Schafft die Benutzungsgebühren ab!

In der Zeit erschien kürzlich ein Artikel von Hanno Rauterberg mit dem Titel: „Schafft die Eintrittsgelder ab!“ Er beschreibt die Entwicklung der Museumsbesucherzahlen in Paris und London und liefert sehr gute Argumente für eine wirklich Öffnung der Museen. Zu der Tatsache, dass manche Museen schon knapp 10 Euro Eintritt kassieren, schreibt er:
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Gebühren als Bildungshemmnis

Passend zum gestrigen Fundstück (Bibliotheksgebühren gegen “ungesunde Lesewuth”) macht Heise heute auf die Drucksache 16/6054 des deutschen Bundestages aufmerksam. Es handelt sich um eine Kleine Anfrage von Abgeordneten der Linkspartei zu den Konsequenzen der Bundesregierung aus den Ergebnissen der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (PDF). Auszug:

1. a) Wie bewertet die Bundesregierung den Rückgang der Studierendenquote von 39 Prozent in der 17. Sozialerhebung auf nur noch 36 Prozent in der 18. Sozialerhebung?
b) Hält die Bundesregierung vor diesem Hintergrund weiterhin an ihrem im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziel, die Studierendenquote auf mindestens 40 Prozent zu steigern, fest?
Falls nein, warum nicht?
Falls ja, mit welchen politischen Maßnahmen möchte sie dieses Ziel erreichen?

2. Anhand welcher Ergebnisse der 18. Sozialerhebung lässt sich die Aussage des Parlamentarischen Staatssekretärs Andreas Storm in der Fragestunde am 20. Juni 2007 belegen, dass sich „über den Zeitraum der letzten zwei Jahrzehnte die Bildungsbeteiligung der Kinder aus den unterschiedlichen Herkunftsmilieus tendenziell angenähert hat“, wo die Ergebnisse doch aufzeigen, dass sich die Zahl der Studierenden aus der sozialen Herkunftsgruppe „hoch“ zwischen 1982 und 2006 von 17 auf 38 Prozent erhöht hat, während die Zahl der Studierenden aus der sozialen Herkunftsgruppe „niedrig“ im gleichen Zeitraum von 23 auf 13 Prozent gesunken ist?

Die Antwort der Bundesregierung ist in der Drucksache 16/6161 (PDF) zu finden. Den Rückgang der Studierendenquote von 39% auf 36% kann man aber auch in vier Worten erklären: BaföG runter, Studiengebühren rauf. Viel eindeutiger kann ein Zusammenhang meines Erachtens nicht sein, und dieser Eindruck bestätigt sich auch im Gespräch mit Studenten und solchen, die es (nicht) werden wollen.

Bibliotheksgebühren gegen "ungesunde Lesewuth"

Fundstück: Ein Zitat zum Thema Benutzerschwund durch Bibliotheksgebühren, dass zuletzt durch die Diskussion um Gebühren für externe Nutzer an der UB Mannheim akut geworden ist. Es geht um den drastischen Rückgang der Benutzerzahlen in der Freien Städtischen Bibliothek Basel.

