Google bestraft App-Werbung

Man ruft eine Seite mit dem Tablet oder Smartphone auf und bekommt erst einmal eine riesige, blinkende „Installier die App“-Werbung ins Gesicht geworfen. Ständig. Irgendwelche nette Menschen bei Google nervt das genauso wie fast jeden anderen. Im Gegensatz zu den meisten haben die Google-Angenervten Einfluss auf das Google-Ranking und somit ein solides, finanziell potentiell stark sanktionierendes Erziehungsmittel in der Hand. Wer mit App-Werbung nervt, wird also einfach ein paar Plätze nach hinten geschoben. Weitere Infos gibt es bei Techcrunch.

[via Fefe]

SEO, Freebase und Wikidata

Freebase wird eingestellt, der Schreibzugriff wurde gerade schon abgestellt. Laut Wikidata-Office-Chat wird Wikidata zwar nun von Google unterstützt. Wikidata wird aber nicht die Rolle von Freebase für den Google Knowledge Graph übernehmen, was diverse SEOs anscheinend annehmen.

16:33:26 yeah, one problem is that SEOs think that Wikidata is replacing Freebase within the Google infrastructure
16:33:35 but we need guidelines on SEO on Wikidata
16:33:42 yes, that would be good
16:33:45 companies will come and edit wikidata a lot now
16:33:55 We’ve already seen a huge wave of spam of companies and „SEO experts“
16:33:55 also, Wikidata is not a free ticket into the Knowledge Graph as Freebase was
16:34:07 it is just one source among many
16:34:27 i think we really need to highlight this

Inzwischen wurde dieser Punkt auch in die Wikidata-FAQ übernommen:

No.

Whereas Freebase was the open core of the Knowledge Graph, this is not true for Wikidata. Wikidata is one source of the Knowledge Graph among many, but does not have the same standing as Freebase had.

The most important source of data for the Knowledge Graph is actually the Web itself. You can mark up your own Websites with schema.org and this will be read and processed by all major search engines.

Liebe SEOs, nehmt dies bitte zur Kenntnis. Und nein, ich möchte keine Links mit Euch tauschen. Danke.

Bibliothek und Wissenschaft im Entwurf der Digitalen Agenda

Netzpolitik hat dankenswerterweise einen Entwurf der Digitalen Agenda veröffentlicht. Natürlich sind ein paar Punkte aus hiesiger Blogperspektive von Interesse.

Nach viel Blabla („digitaler Wandel“, „Zukunftsvision“ etc.) soll es im Programmteil dann konkreter werden. Los geht es mit I. DIGITALE INFRASTRUKTUREN, was hier vorwiegend „Zugang zum Netz“ bedeutet.

Dann geht es zu II. DIGITALE WIRTSCHAFT. Sichere Big-Data- und Cloud-Anwendungen sollen unterstützt werden. Hoffentlich diesmal etwas sicherer als die Fehlkonstruktion DE-Mail.

Darüber hinaus soll die Digitalisierung wichtiger Zukunftsmärkte unterstützt werden. Da die Kreativ- und Medienwirtschaft genannt ist, gehe ich davon aus, dass uns noch mehr brillante Ideen à la Leistungsschutzrecht bevorstehen. Immerhin:

Die Einführung einer EU-weiten Datenschutz-Grundverordnung, in der die Geltung des EU-Datenschutzrechts auch für nicht in der EU niedergelassene Internetunternehmen festgeschrieben werden soll (Marktortprinzip), wird mit Nachdruck unterstützt.

Gleich darauf folgt eine Ankündigung zur Anpassung des Urheberrechts an die rasante technische Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft:

Wir passen die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Urheberrecht an die rasante technische Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft unter gerechtem Ausgleich der betroffenen Interessengruppen an. Dieses Ziel verfolgen wir auch auf europäischer Ebene. Wir werden dazu die urheberrechtlich zulässige Nutzung von geschützten Inhalten zu Zwecken von Wissenschaft, Forschung und Bildung verbessern, die kollektive Rechtewahrmehmung entsprechend dem europäischen Rechtsrahmen stärken sowie an der Revision des europäischen Urheberrechts aktiv mitwirken.

