So verdienen Finanzinvestoren am Verkauf deutscher Urteile

28 Prozent Umsatzrendite – der Digital-Verlag Juris erzielt unter anderem mit Online-Datenbanken deutscher Rechtsprechung traumhafte Gewinne. Eigentlich gehören die Urteile der Allgemeinheit. Doch ein Vertrag mit dem Bund garantiert Juris exklusive Vorteile.

Einzig gangbare Lösung: alles maschinenlesbar und gemeinfrei ins Netz. Weiter geht’s bei Spiegel Online.

Algorithmische Ignoranz und das persönliche Web

DRadio Wissen macht auf eine drastische Veränderung der Informationsflüsse durch die fortschreitende Personalisierung von Webangeboten aufmerksam.

Jeder steckt in einer Filterblase, denn die virtuelle Welt, die ihm Google, Facebook und Co anliefern, ist auf seine persönlichen Vorlieben abgestimmt. Ein in sich zurückgekrümmtes System – mit fatalen Folgen.

Der komplette, sehr aufschlussreiche Podcast lässt sich auf der DRadio-Webseite nachhören. Noch etwas ausführlicher beschäftigt sich Mashable mit dem Thema. Sowohl Mashable als auch DRadio beziehen sich auf einen TED-Talk von Eli Pariser mit dem Titel Beware online “filter bubbles”“.


Ein sehr anschauliches Beispiel für solch eine “Filterblase” liefert der oben verlinkte DRadio-Podcast:

Wir werden so zu einem vormodernen Papst, der nach dem Weltbild googelt. Der Name Kopernikus taucht in den Suchlisten nicht auf. Nur ein gewisser Ptolemäus versichert uns tagtäglich: Wir, nur wir, sind der Mittelpunkt des Universums.

Aktuell gibt zum Beispiel Netzpolitik.org praktische Lebenshilfe, wie man in Facebook zumindest teilweise die Kontrolle darüber zurückerlangen kann, wessen Nachrichten man sehen kann. Wir neigen ohnehin dazu, nur das wahrzunehmen, was wir wahrnehmen möchten. Dies kann durch verstärkende Algorithmen in personalisierten Webangeboten in eine permanente Nabelschau münden. Eine Gefahr, die natürlich auch durch personalisierte bibliothekarische Angebote gegeben ist.

Sobald ein Recommender-System erwähnt wird, kommt zwangsläufig die Debatte über den Matthäus-Effekt. Auch Klassifikationen sind alles andere als neutral. Ansonsten hätte die Klassifikation für Allgemeinbibliotheken nach der Wende kaum umgearbeitet werden müssen. Kann es Aufgabe der Bibliotheken sein, diesem Trend durch auch nur scheinbar neutrale Suchsysteme entgegen zu wirken?

Bibliotheksverbände verschweigen Wikileaks

Peter Mayr hat in seinem Blog Ethik von unten die Wikileaks-Resolution der ALA aufgegriffen. Zu den Reaktionen anderer Bibliotheksverbände schreibt er:

Übrigens ist die ALA nicht die einzige Bibliotheksorganisation die sich zum Fall WikiLeaks geäussert hat, auch die Norwegischen Bibliotheksverbände haben ein Statement veröffentlicht.

Im BID gibt es ja die Arbeitsgruppe „Bibliothek und Ethik“, die in Ihrer Selbstbeschreibung meint „Die Arbeitsgruppe soll ferner auf aktuelle Konfliktfälle und Kontroversen allgemeiner Art reagieren.“ Ich bin mal gespannt…

Weil’s so schön passt, zitiere ich mich mal selbst:

Der Einsatz “für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen” findet sicherlich hinter den Kulissen statt. In zukünftigen Wikileaks-Veröffentlichungen werden wir lesen können, wie unerbittlich die Vertreter des Bibliothekswesens in Sachen Wikileaks für die Meinungsfreiheit gekämpft haben.

Aber dass die Informationsbranche kollektiv schweigt, ist ja nichts Neues.

