Die Edwin-Mellen-Petition

Kann das sein? Es sind tatsächlich erst knapp 1500 Unterschriften zusammengekommen?

Infobib alleine hat einige hundert Besucher pro Tag. Viele davon über Suchmaschinen, aber es bleibt sicherlich noch eine erkleckliche Anzahl an gezielten und interessierten Besuchern aus dem Bibliothekswesen und anliegenden Gebieten übrig. Die drei anderen Blogs haben sicherlich nicht weniger Besucher.

Sicher, es ist eine eher symbolische Geste, diese Online-Petition zu unterzeichnen. Aber ist das Anliegen Euch KollegInnen nicht wichtig genug, um die paar Sekunden für die symbolische Unterstützung zu opfern? Man muss seinen Namen auf der Webseite nicht einmal anzeigen lassen!

Worum es geht: Dale Askey (und seine Hochschule) wird von Edwin Mellen Press auf eine Summe in Millionenhöhe verklagt, weil er die Publikationen des Verlags kritisiert hat. Das betrifft uns alle! Und wohlgemerkt nicht nur Bibliotheksblogger, sondern jeden, der auch weiterhin frei seine Meinung über Veröffentlichungen und Verlage äußern will.

Hier geht es zur Petition.

Schavan wurde Doktortitel entzogen

Der Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf hat trotz des vorausgegangenen Drucks seitens der CDU und der Wissenschaftsorganisationen der Wissenschaftsministerin Annette Schavan den Doktorgrad entzogen und ihre schriftliche Promotionsarbeit für ungültig erklärt. In der heutigen Sitzung wurde mit 12 Ja-Stimmen und nur 2 Nein-Stimmen und einer Enthaltung eine ziemlich eindeutige Entscheidung getroffen.

Mehr bei Heise und auch sonst überall.

Denkmalschützer(?) retten Bibliotheksbestand aus Timbuktu

Zeit.de: „Malische Bibliotheksschätze in Geheimaktion gerettet“

„Die Dokumente sind nicht verbrannt“, sagte Mahmoud Zouber, Berater für Islamangelegenheiten unter Expräsident Amadou Toumani Touré, dem Magazin. Es sei klar gewesen, dass die Manuskripte in der Bibliothek ein attraktives Ziel für Plünderungen und Zerstörung darstellten. Sein Büro sei deshalb im vergangenen Jahr dafür zuständig gewesen, einen Großteil der Dokumente an einen sicheren Ort zu bringen.

Im Artikel sind auch ein paar Infos über die Bibliothek zu finden. Die Dokumente der Sammlung sind zum Teil anscheinend nicht einmal katalogisiert.

Reproduzierte Psychologie

If you’re a psychologist, the news has to make you a little nervous, beginnt ein Artikel im Chronicle of Higher Education. Besonders PsychologInnen, die 2008 in einem der Journals „Psychological Science“, „Journal of Personality and Social Psychology“ oder im „Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition“ veröffentlicht haben. Denn deren Werk wird vom Reproducibility Project unter die Lupe genommen, genauer gesagt: reproduziert.

Wer helfen möchte, kann sich beteiligen:

The Reproducibility Project is open to anyone who is interested in the reproducibility of psychological science or in participating in a large-scale, open science project. Contributors receive authorship on project reports (see Executive Summary for details). Ways to contribute include:

  • Conducting or helping with a replication study
  • Helping with statistical analyses or power / sample size calculations
  • Reviewing and contributing to replication protocols or reports
  • Coding published studies (extracting hypotheses, sample characteristics, and requirements for replication)
  • Programming tasks such as creating stimulus presentation scripts or automated data processing

If you’d like to get involved, fill out our new contributor survey and we’ll get in touch with you about opportunities that are a match for your skills and resources. We welcome contributions from students and citizen scientists as well as researchers and scientific professionals. If you have any questions, feel free to contact our volunteer coordinator at reproducibilityproject@gmail.com.

Voraussetzung für Reproduzierbarkeit sind neben sauber dokumentierten Versuchen auch die Verfügbarkeit der Mittel zur Reproduktion.

  • Open Access: Wer den Artikel nicht lesen kann, kann Versuche auch nicht reproduzieren
  • Open Data: Wer die Rohdaten nicht hat, auch nicht.
  • Open Source: Wo Software eingesetzt wird, sollte diese frei verfügbar sein. Zum Beispiel Octave statt MatLab (aktuell € 500 für die Basisversion, wenn ich die Preistabelle richtig verstehe) oder R statt SPSS (wirklich über € 2000?). Darunter fallen dann auch die konkreten Skripte und Modelle.

