Äthiopien kriminalisiert VOIP

Techcrunch berichtet:

The Ethiopian government, Al Jazeera reports, has criminalized the use of Skype and other VoIP services like Google Talk. Using VoIP services is now punishable by up to 15 years in prison.

Begründet wird diese Ungeheuerlichkeit mit der nationalen Sicherheit und der Durchsetzung des staatlichen Telekommunikationsmonopols.

Laut Techcentral sind auch audio and video data traffic via social media betroffen.

Infos zum politischen System Äthiopiens hält Wikipedia bereit.

Democratized Science Instrumentation

Nick Pinkston wies auf Twitter auf „Democratized Science Instrumentation“ (PDF) hin:

Unter anderem werden erwähnt:

  1. BOINC: „open source platform for distributed computing“
  2. DremelFuge: Zentrifuge als Open Source Hardware. (Wer sich für DremelFuge interessiert, liest auch DIYBio)
  3. eBird: ein Crowdsourcing-Projekt, in dem Vogelbeobachtungen eingetragen werden können. [1] Vielleicht sollte ich dort dieses Vorkommnis eintragen?
  4. Old Weather: ein Crowdsourcing-Projekt, in dem Wetterangaben aus alten Schiffs-Logbüchern erfasst werden.

Und noch viele andere mehr…

References

References
↑1 Vielleicht sollte ich dort dieses Vorkommnis eintragen?

SPD fordert Open Access als Standard in der Forschungsförderung

In einer Pressemitteilung hat die SPD-Bundestagsfraktion erklärt, dass sie Open Access als „Standard bei europäischer Forschungsförderung“ sehen wolle. Zuerst geht es nur um den europäischen Forschungsrahmenprogramms „Horizont 2020“. Doch dann:

Die Pläne der EU Kommission haben eine Signalwirkung auch über die Europäische Forschungsförderung hinaus. Darum ist es an der Zeit, dass sich auch die Bundesregierung im Sinne der Wissenschaft zu Open Access bekennt. Denn wer Wissenschaftsfreiheit ernst meint, kommt an Open Access nicht vorbei.

Wer Wissenschaftsfreiheit ernst meint, kommt an Open Access auch auf Länderebene nicht vorbei. Denn auch dort wird Forschung finanziert. Zur Zeit stellt die SPD…

Das sind insgesamt 97 Ressorts. Doppelnennungen durch unterschiedliche Ressortzuschnitte sind möglich, sogar wahrscheinlich. Dennoch haben wir hier eine beachtliche Anzahl von Ministerien, denen zahlreiche Institute, Fachbehördern oder Landesanstalten unterstehen oder zugeordnet sind. Man kann also mit Recht sagen, dass die SPD mit der oben geäußerten Position nicht nur Oppositionsansagen machen, sondern auch handeln könnte.

Vielleicht möchte ja jemand mal eine Anfrage an diese Damen und Herren stellen, ob und wann es denn soweit ist, dass Publikationen, die aus Forschungsmitteln ihrer Häuser resultieren, OA verfügbar gemacht werden?

Nur gucken, nicht anfassen: Kulturerbe Niedersachsen

Wie der NDR berichtet, ist das Portal Kulturerbe Niedersachsen nun eröffnet:

Das Land Niedersachsen ist um ein virtuelles Museum reicher: Im Internet-Portal „Kulturerbe Niedersachsen“ sind nun bedeutende Kulturschätze des Landes für jedermann kostenlos zu besichtigen. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) hat den offiziellen Startschuss für die Website am Dienstag gegeben.

Museum heißt hier, dass man sich bunte Bilder innerhalb des Portals ansehen kann. Bei vielen Werken (zum Beispiel hier)ist folgender Hinweis zu finden: Dieses Exponat kann nur nach vorheriger Rücksprache zur Verfügung gestellt werden.

Was bedeutet das? Ich finde keinen Unterschied zu Werken, bei denen dieser Hinweis nicht zu finden ist. Zum Beispiel bei diesem Gemälde von Jacob Philipp Hackert. Keine Downloadmöglichkeit, Rechtsklick funktioniert jedoch. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Beschränkung auf das Original bezieht.

