Thüringer Bibliotheksgesetz verabschiedet …

.. und alle Hoffnungen auf ein wirklich überzeugendes Bibliotheksgesetz verabschiedeten sich gleich mit. Am ausführlichsten aknn man das natürlich in Eric Steinhauers Posting zum Thema nachlesen. Drüben bei Netbib sind noch weitere Kommentare verlinkt. Passend dazu noch die Thüringer Allgemeine:

Gewiss, Jörg Schwäblein (CDU) hatte eine feine Nase, als er die Forderung des Bundespräsidenten in Weimar sofort aufnahm. Nun darf er sagen, er habe das erste deutsche Bibliotheksgesetz auf den Weg gebracht, darf dies „einen Meilenstein der deutschen Bibliotheksgeschichte“ nennen. Irgendwie ist das auch nicht wirklich falsch, nur, dass es nichts bedeutet. Denn der wirkende Kern eines solchen Gesetzes wäre die Sicherung, also Finanzierung, der Bibliotheken.

Für eine absolute parlamentarische Mehrheit gilt der bewährte Satz „Was die Partei beschloss, wird sein“. Und gestern beschloss sie: nichts.

Sogar die SuperIllu widmet dem Gesetz fünf Sätze! Wenn das kein Beweis für die Breitenwirksamkeit von Bibliotheksgesetzen ist, weiß ich auch nicht, was sonst. Und selbst dort wird kritisch angemerkt:

Auf Kritik stieß vor allem die Festlegung, dass Bibliotheken weiterhin freiwillige Leistungen der Kommunen bleiben sollen. Damit stünden sie an vorderer Stelle bei Sparprogrammen der Gemeinden.

Staatliche Informationen mashen: Show us a better way

Die britische Regierung schreibt einen Wettbewerb aus, in dem nach Mashup-Ideen für Regierungsdaten gesucht wird: Show us a better way! Bis zu £20.000 werden für die Umsetzung ausgelobt.

We are offering up to £20,000 to take your ideas forward with a development team. That may be time with a designer to create a professional mockup that can be pitched to organisations, or some programmer time to create a working prototype. The best idea overall will win a symbolic trophy trawled from our archives.

Solange es nicht um personenbezogene oder sonstwie sensible Daten geht: großartig! Als Beispiele dienen unter anderem „Rate my prison“ oder „Fix my street“.

Diesmal geht also nicht (wie in Großbritannien anscheinend üblich) um versehentlich, sondern tatsächlich um absichtliches Freisetzen von Informationen.

[via Golem]

ekz richtet die neue Stadtbibliothek Salzburg ein

Die Österreich-Niederlassung der ekz.bibliotheksservice GmbH mit Hauptsitz in Reutlingen hat den Zuschlag für die Einrichtung der Stadtbibliothek Salzburg erhalten. Mit dem Bauprojekt „Neue Mitte Lehen“ entsteht in der Mozartstadt eine der modernsten Stadtbibliotheken Europas. Die Eröffnung ist für Januar 2009 geplant.

[via ekz.de]

Leibniz-Briefwechsel ist Weltkulturerbe

Nach Angaben der Deutschen UNESCO Kommission wird der Briefwechsel von Gottfried Wilhelm Leibniz in das „Memory of the World“-Programm aufgenommen. Der in der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek in Hannover aufbewahrte Briefwechsel umfasst 15.000 Briefe. Sie sind Teil des aus rund 200.000 Manuskript-Blättern bestehenden Nachlasses des „letzten Universalgenies“.

[via Kultur in Bonn]

Weitere Informationen gibt es hier.

Beinahe Bibliotheksbrand in Geislingen

In Geislingen wurde in der letzten Woche versucht die Bibliothek niederzubrennen. Unbekannte legten Feuer im Eingangsbereich der Bibliothek des Geislinger Schlosses, eine größere Katastrophe blieb zum Glück aber aus. Die Polizei geht davon aus, dass die Flammen durch Sauerstoffmangel erstickt sind. Allerdings wurden durch die Rußentwicklung auch Bücher in Mitleidenschaft gezogen, so dass die Bibliothek vorerst geschlossen bleibt.

Prekär ist, das der oder die Feuerteufel einen Schlüssel zur Bibliothek gehabt haben müssen, da es keinerlei Einbruchsspuren an der Tür gab.

[via Südwestpresse.de]

Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien

Das Projektteam verfolgt das Ziel, die zwischen 1938 und 1945 vom nationalsozialistischen Regime geraubten Bücher und deren Erwerbung durch medizinische Klinik- und Institutsbibliotheken in Wien zu dokumentieren.

Dazu ein interessanter Artikel auf standard.at

[via ub.meduniwien.at]

PDF/A vs. Open Access?

