SPD fordert Open Access als Standard in der Forschungsförderung

In einer Pressemitteilung hat die SPD-Bundestagsfraktion erklärt, dass sie Open Access als „Standard bei europäischer Forschungsförderung“ sehen wolle. Zuerst geht es nur um den europäischen Forschungsrahmenprogramms „Horizont 2020“. Doch dann:

Die Pläne der EU Kommission haben eine Signalwirkung auch über die Europäische Forschungsförderung hinaus. Darum ist es an der Zeit, dass sich auch die Bundesregierung im Sinne der Wissenschaft zu Open Access bekennt. Denn wer Wissenschaftsfreiheit ernst meint, kommt an Open Access nicht vorbei.

Wer Wissenschaftsfreiheit ernst meint, kommt an Open Access auch auf Länderebene nicht vorbei. Denn auch dort wird Forschung finanziert. Zur Zeit stellt die SPD…

Das sind insgesamt 97 Ressorts. Doppelnennungen durch unterschiedliche Ressortzuschnitte sind möglich, sogar wahrscheinlich. Dennoch haben wir hier eine beachtliche Anzahl von Ministerien, denen zahlreiche Institute, Fachbehördern oder Landesanstalten unterstehen oder zugeordnet sind. Man kann also mit Recht sagen, dass die SPD mit der oben geäußerten Position nicht nur Oppositionsansagen machen, sondern auch handeln könnte.

Vielleicht möchte ja jemand mal eine Anfrage an diese Damen und Herren stellen, ob und wann es denn soweit ist, dass Publikationen, die aus Forschungsmitteln ihrer Häuser resultieren, OA verfügbar gemacht werden?

Akademische Öffentlichkeitsarbeit mit Twitter und Blogs

Times Higher Education berichtet über einen Versuch, die Sichtbarkeit des eigenen akademischen Oeuvres zu steigern:

Six months ago, Melissa Terras decided to investigate whether putting her past research papers in University College London’s free repository and publicising them via blog posts and Twitter would help them find a wider audience than they would get from journal publication alone.

Die Zugriffszahlen sind durch Öffentlichkeitsarbeit von (vermutlich täglich) ein bis zwei Downloads auf über 70 gestiegen. Terras selbst hat ausführlich über ihren Versuch gebloggt.

Nur gucken, nicht anfassen: Kulturerbe Niedersachsen

Wie der NDR berichtet, ist das Portal Kulturerbe Niedersachsen nun eröffnet:

Das Land Niedersachsen ist um ein virtuelles Museum reicher: Im Internet-Portal „Kulturerbe Niedersachsen“ sind nun bedeutende Kulturschätze des Landes für jedermann kostenlos zu besichtigen. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) hat den offiziellen Startschuss für die Website am Dienstag gegeben.

Museum heißt hier, dass man sich bunte Bilder innerhalb des Portals ansehen kann. Bei vielen Werken (zum Beispiel hier)ist folgender Hinweis zu finden: Dieses Exponat kann nur nach vorheriger Rücksprache zur Verfügung gestellt werden.

Was bedeutet das? Ich finde keinen Unterschied zu Werken, bei denen dieser Hinweis nicht zu finden ist. Zum Beispiel bei diesem Gemälde von Jacob Philipp Hackert. Keine Downloadmöglichkeit, Rechtsklick funktioniert jedoch. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Beschränkung auf das Original bezieht.

In den Nutzungsbedingungen heißt es übrigens: Die Inhalte des Onlineportals „Kulturerbe Niedersachsen“ sind urheberrechtlich geschützt.“

Das ist dringend zu ändern. Einige Objekte sind sicherlich urheberrechtlich geschützt. Wenn man sich aber die Verteilung der Objekte auf die Jahrhunderte anschaut, merkt man sehr schnell, dass dies für den Großteil der Objekte nicht zutrifft (in Klammern steht die Zahl der Objekte aus dem jeweiligen Jahrhundert):

21. Jhd. (2)
20. Jhd. (762)
19. Jhd. (2565)
18. Jhd. (4666)
17. Jhd. (3410)
16. Jhd. (959)
15. Jhd. (87)
14. Jhd. (19)

Ohne jetzt einzelne Schutzfristen zu prüfen: Von 12470 Objekten kann man bei der Mehrheit davon ausgehen, dass sie nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Da das Portal und auch die Digitalisierungen mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden und die Werke nicht urheberrechtlich geschützt sind, ist hier (übrigens auch im Sinne der Verbreitung des niedersächsischen Kulturerbes) dringend geboten,

a) die Nutzungsbedingungen anzupassen und
b) eine Downloadmöglichkeit zu schaffen, am Besten für einzelne Objekte und auch für die Sammlung als Ganzes.