Ein paar Links zu Wikileaks

Ein paar Links rund um Wikileaks:

  • Was WikiLeaks mit Internetsperren zu tun hat
  • Hätten die USA ein Zugangserschwerungsgesetz, wie es Ursula von der Leyen einst vorgeschlagen hat, hätten sie die nötige Infrastruktur – wie würden sie heute verfahren? Würde dieses Werkzeug weiterhin nur gegen Kinderpornografie eingesetzt? Oder wäre ein Land, in dem man Soldaten das Zeitunglesen verbietet, nicht womöglich doch bereit, eine solche Infrastruktur auch zum Schutz der eigenen Bevölkerung vor allzu viel Information zu nutzen? Wären Wikileaks.ch, Wikileaks.de und all die anderen Alternativadressen (mittlerweile sind es weit über 2000), unter denen man die Botschaftsdepeschen und andere Dokumente heute selbst nachlesen kann, von den USA aus noch zu erreichen? Oder würde im Interesse der nationalen Sicherheit nicht vielleicht doch gefiltert?

  • Heinrich C. Kuhn zieht die Konsequenz aus einer befremdlichen Diskussion über Wikileaks in Inetbib und meldet sich nach ca. 15 Jahren ab:
  • Wenn in einer Liste zum Bibliothekswesen nicht mehr einhellig die Freiheit der Information aus öffentlich zugänglichen Quellen verteidigt wird, wenn in diesem Kontext Schreiben über Netiquette wichtiger ist als Erwägen inhaltlicher Argumente und Erwägen was gültige Argumente sind, und was nicht, und warum: wenn dem so ist, dann bin ich zu sehr zum Dinosaurier geworden als dass meines Bleibens noch wäre. Der Punkt ist erreicht.

    Grund dürften unter anderem die absurden Behauptungen sein, die in dieser Diskussion aufgestellt wurden. Völlig unbeleckt jeder Tatsachen vermuten “Informationsprofis” alles mögliche über Wikileaks. Dabei ist eine Faktenprüfung kaum je einfacher gewesen als im Falle Wikileaks. Man nehme: die FAQ zu den Cablegate-Dokumenten. Zweit- und Drittmeinungen und Expertisen jeglicher Couleur sind darüber hinaus einfach zu recherchieren.

  • Der Freitag, die tageszeitung, Frankfurter Rundschau, Perlentaucher, ECCHR, Der Tagesspiegel und Berliner Zeitung veröffentlichen Appell gegen die Angriffe auf Wikileaks
  • Abschließend die Reaktionen von BID, DBV und IFLA auf Wikileaks. An dieser Stelle sei nochmal erinnert an den Code of Ethics (PDF):
  • Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

Der Einsatz “für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen” findet sicherlich hinter den Kulissen statt. In zukünftigen Wikileaks-Veröffentlichungen werden wir lesen können, wie unerbittlich die Vertreter des Bibliothekswesens in Sachen Wikileaks für die Meinungsfreiheit gekämpft haben.

Abschließend ein Zitat:

Die Frage, ob wir als Berufsgruppe bedingungslos an die Gesetze halten sollen wird sich dann stellen, wenn staatliche Stellen beginnen zensierend auf das Internet zu wirken. Die Geschichte Deutschlands muß als Warnung dienen. Die Schwelle zur Zensur wird in Deutschland auch in den letzten Jahren aktuell debattiert. Wenn es zu spät ist hilft nur noch ziviler Ungehorsam für das hohe Gut der Informationsfreiheit.

(Gerald Schleiwies im Blog Ethik von unten)

Zwei Open-Data-Links

  1. Der elektrische Reporter berichtet über das Open (Government) Data.
  2. Lorentz Matzat schreibt neuerdings den (bzw. im) Open-Data-Blog der Zeit.

Gerade die Zeit hat das Thema in den letzten Wochen häufiger behandelt. Es ist eindeutig ein Trendthema. Hoffentlich bleibt es so beliebt und vieldiskutiert, bis der Ansatz auch in großen Teilen der Behördenpraxis Einzug gehalten hat.