Einschneidender war die Einführung von Benutzungsgebühren. 1916 beschloss die Bibliothekskommission, das bisherige Depot von einem Franken für die Freie Städtische Bibliothek in eine feste Einschreibegebühr umzuwandeln. Zwei Jahre später galt diese Regelung auch für die Basler Volksbibliotheken [1]Jahresbericht / Allgemeine Bibliotheken der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel (Jb) 1916,4. Ab 1920 folgte eine regelmäßig zu entrichtende Lesegebühr. „Von der Einsicht ausgehend, dass die gegenwärtigen Verhältnisse die Eröffnung einer Einnahmequelle verlangen, haben wir beschlossen, fortan in der Freien Städtischen Bibliothek ein jährliches Lesegeld von zwei Franken, bei den Volksbibliotheken ein solches von einem Franken zu erheben. Damit hoffen wir in den Stand gesetzt zu werden, selbst wenn auch mit Austritten zu rechnen sein wird, den Anforderungen, die das sonst so blühende und so weiten Kreisen dienende Unternehmen an uns stellt, gerecht zu werden.“ [2]Jb 1919, 4 Diese Entscheidung war nicht einfach, da dadurch mit dem Grundsatz der Unentgeltlichkeit gebrochen wurde. Der Umsatzrückgang überraschte die Verantwortlichen. Die Basler Volksbibliotheken verloren 25% und die Freie Städtische Bibliothek rund 30% der Leser. Die Kommission äußerte sich trotzdem optimistisch: „Wir dürfen aber annehmen, dass mancher, der jetzt ausgetreten ist, wieder zurückkehren wird, und uns auch sagen, dass wer das geringfügige Opfer nicht gebracht hat, in den seltensten Fällen es nicht bringen konnte, sondern eben nicht wollte und damit bekundete, dass es ihm nicht sehr ernst damit war, gute Bücher zu lesen, wie denn auch die Statistik zeigt, dass hauptsächlich solche Leser zurückgetreten sind, welche die Bibliothek wenig benützten.“ [3]Jb 1920, 3 Dem darauf folgenden Jahresbericht ist zu entnehmen, dass die Leserzahl weiter zurückging, die Ausleihen jedoch wieder anstiegen. Die Bibliotheken sahen sich darin bestätigt, dass die verbleibenden Leser, die das Lesegeld nicht scheuten, um so fleissigere Leser waren. [4]Vgl. Jb 1921, 3

Zu finden auf Seite 80 von:
„Ungesunde Lesewuth in Basel“ : allgemeine Bibliotheken der GGG 1807 bis 2007 / hrsg. von der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel. Hrsg. von Robert Barth. Unter Mitw. von Studierenden der Fachrichtung Informationswissenschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur: Alena Andres … – Basel : Schwabe, 2007. – 155 S. : Ill., graph. Darst., Kt. ; 24 cm
(Neujahrsblatt / Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige ; 185)
ISBN 3-7965-2245-9 – 978-3-7965-2245-1

References

References
↑1 Jahresbericht / Allgemeine Bibliotheken der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel (Jb) 1916,4
↑2 Jb 1919, 4
↑3 Jb 1920, 3
↑4 Vgl. Jb 1921, 3

Neues aus der UB Mannheim: Benutzerkarte, Gebühren, Aleph

Die UB Mannheim gab in ihrem Blog verschiedene Neuerungen bekannt. Dazu gehört ein neuer Katalog, jetzt Aleph (was war es denn vorher?). In den Kommentaren kommt dieser fast durchweg schlecht weg. Ein Beispielkommentar (von „Mia“):

Übersichtlich, benutzerfreundlich, geeignet zum effizienten Arbeiten. Anscheinend soll mit dem neuen System all dies auf jeden Fall ausgeschlossen werden. Wird das eigentlich aus den Studiengebühren finanziert? Dann war das ein klassischer Fall von Kaufrausch der Verwaltung Uni Mannheim.

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Das Programm Selbstverblödung

Die taz druckte gestern Bodo Zeuners Rede des Abschieds vom Otto-Suhr-Institut ab. Titel: Das Programm Selbstverblödung

Der Titel ist Programm. Der Text ist eine einzige scharfzüngige Abrechnung mit der Ökonomisierung des Bildungswesens. Er beschreibt die ideale Universität als Teil des Gemeinswesens. Hier habe ein Paradigmenwechsel stattgefunden:

Eine Universität nach dem Modell des Privatunternehmens hingegen wird ihre Tätigkeiten dem Markterfolg unterordnen. Interner Streit mag noch stattfinden, aber er wird durch den Vorrang des Markterfolgs entsubstanzialisiert. Grundlagenforschung? Studienziel kritische Kompetenz? Frauenförderung? – Schon recht, solange der Markt es nicht bestraft! Eine Universität als Gemeinwesen hingegen hat die Orchideenfächer, die Grundlagenforscher und die Systemkritiker wegen ihres Eigenwerts für die Wissenschaft zu fördern. Das „Unternehmen Hochschule“, für das die FU Berlin stolz voranschreitet, bricht also nicht nur mit den früheren Strukturmodellen, sondern ist darüber hinaus ein Versuch, sich den Anforderungen zu entziehen, die sich an die Universität als ein Gemeinwesen stellen.

