Google reagiert auf französische Leistungsschutzgeldpläne

Heise.de berichtet über Google Reaktion auf ein französisches Leistungsschutzrecht:

Google droht der französischen Regierung wegen einer möglichen Abgabe an Verleger. Wenn der Staat Forderungen nach einem sogenannten Leistungsschutzrecht für Online-Presseinhalte nachkomme, werde das Unternehmen künftig nicht mehr auf französische Medienseiten verlinken, zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus einem Google-Schreiben an mehrere Kabinettsmitglieder. Die Einführung einer solchen Rechtes sei nicht hinnehmbar und stelle die Existenz des Unternehmens infrage. Google beschere den Seiten von französischen Verlegern jeden Monat vier Milliarden Klicks.

Googles Position kann man nur zustimmen. Wer nicht in Suchmaschinen auftauchen will, kann dies schließlich verhindern. Niemand zwingt die Verlage, ihre Inhalte via Google auffindbar zu machen.

PS: Sogar Rupert Murdoch hat seinen Anti-Google-Feldzug kürzlich abgeblasen: Rupert Murdoch has been forced to back down in his war with Google, amid fears that his newspapers are losing their influence because they do not appear in the search engine’s rankings.

Discovery-System und/oder Katalog?

Mir wurde die Erreichung der „nächste Stufe der Verblödung“ für die Verwendung des Begriffes „Katalog“ für eine VuFind-Installation unterstellt. Leider kann ich diese Auszeichnung nicht annehmen. Andere waren da viel schneller. Zum Beispiel die KollegInnen an folgenden Bibliotheken:

  • Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy [1] „Der Katalog der Hochschule für Musik und Theater ist online.“
  • TU Chemnitz [2] „Der neue Katalog der TU Chemnitz ist online“
  • Max Planck Institutes for Ecology and for Biogeochemistry [3] http://catalog.clib-jena.mpg.de/
  • UB Leipzig [4] „Der neue Katalog der Universitätsbibliothek Leipzig […]“
  • TUB Hamburg-Harburg [5] „Außerdem hat unser vufind-Katalog jetzt einen Namen: TUBfind.“
  • Bundesgerichtshof, Bundesverwaltungsgericht und Bundesverfassungsgericht [6] „Gemeinsamer Katalog des BGH, BVerwG und BVerfG“

In Hamburg wurde eine Abschlussarbeit mit dem Titel Bachelopac [7] „Der OPAC aus dem Baukasten : Realisierung eines Katalog 2.0 unter Einbeziehung der Community“ geschrieben. Und das VuFind-Team selbst [8] „[…] the ability to browse the catalog„ weiß auch nicht, was es tut, ebenso wenig die VZG [9] „[…] der letztlich als produktiver Katalog mit vufind realisiert wurde.“ .

Die ersten Verblöder sind wir also schon einmal nicht. Aber auch inhaltlich ist die Kritik an der Bezeichung m.E. verfehlt. Aus Löfflers „Einführung in die Katalogkunde“, S. 11: [10] Löffler, Karl; Fischer, Norbert (1956): Einführung in die Katalogkunde. 2. Aufl. Stuttgart: Hiersemann. (PDF)

Heute versteht jedermann, wenigstens in der Bücherwelt, unter Katalog in erster Linie ein nach bestimmten Gesichtspunkten geordnetes Verzeichnis von Schriften, und zwar von Schriften, die in einer bestimmten Sammlung, einer bestimmten Bibliothek, gelegentlich auch in einer bestimmten Gruppe von Bibliotheken vorhanden sind, also ein Bücherverzeichnis für eine einzelne Stätte oder jedenfalls von begrenztem Umfang.

Dass ein Katalog das Verzeichnis der Medien einer Institution ist, ist auch heute noch gängige Definition. Und da wir via VuFind nur Medien zugänglich machen, zu denen wir auch den Zugang bieten, halte ich die Bezeichnung „Katalog“ durchaus für angemessen.

