Kleineanfragen.de

Kleineanfragen.de erklärt sich am besten selbst:

Mit kleinen Anfragen können Abgeordnete in Parlamenten ihrer jeweiligen Regierung Fragen stellen, die von dieser zeitnah beantwortet und veröffentlicht werden müssen.
Diese Seite sammelt kleine Anfragen* der Landesparlamente und des Bundestages und versucht sie möglichst einfach auffind-, durchsuch- und verlinkbar zu machen.

So kann man zum Beispiel herausfinden, dass die Niedersächsische Landesregierung Open Access als Teil einer Hightech-Strategie sieht.

Amnesty fordert Freilassung von Natalia Sharina

Die IFLA bezeichnet die Stürmung einer Moskauer Bibliothek und die Verhaftung der Leiterin Natalia Sharina (siehe auch hier) als „unverhältnismäßig und unnötig“. Amnesty weist darauf hin, dass Sharina unter Arrest steht und Ihr nun bis zu fünf Jahren Haft drohen. Per auch online zu zeichnender Petition wird der russische Generalstaatsanwalt dazu aufgerufen, Sharina freizulassen und die Meinungsfreiheit zu respektieren.

Digitalisierung und Open Access im SPD-Grundsatzprogramm

Die SPD hat ein „Grundsatzprogramm für die digitale Gesellschaft“ (PDF) veröffentlicht. Ab Zeile 726 heißt es:

Urheberrecht weiterentwickeln, Open Access fördern
Die Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen, bedeutet auch, das Urheberrecht zu modernisieren und weiterzuentwickeln. Notwendig sind ein bildungs- und forschungsfreundliches Urheberrecht und eine umfassende Open-Access-Politik. Durch ein unabdingbares Zweitverwertungsrecht muss der freie Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen im Internet systematisch gefördert und ausgebaut werden, insbesondere wenn Beiträge durch öffentliche Mittel gefördert wurden. Darüber hinaus braucht es eine allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht.

Umfassende Open-Access-Politik ist reichlich schwammig, zumal nirgendwo definiert wird, was darunter verstanden wird. Zur Digitalisierung ist ab Zeile 1222 folgendes zu lesen:

Nachhaltige Digitalisierungsstrategien von Kunst und Kultur stärken
Digitalisierungsstrategien und -konzepte müssen nicht nur die Sicherung und den Erhalt des kulturellen Erbes im digitalen Zeitalter schaffen, sondern auch die Authentizität und Wirkungsmächtigkeit von Kultur und Kunst stärken. Dies gilt nicht nur für Bildwerke wie Fotografie, Malerei und Film, sondern auch für alle weiteren Bereiche wie Museen und Parks, Architektur, Konzerte und Theater, die durch entsprechende digitale Zugangsformen wie virtuelle Rundgänge und digitale Information erfahrbar werden. Das trifft besonders für Archive und Bibliotheken zu, deren Erhalt als moderne, sozial offene Räume der kulturellen Kommunikation die Digitalisierung mit einschließen muss. Wir brauchen eine Stärkung der kulturellen und medialen Bildung, um das Authentische erfahren zu können. Zugleich müssen die Kultur- und Wissenseinrichtungen darin unterstützt werden, die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung auch nutzen zu können.

„Wir brauchen eine Stärkung“ ist kein Programm, das ist eine Feststellung. Warum wird hier nicht klarer formuliert? „Angestrebt wird die Digitalisierung aller in öffentlicher Hand befindlicher Werke und ihre bedingungslose Veröffentlichung, sobald sie gemeinfrei sind.“ Ja, das kostet viel Geld. Aber nur so wird eine notwendige Grundbedingung für wirkliche „Digitale Bildung“ und Teilhabe geschaffen.

[via Heise.de]

Lobbyisten der CDU: Die fehlenden üblichen Verdächtigen

Kürzlich schrieb ich hier über die veröffentlichte Liste von Lobbyisten im Bundestag:

Sehr verwunderlich ist, dass weder Bertelsmann noch Axel Springer auf der Liste zu finden sind. Die Organisationen, denen die Unionsparteien einen Hausausweis gegönnt haben, sind in der Liste aber auch nicht enthalten.

