Bibliothekarische Projektlyrik

Karsten Schuldt widmete sich gestern der Projektlyrik, die allmonatlich in den bibliothekarischen Postillen zu bestaunen ist: meine beitrags- / lyrik ist hübscher / als deine // dude

Ich zitiere einfach mal ein paar Sätze, zu denen man ein lautes „Jawoll! So ist es!“ in den Raum zu rufen geneigt ist.

Wir lassen es zu, dass solche letztlich wenig inhaltsreichen Texte, die aber mit viel rhetorischen Bling-Bling gespickt sind, veröffentlicht werden und gerade deshalb die konkrete bibliothekarische Praxis nicht richtig sichtbar wird. Wir alle kennen die Worte, die dazu verwendet werden: Innovation, Evaluation, Kompetenz, Projekt, Marktanalyse und so weiter. Aber müssen wir sie auch ständig benutzen? Überzeugen wir damit irgendwen? Von was wollen wir da überhaupt wen überzeugen? Oder soll von irgendetwas abgelenkt werden? Und müssen wir eigentlich immer Projekte machen, nur weil wir mal etwas ausprobieren und verändern wollen?

Auf dem von ihm gewählten Beispiel muss man nicht weiter herumhacken. Andere Beispiele finden sich jeden Monate im Bibliotheksdienst, BuB & Co. Und viele, die hier lesen und schreiben, haben schon an ähnlichen Texten mitgewirkt. Die Frage ist: wie kommen wir da heraus?

Fünf Jahre offizielle Open-Access-Heuchelei im deutschen Bibliothekswesen

„Heute vor fünf Jahren…“ sollte dieser Artikel eigentlich anfangen. Nun ist es ein paar Tage später, doch der geneigte Leser ignoriere das bitte.

Also, genau heute vor fünf Jahren, am 12. August 2006, hat Klaus Graf in Archivalia ein Posting veröffentlicht mit dem zum geflügelten Wort avancierten Titel „Die Open-Access-Heuchelei der Bibliotheken“. Darin kritisiert er sieben Punkte:

(1) Bibliothekarische Fachzeitschriften sind nur zum kleinen Teil Open Access!
Kaum Änderung im deutschsprachigen Bereich. Bis auf Libreas ist da eigentlich nichts. Peinlich.

(2) Bibliothekarische Fachliteratur ist kaum OA!
Hier ist Verbesserung zu spüren, zum Beispiel mit dem Handbuch Bibliothek 2.0.

(3) Bibliotheken beliefern kostenpflichtige bibliographische Datenbanken!
Gilt weiter. Wenn es eine nicht-exklusive Lieferung ist, die Daten also jedem zur Verfügung stünden, wäre das übrigens auch nicht weiter zu beanstanden.

(4) Bibliotheken treten als Mitglieder von Digizeitschriften e.V. die Interessen von Bildung und Wissenschaft mit Füßen!
Gilt weiter.

(5) Bibliotheken denken nicht daran, „permission barriers“ einzureissen!
Gilt generell nicht mehr. CC-Lizenzen sind inzwischen vielerorts im Einsatz.

(6) Sogar OAI-Metadaten werden nicht OA freigegeben!
Die Diskussion ist faktisch beendet, alle Argumente ausgetauscht. Der Trend geht zu CC0. Da wird in sehr kurzer Zeit sehr viel passieren.

(7) Die Bibliotheken betreiben in großem Stil Bildrechte-Tyrannei und Copyfraud!
Gilt weiter.

Fazit: Es sind Fortschritte zu erkennen. Insgesamt ist es jedoch ernüchternd, wie wenig sich in fünf Jahren bewegt hat. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können wir eine offene Fachkommunikation im Bibliothekswesen für ca. 2025 prognostizieren.

CfP: Journal of Librarianship and Scholarly Communication

Seeking Submissions for Inaugural Issue of the Journal of Librarianship and Scholarly Communication

The Journal of Librarianship and Scholarly Communication (ISSN 2162-3309) is a quarterly, peer-reviewed, open-access publication for original articles, reviews and case studies that analyze or describe the strategies, partnerships and impact of library-led digital projects, online publishing and scholarly communication initiatives.

The Journal of Librarianship and Scholarly Communication provides a focused forum for library practitioners to share ideas, strategies, research and pragmatic explorations of library-led initiatives related to such areas as institutional repository and digital collection management, library publishing/hosting services and authors’ rights advocacy efforts. As technology, scholarly communication, the economics of publishing, and the roles of libraries all continue to evolve, the work shared in JLSC informs practices that strengthen librarianship. The Journal of Librarianship and Scholarly Communication provides a shared intellectual space for scholarly communication librarians, institutional repository managers, digital archivists, digital data managers and related professionals.