Ergo (natürlich verkürzt): Reproduzierbarkeit = Open Access + Open Data + Open Source

Wird Mendeley von Elsevier geschluckt?

Uli Herb weist auf einen Techcrunch-Artikel hin, nach Mendeley kurz davor steht, ein Übernahmeangebot in the region of $100 million von Elsevier anzunehmen. Kleingeld für Elsevier, eine Menge Geld für ein Startup.

Die Mendeley-Community ist bislang recht ruhig. Im Mendeley-Feedback-Forum sind für die Aufforderung, Mendeley bitte nicht an Elsevier zu verkaufen, noch nicht sehr viele Votes zu sehen.

Wahlprüfsteine zur niedersächsischen Landtagswahl von DBV und Wikimedia

DBV und BIB haben Wahlprüfsteine zur niedersächsischen Landtagswahl an die Parteien des aktuellen Landtags ausgegeben. Die Piraten wurden also nicht befragt.

Neben viel Geschwurbel bieten einige Parteien auch ganz konkrete Ansichten. Zum Beispiel zum Urheberrecht. Das ist allerdings nicht Ländersache und von daher eigentlich wenig geeignet für Wahlprüfsteine. Es lohnt sich dennoch, in die Texte hineinzuschauen. Da erfährt man zum Beispiel, dass die FDP die unkomplizierte Verbreitung von Informationen explizit erschweren will (PDF):

Im Hinblick auf das Urheberrecht setzen wir uns seit langem auf nationaler und europäischer Ebene für eine Respektierung des geistigen Eigentums ein, was eine „unkomplizierte“ Verbreitung von Information – vor allem im Netz (Stichwort. Internetpiraterie) – gerade erschweren soll: Eigentum ist Bürgerrecht, das gilt nicht nur für Sachwerte sondern auch für geistige Werte.

Für die FDP ist es offenbar unvorstellbar, dass es auch Immaterialgüter gibt, die ohne Eurozeichen in den Augen verteilt werden.

Weitere konkrete Positionen (in Auswahl):

Wir fordern, dass über Open Access ein freier Zugang zu den Resultaten öffentlich geförderter Forschung gewährt wird. Dies würde unserer Ansicht nach den wissenschaftlichen Austausch, die Transparenz, den Zugriff, die Verarbeitung und die Verwaltung wissenschaftlicher Informationen vereinfachen und beschleunigen.

Das meinen die Grünen (PDF). Und dies lässt sich auf Landesebene konkret umsetzen. Ich bin gespannt. Die Linke (PDF) formuliert etwas unbeholfen in eine ähnliche Richtung. Gemeint ist wohl Green OA für öffentlich finanzierte Publikationen:

Publikationen von (öffentlich finanzierten) Hochschulangestellten, die über einen privaten Verlag vertrieben werden, müssen der eigenen (öffentlich finanzierten) Hochschulbibliothek kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Und die SPD (PDF) will eine flächendeckende kulturelle Grundversorgung mit Bibliotheken, Theater, Kunst- und Musikschulen oder Museen in einem kommunalen Kulturfördergesetz regeln und sichern.

Wikimedia hat kürzlich ebenfalls Wahlprüfsteine und die Antworten darauf veröffentlicht. Die Highlights:

Zu Open Data:

Nach unserer Einschätzung müsse es in jeder denkbaren Regierungskonstellation nach den Wahlen möglich sein, ein Open Data-Portal zu starten, in dem Inhalte abgelegt und unter freien Lizenzen veröffentlicht werden.

Anmerkung: Vor fast drei Jahren schrieb ich zu Open Data in Niedersachsen aus gegebenem Anlass:

Dies ist (wahrscheinlich!) das erste Mal, dass ein Bundesland beabsichtigt, ein Pilotprojekt im Bereich Open Government Data durchzuführen.

Passiert ist dann lange Zeit überhaupt nichts. Niedersachsen hätte Vorreiter sein können, nun hinkt es hinterher. Ich bin skeptisch, dass ohne einen Regierungswechsel diesbezüglich etwas passiert.

Zu freien Lizenzen:

Eine künftige Landesregierung wird aber ebenso in den meisten denkbaren Konstellationen ausgehend von den Antworten auf unsere Frage in der Lage sein, mehr staatliche Werke als bisher durch Verwendung Freier Lizenzen für Dritte nachnutzbar zu machen.

Eine künftige Landesregierung wird abgesehen durch gesetzgeberische Maßnahmen im Land und in Gemeinschaft der Länder den politischen Willen für Freie Lizenzen im Rundfunk artikulieren können, abhängig von den Mehrheitsverhältnissen nach der Wahl.