Weiter unten wird noch einmal erwähnt, dass eine „allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke eingeführt werden“ soll.

Nun zum Abschnitt III. INNOVATIVER STAAT. Erst:

Unsere Rolle als großer IT-Beschaffer werden wir dazu nutzen, Innovationen und die Umsetzung von Sicherheit in der IT zu fördern.

Open Source und Verschlüsselung? Super! Aber dann:

Wir führen De-Mail flächendeckend ein.

Ja, was denn nun?

IV. DIGITALE GESELLSCHAFT

„Dialog mit gesellschaftlichen Gruppen ausweiten“ klingt gut, „Digitale Medienkompetenz stärken“ auch. Ein interessanter Begriff ist in diesem Zusammenhang „safety by default“. Wie soll das realisiert werden? Mit Websperren? Mit bestimmten Tools, die über White- oder Blacklists den Zugang von Kindern und Jugendlichen einschränken sollen? Oder Zugang zu bestimmten Ressourcen nur nach Login und ordentlicher Registrierung, was sehr ernsthafte Konsequenzen für die Anonymität im Netz hätte? Wer sich anmelden muss, ist schließlich noch leichter überwachbar als ohnehin schon.

Na, stöbern wir ein bißchen weiter:

Wir wollen das Internet dazu nutzen, Familien durch innovative Vermittlungsplattformen von familienunterstützenden Dienstleistungen zu unterstützen.

Kann mir das mal jemand übersetzen und/oder mit Inhalt füllen?

Spannend wiederum klingt das Modellprojekt „Freiwilliges Soziales Jahr Digital”. Nun aber zum Kernpunkt:

V. BILDUNG, FORSCHUNG UND KULTUR

  • Eine neue Strategie für den digitalen Wandel in der Wissenschaft wird wesentlich zur Weiterentwicklung der Informationsinfrastrukturen (wie z.B. Archive, Bibliotheken, Forschungs- und Publikationsdatenbanken) beitragen.
  • Der von Bund und Ländern beschlossene Rat für Informationsinfrastrukturen wird als übergeordnetes Koordinierungs- und Beratungsgremium die Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Intormationsinfrastruktur, z.B. durch Empfehlungen, unterstützen.
  • Die Vernetzung von Forschungsdatenbanken und Repositorien sowie virtuelle Forschungsumgebungen fördern wir im Rahmen eines eigenen Programms.

Es wird also Geld geben. Vermutlich lohnt es sich, schon mal Projekte zu entwerfen. Wenn man nur wüsste, welches Ziel die Strategie für den digitalen Wandel in der Wissenschaft haben soll…

Den nächsten Punkt möchte ich komplett zitieren:

2. Zugang zu Wissen als Grundlage für Innovation sichern
Wir werden die Rahmenbedingungen für einen ungehinderten Informationsfluss insbesondere der Wissenschaft verbessern durch

  • eine umfassende Open Access-Strategie, die den Zugang zu Forschungspublikationen und -daten verbessern und Anreize ausbauen soll;
  • Verbesserungen im Urheberrecht, um die Potenziale der Digitalisierung für Wissenschaft, Forschung und Bildung voll zu nutzen. Insbesondere soll eine allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke eingeführt werden.

In der Ausgestaltung und der praktischen Umsetzung kann natürlich noch viel schief gehen. Aber sofern hier echtes Open Access – und nicht nur „gratis im Web ansehbar“ – gemeint ist, sehe ich das als sehr gute Nachricht an.

