Taz über marode norddeutsche Bibliotheken

Die Taz berichtet über die Nöte der Lübecker Stadtbibliothek:

Wo alter Reichtum und steter Verfall so krass aufeinandertreffen wie kaum irgendwo sonst: Schätze aus zehn Jahrhunderten muss die Lübecker Stadtbibliothek hüten – hat aber nicht mal Mittel zum Erhalt ihrer Zweigstellen. Auftakt zur neuen Serie über norddeutsche Bibliothekszustände

In der nächsten Folge soll es um die Schweriner Stadtbibliothek gehen.

Aktualisierte Liste der "predatory open access publishers"

„Beall’s List“ hatten wir hier vor einiger Zeit schon einmal. Die Liste wurde nun aktualisiert und vor einigen Tagen wurden auch die Kriterien veröffentlicht, die zu einer Aufnahme führen.

Einzelne Kriterien sind durchaus diskutabel. Ein paar Beispiele, denen man m.E. nicht zustimmen muss:

  • Depends on author fees as the sole and only means of operation with no alternative, long-term business plan for sustaining the journal through augmented income sources.
  • The publisher does not use ISSN numbers, DOI numbers or uses them improperly.
  • The publisher has no membership in industry associations […]

Auch wenn ein genauerer Blick auf die Verlage und deren Praktiken im Einzelfall nicht ganz erspart bleibt, ist die Liste sehr hilfreich.

[via Archivalia]

Individuelle QR-Codes in Serienbriefen?

Ich habe gestern versucht, die Serienbrieffunktion von MS Office 2010 oder OpenOffice/LibreOffice zu nutzen, um eine QR-Code-Beschilderung für unsere Zeitschriften herzustellen. Das Vorgehen war eigentlich recht einfach (geplant):

In der Tabellenkalkulation zwei Spalten:

  1. Titel: Photon : das Solarstrom-Magazin
  2. URL (zur EZB, zum Katalog, wohin auch immer): http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/detail.phtml?bibid=FHH&colors=7&lang=de&jour_id=86908

Daraus wird dann in Spalte 3 ein Google-API-QR-Link erzeugt:

http://chart.apis.google.com/chart?cht=qr&chs=350×350&chl=http://rzblx1.uni-regensburg.de/ezeit/detail.phtml?bibid=FHH&colors=7&lang=de&jour_id=86908

Und daraus wollte ich dann über die Serienbrieffunktion die einzelnen Schilder generieren. Was auch ein einziges Mal funktioniert hat. Danach nicht mehr. Das Problem: Auf allen Schildern ist derselbe QR-Code zusehen. Das Serienbriefdokument sieht folgendermaßen aus:

Ich habe diverse Formen der INCLUDEPICTURE-Funktion ausprobiert, inklusive der Beschreibung von Graham Mayor.

Liebe Lesenden, es gibt doch sicherlich eine einfache und vor allem zuverlässig funktionierende Möglichkeit, solche Etiketten in größerer Zahl aus den Daten einer CSV-Datei (o.ä.) zu generieren. Für sachdienliche Hinweise ist ein ernstgemeintes Dankeschön ausgelobt!

Elinor Ostrom in Interviewschnipseln

Defining „the commons“ (1/8)

The term „commons“ means to me a wide diversity of non-private goods.

The importance of “the commons” (2/8)

IASC Projects, goals and dreams (3/8)

The achievements of IASC (4/8)

Main challenges of IASC (5/8)

The agenda of IASC (6/8)

The future of IASC (7/8)

Work to be done (8/8)

[via Remix the Commons]

Deutsche RDA für 12 Monate frei einsehbar

Die deutsche Übersetzung der RDA (Resource Description and Access) ist auf der Webseite der DNB verfügbar. Erst einmal zumindest:

Die Deutsche Nationalbibliothek hat es als Vertragspartnerin der RDA-Rechteinhaber erreicht, dass die Übersetzung des Regelwerkstexts für die Dauer von 12 Monaten kostenfrei zugänglich gemacht werden darf. In diesem Zeitraum sollten alle Interessenten die Gelegenheit nutzen, sich mit dem Standard vertraut zu machen. Nach Ablauf dieser Frist müssen die Dateien aus dem Webangebot der DNB entfernt werden.

