Welche relevanten Autoren-IDs gibt es?

Annahme: Wenn man eine Hochschulbibliographie oder auch eine andere Bibliographie aufbaut, ist es sinnvoll, Autoren eindeutige Identifikatoren zuzuweisen, diese verfügbar zu machen und mit anderen Daten zu verknüpfen.

Fragen:

  1. Welche IDs sammelt man? Die Auswahl ist groß. Welche Identifikatoren sollten unbedingt genutzt werden? Falls ja, warum genau diese IDs?
  2. Gibt es bestimmte IDs, die für spezielle Fachcommunities unverzichtbar sind? Zum Beispiel für Ingenieure, Sozialwissenschaftler, oder Informatiker?
  3. Gibt es vielleicht eine ID to rule them all?
  4. Welche Kriterien sind wichtig für die ID-Wahl (Offenheit, freie Lizenzierung, …)?

Hier ist eine kleine Auswahl. Bitte rege kommentieren das Posting gerne weiterleiten und -verteilen!

Dieselbe Frage ist auch für Organisationen und Werke noch zu klären.

ShelfLife und LibraryCloud

David Weinberger stellt in seinem Blog zwei seiner Projekte vor, ShelfLife und LibraryCloud:

Upon the announcement of the beta sprint in May, we partnered up with folks at thirteen other institutions…an amazing group of people. Our small team at Harvard , with generous internal support, built ShelfLife and LibraryCloud on top of the integrated catalogs of five libraries, public and university, with a combined count of almost 15 million items, plus circulation data. We also pulled in some choice items from the Web, including metadata about every TED talk, open courseware, and Wikipedia pages about books. (Finding all or even most of the Wikipedia pages about books required real ingenuity on the part of our team, and was a fun project that we’re in the process of writing up.)

The metadata about those items goes into LibraryCloud, which collects and openly publishes that metadata via APIs and as linked open data. We’re proposing LibraryCloud to DPLA as a metadata server for the data DPLA collects, so that people can write library analytics programs, integrate library item information into other sites and apps, build recommendation and navigation systems, etc. We see this as an important way what libraries know can become fully a part of the Web ecosystem.

ShelfLife baut auf verschiedenen Annahmen auf. Unter anderem: Libraries are social systems. Library items are social objects. A library navigation system should be social as well.

Einen Prototypen gibt es auch. Mehr Infos in seinem Blog.

Citavi scheitert an Mac-Version

Im Citavi-Forum wird das Ende der Entwicklungsarbeit für die Mac-Version von Citavi verkündet.

Wir haben große Anstrengungen unternommen, viel Zeit, Kreativität und Geld investiert und Prototypen auf verschiedenen technischen Plattformen entwickelt, um diese Anforderungen zu erfüllen. Schließlich entschieden wir uns für MonoMac, einer vielversprechenden Entwicklung, hinter der die führenden Entwickler von Mono standen. (Mono ist eine Open-Source–Variante des .NET-Frameworks, auf dem Citavi aufsetzt.) Mono wurde von der bekannten Firma Novell finanziert und gepflegt. Vor kurzem wurde Novell jedoch verkauft. Die neue Besitzerin Attachmate entschloss sich, die Mono-Abteilung zu schließen und sämtliche Entwickler zu entlassen. Die Entwickler haben zwar eine neue Firma gegründet, die sich jedoch auf mobile Clients (iOS und Android) konzentriert, so dass MonoMac uns keine langfristig zuverlässige Perspektive mehr bietet. Deshalb sehen wir keine Möglichkeit mehr, die Ziele, die wir uns für Citavi Mac gesetzt haben, in absehbarer Zeit zu erreichen und dauerhaft zu sichern. Wir bedauern, die Interessenten für Citavi Mac jetzt enttäuschen zu müssen.

Bleiben die Mac-Anwender für immer von Citavi ausgeschlossen? Nein. Mittelfristig stehen weiterhin Virtualisierungslösungen zur Verfügung, insbesondere Parallels Desktop und VMware Fusion. Wir konzentrieren uns zunächst auf die Fertigstellung von Citavi 4, das wichtige und häufig gewünschte Erweiterungen enthalten wird. Danach planen wir … stopp, wir sollten jetzt zurückhaltender sein. Bei Citavi Mac haben wir zu früh Einblick in unsere Entwicklungsarbeit gegeben und Erwartungen geweckt, die wir enttäuschen mussten. Das ist für uns und alle Betroffenen schmerzhaft. Wir wollen es jetzt besser machen und informieren über das weitere Vorgehen nach dem Erscheinen von Citavi 4.