Auch wenn man anderer Meinung ist: Am wichtigsten bei der Benennung dieser Dienstleistung ist meines Erachtens, dass die Nutzer wissen, was sich dahinter verbirgt. Und beim Familienduell („Wir haben 100 Leute befragt..“) wäre auf die Aufforderung, Suchinstrumente zu nennen, „Discovery-System“ sicherlich nicht auf den vorderen Plätzen gelandet.

VuFind-Beta an der Bibliothek der Hochschule Hannover

Seit heute Mittag ist unsere VuFind-Installation offiziell in der Beta-Phase! Vielen Dank an die VZG, bei der das Angebot gehosted wird!

Es ist zwar noch viel zu tun (z.B. das Nutzerkonto, Magazinbestellungen etc.), aber mindestens ebenso viel funktinoiert auch schon. Ein paar Infos (für Nutzer) gibt es im Blog der Bibliothek.

Passend dazu sind seit kurzem die Aufzeichnungen der Verbundkonferenz-Vorträge online. Es ging dort gefühlt ausschließlich um Discovery-Systeme.

Patent: DRM für 3D-Drucker

Schon bevor der 3D-Druck sich durchsetzt, sind Patente erteilt, die der Bewegung Grenzen setzen möchten. Karsten Gerloff schreibt auf Netzpolitik.org:

Das ist ein erster Baustein für eine zentrale Kontrollinfrastruktur. Wie bei anderen Geräten ist auch hier die Frage, wer eigentlich darüber bestimmt, was wir mit unserem Eigentum anstellen. Welche Firma muss mein Drucker um Erlaubnis fragen, bevor ich mir ein neues Gehäuse für meine Deckenlampe drucken darf? Oder meine neue Erfindung?

Wer nicht weiß, was 3D-Printer sind, kann sich hier die Funktionsweise ansehen:

EU steckt über 50 Mio. Euro in Diktaturengrundlagenforschung

INDECT und Clean IT sind zwei bekannte EU-Forschungsprojekte, die der Realisierung orwellscher Fantasien zuarbeiten. Dass die EU noch weitere, sehr ähnliche Forschungsprojekte mit vielen Millionen Euro fördert, war zumindest mir bis jetzt unbekannt. Wer wissen möchte, was die EU im Bereich der Diktaturengrundlagenforschung leistet, sollte den Artikel „EU-Millionen für Überwachungsforschung“ von Erich Moechel auf ORF.at lesen. Gruselig.

PS: @Ertraeglichkeit twittert lesenswert über Gesichtserkennung und Videoüberwachung.

Filme der Murnau-Stiftung werden digitalisiert

Heise.de:

Das Deutsche Filminstitut in Frankfurt und die in Wiesbaden ansässige Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung wollen künftig gemeinsam alte Filme aus der Zeit des Ersten Weltkriegs digitalisieren und über das Internet jedem zugänglich machen. Die Zusammenarbeit ist Teil des europäischen Gemeinschaftsprojekts „The European Film Gateway“ (EFG1914), wie das Institut am Montag in Frankfurt mitteilte.

Im Workplan heißt es zum konkreten Vorgehen:

The main goal will be to make the content digitised in EFG1914 accessible both via the European Film Gateway (EFG) service and via Europeana. To this aim, the work package is organized in four main activities: 1) investigating and realizing solutions for enabling OAI-PMH metadata exports from non-conformant archives; 2) definition of a suitable common schema for EFG1914 as an extension of the EFG schema and identification of the metadata mappings from the archive schemas to the new EFG1914 schema; 3) deployment of the EFG1914 metadata aggregation system as an extension of the EFG aggregation system, to deliver metadata from the archives to Europeana, EFG portal and Virtual exhibition tools; 4) management of harvesting and transformation activities necessary to grow and curate the information space.

Zur Lizenzierung der Filme habe ich bislang nichts gefunden. Die Metadaten scheinen jedoch zur Nachnutzung gedacht zu sein.

ORCID-Launch am 16. Oktober 2012

Morgen öffnet ORCID die Pforten. Aus diesem Anlass möchte ich hier Martin Fenners Präsentation zu ORCID einbinden:

Wer ein bißchen mehr Text möchte, kann sich seinen Artikel „ORCID: Unique Identifiers for Authors and Contributors“ im Information Standards Quarterly durchlesen. Oder die (neu gestaltete?) ORCID-Webseite durchstöbern. Ein guter Einstieg sind die Principles oder die FAQ.