Danach kann niemand mehr die Gelegenheit nutzen, sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Wäre ja noch schöner, wenn sich jeder einfach mit einem Standard vertraut machen könnte! Hinz und Kunz! Denn Standards sind ja bekanntlich besonders dann nützlich, wenn sie unter Verschluss gehalten werden. Und zukünftige Berufsanfänger sind selbst schuld. Sie hätten ja früher geboren werden können.

Wer von den jetzt schon RDA-Interessierten vielleicht länger als 12 Monate benötigt, um sich mit RDA vertraut zu machen, kann übrigens ratzfatz ein Privatarchiv anlegen per Firefox-Erweiterung DownThemAll. In meinem Fall hat der Download inkl. Umbenennung aller Dateien nach Link-Text etwa eine halbe Minute gedauert. Video: [1] Ja, ich habe gerade Screenr für mich wiederentdeckt…

Die verwendeten Optionen (falls es im Filmchen zu schnell geht):

  1. Umbenennungstext: *flattext*.*ext*
  2. Filter: „Alle Dateien“ anhaken
  3. Schnelles Filtern: pdf
  4. Andere Filter deaktivieren: anhaken
  5. Dateien speichern in: das muss man schon selbst wissen…

Und schon hat man seine Privatkopie.

[via @suwannie]

References

References
↑1 Ja, ich habe gerade Screenr für mich wiederentdeckt…

Archiviert und visualisiert: die Tweets zum #cch12

Dieses Jahr konnte ich ausnahmsweise nicht zum #cch12. Daher zeige ich jetzt hier, was ich eigentlich dort in einem Session vorstellen wollte. Es geht um die Visualisierung von Twitterkonversationen. Und bevor man Daten visualisieren kann, muss man sie erst einmal sammeln. Dies kann man hervorragend mit R machen. Es gibt aber auch einsteigerfreundlichere Wege.

Von den mir bekannten Tools ist Martin Hawkseys TAGS v3 (Twitter Archiving Google Spreadsheet) eines der einfachsten. Er selbst beschreibt sehr gut, wie man Tweets automatisch in ein Google Spreadsheet archiviert. Der Vorteil dieser Lösung gegenüber R oder anderen Desktoplösungen ist die Verfügbarkeit des Dienstes unabhängig davon, ob der eigene Rechner läuft. Twitter erlaubt via API zur Zeit den Abruf von maximal 1500 Tweets gleichzeitig. [1] Things Every Developer Should Know: Clients may request up to 1,500 statuses via the page and rpp parameters for the search method. Daher können umfangreiche Konversationen nachträglich oft nicht archiviert werden. Lässt man die Applikation jedoch während eines Events laufen, ist die Archivierung weitaus größerer Tweetmengen möglich. Hier ein paar Screenshots, die den Leistungsumfang der Anwendung andeuten:

Martin Hawksey ist ein begnadeter Frickler und stellt zusätzlich zu seinem Archivierungstool (das auch ein paar einfache Analysefunktionen mitbringt) auch eine Visualisierungskomponente zur Verfügung: den TAGSExplorer, dessen Output im ersten Screenshot zu sehen ist. Auch diesen und dessen Anwendung beschreibt er Schritt für Schritt.

Für das folgende Filmchen (Dauer: ca. 1 Minute, unbedingt als Vollbild ansehen!) habe ich die Replay-Funktion einer Twitterkonversation genutzt. [2]Kleines Schmankerl für mitlesende Biblioblogger ist der zum Schluss in die Bildmitte baumelnde @lambo. Die Darstellung ist zufällig und bei jedem Durchlauf anders. Das war allerdings ein First … Continue reading

Wer selbst mit den Daten herumspielen möchte, kann gerne meine Backup-Version herunterladen. Da ich ab und an mal aufräume, kann ich nicht dafür garantieren, dass die Daten unter dieser Adresse beliebig lange verfügbar sein werden. Hinweise auf angefertigte Derivate nehme ich gerne entgegen!