Parallels & Co sind zwar Virtualisierungslösungen, aber keine Problemlösungen im Sinner der gestellten Aufgabe. Abgesehen davon: VMware Fusion kostet zur Zeit EUR 37,45, Parallels 7 sogar fast 80 Euro. Zusatzkosten, die Studierenden nicht vermittelbar sind.

Statt Citavi 4 zu entwickeln, das eine Fortführung von Citavi 3 sein wird, ist m.E. ein neuer Ansatz gefragt. Im Hochschulbereich ist Windows zwar auch sehr weit verbreitet, Linux und Mac spielen jedoch eine weit größere Rolle als in den meisten anderen Bereichen. Die Entwicklung einer Onlineversion, oder auch einer browserbasierten Offline-Version muss Priorität haben vor einer weiteren Windows-Version. Im Forum schreibt jonas_kl dazu:

Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie Sie mit diesem Wissen immer noch auf ein Framework setzen, das nicht plattformübergreifend funktional ist. Für mich ist nicht nachvollziehbar, warum Sie lieber eine vierte Windows-Version auf den Mark werfen (die Feinschliff ist, angesichts der schon seit der zweiten Version sehr hochwertigen Funktionalität) als der Linux-Community einen generellen Einstieg zu ermöglichen.

Es sieht jetzt zwangsläufig ein wenig nach Nachtreten aus. Aber: Das Problem der Entwicklung für .NET ist kein Neues und auch Citavi seit sehr langer Zeit wohlbekannt. Schon als Betatester für die erste Citavi-Version machte ich darauf aufmerksam, dass eine plattformübergreifende Entwicklung vorzuziehen ist. Das ist jetzt ca. sechs Jahre her. Äonen in Softwareproduktionszyklen.

Für die Hochschulbibliotheken stellt sich jetzt die Frage nach einer Neuausrichtung ihrer Literaturverwaltungsstrategien. Eine Diversifizierung des Produktportfolios ist gerade für kleinere Bibliotheken nicht einfach. Muss doch der Support auch für alternativ angebotene Literaturverwaltungssoftware sichergestellt sein.

Gibt’s schon Überlegungen in den Bibliotheken, wie nun vorgegangen wird?

Special Topic der ISQ: Organization and People Identifiers

Information Standards Quarterly (ISQ), Volume 23, Issue 3 (2011), Special Topic: Organization and People Identifiers

Enthält unter anderem:

[via Catalogablog]

Abbyy Finereader 11 im Test

Kilian Schmidtner hat die Abbyy Finereader 11 getestet:

Das Ergebnis lässt sich leicht zusammenfassen: Die neue Version ist ein Performance-Update! Die Qualität der Text- und Layouterkennung hat sich (so gut wie) gar nicht verändert – die Ergebnisse waren im Vergleich zu FineReader 10 auf gleichbleibend hohem Niveau korrekt. Eine Verbesserung ist nur an ganz wenigen Stellen festzustellen.

Ein Update von Version 10 sei nur empfehlenswert, wenn große Seitenmengen bearbeitet werden müssen.

Mehr Infos im Editura-Blog.

Ghostery: Browsend Daten schützen

Wolfgang Sander-Beuermann hat mich auf Ghostery, den „ultimativen Datenkrakenkiller“ aufmerksam gemacht. Dadurch erfährt man, welche Webseiten Informationen an Dritte weitergeben. So sieht man auf Infobib, dass beim Einbinden von Slideshares gleich auch Comscore Beacon mit eingebettet wird. Unschön.

Wem das missfällt, der kann dies nicht nur herausfinden, sondern mit Ghostery alle missliebigen Dienste gleich blocken. Was es da so alles zu blocken gibt, erfährt man ganz gut bei Besuchen z.B. bei BoingBoing, die die halbe Welt über die Besucher Ihrer Webseite informieren:

Einen ähnlich beachtlichen Haufen an Schnüffeldiensten habe ich auf keiner deutschsprachigen Webseite gefunden. 2-5 Dienste sind aber auf sehr vielen Webseiten aktiv.