CfP: 12. ISI – Internationale Symposium für Informationswissenschaft

Call for Papers für das 12. ISI (Internationale Symposium für Informationswissenschaft) an der Uni Hildesheim unter dem Motto “Information und Wissen: global, sozial und frei?”

Beiträge sind insbesondere zu folgenden Themenschwerpunkten gewünscht

* E-Learning, E-Science
* E-Society, E-Culture, E-Commerce
* Globalisierung von Informationsprozessen
* Information Retrieval
* Informationsinfrastruktur und ihre Weiterentwicklung (u. a. Forschungsdaten, virtuelle Forschungsumgebungen)
* Informationsmanagement und Wissensmanagement
* Informationsverhalten (information behavior) und Informationskompetenz (information literacy)
* Internationalisierung von Information und Wissen
* Mensch-Maschine-Interaktion, Usability, Mobility
* Multimedia, Multimodalität, Multilingualität
* Open Access, Open Education, Open Innovation
* Qualitätsmanagement und Evaluation
* Social Web, Collaborative Media
* Visualisierung

Neben den genannten Themenschwerpunkten können auch andere Arbeiten zur Informationswissenschaft und angrenzenden Disziplinen eingereicht werden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Deadline ist der 25. Oktober 2010. Und hier gibt es weitere Informationen, Kontaktdaten, etc.

Die Grünen und ein Network zu Open Data

Die Bundestagsfraktion der Grünen begrüßt die Veröffentlichung bibliographischer Daten unter CC0-Lizenz.

Gerade in Zeiten, in denen Werke und Daten oftmals unter rein finanziellen Gesichtspunkten betrachtet werden, ist die Freigabe von solchen öffentlichen Beständen ein Gebot der Stunde. Die Bereitstellung von Daten, deren Erstellung erst durch öffentliche Mittel ermöglicht wurde, darf sich künftig jedoch nicht bloß auf Bibliotheken beschränken. Während es uns andere Länder vormachen und ihre staatlichen Daten-Bestände für die Öffentlichkeit nutzbar machen, gibt es in Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf. Der nun eingeschlagene Weg für mehr Transparenz und Partizipation muss daher konsequent fortgesetzt werden.

Wer sich für diese Themen wie z.B. Open Data, Transparenz oder Informationsfreiheit interessiert, dem sei das Open-Data-Network empfohlen, in dessen Blog ich kürzlich einen Gastbeitrag veröffentlichen durfte.

Das Network richtet am 17. und 18. April, also leider parallel zur Inetbib-Tagung einen (eigentlich: zwei) Open-Data-Hackday(s) aus:

Mit dem Opendata Hackday “Apps 4 Democracy” wollen wir einen Beitrag dazu leisten Daten aus Politik und Verwaltung öffentlich zugänglich zu machen.

Der Ideenwettbewerb ist eröffnet: Wer hat die besten Ideen für Webseiten / Apps / Visualisierungen / Mashups um die Daten der öffentlichen Verwaltung zugänglich zu machen und so dazu beizutragen Verwaltung und Regierung offen, transparent und bürgernah zu gestalten?

Auch Datenprovider sind gerne gesehen!

Themen der Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft"

Netzpolitik.org macht auf die angekündigte Enquête-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” aufmerksam. Mitglieder werden je 13 Sachverständige und 13 Mitglieder des Bundestages sein:

  • 5x CDU
  • 3x SPD
  • 2x FDP
  • 2x Linke
  • 1x Grüne

Es sind verschiedene Themen angekündigt. Eine Auswahl:

  • Stärkung des Bewusstseins für den Wert geistigen Eigentums
  • Maßnahmen zur digitalen Sicherung des kulturellen Erbes und seiner Nutzung
  • Förderung der Medienkompetenz, Medienerziehung in Schule, Hochschule sowie Aus- und Weiterbildung
  • Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Wissenschaft
  • Strategien zur Überwindung der digitalen Spaltung (Digital Divide)
  • Initiativen zum freien Zugang zu den Ergebnissen staatlich finanzierter Forschung (Open Access)
  • Weiterentwicklung und Definition offener Standards und Normen
  • Weiterentwicklung der staatlichen Dienstleistungen (eGovernment)
  • Strategien für einen freien Zugang zu staatlichen Informationen (Open Data)

Auswahl und Hervorhebungen von mir, die komplette Liste entnehme man bitte dem Netzpolitik-Posting.