Er beschreibt den Wandel der Universitäten, auch die Autoritätsverlagerung von der Politik zu Think Tanks wie der Bertelsmann-Stiftung, aber auch die Schuld seiner eigenen Generation an dieser Misere. Er sieht die Wissenschaft an sich durch die Entwicklungen der letzten Jahre in Frage gestellt:

Es geht bei diesen Reformen nicht nur um Verwaltungsfragen, es geht um den Charakter der Wissenschaft. Sie kann sich nicht völlig den Schuh- oder Automobilproduzenten angleichen, denn sie unterliegt dem Wahrheitskriterium, während Schuhe und Autos nur nützlich sein müssen. Die Bindung an das Streben nach Wahrheit macht den spezifischen Gebrauchswert der Wissenschaft aus und verleiht ihren Produkten Würde und Autorität. Und sie erst begründet das Grundrecht auf Wissenschaftsfreiheit.

Zeitlose Betrachtung zu Umstrukturierungen

Ein schönes Zitat zum Reformeifer im Allgemeinen:

Wir übten mit aller Macht, aber immer wenn wir begannen zusammengeschweißt zu werden, wurden wir umorganisiert.
Ich habe später im Leben gelernt, daß wir oft versuchen, schwierigen Verhältnissen durch Umorganisation zu begegnen.
Es ist eine phantastische Methode. Sie erzeugt die Illusion des Fortschritts, weil sie gleichzeitig Verwirrung schafft, die Effektivität vermindert und demoralisierend wirkt.

Klingt wie eine Meldung aus einer aktuellen Debatte, zum Beispiel zu den Hochschulreformen. Urheber ist allerdings Gajus Vironius, Legionsschreiber der Stadt Colonia Agrippina (Köln), der um ca. 100 n. Chr. gelebt hat.

Update 12.7.2010: Es ist unklar, ob das Zitat tatsächlich von einem Gajus Vironius kommt oder nicht vielmehr wesentlich neueren Ursprungs ist. Siehe dazu diese Löschdiskussion in Wikipedia.

Wissen und Eigentum

Die Maikatze macht auf einen Sammelband mit 15 Beiträgen mit dem Titel „Wissen und Eigentum“ von der Bundeszentrale für politische Bildung aufmerksam.

Passend zum Thema ist auf der Downloadseite folgender Hinweis zu finden:

Mit diesem Band gibt die Bundeszentrale für politische Bildung erstmals ein Werk unter einer Creative Commons Lizenz (CC) heraus. Alle Beiträge sind unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de lizenziert. Sie können beliebig vervielfältigt, verbreitet und öffentlich aufgeführt werden, solange Sie den Namen des Autors/Rechtsinhabers nennen, die Inhalte nicht für kommerzielle Zwecke verwenden und sie nicht bearbeiten oder in anderer Weise verändern.

Ein flüchtiger Blick auf das PDF sagt mir: Pflichtlektüre!

Hochschulrankings in den Informations- und Bibliothekswissenschaften

Die Hohepriester des Bildungsmarktes predigen seit eh und je das Leistungs- und Effizienzdenken, dass zur Ausbildung von Eliteuniversitäten führen soll. Um feststellen zu können, wer denn nun Elite ist, werden Rankings erdacht. Gerade wieder neu erschienen ist das hierzulande wohl beliebteste, das CHE-Ranking.
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Wem gehören Kultur und Wissenschaft?

Alexa Weyrauch-Pung: Wem gehören Kultur und Wissenschaft?

Anläßlich der [extern] aktuellen Entscheidung des Bundesrates gegen Open Access stellt sich erneut die Frage: Wer hat wann und mit welchen Kosten verbunden ein Recht auf den Zugriff auf Kulturgüter und wissenschaftliche Forschungsergebnisse?

Konstanzer Studenten ohne soziales Gewissen?

Eine harte Überschrift, aber angesichts der Sachlage muss man diese Frage stellen. Worum geht’s?

Die Universitätsbibliothek Konstanz wurde aufgefordert, ein Konzept für Benutzungsgebühren für externe Nutzer vorzulegen. Die Konstanzer Bibliotheksdirektorin Petra Hätscher schreibt dazu in Inetbib:
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