Kein "digitales Radiergummi" in Bibliotheken

Drei gebrauchte Radiergummis, CC: BY-SA von Xjaja
Drei gebrauchte Radiergummis, CC: BY-SA von Xjaja

Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner sagte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung:

Deutsche Informatiker haben mittlerweile eine Art digitalen Radiergummi entwickelt: ein System, mit dem jeder seine Dateien und Bilder mit einem Verfallsdatum versehen kann, bevor er sie ins Internet stellt. Nach Ablauf dieser Frist kann die Datei nicht mehr aufgerufen werden. Wenn es funktioniert, käme das einem Radiergummi doch sehr nahe und ließe sich auch weltweit verkaufen.

Konkret meint sie dabei das Projekt X-Pire. Das Verfahren ist so umständlich, dass es sich ohnehin nicht durchsetzen wird. Darüber hinaus finden sich bei Isotopp weitere Informationen, warum X-Pire mehr Schaden als Nutzen anrichten kann. Selbst wenn die Datenschutzaspekte wegfallen, bleibt ein wesentlicher Kritikpunkt. Das System sieht vor, Bilder zu verschlüsseln und den Schlüssel auf einem zentralen Server zu hinterlegen. Dazu Kristian Köhntopp:

Ist der Keyserver down oder nicht erreichbar, sind alle Bilddaten dieses Systems nicht mehr verfügbar.

Wer denkt, das wäre doch sehr unwahrscheinlich, möge sich bitte über Sony Connect und andere fehlgeschlagene DRM-Konzepte mit zentralisierter Infrastruktur informieren. Das Fazit kann nur sein, dass Bibliotheken und Archive die Annahme von Dokumenten mit solchen Mechanismen verweigern, da eine zuverlässige Archivierung nicht möglich ist.

Cablegategame: Verschlagwortung durch Crowdsourcing

Paul studiert Computer Sciences in den Niederlanden und er hat das Crowdsourcing-Spiel Cablegategame umgesetzt, mit dem Wikileaks-Cables getagged werden können. Er selbst hat mit den Daten gar nichts besonderes vor, sondern möchte sie frei zur Verfügung stellen. Aus den FAQ:

What are you going to do with this data?
Nothing, I’m hoping that other people know how to do the cool analysis part of this exercise. If you are that person than please go ahead and download the datasets.

Die Tags sind unterteilt in 5 Kategorien: Topic, Organization (Group), Name, Event und Place.

Auszug:

05BRASILIA1067|topic|Agriculture|1
05BRASILIA1067|group|Wto|1
08LISBON1808|topic|Allegation Of Nuclear Material Smuggling – Portugal|2
08LISBON1808|event|7/24/08|1
08LISBON1808|place|Chernobyl|3
07HAMBURG73|group|Consul General|1
07HAMBURG73|place|Hamburg|6
08LISBON1808|event|July 24,2008|3
07HAMBURG73|group|Scientology|4
09BERLIN168|name|Angela Merkel|7

Einen anderen, maschinellen Ansatz der Erschließung verfolgt der CableBot. Sicherlich gibt es noch zahlreiche andere Versuche, die Cables zu erschließen. Besonders interessante Ansätze bitte in die Kommentare!

[Cablegategame via @kprobiesch]

Agroforestree Database

Möchte man herausfinden, welche Baumarten wo zu welchem Zweck angepflanzt werden können, kann man die Agroforestree Database nutzen.

The database provides detailed information on 670 agroforestry tree species in order to help field workers and researchers in selecting appropriate species for agroforestry systems and technologies. For each species, the database includes information on identity, ecology and distribution, propagation and management, functional uses, pests and diseases and a bibliography.

Zusätzlich lässt sich noch nach „einheimischen“ und „exotischen“ Pflanzen filtern. Ist man also auf der Suche nach zur Produktion von Futter geeigneten Baumarten in Uganda und möchte Neophyten vermeiden, kommt man schnell auf eine Vielzahl von Arten, unter anderem Dalbergia melanoxylon, Vitellaria paradoxa oder Warburgia ugandensis (PDF-Dateien).

Manche Staaten sind in der Datenbank wesentlich besser erschlossen als andere. Uganda oder Kamerun sind mit vielen Einträgen dabei, Estland dagegen kaum. Getragen wird die Datenbank vom British Department for International Development (DFID), der Europäischen Union und dem World Agroforestry Centre.

Stephanie Löwensen: Kompetenzanforderungen für Informationsmanager in Bibliotheken 2010

Bachelorarbeit von Stephanie Löwensen zum Thema “Kompetenzanforderungen für Informationsmanager in Bibliotheken 2010”.