In den Nutzungsbedingungen heißt es übrigens: Die Inhalte des Onlineportals „Kulturerbe Niedersachsen“ sind urheberrechtlich geschützt.“

Das ist dringend zu ändern. Einige Objekte sind sicherlich urheberrechtlich geschützt. Wenn man sich aber die Verteilung der Objekte auf die Jahrhunderte anschaut, merkt man sehr schnell, dass dies für den Großteil der Objekte nicht zutrifft (in Klammern steht die Zahl der Objekte aus dem jeweiligen Jahrhundert):

21. Jhd. (2)
20. Jhd. (762)
19. Jhd. (2565)
18. Jhd. (4666)
17. Jhd. (3410)
16. Jhd. (959)
15. Jhd. (87)
14. Jhd. (19)

Ohne jetzt einzelne Schutzfristen zu prüfen: Von 12470 Objekten kann man bei der Mehrheit davon ausgehen, dass sie nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Da das Portal und auch die Digitalisierungen mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden und die Werke nicht urheberrechtlich geschützt sind, ist hier (übrigens auch im Sinne der Verbreitung des niedersächsischen Kulturerbes) dringend geboten,

a) die Nutzungsbedingungen anzupassen und
b) eine Downloadmöglichkeit zu schaffen, am Besten für einzelne Objekte und auch für die Sammlung als Ganzes.

Tipp für die Projektbeteiligten: Wenden Sie sich an Open GLAM. Mathias Schindler (Wikimedia) hat auf dem Open-GLAM-Workshop (hierzublog schon einmal erwähnt) einen Vortrag gehalten, in dem er Empfehlungen für GLAMs (Galleries, Libraries, Archives and Museums) gibt.

Seiner Aussage auf der 19 13. Folie kann ich mich nur anschließen: „Betreiben Sie bitte kein Copyfraud„!

Ungarns Präsident Pal Schmitt tritt wegen plagiierter Dissertation zurück

Das Guttenberg-Phänomen wird internationaler. Aus dem Tagesspiegel.de:

Der ungarische Präsident Pal Schmitt ist zurück getreten. Grund ist seine Dissertation, die er in weiten Teilen von anderen Autoren abgeschrieben hat.

Ein bißchen Hintergrund (und weitere Quellen) findet man in Wikipedia.

Passend dazu gibt Christiane Schulzki-Haddouti im Hyperland-Blog einen Rückblick auf ein Jahr Plagiatsjagd: „Ein Jahr Vroniplag: Die Doktorjäger sind weiter auf Jagd“:

Ein Jahr nach Vroniplag hat sich die Wahrnehmung von Plagiaten im Wissenschaftsbereich stark verändert. 21 Doktorarbeiten listet die “kollaborative Plagiatsdokumentation” mittlerweile auf. Sechs Autoren wurde die Doktorwürde inzwischen aberkannt, unter anderem den Europapolitikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis. Nur ein Verfahren scheiterte bislang – gegen eine Dissertation eines CDU-Bundestagsabgeordneten an der FernUniversität Hagen. Hier sah der Promotionsausschuss in den “anonym erhobenen Vorwürfen” keinen ausreichenden Anlass, aktiv zu werden.

Nachahmungen aus anderen Ländern gebe es bislang nicht.

Das Schutzfristenproblem im Urheberrecht

Netzpolitik.org: Die Lücke des 20. Jahrhunderts: Visualisierung des Schutzfristenproblems im Urheberrecht

Es zeigt sich, wie die Länge der urheberrechtlichen Schutzfristen Digitalisierung und Zugang zu Büchern und damit dem kulturellen Erbe behindern, weil große Mehrzahl der Werke zwar auch noch Jahrzehnten noch urheberrechtlich geschützt sind, eine Verwertung sich aber bereits nach wenigen Jahren nicht mehr lohnt. Das Diagramm veranschaulicht also sehr schön, was in der Debatte um “verwaiste Werke” als die “Lücke des 20. Jahrhunderts” bezeichnet wird.

51 Tatort-Autoren gegen "die Netzgemeinde"

„Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!“

Dies sind die Adressaten eines offenen Briefes von 51 Tatort-Autorinnen, der gerade durch die Medien geht und schon verschiedene Antworten erhalten hat. Der offene Brief ist inhaltlich nicht ernst zu nehmen. Dort ist zum Beispiel die Rede von (anlassloser) Vorratsdatenspeicherung, die Sie [die Adressaten, Anm. d. Verf.] gerne Zensur nennen. Wer nennt die VDS Zensur? Ein kleiner Google-Test ergibt einen Treffer für die Phrase „vorratsdatenspeicherung ist zensur“, die sich inhaltlich gegen die Gleichsetzung ausspricht. Für „vorratsdatenspeicherung bedeutet zensur“ finden sich gar keine Treffer.

In dem Stil geht es weiter. So wird zu den Schutzfristen im Urheberrecht behauptet, dass nirgendwo eine Argumentation versucht wird, warum gerade diese Eigentumsform überhaupt eine Einschränkung erfahren darf. Ich bin mir nicht sicher, ob man als Tatort-Autor mit den Grundlagen der Recherche vertraut sein muss. Im Trainingshandbuch Recherche steht vielleicht etwas dazu, ich kenne das Buch nicht. Daher hier ein kleiner Crashkurs für informationssuchende DrehbuchautorInnen.