Tipp für die Projektbeteiligten: Wenden Sie sich an Open GLAM. Mathias Schindler (Wikimedia) hat auf dem Open-GLAM-Workshop (hierzublog schon einmal erwähnt) einen Vortrag gehalten, in dem er Empfehlungen für GLAMs (Galleries, Libraries, Archives and Museums) gibt.

Seiner Aussage auf der 19 13. Folie kann ich mich nur anschließen: „Betreiben Sie bitte kein Copyfraud„!

LOD: data.nature.com

Nature Publishing Group releases linked data platform

Nature Publishing Group (NPG) today is pleased to join the linked data community by opening up access to its publication data via a linked data platform. NPG’s Linked Data Platform is available at http://data.nature.com.

The platform includes more than 20 million Resource Description Framework (RDF) statements, including primary metadata for more than 450,000 articles published by NPG since 1869. In this first release, the datasets include basic citation information (title, author, publication date, etc) as well as NPG specific ontologies. These datasets are being released under an open metadata license, Creative Commons Zero (CC0), which permits maximal use/re-use of this data.

NPG’s platform allows for easy querying, exploration and extraction of data and relationships about articles, contributors, publications, and subjects. Users can run web-standard SPARQL Protocol and RDF Query Language (SPARQL) queries to obtain and manipulate data stored as RDF. The platform uses standard vocabularies such as Dublin Core, FOAF, PRISM, BIBO and OWL, and the data is integrated with existing public datasets including CrossRef and PubMed.

„NPG is delighted to be able to surface data on published articles from Nature and many other journals, going back to 1869,“ said Jason Wilde, Business Development Director, NPG. „Linked data is an important next step in the evolution of scientific publishing and, over the coming months, we hope to be able to expose more meta-data on our content to enrich the semantic web.“

Linked data refers to the publishing of structured data that is linked to other related data. It allows users to query, explore and link data from datasets across the web. NPG joins governments from around the world and other organizations including the British Library, the New York Times and the Open University, in providing a linked data platform.

The platform complements other services NPG provides for developers, but incorporates a wider audience. It has been built in collaboration with information and publishing solutions specialist The Stationery Office (TSO) to support scaling.

More information about NPG’s Linked Data Platform is available at http://developers.nature.com/docs. Sample queries can be found at http://data.nature.com/query.

Die Plattform ist zur Zeit nicht erreichbar.

Pressemitteilung zu Wikidata

Quelle: Pressemitteilungen/PM 3 12 Wikidata, CC: BY-SA

Die Zukunft der Wikipedia

Wikidata wird das erste neue Wikimedia-Projekt seit 2006

Vom 30. März bis 1. April findet in Berlin die jährliche Wikimedia Conference mit Teilnehmern aus 40 Ländern statt. Zeitgleich startet Wikimedia Deutschland mit Wikidata ein völlig neues Wikimedia-Projekt. Wikidata wird eine offene Datenbank für das Wissen der Welt werden, an der jeder mitarbeiten kann. Das erste Ziel des Projekts ist es, die mehr als 280 Sprachversionen von Wikipedia mit einer einzigen gemeinsamen Datenquelle auszustatten. Damit können weltweit die Daten der Artikel in allen Sprachen der freien Enzyklopädie ergänzt und zentral gepflegt werden. Aber auch außerhalb von Wikipedia können die Daten verwendet werden, zum Beispiel in Blogs oder auf Webseiten. Das Prinzip einer gemeinsamen Datenquelle soll die Qualität und Übereinstimmung von Wikipedia-Artikeln verbessern. Durch Wikidata werden mehr Informationen in kleineren Sprachversionen von Wikipedia verfügbar gemacht. Gleichzeitig wird es für Zehntausende freiwillige Wikipedia-Autoren erheblich einfacher, Daten in der Enzyklopädie aktuell zu halten.

Der Vorstand von Wikimedia Deutschland, Pavel Richter, erklärt : “Wir betreten Neuland. Wikidata ist das größte technische Projekt, das jemals eine der 40 Länderorganisationen der Wikimedia-Bewegung in Angriff genommen hat. Wikimedia Deutschland widmet sich mit Begeisterung der Aufgabe, durch Wikidata die Datenverwaltung der größten Wissenssammlung der Menschheit deutlich zu verbessern.”