Abstract:

Die vorliegende Arbeit untersucht die Kompetenzanforderungen des aktuellen Arbeitsmarktes an Informationsmanager mit Bachelor-Abschluss. Dazu erfolgt eine statistische Erhebung von Stellenangeboten, die von Oktober 2008 bis einschließlich Mai 2010 über die bibliothekarische Diskussionsliste InetBib ausgeschrieben wurden. Nach Beschreibung der Auswertungselemente, interpretiert die Verfasserin die Ergebnisse zunächst quantitativ. Die aus den Ergebnissen gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der Erwartungen des Arbeitsmarktes werden festgehalten und münden in einem Kompetenzprofil eines idealtypischen Informationsmanagers. In einem abschließenden Kapitel erarbeitet die Verfasserin unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse Empfehlungen für das Curriculum der Fachhochschule Hannover.

Zum Volltext.

Workshop "Lokaler Suchraum"

Workshop „Lokaler Suchraum“ in der UB Dortmund:

Dieser Workshop stellt verschiedene Lösungen von integrierten Suchoberflächen vor. Die Vorträge liefern u.a. Antworten auf die Fragen: Wie hoch ist der Aufwand, um ein Produkt auf die lokalen Bedingungen und Anforderungen anzupassen oder es selbst zu entwickeln? Welche Personalkapazitäten sind einzuplanen (Qualifikationen, Arbeitszeit etc.). Welche technischen Voraussetzungen sind zu schaffen, wie lang ist die Einarbeitungszeit der Administratoren?
Als weiterer Aspekt soll auch die Nutzersicht berücksichtigt werden. Welche Vorteile für die Nutzer verspricht sich die Bibliothek durch den Einsatz ihrer Lösung? Wurde die Usability des Projektes überprüft, und wenn ja, wie? Wie lautet das Feedback von Bibliotheksnutzern?

Und hier geht’s zum Programm und zu den Anmeldedetails.

[via Inetbib]

Wer traut der Cloud?

Gartner hat Cloud Computing zu einer der Strategic Technologies for 2011 erklärt. In Wikipedia ist Cloud Computing folgendermaßen zusammengefasst:

Ein Teil der IT-Landschaft (in diesem Zusammenhang etwa Hardware wie Rechenzentrum, Datenspeicher sowie Software wie Mail- oder Kollaborationssoftware, Entwicklungsumgebungen, aber auch Spezialsoftware wie Customer-Relationship-Management (CRM) oder Business-Intelligence (BI)) wird durch den Anwender nicht mehr selbst betrieben oder bereitgestellt, sondern von einem oder mehreren Anbietern als Dienst gemietet. Die Anwendungen und Daten befinden sich dann nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum, sondern in der (metaphorischen) Wolke (engl. „cloud“). Das Bild der Wolke wird in Netzwerkdiagrammen häufig zur Darstellung eines nicht näher spezifizierten Teils des Internet verwendet.

Es geht als darum, Ressourcen zu sparen. Klingt attraktiv, doch kann man der Cloud wirklich trauen? Zwei Fälle in der jüngsten Vergangenheit sollten mindestens misstrauisch machen.

Yahoo vs. Delicious.com

Yahoo will Delicious verkaufen. Zumindest nicht mehr schließen, wie es kurze Zeit hieß. Auch wenn sich die erste Aufregung schon wieder ein wenig gelegt hat, steht fest, dass Delicious und ähnliche, in der Cloud gelagerten Dienste nicht Teil einer kritischen Infrastruktur sein dürfen. Wenn die Linksammlung einer Bibliothek kurze Zeit ausfällt, bis sie zu einem anderen Dienst übertragen ist, wäre das nur ärgerlich. Es sind jedoch auch Szenarien denkbar, in denen ein Dienst wie Delicious eine für den Fortgang einer Bibliothek oder eines Forschungsprojekts wesentlichere Funktion einnimmt.

Wikileaks vs. Amazon

Man mag von den Cablegate-Veröffentlichungen halten, was man will. Fakt ist, dass bislang niemand für die Veröffentlichung der Depeschen verklagt oder gar verurteilt wurde. Dennoch hat sich Amazon, wo Wikileaks bislang in der EC2-Cloud gehostet wurde, dazu entschieden, Wikileaks auszusperren. Dies ist ein Vorgehen von nicht zu unterschätzender Relevanz. Wenn zum Beispiel eine Bibliothek ein Online-Archiv in der Cloud errichten möchte, kann sie es auf keinen Fall dem Cloud-Provider überlassen, welche Inhalte sie dort publizieren darf und welche nicht.