#SWIB12 habe ich übrigens auch aufgezeichnet. Ich hoffe, das ich mich damit in Kürze etwas näher beschäftigen und noch 1-2 andere Tools vorstellen kann.

References

References
↑1 Things Every Developer Should Know: Clients may request up to 1,500 statuses via the page and rpp parameters for the search method.
↑2 Kleines Schmankerl für mitlesende Biblioblogger ist der zum Schluss in die Bildmitte baumelnde @lambo. Die Darstellung ist zufällig und bei jedem Durchlauf anders. Das war allerdings ein First Take, den ich sofort genommen habe. ;o)

Muziekbibliotheek des MCO Hilversum droht Schließung

Seit 85 Jahren sammelt die Muziekbibliotheek des MCO Hilversum Aufführungsmaterialien des niederländischen öffentlichen Rundfunks. Vielleicht nicht mehr lange. Jutta Lambrecht informiert über den Fall in ihrem Blog info-netz-musik:

“Sollten im nächsten Jahr tatsächlich keine Gelder mehr zur Verfügung stehen, landet im schlimmsten Fall alles beim Altpapier” befürchtet Martie Severt, der Manager der Musikbibliothek. Das Notenarchiv des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besitzt Regalkilometer voll von Unikaten, die in den letzten 85 Jahren speziell für das Radio oder Fernsehen produziert wurden.

Die KollegInnen dort freuen sich sicherlich über Unterstützung auf der MCO-Webseite.

Natürlich bleiben Guttenberg & Co im Regal

Im Tagesspiegel schreibt Amory Burchard über den Umgang von Bibliotheken mit plagiierten Dissertationen. Im Artikel „Guttenberg & Co. bleiben im Regal“ beschreibt sie die großen Mühen der Universitäten, die betrügerischen Promotionen aufzuspüren. Dann:

Doch bis in die Bibliotheken reicht die Selbstreinigung der Wissenschaft nicht. Während die betroffenen Wissenschaftsverlage beanstandete Titel umgehend aus dem Programm nehmen, bleiben die plagiierten Werke in den Regalen. Sie werden nicht einmal durchgehend und transparent als Plagiate gekennzeichnet, wie Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der HU, auf Anfrage eingesteht. Im Fall Guttenberg wird nur gewarnt, wer die Dissertation über den Online-Katalog sucht. Als Anmerkung steht dort in zwei klein gedruckten Zeilen: „Entzug des Doktorgrades am 23. Februar 2011 durch die Promotionskommission der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth.“

Beschrieben wird weiterhin, dass es DBV-Position sei, beanstandete Bücher nicht aus dem Verkehr zu ziehen, […] auch […] wenn Autoren dies selber wünschen.

Natürlich! Burchard suggeriert, ein Bibliothekswesen sei wünschenswert, das erhebliche Eingriffe in die Schreibung der Wissenschaftsgeschichte vornimmt. Wenn die Dissertation Guttenbergs wissenschaftlich nicht mehr wahrgenommen wird, ist es jedoch selbstverständlich nicht Aufgabe der Bibliotheken, dies zu gewährleisten. Die Zeiten, in denen BibliothekarInnen bestimmen, was ihren Nutzern zuträglich ist, sind hoffentlich weitgehend vorbei.

Würden wir Bibliothekswesen versuchen, Werke, die nicht nach wissenschaftlichen Standards entstanden sind, aus dem Bestand zu entfernen, hätte dies mindestens zwei fatale Konsequenzen.

Zuerst würden wir, wie oben beschrieben, die Wissenschaftsgeschichte (und in vielen aktuellen Fällen auch die Erforschung der politischen Geschichte) erschweren oder sogar unmöglich machen. Darüber hinaus würden wir suggerieren, dass alle in Bibliotheken verfügbar gemachten Werke nach allen Regeln der Wissenschaft korrekt sind. Können wir das gewährleisten? Ein lachhafter Gedanke.