The journal welcomes original research and practitioner experience papers, as well as submissions in alternative formats (e.g. video).

General topics of interest include:
-Scholarly communication
-Open Access
-Library as publisher and library/press partnerships; including, but not limited to:
—Emerging modes and genres of publication
—Organizational and business models
-Policy issues; including, but not limited to:
—Publishing/deposit mandates
—Impact of governmental or institutional policy
—Policy development for library services
-Digital collection management
-Institutional and discipline-specific repositories
-Digital curation
-Technological developments and infrastructure
-Intellectual property
-Resources, skills, and training
-Interdisciplinary or international perspectives on these issues

The inaugural issue of JLSC will focus on the theme of “Defining Scholarly Communication”.

Mehr Infos in der OSS4LIB-Mail von Lisa Schiff und direkt beim JLSC.

Plan3tare Stimmvielfalt

Zwölf Einträge in den Stimmen des Plan3t.info gibt es inzwischen. 13, wenn man das Startposting mitzählt. Die inhaltliche Vielfalt ist ebenso überraschend wie die Interpretation dessen, was eine Stimme genau ist.

Bis jetzt ging es unter anderem um Bibliotheksbauten, Couchsurfing, Discovery, Stachanow-Arbeit und aktuell um Nationallizenzen.

Alle Stimmen gibt es hier im Überblick. Schade ist, das bislang wenig kommentiert wurde. Verlinkt, vertwittert, und vor allem: kommentiert!

Plan3t.info – der neue Planet ist da

Dieses Posting ist von Edlef Stabenau ordnungsgemäß nach CC-BY aus Netbib übernommen:

Nachdem letzte Woche etwas klammheimlich der Start erfolgte, aber schon einige sehr interessante Stimmen ein sehr breites Themenspektrum abdecken, auch hier der Hinweis auf den Planet.info.

Er soll den alten Planet Biblioblogs ablösen, hat aber ein neues und interessantes Feature:

Dazu werden nun verschiedene KollegInnen aus der Bibliotheks-Sphäre ihre Stimme ergreifen. Jeweils eine “Stimme” pro (Werk)Tag wird lesenswerte Bücher, Blogs, Artikel, Podcasts, Videoclips, Vorträge ansagen, vielleicht auch von Erfahrungen mit kommerzieller und nichtkommerzieller Bibliothekssoftware berichten oder was auch immer die Stimme für empfehlenswert oder diskussionswürdig hält.

Alle weiteren Informationen dazu finden sich auf der Seite Was ist das hier?. An einigen Funktionalitäten wird z.Zt. noch ein wenig herumgeschraubt…

Relativ wichtig sind die 2 wichtigen Feeds: Wer nur an den Stimmen interessiert ist, nutzt diese Adresse: http://plan3t.info/category/stimmen/feed/, wer an allen aggregierten Weblogs inkl. der Stimmen interessiert ist, nutzt diese: http://plan3t.info/category/aggregator/feed/

Ergänzung:
Eine „Stimme“ von mir gibt’s auch schon: „Woher die guten Ideen kommen“

Man darf sowohl die Stimmen als auch das Startposting übrigens auch gerne kommentieren…

Tagesspiegel über Open Access und Aaron Swartz

Zwei Artikel im Tagesspiegel:

1. Die Magna-Carta und die asiatischen Elefanten

Die Open-Access-Bewegung fordert mehr Freiheit für das Wissen im Netz. Zwar geht die nötige Reform des Urheberrechts nur langsam voran. Doch es gibt bereits eine ansehnliche Zahl digitaler Bibliotheken, die umsonst und frei sind. Surftipps aus der Netzspiegel-Redaktion.

2. Nur langsam mehr Freiheit des Wissens

Ein Hacker lädt eine große digitale Bibliothek herunter. Ist das Diebstahl oder die Befreiung des Wissens? Auf jeden Fall eine Reaktion darauf, dass die Open-Access-Bewegung zehn Jahre nach ihren Anfängen nur langsam vorankommt.

Warum Angabe persönlicher Daten in der EU-Konsultation zu "scientific information in the digital age"?

Zügig kam die ausführliche Antwort auf meine Anfrage, warum man bei der Teilnahme an der EU-Umfrage zum Zugang zu Wissenschaftspublikationen verschiedene persönliche Angaben machen muss:

We are asking respondents to give their names and affiliations for the following reasons:

– to be able to compile a list of respondents (without e-mail addresses, just names and affiliations), which will be published in accordance with the European Commission’s commitment to transparency in its public consultations. This is standard for EC public consultations as they address areas that are of public interest.

