass eine plattformübergreifende Entwicklung vorzuziehen ist. Das ist jetzt ca. sechs Jahre her. Äonen in Softwareproduktionszyklen.

Für die Hochschulbibliotheken stellt sich jetzt die Frage nach einer Neuausrichtung ihrer Literaturverwaltungsstrategien. Eine Diversifizierung des Produktportfolios ist gerade für kleinere Bibliotheken nicht einfach. Muss doch der Support auch für alternativ angebotene Literaturverwaltungssoftware sichergestellt sein.

Gibt’s schon Überlegungen in den Bibliotheken, wie nun vorgegangen wird?