Wenn Sie dies hier lesen, haben Sie es schon einmal ins Internet geschafft – sofern Sie keinen Ausdruck dieses Postings vor sich liegen haben. Herzlichen Glückwunsch!

Von hier ist es nicht weit bis zu so genannten „Suchmaschinen“. Diese Suchmaschinen suchen nicht nur, sie finden auch. Und zwar Informationen nach Ihren Vorgaben. Wenn Sie der Suchmaschine mitteilen, dass Sie gerne Webseiten zu einem bestimmten Thema hätten, geben Sie dort einfach ein paar Stichworte ein und die Suchmaschine schlägt Ihnen passende Webseiten vor.

In unserem Fall können wir es probieren mit der Frage „Warum Schutzfristen“. Gleich der erste Treffer der die auch von Ihnen erwähnten Suchmaschine Google zu dieser Anfrage ist ein Blogposting von Volker Beck (ein Grüner) zu genau diesem Thema. Und natürlich gibt es juristische Fachliteratur in vielen Bibliotheken. Und zum Beispiel die Urheberrechtsfibel (PDF) von Klaus Graf, in der er sich auf S. 142 diesem Thema widmet.

Weitere Auseinandersetzungen mit dem offenen Brief gibt es unter anderem bei Netzpolitik.org und vom CCC (sehr ausführlich).

PS: Oliver Stock schreibt im Handelsblatt:

Die Anrede ist weitschweifig, aber eindeutig: „Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!“ lautet sie und stammt von jenen 51 Autoren, die Deutschland jeden Sonntag Abend mit der neuesten Folge der Krimiserie „Tatort“ beglücken.

Eindeutig? Wer ist denn diese Netzgemeinde?

Tracking via Google Web Fonts?

Google hat seit einiger Zeit einen nützlichen und natürlich kostenlosen Dienst namens Google Web Fonts im Angebot. Das Prinzip: Man kann über die entsprechende API Webfonts für seine Webseiten einbinden. Diese Fonts können dann auch auf Rechnern angezeigt werden, die diese Schriftart nicht installiert haben. Wie das genau funktioniert, wird u.a. von Elmastudio beschrieben.

Wenn Google diese Schriftarten zur Verfügung stellt und diese Schriftarten vom Browser angezeigt werden: Kann Google tracken, wer welche Webseiten mit Google Web Fonts aufgerufen hat? Das heißt, es brächte überhaupt nichts, Google Analytics zu blocken, sobald Web Fonts eingebunden sind? Wenn man z.B. die Webseite des schwedischen Piratenpartei-Gründers besucht, ist dort nämlich nicht nur Google Analytics eingebunden, sondern auch die API für Web Fonts.

Meine Frage an alle AuskennerInnen: Ist das tatsächlich so? Ich habe zwar eine Menge Hinweise dazu gefunden, aber keine definitiv bestätigende Aussage.

Wikipedia(EN):

Google has been suspected to collect and aggregate data of internet users through the various tools provided to developers, such as Google analytics, Google Web fonts and Google APIs. This might allow to figure out a user’s route through internet by storing it’s IP on each site (cross-domain web tracking). Linked to other information made available through Google APIs, which are widely used, Google might be able to provide a quite complete web user profile linked to an IP. This kind of data is invaluable for marketing agencies, and for Google itself to increase the efficiency of its own marketing/advertising activities.

Google is encouraging developers to use their tools and actively encouraging developers to communicate end-user IP’s to Google (https://developers.google.com/web-search/docs/): „Developers are also encouraged to make use of the userip parameter to supply the IP address of the end-user on whose behalf you are making the API request. Doing so will help distinguish this legitimate server-side traffic from traffic which doesn’t come from an end-user.“

Trash-Wissen.de:

Wer Webfonts verwendet, bindet diese mittlerweile in aller Regel via „Google Webfonts“ ein. Das bringt unter bestimmten Bedingungen weniger Traffic, schnellere Ladezeiten, einen Eintrag in der Tracking-db von Google, und eine Kerbe in der Wahrnehmung der Urheber der Schriften.

Ein Nischenangelegenheit ist dies längst nicht mehr. Etliche WordPress-Themes setzen inzwischen auf die Web-Font-API, z.B. das populäre Liquorice-Theme. Als Webseitenanbieter kann man sich dagegen entscheiden, die Web-Fonts über die API einzusetzen. Als Surfer muss man dagegen a) erst einmal davon wissen und b) in der Lage sein, das Tracking zu blockieren.

Wenn Google Webseitennutzung über die Fonts wirklich nachverfolgen kann: Wie blockt man die Fonts-API?