Wichtig: Risikoabschätzung

Das Thema „Cloud Computing“ ist nicht nur ein Modethema, es ist jetzt schon Alltag. Man denke nur an Google Docs oder die Dropbox. Wenn Cloud-Dienste in Anspruch genommen werden sollen, ist es unbedingt notwendig, die möglichen Risiken abzuschätzen. Hilfreich kann dabei die Broschüre zum Cloud Computing Risk Assessment der European Network and Information Security Agency sein. Dort werden verschiedene Risikofaktoren unterteilt in drei Felder (Technical risks, policy and organizational risks und legal risks) identifiziert und erörtert. Auch der NYT-Artikel „Lost in the Cloud“ von Jonathan Zittrain gibt Hinweise auf weitere mögliche Risiken zum Beispiel für den Datenschutz.

PS: Wer noch keine Dropbox hat und mir einen Gefallen tun möchte, kann sich über diesen Link dort anmelden. Durch die Anmeldung bekomme ich eine Prämie in Form von mehr Speicherplatz.

Yahoo zum Delicious-Verkauf

Yahoo hat sich jetzt selbst zur drohenden Schließung von Delicious geäußert. Im Blog heißt es:

No, we are not shutting down Delicious. While we have determined that there is not a strategic fit at Yahoo!, we believe there is a ideal home for Delicious outside of the company where it can be resourced to the level where it can be competitive.

Das klingt schon wesentlich optimistischer. Kandidaten werden zur Zeit noch und nöcher diskutiert. Sogar die LoC war im Gespräch:

The Library of Congress should have bought it, similar to the way it has now archived every Tweet ever tweeted.

So much value. So unappreciated. So tragically lost. Where will we all gather next, where our bookmarks can be centralized for maximum network effect? Perhaps this story demonstrates that’s not the right question to ask.

Wobei es dann vermutlich schwierig wird, seine Wikileaks-Linksammlung über Delicious zu organisieren.

Delicious.com soll geschlossen werden

Techcrunch berichtet, dass Yahoo den beliebten Social-Bookmarking-Dienst Delicious.com schließen wird. Ein Verkauf oder die Veröffentlichung des Quelltextes scheint für Yahoo bislang keine Alternative zu sein. Wahrscheinlich wird die Delicious-Startseite daher bald ähnlich aussehen wie Geocities. Auch dies ein florierendes Projekt, dass von Yahoo gekauft, vergessen und schließlich geschlossen wurde.

Da zahlreiche Bibliotheken und Bibliothekswesen Delicious einsetzen, wird nun die Suche nach Alternativen beginnen. Einfach wird das nicht. Delicious hat verschiedene Features, die die Nutzung in verschiedenen Kontexten sehr komfortabel machen. Zum Beispiel für eine Materialsammlung zum Heidelberger Appell, die Quicklinks des FZ Jülich oder die virtuellen Bibliotheken der Bibliothek der FH Hannover.

Kurze, hoffentlich nützliche Linksammlung:

Ach ja: Es ist sicherlich empfehlenswert, die bestehende Delicious-Sammlung zu exportieren.

Welche Lektion kann man daraus ziehen? Ist die Cloud tot, bevor sie sich überhaupt richtig durchgesetzt hat? Für Bibliotheken sollte auf jeden Fall klar sein, dass man keinen Dienst einsetzen sollte, der keinen kompletten Datenexport erlaubt. Die in Delicious gespeicherten Bookmarks lassen sich sichern. Das persönliche Netzwerk ist dennoch weg, die Einbindung des Dienstes in Webseiten muss auch ersetzt werden. Idealerweise sollte daher auch stets eine Open-Source-Alternative bereit stehen, um den Dienst zur Not selbst anbieten zu können.

Eine weitere Lektion ist, dass man sich speziell auf Yahoo nicht verlassen sollte. Der Fall Geocities hätte eigentlich Warnung genug sein müssen. Nun Delicious, morgen vielleicht Yahoo Pipes oder Flickr?

ZB MED befreit Katalogisate

Im Rahmen der Expertenkonferenz Open Access and Open Data hat die Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die Katalogisate der ZB MED ab sofort unter CC0 zum Download, zur Verbreitung, Bearbeitung etc. bereit stehen.

Die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) stellt ab sofort ihre Katalogdaten zur freien Nutzung bereit. Dazu gehören über 1.000.000 Medien – unter anderem Bücher und Zeitschriften – aus den Fachbereichen Medizin, Gesundheit, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften. Durch eine Freigabe der Daten unter einer CC0-Lizenz ist es möglich, ohne jegliche Beschränkung die Daten herunter zu laden, zu modifizieren und für eigene Zwecke zu nutzen.

Die Daten sind auf der Open-Data-Seite im HBZ-Wiki im Format RDF – ISO 2709 zu finden. Die Daten sind vom Mai 2010 und in zwei Downloads („Ernährung, Umwelt, Agrar“ und „Medizin, Gesundheit“) unterteilt.