Auf Spiegel Online ist die vollständige Liste (PDF) inklusive eines Begleitartikels nun zu finden. Natürlich sind Axel Springer und Bertelsmann, neben zahlreichen anderen von der CDU mit einem Hausausweis versorgten Firmen und Verbänden, nun aufgeführt.

Bibliothek in Moskau gestürmt, Leiterin verhaftet

In Moskau wurde die Bibliothek für Ukranische Literatur(?) gestürmt, weil dort anti-russische Propaganda vorzufinden sei. Natalia Sharina, Leiterin der Bibliothek, wurde verhaftet. Nach der zur Zeit einzigen von mir gefundenen deutschsprachigen Quelle zu diesem Vorgehen auf Euronews.com:

Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Bibliothek stürmten etwa 15 Polizisten die Räume am Donnerstagmorgen und nahmen die Direktorin Natalya Sharina fest. Sie wird beschuldigt, “auf nationaler Grundlage Hass und Feindseligkeit” entfacht zu haben.

International finden sich zahlreiche weitere Quellen:

Lobbyisten im Bundestag und im Innenministerium

Thomas de Maizières Innenministerium erhielt eine Mail von Peter Clever (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) zu einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung über „Ökonomie und Gesellschaft – Zwölf Bausteine für die schulische und außerschulische Bildung“. Der Rest der Geschichte hat es zu Recht schon in die Wikipedia geschafft:

„Mit viel Einsatz“ (Der Spiegel) verhinderte Peter Clever, dass eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung „Ökonomie und Gesellschaft“ vertrieben wird. Der Band enthält zwölf von unterschiedlichen Autoren geschriebene „Bausteine für die schulische und außerschulische politische Bildung“ und wurde im Februar 2015 veröffentlicht. Im Juni 2015 schrieb Clever dem Bundesinnenministerium, dem die Bundeszentrale formal untersteht, einem fünfseitigen Brief und äußerte sein „Befremden“ über die Publikation, da dass freie Unternehmertum dort zu schlecht wegkäme. „Die in Ihrer Publikation transportierten ideologischen und voreingenommenen Anschuldigungen kennen wir aus interessierten Kreisen schon länger. Dass sie nun aber durch die Bundeszentrale für politische Bildung verbreitet und empfohlen werden, ist skandalös und nicht hinnehmbar.“ Das Buch entspreche „einseitiger Propaganda gegen die Wirtschaft“. Clever bat darum das Buch aus dem Vertrieb zu nehmen, was das Innenministerium unter Thomas de Maizière (CDU) dann auch veranlasste.

Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie zeigte sich schockiert, der wissenschaftliche Beirat der BpB befasste sich mit dem Fall und votierte mit großer Mehrheit für eine Aufhebung des Vertriebsverbotes.

Mehr Infos sind im zitierten Spiegel-Artikel zu finden, der den Artikel schlüssig beendet:

Besonders echauffiert hatte sich Arbeitgeber-Geschäftsführer Clever in seinem Brandbrief übrigens über das Kapitel zum Thema Lobbyismus. Es werde ein „monströses Gesamtbild von intransparenter und eigennütziger Einflussnahme der Wirtschaft auf Politik und Schule gezeichnet“, schrieb er darin.

Vielleicht ist ja auch der Versuch des BDA, ein Wirtschaftsbuch aus dem Verkehr zu ziehen, künftig ein gutes Beispiel für den Unterricht.

Ein gutes Beispiel für den Unterricht ist auch die kürzlich von Abgeordnetenwatch veröffentlichte Liste von 607 Konzernen, Lobbyverbänden und Organisationen mit Bundestagshausausweis:

Neben vielen Organisationen, die man dort erwartet hätte, sind auch ein paar Überraschungen zu finden. Zum Beispiel die Universiäten Bielefeld und Duisburg-Essen. Die Max-Planck-Gesellschaft ist vertreten, Helmholtz, Leibniz und Fraunhofer nicht. Der DBV übrigens auch nicht. Sehr verwunderlich ist, dass weder Bertelsmann noch Axel Springer auf der Liste zu finden sind. Die Organisationen, denen die Unionsparteien einen Hausausweis gegönnt haben, sind in der Liste aber auch nicht enthalten.