VIVO ist eine Community

VIVO ist nicht nur eine Software, ein Netzwerk und eine Ontologie, sondern auch eine Community.

Das Entstehen der aufgeführten Bestandteile ist nur möglich gewesen durch die Förderung des National Instititute of Health (RFA-RR-09-009). Dadurch konnten sich Teams verschiedener Einrichtungen mit der gemeinsamen Entwicklung befassen. Die Kollaboration wird kommuniziert durch Blog oder Twitter. Es gibt ein umfangreiches und einigermaßen gut gepflegtes Wiki, diverse Mailinglisten (unter anderem eine zur VIVO-Ontologie), einen IRC-Channel und Bug-Tracker für verschiedene Themenbereiche.

Darüber gibt es regelmäßige Telefon- und Videokonferenzen:

Weekly development calls and biweekly implementation and ontology calls provide structured opportunities for participating in VIVO, while the IRC Chat and mail lists are more free-form.

Mehr dazu auf der Community-Webseite. Nicht vergessen werden dürfen die „echten“ VIVO-Konferenzen, zum Beispiel die letzte vor einigen Wochen in Miami, Florida. Zu den Konferenzen wurden umfangreiche Materialien gesammelt.

VIVO ist eine Ontologie

VIVO ist nicht nur eine Software und ein Netzwerk, sondern auch eine Ontologie.

Wer sich mit Linked Data und Ontologien auskennt: hier geht’s zum OWL-File (Version 1.5). [1] Wer sich die Ontologie ansehen möchte und VIVO nicht installiert hat, kann dafür unter anderem den Protégé Ontology Editor nutzen. Wer sich nicht damit auskennt, sollte erst diesen Wikipedia-Artikel über Linked Open Data lesen, dann die Linked-Data-FAQ und dann den (englischen) Wikipedia-Artikel über Ontologien.

Oder, wie die deutsche Wikipediaseite [2] Wieso eigentlich „Ontologie (Informatik)“ und nicht „Ontologie (Informationswissenschaften)“? zum Thema meint: Ontologien in der Informatik sind meist sprachlich gefasste und formal geordnete Darstellungen einer Menge von Begrifflichkeiten und der zwischen ihnen bestehenden Beziehungen in einem bestimmten Gegenstandsbereich.

Bekannte Ontologien sind FOAF (für die Beschreibung von sozialen Netzwerken) oder Bibliontology (für bibliographische Daten). VIVO verwendet diese und andere Ontologien:

Ganz unten finden sich die Ontologie, um die es hier gehen soll, die VIVO-Ontologie. Diese Ontologie (in der aktuellen Version 1.4) kann man sich hier in einem bunten Diagramm ansehen. Vermutlich der beste Weg, sie kennenzulernen. Warum ist das Diagramm so schön bunt? Weil VIVO Teile verschiedenen Ontologien weiterverwendet und diese Teile in unterschiedlichen Farben dargestellt sind.

Paul Albert hat zwei Präsentationen zum Thema bei Slideshare:

Man kann in VIVO weitere Ontologien importieren und auch eigene anlegen. Die VIVO-Ontologie selbst ist organisationsübergreifend angelegt. Da jede Organisation ihre Hausregeln und Besonderheiten hat, können diese nicht in der VIVO-Ontologie abgelegt werden. Dafür baut man sich dann eben selbst eine. Im Backend gibt es dazu verschiedene Werkzeuge zum Browsen der Ontologie und zum Erstellen eigener Klassen.

Morgen geht’s dann weiter mit der VIVO-Community.

References

References
↑1 Wer sich die Ontologie ansehen möchte und VIVO nicht installiert hat, kann dafür unter anderem den Protégé Ontology Editor nutzen.
↑2 Wieso eigentlich „Ontologie (Informatik)“ und nicht „Ontologie (Informationswissenschaften)“?