Wikileaks in Not

Wikileaks braucht Geld und streikt:

To concentrate on raising the funds necessary to keep us alive into 2010, we have very reluctantly suspended all other operations, until Jan 6.

Statt des Wikis findet man unter der Adresse wikileaks.de zur Zeit nur einen Spendenaufruf. Einer der Wikileaks-Verantwortlichen beschreibt in einem Interview, warum Wikileaks so wichtig ist und wo genau der Schuh drückt.

Spendenmöglichkeiten sind direkt auf der verlinkten Wikileaks-Seite zu finden.

Schweigen im Walde: Die Bibliotheksverbände zu Zensursula

WordPress hat in Kooperation mit Firefox meinen sehr ausführlichen Artikel über die Schaffung der Zensurinfrastruktur durch CDU und SPD leider verschluckt. Egal, drüben bei Netzpolitik oder im Handelsblatt-Blog gibt’s sowieso so viel zum Thema, dass man gar nicht mehr aufhören kann, sich aufzuregen. Also fasse ich mich kurz: Willkommen, Deutschland, in diesem feinen Klub:

zensurklub

Eine Frage möchte ich nun noch wieder aufgreifen, noch bevor in Karlsruhe hoffentlich wieder für rechtsstaatliche Verhältnisse gesorgt wird [1]Die vom Verfassungsschutz beobachtete Linkspartei hat übrigens geschlossen gegen die Zensurinfrastruktur gestimmt. Ganz im Gegenteil zu CDU und SPD. Wo kann man Parteien zur Beobachtung durch den … Continue reading. Hat der Code of Ethics praktische Auswirkungen? Im Code of Ethics ist zu lesen:

Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

Wie haben die Verbände ihrer Ablehnung Ausdruck verliehen? Recherchiert habe ich auf den Webseiten der Organisationen, in Inetbib und in ihren Twitter-Accounts, soweit sie mir bekannt waren [2] Sehr gut möglich, dass ich Äußerungen der Verbände übersehen habe. Falls dies so sein sollte, bitte ich um Hinweise in den Kommentaren! . Vertreten sind im Bibliothek und Information Deutschland (BID):

Was steckt hinter diesem Engagement? Trgägheit, Unsicherheit, Ignoranz, Desinteresse? Sind die Verantwortlichen der Verbände eventuell sogar der Meinung, das es schon seine Richtigkeit hätte mit den Internetsperren?

Fest steht meines Erachtens: Das bibliothekarische Selbstbewusstsein in Deutschland ist ein sehr zartes Pflänzchen in der Arena der Political Players. [3] Andrea Kaufmann : Der bibliothekarische Aufbruch – Impressionen vom 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek Wenn es nun auch in der Debatte um den Heidelberger Appell nicht gegossen wird, ist es noch bevor es zur ersten Blüte gelangen konnte, tot.

References

References
1 Die vom Verfassungsschutz beobachtete Linkspartei hat übrigens geschlossen gegen die Zensurinfrastruktur gestimmt. Ganz im Gegenteil zu CDU und SPD. Wo kann man Parteien zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz vorschlagen?
2 Sehr gut möglich, dass ich Äußerungen der Verbände übersehen habe. Falls dies so sein sollte, bitte ich um Hinweise in den Kommentaren!
3 Andrea Kaufmann : Der bibliothekarische Aufbruch – Impressionen vom 3. Leipziger Kongress für Information und Bibliothek