– to encourage only genuine responses (sometimes anonymous replies are not genuine, and are therefore hard to evaluate/take into account).

Please note that, if individuals feel that they cannot respond „on behalf of an organisation“, they can of course still answer „as a citizen“.

Respondents who wish to remain anonymous have the possibility of doing so „on the grounds that such publication would harm his or her legitimate interests“, as you can read in the „Specific privacy statement“ (http://ec.europa.eu/research/consultations/scientific_information/privacy_statement.pdf):

(Excerpt):
3. WHO HAS ACCESS TO YOUR INFORMATION AND TO WHOM IS IT DISCLOSED?
A synthesis of the contributions received via the online questionnaire, as well as any individual contributions, together with the identity of the contributor and his or her organisation/affiliation, will be published on the Internet, unless the contributor objects to publication of the personal data on the grounds that such publication would harm his or her legitimate interests. In this case the contribution may be published in anonymous form. Otherwise the contribution will not be published nor will, in principle, its content be taken into account. Any objections concerning publication of personal data should be sent to the service responsible for the consultation (see Contact information below).

Dieser Erläuterung folgte noch die Hoffnung, dass möglichst viele teilnehmen mögen, da die Stimmen der Bibliothekare und Wissenschaftler für die Konsultation von ausschlaggebend sind. Wer sich nun berufen fühlt, möge auf folgenden Link klicken: Consultation on scientific information in the digital age.

Die drei dicken B des Bibliothekswesens

Die drei dicken B des Bibliothekswesens (Blogs, Barcamps, Bibliothekarinnen), bzw. der Fachkommunikation in einer Präsentation beim Workshop „Web- und andere Trends im Bibliothekswesen“ beim ZBIW der FH Köln.

Wie wichtig ist Reputation bei der Journal-Wahl?

What factors are important to you when selecting a journal to publish in?

Dies war eine von vielen SOAP-Fragestellungen. Unter anderem wurde direkt gefragt, wie wichtig das Prestige eines Journals für die Entscheidung sei, in welchem Journal man publizieren möchte.

Prestige important?
Extremely important 17633
Important 16041
Less important 1976
Irrelevant 236
NA 7147
Summe 43033

Ein Vergleich aller Antworten sieht folgendermaßen aus:

Etwas übersichtlicher ist folgende Darstellung, für die ich die Antworten in zwei Kategorien unterteilt habe: „extremely important“ und „important“ in eine Kategorie, „less important“ und „irrelevant“ in eine weitere. Da die Zahl derer. die die Fragen nicht beantwortet haben, lag immer in einem recht ähnlichen Bereich (min. 7219, max. 7711) und wurde daher aus Gründen der Übersichtlichkeit weggelassen:

Anklicken für Vollansicht!

Prestige ist Publizierenden offensichtlich äußerst wichtig. Auch der hohe Stellenwert des Impact Factors deutet darauf hin.

Kommentare zu IWP/de Gruyter

Wirklich positive Kommentare zur Entscheidung der DGI, mit IWP zu de Gruyter zu wechseln, habe ich nicht gefunden. Ein bißchen Verständnis für eventuelle Sorgen und Nöte.

Blogs

Mails in Inetbib

Jakob Voss:

Da kam die Session „Auf dem Goldenen Weg zu Open Access“ am 9.6. auf dem Bibliothekartag wohl zu spät (siehe http://is.gd/XYLWxl):

Annette Kustos:

In der Tat also schade, dass eine Einrichtung aus dem Bereich IuD hier den Schritt nach OA nicht wagt. Ein bisschen schwierig nun, ein neues Themenheft zu OA…. Andererseits ist selber machen müssen immer anders.

Eberhard R. Hilf:

Im Falle einer Fachgesellschaft ist zudem dieser Schritt problematisch, da ja gerade die DGI auch fachpolitisch zum Thema Informationsmanagement in der Wissenschaft taetig sein sollte, und dies sich auch in ihrem Journal wiederspiegeln sollte. Bei anderen Fachgesellschaften, die einen vergleichbaren Schritt gemacht hatten, weiss man, dass diese Unabhaengigkeit eben nicht mehr gegeben wird.

Rainer Kuhlen:

Ich hatte auch dringend von einer Nicht-OA-Lösung abgeraten, sehe allerdings auch die besondere Lage einer Gesellschaft wie der DGI. In der Tat wird man abwarten, wie sich das entwickelt und wie liberal deGruyter mit dem Zugriff und der Langzeitsicherung umgeht. Auch dieses wird über die Reputation einer Z. entscheiden.

Die Diskussion wird sicherlich weitergehen, hoffentlich auch unter Beteiligung der DGI.