Neben den Wikimedia-Projekten werden auch zahlreiche externe Anwendungen von den Daten profitieren. Mit Wikidata können Daten vernetzt und annotiert werden, was beispielsweise für wissenschaftliche und öffentliche Daten von großer Bedeutung ist. Die Wikidata-Inhalte werden unter einer freien Creative Commons-Lizenz veröffentlicht.

Das Projekt wird mittels einer Großspende von 1,3 Millionen Euro finanziert, die zur Hälfte vom Allen Institute for Artificial Intelligence ([ai]²) stammt. Das Institut wurde 2010 von Paul G. Allen, Mitgründer von Microsoft, ins Leben gerufen und unterstützt langfristige Forschungsarbeiten, die den Fortschritt auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz beschleunigen sollen.

“Wikidata ist eine einfache wie kluge Idee und ein bedeutender nächster Schritt in der Entwicklung von Wikipedia”, sagt Dr. Mark Greaves, Vizepräsident des Allen Institute for Artifical Intelligence. “Es wird die Art und Weise verändern, wie enzyklopädische Daten veröffentlicht, zugänglich gemacht und von Menschen weltweit verwendet werden können. Wikidata baut auf semantischen Technologien auf, die wir seit Langem unterstützen. Das Projekt wird den Takt wissenschaftlicher Entdeckungen beschleunigen und der Welt eine außergewöhnliche neue Datenquelle bereitstellen.”

Ein Viertel der Entwicklungskosten von Wikidata ist durch eine Spende der Gordon and Betty Moore Foundation gesichert. Die Vision der Gordon and Betty Moore Foundation ist es, messbare, nachhaltige und weitreichende Erfolge in Umweltschutz und Wissenschaft zu erzielen.

“Wikidata ist für die Forschung bedeutend”, sagt Chris Mentzel vom wissenschaftlichen Programm der Gordon and Betty Moore Foundation. “Das Projekt wird ein wichtiges Datenangebot für Wikipedia sein. Zusätzlich können beispielsweise Wissenschaftler die einfach bedienbare Wikidata-Software herunterladen. Wikidata ermöglicht ihnen, ständig wachsende und komplexe wissenschaftliche Datenmengen zu verwalten und daraus wertvolle Schlüsse zu ziehen.”

Google, Inc. stellt ein weiteres Viertel der Wikidata-Finanzierung bereit. Chris DiBona, Leiter des Bereichs Open Source, sagt: „Googles Auftrag ist es, die Informationen der Welt überall zugänglich und sinnvoll verwendbar zu machen. Darum freuen wir uns, am Projekt Wikidata teilzuhaben. Wir hoffen, dass damit erhebliche Mengen strukturierter Daten der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden können.”

Wikidata wird in drei Phasen entwickelt. Der Abschluss der ersten Phase erfolgt voraussichtlich bis August 2012. Darin werden Links zwischen verschiedenen Sprachversionen von Wikipedia zentral an einer Stelle gesammelt. In der zweiten Phase können Nutzer Daten verwenden und neue hinzufügen. Die Ergebnisse der Auswertung werden hierfür im Dezember 2012 veröffentlicht. Die dritte und letzte Phase wird die automatische Erstellung von Listen und Grafiken erlauben.

Wikimedia Deutschland führt die drei Phasen aus und übergibt anschließend den Betrieb und die Wartung von Wikidata an die Wikimedia Foundation. Geplanter Übergabetermin ist März 2013. Das Team von acht Software-Entwicklern wird von Dr. Denny Vrandečić geleitet. Er wechselte vom Karlsruher Institut für Technologie zu Wikimedia Deutschland. Zusammen mit Dr. Markus Krötzsch von der University of Oxford hat er das Semantic-MediaWiki-Projekt gegründet. Der Projektvorschlag für Wikidata wurde mit finanzieller Unterstützung des EU-Projekts RENDER entwickelt, an dem Wikimedia Deutschland als einer der Anwendungspartner ebenfalls beteiligt ist.