Zum Informationsfreiheitsgesetz:

Bereits nach den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Landesparlament vor der Wahl hätte es also ein Informationsfreiheitsgesetz geben können. Wir haben große Hoffnungen, dass eine der ersten Handlungen einer künftigen Landesregierung (gleich welcher Konstellation) die Einführung eines Transparenzgesetzes sein wird.

Anmerkung: Das kann ich mir nicht vorstellen, solange Schünemann im Amt ist. Er hat sich schon vielfach explizit gegen ein IFG geäußert. Zum Beispiel in dieser Pressemitteilung von 2004: [1]Welchen Sinn haben Informationsansprüche, die ohne Angabe eines Verwendungszwecks, ohne rechtliches oder berechtigtes Interesse geltend gemacht werden ? fragt er noch. Wer Schünemanns Positionen … Continue reading

Es gibt keinen Bedarf für ein solches Gesetz. Für die Bürgerinnen und Bürger ist damit kein wirklicher zusätzlicher Nutzen verbunden. In der Landesverwaltung und bei den Kommunen entstehen erheblicher Mehraufwand und weitere Kosten. Es ist daher kein Zufall, dass die meisten Bundesländer und der Bund kein Informationszugangsgesetz haben.

Und als Herrscher über die Stammtische genießt er Narrenfreiheit in der Landesregierung.

Zu OER:

Eine künftige Landesregierung wird entweder selbst entsprechende OER-Initiativen starten können oder ihre Kräfte mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen bündeln können.

Zur Freigabe von Luftbildern:

Eine künftige Landesregierung wird keine Probleme bekommen, im Parlament Zustimmung zur Freigabe der landeseigenen Luftbilder und Orthofotos zu erhalten.

References

References
↑1 Welchen Sinn haben Informationsansprüche, die ohne Angabe eines Verwendungszwecks, ohne rechtliches oder berechtigtes Interesse geltend gemacht werden ? fragt er noch. Wer Schünemanns Positionen zur Vorratsdatenspeicherung kennt, kann sich da nur auf die Schenkel klopfen.

Suchmaschine und Linksammlung zu #pdftribute

Als ich den Wikipedia-Artikel zu Aaron Swartz angelegt habe, dachte ich eigentlich, dass da noch sehr viele Abschnitte zu seinem Wirken und Schaffen ergänzt würden. Kürzlich wurde er erhängt aufgefunden.

Es gibt zahlreiche Nachrufe, zum Beispiel von Cory Doctorov oder Lawrence Lessig. Aber auch den Aufruf, Aaron Swartz Tribut zu zollen, indem man seine wissenschaftlichen Publikationen befreit und die Links unter dem Hashtag #pdftribute twittert. Wer Aaron Swartz bislang nicht kannte und den Zusammenhang nicht versteht, dem sei das Guerilla Open Access Manifesto zur Lektüre empfohlen.

Findige Menschen haben zu den geposteten Links eine Linkliste und eine Suchmaschine erstellt. Anscheinend sind schon über drei GB zusammengekommen!

Weitere Links zu Aaron Swartz, #pdftribute und Konsequenzen:

Open-Data-Portal der EU

Nachdem viele Mitgliedsländer der EU bereits nationale Open-Data Plattformen etabliert haben oder dabei sind diese zu entwickeln, hat die Europäische Kommission heimlich, still und leise, pünktlich zum Weihnachtsfest die Beta-Version des brandneuen EU Open-Data Portals mit über 5800 Datensätzen (ca. 5600 davon kommen von Eurostat) gelauncht!

Mehr bei Open Everything. Und hier geht’s zum Portal.

Seafloor Explorer, Snapshot Serengeti und das Leben der antiken Griechen

Der Seafloor Explorer hat inzwischen mehr als eine Million getaggte Bilder. Beim Seafloor Explorer handelt es sich um ein sogenanntes Citizen-Science-Projekt, bei dem laut Wikipedia nicht nur Wissenschaftler und akademisch gebildete Experten Wissenschaft betreiben, sondern Wissenschaft auch durch Bürger betrieben werden kann. An dieser Formulierung könnte man sicherlich noch feilen…

In diesem Fall geht es um Crowdsourcing bei der Kartierung von Tieren auf dem Meeresboden. Der Seafloor Explorer wird von Zooniverse gehosted. Dort finden sich noch einige weitere Projekte, zum Beispiel die Idenfikation von Tieren aus Fotofallen in der Serengeti oder Ancient Lives.