RFC: Open-Data-Aktionsplan des Bundes

Der Open-Data-Aktionsplan des Bundes geht in die dritte Runde:

Der Entwurf des Fazit-Berichts ist fertig und steht zur Diskussion. Jetzt sind Sie gefragt, sich einzubringen und den Umgang mit Open Data auf Bundesebene mitzugestalten.

Der hier zur Diskussion gestellte Fazit-Bericht beleuchtet den Prozess und fasst Erkenntnisse und Ergebnisse zusammen. Bitte bewerten und kommentieren Sie ihn. Bringen Sie Ihre Perspektive ein und sagen Sie uns, wo wir noch nachbessern können oder ob wir noch etwas vergessen haben. Ihr Feedback wird in den Bericht einfließen und zur Weiterentwicklung des Open Data Aktionsplans genutzt.

Diese Diskussion läuft bis zum 6. November 2015.

Homo naledi: Entdeckung ist OA und wird sogar verlinkt

Knochen des Homo Naledi
CC-BY: Lee R BergerCorresponding Author, John Hawks, Darryl J de Ruiter, Steven E Churchill, Peter Schmid, Lucas K Delezene, Tracy L Kivell, Heather M Garvin, Scott A Williams, Jeremy M DeSilva, Matthew M Skinner, Charles M Musiba, Noel Cameron, Trenton W Holliday, William Harcourt-Smith, Rebecca R Ackermann, Markus Bastir, Barry Bogin, Debra Bolter, Juliet Brophy, Zachary D Cofran, Kimberly A Congdon, Andrew S Deane, Mana Dembo, Michelle Drapeau, Marina C Elliott, Elen M Feuerriegel, Daniel Garcia-Martinez, David J Green, Alia Gurtov, Joel D Irish, Ashley Kruger, Myra F Laird, Damiano Marchi, Marc R Meyer, Shahed Nalla, Enquye W Negash, Caley M Orr, Davorka Radovcic, Lauren Schroeder, Jill E Scott, Zachary Throckmorton, Matthew W Tocheri, Caroline VanSickle, Christopher S Walker, Pianpian Wei, Bernhard Zipfel
Woran merkt man, dass Open Access keine Verlegenheitslösung ist, auf die man sich besinnt, wenn Lancet, Nature oder Science die eigene Publikation abgelehnt haben? Unter anderem daran, dass immer mehr von den prestigeträchtigen und pressewirksamen „Großentdeckungen“ in OA-Journals publiziert werden. So war es bei der Rückkehr des Brontosaurus in PeerJ, so ist es nun bei der Entdeckung einer neuen Art der Gattung Homo, also eines Verwandten der heutigen Menschen. Die Entdeckung des Homo naledi wird in einem OA-Journal publiziert, so dass sich auch der Laie ein Bild machen kann:

Dirks, Paul [u.a.]: Geological and taphonomic context for the new hominin species Homo naledi from the Dinaledi Chamber, South Africa – In: eLife. – 4 (2015). DOI: https://dx.doi.org/10.7554/eLife.09561

Die Gelegenheit, mein beliebtes Spiel „Wer verlinkt die Quelle“ zu spielen.

Nein:

Ja:

Das sieht doch deutlich besser aus als bei einem früheren Versuch. Als Ursache für den Linkgeiz vermute ich nach wie vor die Angst, die Leserschaft könnte sich woanders informieren oder die Befürchtung, die eigene Leserschaft sei zu blöd, um komplizierte wissenschaftliche Texte – dazu noch in ausländischen Sprachen! – zu verstehen.

Die DOIs der eLife-Publikationen wird übrigens in keinem der oben verlinkten Artikel verwendet.

GAFA und das Button-Ökosystem

Teil der Operation Frühjahrsputz 2015, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Google, Apple, Amazon und Facebook beherrschen große Teile des (westlichen) Internets, indem sie den Zugang zum Netz kontrollieren. Sie sind extrem geschickt darin diese Position zu verteidigen und auszubauen.

Über das GAFA-Button-Ökosystem.