Open Access bedroht britische Arbeitsplätze

Britische Arbeitsplätze sieht die Daily Mail durch das Vorhaben der britischen Regierung bedroht, ein Open-Access-Mandat für mit öffentlichen Mitteln finanzierte Forschung umzusetzen. Ein heiterer Artikel, der das in Zeitungen ohnehin selten hohe Niveau in der Open-Access-Debatte noch einmal ein paar Etagen tiefer legt.

Hier geht’s zum Artikel: ‘Open access’ move puts thousands of UK jobs at risk

Schlimmer als Murdoch: Wiley-Blackwell, Elsevier & Springer

George Monbiot ledert im Guardian ordentlich ab gegen Wiley-Blackwell, Elsevier und Springer: Academic publishers make Murdoch look like a socialist.

What we see here is pure rentier capitalism: monopolising a public resource then charging exorbitant fees to use it. Another term for it is economic parasitism. To obtain the knowledge for which we have already paid, we must surrender our feu to the lairds of learning.

Seine Forderung ist unmissverständlich:

In the short term, governments should refer the academic publishers to their competition watchdogs, and insist that all papers arising from publicly funded research are placed in a free public database. In the longer term, they should work with researchers to cut out the middleman altogether, creating – along the lines proposed by Björn Brembs of Berlin’s Freie Universität – a single global archive of academic literature and data. Peer-review would be overseen by an independent body. It could be funded by the library budgets which are currently being diverted into the hands of privateers.

Daten über britische Hochschulen

Britische Hochschulen sollen ab nächstem Jahr voraussichtlich bestimmte Kennzahlen in einem normierten Format veröffentlichen müssen.

The information universities could be required to publish will include students’ views on course content, contact hours and teaching quality.

Institutions will also have to make public detailed figures about facilities such as libraries, laboratories and information technology.

Crucially, data collected by universities about their graduates’ performance in the labour market will also be included, including average starting salaries and the speec with which they secure a job.

Die Daten sollen vermutlich auf Unistats gesammelt werden.

[via Telegraph]

Agroforestree Database

Möchte man herausfinden, welche Baumarten wo zu welchem Zweck angepflanzt werden können, kann man die Agroforestree Database nutzen.

The database provides detailed information on 670 agroforestry tree species in order to help field workers and researchers in selecting appropriate species for agroforestry systems and technologies. For each species, the database includes information on identity, ecology and distribution, propagation and management, functional uses, pests and diseases and a bibliography.

Zusätzlich lässt sich noch nach “einheimischen” und “exotischen” Pflanzen filtern. Ist man also auf der Suche nach zur Produktion von Futter geeigneten Baumarten in Uganda und möchte Neophyten vermeiden, kommt man schnell auf eine Vielzahl von Arten, unter anderem Dalbergia melanoxylon, Vitellaria paradoxa oder Warburgia ugandensis (PDF-Dateien).

Manche Staaten sind in der Datenbank wesentlich besser erschlossen als andere. Uganda oder Kamerun sind mit vielen Einträgen dabei, Estland dagegen kaum. Getragen wird die Datenbank vom British Department for International Development (DFID), der Europäischen Union und dem World Agroforestry Centre.

Google Street View in der Lehre

Free Technology for teachers stellt Anwendungsmöglichkeiten verschiedener kostenloser Webtechnologien und -dienste in der Lehre vor. Unter anderem geht es dabei auch das aktuell zumindest in den Medien omnipräsente Google Street View. “Create maps to tell a story” lautet der Ratschlag:

Maps are obviously useful for Social Studies teachers, but did you know that you can also use multimedia maps to tell a story? Google Maps and Google Earth can both be used to create a multimedia story.


View 7 Data Handling Activities in Nottingham in a larger map

Unter den dort genannten Beispielen findet man unter anderem 7 Data Handling Activities in Nottingham von Tom Barrett (in seinem Blog finden sich noch viele weitere Ideen, wie man Technologien gewinnbringend in der Lehre einsetzen kann, auch zur Kommunikation unter Kollegen. Beispiel: Materialien- und Ideensammlung zu “Imaginery Creatures”).

Werden solche oder andere Dienste schon in der “teaching library” eingesetzt? Wie? In der Materialiendatenbank Informationskompetenz konnte ich nichts derartiges finden. Durch fehlende Lizenzvermerke wäre die Weiternutzung der dort veröffentlichten Dokumente allerdings ohnehin nicht gewährleistet.

Welchen OA-Server hätten Sie gerne?

Eine hübsche kleine Service-Leistung liefert The Depot, ein Open-Access-Repository an der University of Edinburgh. Zum Depot:

The purpose of the Depot is to enable all academics worldwide to share in the benefits of open access exposure for their research outputs. The Depot is provided as an international facility geared to support the policies of universities and national funding agencies towards Open Access, aiding policy development in advance of a comprehensive institutional archive network.