Subjektive Meinung: PDF/A ist der vermutlich am schlechtesten implementierte Standard seit Erfindung von Dokumentstandards überhaupt. Es ist veröffentlichungswilligen und dem Open Access zugeneigten Autoren kaum zumutbar, schon vorhandene Dokumente in standardkonformes PDF/A zu konvertieren. Kaum eine Lösung hält, was sie verspricht, bei fast jeder Konvertierung schlägt irgend etwas fehl. Auf meinen Hilferuf zur PDF/A-Konvertierung haben sich etliche Leute bei mir per Mail gemeldet. Alle mit dem gleichen oder zumindest ähnlichen Problemen.

Wie ist Abhilfe zu schaffen? Eine mögliche Lösung scheint mir, auf die konsequente Einhaltung des PDF/A-Standards bei Dokumentenservern zu verzichten. Wer etwas veröffentlichen will, sollte nicht mit allzu vielen technischen Hürden belastet werden. So wie es momentan aussieht, steht die an sich gute Idee, einen offenen und einheitlichen Standard für Dokumentenserver zu verwenden, einer breiten Akzeptanz der Selbstarchivierung entgegen.

Es ist einfach lächerlich, dass jeder Autor vor der Archivierung seiner Dokumente drei Semester PDF/A studieren muss. Um eine breite Akzeptanz von OA zu erzielen, müssen wir es den Autoren so einfach wie möglich machen. Youtube und Slideshare müssen zumindest hierbei Vorbilder sein. Klar ist, dass eine solche Einfachheit vermutlich nicht erreicht werden kann. Zu unterschiedlich sind die Ziele der Dienste. Aber als Richtlinie kann und soll der Veröffentlichungsvorgang bei solchen Angeboten dienen.

Bleibt das Problem der Langzeitarchivierung. Eine mögliche Umsetzung wäre, diese zentral z.B. durch die DNB zu organisieren. Sie sollte auf jeden Fall nicht zum Problem der Autoren werden.

Ich bitte um Meldung in den Kommentaren: An welcher Bibliothek funktioniert der Umgang mit PDF/A auch nur halbwegs problemlos?

International Music Score Library Project wieder online

Noten von ca. 15.000 Werken, deren urheber seit mindestens 50 Jahren tot sind, will das International Music Score Library Project ab morgen (1. Juli) verfügbar machen. Das Angebot ruhte seit Oktober, da der Schottverlag die Durchsetzung österreichischer Urheberrechtsfristen (70 Jahre nach Tod des Urhebers) auch für das kanadische Angebot durchsetzen wollte.

Er sehe keinen Grund, warum das österreichische Recht auch in Kanada greifen solle, schreibt der IMSLP-Betreiber auf seiner Website.

Völlig richtig, zumal nach der Argumentation des Verlags vermutlich eine Briefkastenfiliale in Honduras ausreichen würde, um die Schutzfrist um fünf weitere Jahre aufzustocken. Für an solchen Praktiken interessierte Verlage gibt es eine schöne Übersicht von Schutzfristen in verschiedenen Ländern. Vielleicht lohnt es sich für den einen oder anderen Konzern sogar, sich in einem kleineren Land eine verlängerte Schutzfrist zu kaufen, um auf Kosten der Allgemeinheit noch ein wenig Profit aus den Schöpfungen längst Verstorbener zu generieren.

An dieser Stelle sei noch einmal an das schon aus Usenet-Zeiten bekannte Werner Icking Music Archive erinnert, das ebenso reichhaltige wie gute Noten aus verschiedenen Epochen bereithält. Der Betreuer des Angebots, Christian Mondrup, hat wohlweislich eine kleine Linkliste zu urheberrechtlichen Fragen zusammengestellt.

[via Heise]

Bibforge – Sourceforge für Bibliothekswesen

Es gibt Blogs, bei denen man beim Lesen kein Wort übersehen darf. Der Jakoblog gehört eindeutig dazu. So ganz nebenbei fällt in einem Posting zur Verwaltung von Normdaten der mir bislang nicht geläufige Begriff „Bibforge“. Ein Klick darauf, und man landet in einem Blog, das Hinweise auf Serverinstallationsarbeiten gibt. Es scheint in Richtung Sourceforge für Bibliothekssoftware zu gehen. Näheres erfährt man in dieser Präsentation, auf die ein anderer Christian im Kommentar zu Jakobs Posting aufmerksam machte.

Infowiese verwüstet

Auf der Infowiese wächst nichts mehr. Hoffentlich hat der Betreiber (ein Stefan) auch hübsch ein Pflichtexemplar abgegeben. Wer die Infowiese „übernehmen“ will, soll sich übrigens bei Stefan melden. Leider hat er keine Kontaktmöglichkeit angegeben.

Ist das jetzt informationswissenschaftliche Mode? Will man sich so von den Kommunikationswissenschaften abgrenzen? Fragen über Fragen…