Im Abschnitt Kultur und Medien geht es dann um Kulturgüter und Langzeitarchivierung:

  • Wir entwickeln eine übergreifende Strategie mit geeigneten technischen Lösungen und Standards zur langfristigen digitalen Bewahrung von Wissen, Informationen und Kulturgütern und schaffen die dafür notwendigen (urheber-)rechtlichen Rahmenbedingungen.
  • Wir stellen digitalisierte Kulturgüter und deren Metadaten offen und – soweit urheberrechtlich zulässig – möglichst unentgeltlich zur Verfügung.
  • Zur Digitalisierung von Kulturgut und zu seiner langfristigen digitalen Bewahrung entwickeln wir Strategien und Aktionspläne (u.a. zur Kino- und Filmdigitalisierung) und schaffen die notwendigen (urheber-)rechtlichen Rahmenbedingungen für die langfristige digitale Bewahrung.
  • Wir bauen die „Deutsche Digitale Bibliothek” weiter auf und aus.

Der abschließende Bereich IKT in der Entwicklungshilfezusammenarbeit klingt dann wieder nach Wirtschaftsförderung.

Fazit: Einiges wird angedeutet, aber sehr viel bleibt völlig unklar. Dass es eine „Strategie für den digitalen Wandel in der Wissenschaft“ geben soll, ist ja prima, aber von dieser Agenda hätte ich eigentlich erwartet, dass sie zumindest grob skizziert, in welche Richtung es gehen soll. Laut Netzpolitik soll die finale Version am 20. August veröffentlicht werden. Hoffentlich trägt die via Netzpolitik.org hergestellte Öffentlichkeit dazu bei, dass die Verantwortlichen die Schwachstellen beseitigen.

Nicht totzukriegen: Newsletter per E-Mail

Aus der New York Times:

Email newsletters, an old-school artifact of the web that was supposed to die along with dial-up connections, are not only still around, but very much on the march.

Siehe auch:

Statistik: Anteil der Internetnutzer (nach Altersgruppen), die Newsletter-Abonnenten, Facebook-Fans und Twitter-Follower sind | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

(Ja, ich gebe es zu, ich wollte einfach mal die Statista-Embed-Funktion ausprobieren.)

Tracking durch "Googles Web Fonts" – reloaded

Im März 2012 fragte ich mich und das Web, ob Tracking via Googles Web Fonts möglich sei. Damals hieß es, das sei vermutlich nicht möglich. Nun steht in der aktuellen c’t (Herbert Braun: „Undercover – wie Google-Werkzeuge auf fremden Websites Daten sammeln“, c’t 11/2014, S. 135):

Immer mehr Webdesigner haben die Nase voll vom Arial-Times-Verdana-Einheitsbrei und nutzen Webfonts, die inzwischen auf allen nennenswerten Browsern laufen. Weil die Einbettung nicht ganz trivial ist und Ärger mit den Font-Lizenzen droht, hat Google die Chance ergriffenund eine kostenlose Bibliothek von mehreren hundert passablen bis guten Schriftarten samt Werkzeug zum Einbetten zur Verfügung gestellt. Die unter Google Fonts bereitgestellten Schriftarten kann man zwar auch auf den eigenen Server kopieren, aber weil sich kaum jemand die Mühe macht, kommt Google mit dem Gratisangebot auf seine Kosten.

Wie schon vor zwei Jahren bitte ich um fachkundige Antwort: Ist das also doch möglich?

Wikipedia Redefined

Teil der Operation Frühjahrsputz 2014, in deren Verlauf angefangene und nie beendete Postings einfach so veröffentlicht werden.

Eine der beliebtesten (und wichtigsten) Webseiten der Welt sieht bestenfalls mittelprächtig aus und ist auch nicht besonders einfach zu bedienen. Ja, es geht um Wikipedia. Ein Designerteam hat daher mal versucht, Wikipedia ein Redesign zu verpassen. Nicht alle Vorschläge finde ich gelungen, aber einiges sieht doch sehr schön aus. Hier geht’s lang zu Wikipedia Redefined.