Open Government Partnership ohne Deutschland

Die Regierungen von 46 Ländern haben sich am Dienstag in New York auf Initiative der USA und Brasiliens offiziell zur Open Government Partnership (OGP) zusammengeschlossen. Ziel der Vereinigung ist es, die Schlagworte Offenheit, Transparenz, Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft sowie der Wirtschaft mit Leben zu erfüllen. Außerdem wollen sie das Handeln der Exekutive überprüfbar machen. „Wir wollen das große Ideal der Demokratie voranbringen“, erklärte der brasilianische Staatsminister und Haushaltskontrolleur Jorge Hage beim Start des Bündnisses am Rande der UN-Generalversammlung im Google-Büro in Manhattan. Dabei sei es möglich, dank dem technologischen Fortschritt mehr Elemente der direkten Demokratie einzusetzen.

Deutschland ist nicht dabei. Mehr bei Heise.

Google+ on Air

Google hat einige Neuerungen für Google+ vorgestellt. Unter anderem gibt es nun die Möglichkeit, Videochats (Hangouts) aufzuzeichnen oder öffentlich zu streamen. Laut der Ankündigung klingt es allerdings so, dass sich „öffentlich“ nur auf die bei Google+ eingeloggte Öffentlichkeit bezieht. Auch sind weitere, teils schon erwartete Erweiterungen angekündigt:

  • Bildschirmfreigabe: Fotos zeigen, Highscores teilen, zusammen Code schreiben — mit anderen teilen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist
  • Sketchpad: Zusammen zeichnen, etwas entwerfen oder auch bloß kritzeln
  • Google Text & Tabellen: Gemeinsam ein Dokument verfassen, etwas planen oder eine Präsentation halten
  • Hangouts mit Namen: Live und öffentlich mit anderen Google+ Nutzern über ein Thema diskutieren

Skype bekommt ernsthafte Konkurrenz. Und Bibliothekare neuen Stoff für Workshops zum kollaborativen Arbeiten. Vielleicht ja auch in Google+.

Fünf Jahre offizielle Open-Access-Heuchelei im deutschen Bibliothekswesen

„Heute vor fünf Jahren…“ sollte dieser Artikel eigentlich anfangen. Nun ist es ein paar Tage später, doch der geneigte Leser ignoriere das bitte.

Also, genau heute vor fünf Jahren, am 12. August 2006, hat Klaus Graf in Archivalia ein Posting veröffentlicht mit dem zum geflügelten Wort avancierten Titel „Die Open-Access-Heuchelei der Bibliotheken“. Darin kritisiert er sieben Punkte:

(1) Bibliothekarische Fachzeitschriften sind nur zum kleinen Teil Open Access!
Kaum Änderung im deutschsprachigen Bereich. Bis auf Libreas ist da eigentlich nichts. Peinlich.

(2) Bibliothekarische Fachliteratur ist kaum OA!
Hier ist Verbesserung zu spüren, zum Beispiel mit dem Handbuch Bibliothek 2.0.

(3) Bibliotheken beliefern kostenpflichtige bibliographische Datenbanken!
Gilt weiter. Wenn es eine nicht-exklusive Lieferung ist, die Daten also jedem zur Verfügung stünden, wäre das übrigens auch nicht weiter zu beanstanden.

(4) Bibliotheken treten als Mitglieder von Digizeitschriften e.V. die Interessen von Bildung und Wissenschaft mit Füßen!
Gilt weiter.

(5) Bibliotheken denken nicht daran, „permission barriers“ einzureissen!
Gilt generell nicht mehr. CC-Lizenzen sind inzwischen vielerorts im Einsatz.

(6) Sogar OAI-Metadaten werden nicht OA freigegeben!
Die Diskussion ist faktisch beendet, alle Argumente ausgetauscht. Der Trend geht zu CC0. Da wird in sehr kurzer Zeit sehr viel passieren.

(7) Die Bibliotheken betreiben in großem Stil Bildrechte-Tyrannei und Copyfraud!
Gilt weiter.

Fazit: Es sind Fortschritte zu erkennen. Insgesamt ist es jedoch ernüchternd, wie wenig sich in fünf Jahren bewegt hat. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können wir eine offene Fachkommunikation im Bibliothekswesen für ca. 2025 prognostizieren.