Zur Anonymität im Web

Die Debatte um das Recht auf Anonymität im Web ist wieder einmal brandaktuell. Auf SpOn heißt es:

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat anlässlich der Anschläge in Norwegen ein Ende der Anonymität im Internet gefordert. „Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce“, sagte Friedrich dem SPIEGEL.

Was natürlich auch eine radikale, undifferenzierte These ist. Auch für Google-CEO Eric Schmidt ist Anonymität nicht notwendig.


Warum ist Anonymität so wichtig? In letzter Zeit gab es dazu so viele kluge Kommentare, das ich hier einfach mal ein paar aufliste.

Das Recht auf Pseudonymität wird weltweit überall und immer wieder diskutiert. Eine schöne Kampagnenseite dazu ist My Name is me. Dort stellen Menschen verschiedenster Hintergründe vor, warum sie für dieses Recht einstehen. Darunter sind Promis wie Clay Shirky, aber auch virtuelle Identitäten wie Gwyneth Llewelyn.

Hier auf Infobib war das Thema Anonymität vor geraumer Zeit ebenfalls aktuell.

Ich habe heute zwei Mails erhalten, in denen ich gefragt wurde, ob man bei Infobib anonym kommentieren könne, da es nicht immer opportun sei, wenn die Vorgesetzten bestimmte Meinungen mit bestimmten Personen in Einklang bringen könnten.

Im immer wieder gern zitierten Code of Ethics wird auf den Wert der freien Meinungsbildung, zu der m.E. auch die freie Meinungsäußerung gehört, verwiesen:

Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung und für den freien Fluss von Informationen ein sowie für die Existenz von Bibliotheken und Informationseinrichtungen als Garanten des ungehinderten Zugangs zu Informationsressourcen aller Art in unserer demokratischen Gesellschaft. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

„Wir“, das sind in diesem Zusammenhang die Mitglieder des BID. Bibliothekswesen, das sind die Leute, die so etwas wie die PND aufbauen. Wer beruflich Pseudonyme sammelt, sollte ihren Wert kennen. Also flugs einen Blick geworfen auf die flammenden Statements wider die Einschränkung der freien Meinungsbildung!

Auf den Seiten des Goethe-Instituts (ebenfalls BID-Mitglied) habe ich zwar nichts aktuelles gefunden, dort finden sich aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Aussagen zur Wichtigkeit der Anonymität für die freie Meinungsbildung.

Was sagt uns das? Wird der zitierten Passage im Code of Ethics keine Bedeutung zugemessen? Wird die Wichtigkeit des Rechts auf Pseudonyme nicht erkannt? Gibt es keine personellen Spielräume, um derart politisch aktiv zu werden? Was auch immer der Grund ist: ein Code of Ethics, der in solchen Fällen nicht greift, ist die Bytes nicht wert, die seinetwegen transportiert werden müssen.

References

References
↑1 Beim DBV sucht man aktuell eine/n Referent/in für politische Kommunikation. Tut sich da was?

EKZ bittet um Spenden

Die EKZ bittet um Spenden. Mit einer Gutscheinaktion wirbt sie: „Machen Sie Ihrer Bibliothek ein Geschenk!“

Der bibliotheksbegeisterte Bürger soll der EKZ Geld überweisen, dass dann in voller Höhe – ohne Abzüge für Verwaltungsaufwand etc. – der Bibliothek in Zeiten sinkender kommunaler Gewerbesteuereinnahmen zugute kommen soll. Klingt nach einer guten Aktion! Dazu Jürgen Plieninger:

sinkende kommunale Gewerbesteuereinnahmen! Wie wäre es, wenn man deshalb mit dem örtlichen Buchhandel kooperierte, der ja schließlich auch Gewerbesteuerzahler ist?

Könnte man die Aktion also auch einfach umbenennen in „Machen Sie der EKZ ein Geschenk“? Im neuerdings im Plan3t.info enthaltenen Blog Ultra Biblioteka macht sich DonBib Gedanken zum selben Thema und schlägt vor:

Was können also Bürgerinnen und Bürger tun um Ihrer Bibliothek ein dauerhaftes Geschenk zu bereiten?
Richtig: Sie können sich engagieren. Sie können ihren lokalen politischen Parteien auf die Finger gucken und sagen: „Macht was, die Bibliothek ist uns wichtig!“. Diese Variante ist wesentlich nachhaltiger als ein einmaliges Büchergeschenk an die Bibliothek. Denn, auch wenn es viele die nur täglich ihre Lokalzeitung lesen und dann meckern vergessen haben, Sie selbst wählen ihre politischen Vertreter. Wer also z.B. in Berlin was tun möchte, der klappert die Wahlkampfstände der Parteien ab und fragt, was diese denn für die lokalen Bibliotheken tun wollen.