Wer dort eine Publikation veröffentlichen will, bekommt (je nach IP-Netz) eventuell den jeweils lokal ansässigen Dokumentenserver vorgeschlagen. So sieht das aus:

Joachim Losehand: Open Access senkt die Produktionskosten

Dank Joachim Losehand ist der Freitag inzwischen eine von wenigen Zeitungen, in denen ab und an etwas handfestes zu Open Access zu lesen ist. Aktuell: Open Access senkt die Produktionskosten.

Jedoch ist die eigentliche Publikation, sind die Schritte, die zur Veröffentlichung eines Textes führen, nicht der hauptsächliche Kostenfaktor wissenschaftlichen Arbeitens, im Grunde sind diese Kosten vernachlässigbar. Und zwar vernachlässigbar angesichts der Kosten, die zur Erstellung des wissenschaftlichen Textes, zur Gewinnung der Forschungsergebnisse führten. Die Produktion von Forschungsergebnissen und deren notwendiger Verschriftlichung ist mit Produktionskosten verbunden, welche in der Debatte um die Kosten von Open Access zu kurz kommen.

Richtig, das Thema Zugang zu wissenschaftlichen Informationen muss auch volkswirtschaftlich betrachtet werden. Nur dem Gejammer einiger Verlage und Appell(unter)schreiber zu lauschen führt definitiv nicht zu einer verbesserten Faktenlage. Daher ist Losehands Fazit uneingeschränkt zuzustimmen:

Hier valides und empirisch gesichertes Material zu erarbeiten und in die öffentliche Diskussion einzubringen, ist unzweifelhaft ein Desiderat der Forschung. In unser aller Interesse.

Schön, dass es gerade letzten Monat eine passende Studie zu diesem Thema veröffentlicht wurde: “Open Access – What are the economic benefits? A comparison of the United Kingdom, Netherlands and Denmark”. Der Autor John Houghton untersuchte verschiedene Publikationsmodelle in Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden. Er kommt zu folgendem Schluß:

In the three national studies the costs and benefits of scholarly communication were compared based on three different publication models. The modelling revealed that the greatest advantage would be offered by the Open Access model, which means that the research institution or the party financing the research pays for publication and the article is then freely accessible.

Adopting this model could lead to annual savings of around EUR 70 million in Denmark, EUR 133 million in The Netherlands and EUR 480 in the UK. The report concludes that the advantages would not just be in the long term; in the transitional phase too, more open access to research results would have positive effects. In this case the benefits would also outweigh the costs.

Deutschland gibt erheblich mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als z.B. Großbritannien, daher ist für Deutschland auch mit erheblich höheren Einsparungen zu rechnen. Vielleicht sollte der Bund der Steuerzahler hier mal nachhaken? Zumindest sollte angesichts der vorliegenden Erkenntnisse die Position des Wirtschaftsministers eigentlich völlig eindeutig pro Open Access sein.

Walt Crawford: The Liblog Landscape 2007-2008

Walt Crawfords neuestes Werk über die (englischsprachige) Biblioblogosphäre ist nun bei Lulu.com verfügbar: The Liblog Landscape 2007-2008.

Liblogs–blogs written by library people, as opposed to official library blogs–provide some of today’s most interesting and useful library literature. This book offers a broad look at English-language liblogs as they are and as they’ve changed between 2007 and 2008. The book includes more than 600 blogs with detailed analysis of 27 metrics for 2007 and 2008 and changes from 2007 to 2008–and, for 143 of them, 2006 as well. Through tables, charts and text, we explore the liblog landscape.

Walt Crawford – der als Walt at Random bloggt und Cites & Insights produziert – und ist seit Jahren einer der wenigen wirklich genauen Beobachter der Biblioblogosphäre.

Staatliche Informationen mashen: Show us a better way

Die britische Regierung schreibt einen Wettbewerb aus, in dem nach Mashup-Ideen für Regierungsdaten gesucht wird: Show us a better way! Bis zu £20.000 werden für die Umsetzung ausgelobt.

We are offering up to £20,000 to take your ideas forward with a development team. That may be time with a designer to create a professional mockup that can be pitched to organisations, or some programmer time to create a working prototype. The best idea overall will win a symbolic trophy trawled from our archives.

Solange es nicht um personenbezogene oder sonstwie sensible Daten geht: großartig! Als Beispiele dienen unter anderem “Rate my prison” oder “Fix my street”.

Diesmal geht also nicht (wie in Großbritannien anscheinend üblich) um versehentlich, sondern tatsächlich um absichtliches Freisetzen von Informationen.

[via Golem]