Links

OpenStreetMap in die eigene Webseite einbinden

Nachdem die eigene Bibliothek (oder das eigene Archiv, der Kegelklub oder die Planschbeckenausstellung) in OpenStreetMap (OSM) eingetragen ist, kann man den entsprechenden Kartenausschnitt in seine Webseite einbinden. OpenStreetMap bietet dazu verschiedene Export-Funktionen (einfach auf den entsprechenden Reiter klicken!). Für unseren Zweck nützlich sind zwei davon:

Map Image (shows standard layer)

Auswählen, Maßstab und Bildformat auswählen (z.B. JPG) und exportieren. Das Bild kann dann in das eigene CMS oder auf den eigenen Webspace hochgeladen und in die Webseite eingebunden werden. Für die Stadtbibliothek Nordhorn sieht das dann z.B. so aus:

Stadtbibliothek Nordhorn auf OpenStreetMap

Anklicken zum Vergrößern!

HTML zum Einbinden

Interaktiver ist die Embed-Variante. Hier bekommt man einen Quelltext geliefert, den man einfach in den Quelltext seiner Webseite kopieren kann. Und auch ins CMS, wenn man das darf. Und das sieht dann (für die Zentralbibliothek der Hochschule Hannover) so aus:


Größere Karte anzeigen

  1. „HTML zum Einbinden“ anklicken
  2. „Markierung zur Karte hinzufügen“
  3. Anschließend die Bibliothek auf der Karte markieren
  4. Den Quelltext in die eigene Webseite kopieren. Fertig!

Warum nicht Google Maps?

Vor ca. 4 Jahren habe ich hier beschrieben, wie man einen Lageplan mit Google Maps erstellt und in die Homepage einbinden kann. Den könnte man natürlich auch weiterhin verwenden. Allerdings hat Google die Nutzung von Google Maps unter gewissen Umständen kostenpflichtig gemacht.

DLR-Bilder nun unter CC-Lizenz

Mathias Schindler weist im Wikimedia-Blog darauf hin, dass das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ab sofort Bilder unter CC-Lizenz veröffentlicht.

Marco Trovatello beschreibt den Erkenntnisprozess des DLR im DLR-Blog:

Nicht nur, dass uns infolge von Mathias Schindlers Anfrage auffiel, dass wir Wikipedia hier sehr gerne unterstützen wollten – uns fiel auch auf, dass wir als Wissenschafts- und Technologiekommunikatoren das Teilen und damit die Verbreitung bzw. Multiplikation unserer Inhalte durch die allgemeine Öffentlichkeit und Medien unnötig erschwerten und dass wir bei genauer rechtlicher Auslegung unserer Nutzungsbedingungen auch den Medien genau das nicht eindeutig erlaubten, da die entsprechenden Verlage bzw. Unternehmen in den meisten Fällen kommerziell arbeitende Wirtschaftsunternehmen sind.

Das ganze Posting ist sehr lesenswert und beschreibt ausführlich die Überlegungen hinter diesem Schritt. Pflichtlektüre für alle Datenbefreier!

Wie trägt man eine Bibliothek in OpenStreetMap (OSM) ein?

Wie trägt man eine Bibliothek in OpenStreetMap (OSM) ein? Eigentlich ganz einfach. Man benötigt zuerst einen Account für OpenStreetMap. Kostet nichts und ist schnell gemacht.

Sobald man angemeldet ist, klickt man auf den Tab „Bearbeiten“. Potlatch 2, die Editierkomponente von OSM wird geöffnet.

Nun gibt man im Suchschlitz die Adresse der Bibliothek ein. In vielen Fällen wird sie schon eingetragen sein. Falls nicht:

Adresse aufrufen und das Bibliotheksgebäude suchen. Potlatch bietet an, Icons auf den gewünschten Punkt zu ziehen. Unter „amenity“ (laut Leo engl. für „die Anmut“, „die Annehmlichkeit“, „die Schönheiten“, „die Vorzüge“) findet sich ein Icon namens „Library“. Die gewünschte Schönheit einfach auf die Karte ziehen.

Falls die Bibliothek schon eingetragen war oder es spätestens jetzt ist, muss nun nur noch die Beschreibung korrigiert oder ergänzt werden. Dazu klickt man die entsprechende Markierung in der Karte an. Auf der linken Kartenseite öffnet sich die Beschreibung. Nun ganz unten auf „Advanced“ klicken und die fehlenden Daten ergänzen. Laut OSM-Wiki sollen für Bibliotheken mindestens drei Felder ausgefüllt werden:

  1. amenity=library
  2. name=Name der Bibliothek
  3. ref:isil=ISIL der Bibliothek

So sieht das dann aus (die Pflichtfelder sind gelb hervorgehoben):

Jetzt noch abspeichern und das war’s auch schon.