PS: Ultra Biblioteka hat schon einige lesenswerte Postings. Einfach mal reingucken!

World Digital Library in Wikileaks

Unter den in den letzten Tagen von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten aus dem Cablegate-Fundus befinden sich drei Cables, die sich mit der World Digital Library der UNESCO befassen.

Plan3tare Stimmvielfalt

Zwölf Einträge in den Stimmen des Plan3t.info gibt es inzwischen. 13, wenn man das Startposting mitzählt. Die inhaltliche Vielfalt ist ebenso überraschend wie die Interpretation dessen, was eine Stimme genau ist.

Bis jetzt ging es unter anderem um Bibliotheksbauten, Couchsurfing, Discovery, Stachanow-Arbeit und aktuell um Nationallizenzen.

Alle Stimmen gibt es hier im Überblick. Schade ist, das bislang wenig kommentiert wurde. Verlinkt, vertwittert, und vor allem: kommentiert!

Plan3t.info – der neue Planet ist da

Dieses Posting ist von Edlef Stabenau ordnungsgemäß nach CC-BY aus Netbib übernommen:

Nachdem letzte Woche etwas klammheimlich der Start erfolgte, aber schon einige sehr interessante Stimmen ein sehr breites Themenspektrum abdecken, auch hier der Hinweis auf den Planet.info.

Er soll den alten Planet Biblioblogs ablösen, hat aber ein neues und interessantes Feature:

Dazu werden nun verschiedene KollegInnen aus der Bibliotheks-Sphäre ihre Stimme ergreifen. Jeweils eine “Stimme” pro (Werk)Tag wird lesenswerte Bücher, Blogs, Artikel, Podcasts, Videoclips, Vorträge ansagen, vielleicht auch von Erfahrungen mit kommerzieller und nichtkommerzieller Bibliothekssoftware berichten oder was auch immer die Stimme für empfehlenswert oder diskussionswürdig hält.

Alle weiteren Informationen dazu finden sich auf der Seite Was ist das hier?. An einigen Funktionalitäten wird z.Zt. noch ein wenig herumgeschraubt…

Relativ wichtig sind die 2 wichtigen Feeds: Wer nur an den Stimmen interessiert ist, nutzt diese Adresse: http://plan3t.info/category/stimmen/feed/, wer an allen aggregierten Weblogs inkl. der Stimmen interessiert ist, nutzt diese: http://plan3t.info/category/aggregator/feed/

Ergänzung:
Eine „Stimme“ von mir gibt’s auch schon: „Woher die guten Ideen kommen“

Man darf sowohl die Stimmen als auch das Startposting übrigens auch gerne kommentieren…

Über 1000 Ted-Talks

TED is a nonprofit devoted to Ideas Worth Spreading. It started out (in 1984) as a conference bringing together people from three worlds: Technology, Entertainment, Design. Since then its scope has become ever broader. Along with two annual conferences — the TED Conference in Long Beach and Palm Springs each spring, and the TEDGlobal conference in Edinburgh UK each summer — TED includes the award-winning TEDTalks video site, the Open Translation Project and TED Conversations, the inspiring TED Fellows and TEDx programs, and the annual TED Prize.

1008 TED-Talks sind inzwischen veröffentlicht. Die meisten sind zwischen fünf und fünfzehn Minuten lang. Ich habe tatsächlich ein paar Talks gesehen, die ich inhaltlich oder von der Präsentation nicht 100%ig überzeugend fand. Fast alle sind jedoch ein gelungener Steigbügelhalter für den gepflegten Blick über den Tellerrand.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, müsste dies der 1000. veröffentlichte Talk sein:

Bibliothekarische Hausbesuche in Münster

Via Twitter bin ich auf das Konzept der Hausbesuche an der UB Münster aufmerksam geworden. Dort bietet man Studierenden, Wissenschaftlern und Ärzten der Uni-Klinik Besuche durch geschultes Personal an, dass Beratung für verschiedene Themen liefert.

Mögliche Themen der Hausbesuche:

  • Desktop Publishing mit Adobe InDesign
  • Elektronische Zeitschriften und Bücher
  • Email Alerts und Nachrichtenfeeds
  • Fernleihe und Subito
  • Katalog und Ausleihe
  • Literaturverwaltung mit RefWorks
  • Open Access
  • Quellen der Evidenz-basierten Medizin (Cochrane, UpToDate)
  • Personal Digital Assistants
  • PubMed und andere relevante Literaturdatenbanken
  • Web of Science und Impact Faktoren
  • Wikis und Weblogs
  • … oder ein Überblick über die Angebote der Bibliothek

Dadurch, dass man sich in Münster aus der Bibliothek herausbewegt, ist – ähnlich wie bei der Stippvisite– neben den normalen Schulungseffekten auch mit positiven Auswirkungen im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit und der Vernetzung der Bibliothek in der Institution zu rechnen.

Gibt es Zahlen, wie oft die Hausbesuche in Anspruch genommen wurden? Wie kommt es dazu, dass InDesign geschult wird und geschult werden kann? Fragen über Fragen, auf die @obsto sicherlich antworten kann!

Ein paar Infos gibt es noch in diesem Posting hier.

Demonstration für freien Internetzugang in tschechischen Bibliotheken

In Prag wurde gegen die Abschaffung freien Internetzugangs in Bibliotheken demonstriert.

About 50 opponents of the abolition of free access to the Internet in Czech libraries, which the Interior Ministry is pondering as an austerity measure, held a protest meeting in front of the ministry yesterday.

The meeting was staged by the extra-parliamentary Czech Pirate Party. It took place in spite of the ministry’s recent statement that the free access project will continue until the government decides on a different way of its financing.

Weiteres im Prague Daily Monitor.

BMBF: Bildung und Forschung in Zahlen

Die Ausgaben der Hochschulen nach Fächergruppen, Lehr- und Forschungsbereichen sowie Ausgabearten aus den veröffentlichten Zahlen des BMBF für die Fächergruppe Bibliothekswissenschaften, Dokumentation, Publizistik.

Jahr Ausg. insg. Laufende Ausg. Personal Sonstige laufende Ausg. Investitionsausg. Baumaßnahmen [1] Einschl. Erwerb von Grundstücken und Gebäuden.
2001 49 43 37 6 6 2
2002 49 46 38 7 3 1
2003 49 48 41 7 2 0
2004 53 51 43 7 2 0
2005 54 49 41 7 5 2
2006 50 49 41 8 1 0
2007 51 49 42 7 2 1
2008 106 102 52 50 4 2
  1. Kann jemand den Sprung der „sonstigen laufenden Ausgaben“ von 2007 zu 2008 erklären?
  2. Neuere Daten sind zwar zum Teil schon verfügbar, aber bis da keine maschinenlesbare API und eine vernünftige Lizenz dahintersteckt, lohnt sich die Beschäftigung mit den Daten nicht.

Aktuelle Zahlen („in Auswahl“) sind in einer Broschüre des BMBF verfügbar: Bildung und Forschung in Zahlen 2011 (PDF).

References

References
↑1 Einschl. Erwerb von Grundstücken und Gebäuden.

Tagesspiegel über Open Access und Aaron Swartz

Zwei Artikel im Tagesspiegel:

1. Die Magna-Carta und die asiatischen Elefanten

Die Open-Access-Bewegung fordert mehr Freiheit für das Wissen im Netz. Zwar geht die nötige Reform des Urheberrechts nur langsam voran. Doch es gibt bereits eine ansehnliche Zahl digitaler Bibliotheken, die umsonst und frei sind. Surftipps aus der Netzspiegel-Redaktion.

2. Nur langsam mehr Freiheit des Wissens

Ein Hacker lädt eine große digitale Bibliothek herunter. Ist das Diebstahl oder die Befreiung des Wissens? Auf jeden Fall eine Reaktion darauf, dass die Open-Access-Bewegung zehn Jahre nach ihren Anfängen nur langsam vorankommt.