Viviane Reding, bekannt aus Funk, Fernsehen und Netzpolitik.org, ist nun nicht mehr Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft. Stattdessen rutscht sie nahtlos in das Kuratorium der Bertelsmannstiftung – die erheblichen Einfluss auf das Bibliothekswesen hat. Mehr Infos gibt’s bei LobbyControl.
Kategorie: Bibliothek
Russische Regional-Enzyklopädie geplant
Heise berichtet über das Ansinnen der Russischen Präsidialbibliothek, eine russische Alternative zur Wikipedia zu lancieren:
Das Projekt unter Federführung der Russischen Präsidialbibliothek soll besser über die verschiedenen Regionen des Landes informieren als die Wikipedia. Die sei nicht detailliert und zuverlässig genug.
Die Bibliothek hat dazu eine Pressemitteilung auf Englisch verfasst. Über geplante Lizenzbestimmungen ist dort nichts zu erfahren.
Geoinformationen (Linked Open Data) für VIVO
Beim Aufbau eines Forschungsinformationssystems mit VIVO erschien es uns sinnvoll, einen gewissen Grundstock an Daten zu haben, mit denen wir dann die diversen Beschreibungen der Forschungsaktivitäten an der Hochschule verknüpfen können. Wichtig erschien uns dabei, Informationen über Orte in ordentlicher Qualität zur Verfügung zu haben. Aus dieser Überlegung entstand eine kleine Sammlung von Dateien, die zur Nachnutzung in VIVO vorbereitet ist. Sie können einfach ins Verzeichnis /data/rdf/abox/filegraph kopiert werden und stehen dann nach dem nächsten Neustart zur Verfügung.
Um welche Daten geht es?
Deutsche Orte (GermanyPopulatedPlaces.ttl): Über 7000 Orte in Deutschland mit mindestens 1000 Einwohnern. Beispiel:
<http://sws.geonames.org/6557470> a vivo:PopulatedPlace ;
obo:BFO_0000050 <http://sws.geonames.org/2862926/> ;
rdfs:label "Nordhorn" ;
vcard:geo "geo:52.4149,7.07665" ;
geop:population "52380" .

Deutsche Bundesländer (GermanyStates.ttl):
Alle deutschen Bundesländer, als administrative Zwischenebene zwischen den deutschen Orten und VIVO/FAO-Deutschland.
<http://sws.geonames.org/2862926/> a vivo:StateOrProvince ;
obo:BFO_0000050 <http://sws.geonames.org/2921044/> ;
rdfs:seeAlso <http://d-nb.info/gnd/4042226-4> ;
rdfs:label "Niedersachsen" .
Orte aus der ganzen Welt (WorldPopulatedPlaces.ttl):
Über 8200 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern aus der ganzen Welt. Die Orte sind mit den in VIVO mitgelieferten Staaten aus den FAO-Länder-Profilen (OWL-Datei) verknüpft.
<http://sws.geonames.org/361058> a vivo:PopulatedPlace ;
obo:BFO_0000050 <http://aims.fao.org/aos/geopolitical.owl#Egypt> ;
rdfs:label "Alexandria" ;
vcard:geo "geo:31.21564,29.95527" ;
<http://aims.fao.org/aos/geopolitical.owl#population> "3811516" .

Andere Territorien (WorldOtherTerritories.ttl):
In dieser kleinen Datei, über deren Inhalt man trefflich streiten kann, sind Informationen über Territorien gesammelt, deren Status nicht unumstritten ist.
Die Daten stammen überwiegend aus Geonames.org und wurden bearbeitet und zusammengestellt von Elena Liventsova und mir. Sie sollen in Kürze auch auf Datahub.io registriert werden. Auf dem neuen Github-Account der Bibliothek der Hochschule Hannover sind sie ab sofort zu sehen, herunterzuladen und nachzunutzen (Lizenz: CC0). Über Verbesserungsvorschläge, Korrekturen und natürlich Hinweise auf Nutzungen würden wir uns freuen!
Messaging-Apps für die Auskunft?
Martin Weigert berichtet davon, wie Unternehmen Messaging-Apps nutzen wollen, um in Kontakt zu ihren Kunden zu treten. Nachdem SMS-Auskunft in Deutschland nie abgehoben hat: Ist das die (nächste) Zukunft der Online-Auskunft? Über die App Path Talk wird geschrieben:
Mit ihr kann man Geschäfte und Restaurants per Chatnachricht kontaktieren und zum Beispiel nach Preisen oder Öffnungszeiten fragen oder einen Tisch reservieren. Path nennt dies “Place Messaging” und verspricht eine Antwort in etwa fünf Minuten. Das Benutzererlebnis ähnelt dabei dem, das User von klassischen Chatservices wie WhatsApp oder Facebook Messenger her kennen. Nur dass sie nicht Freunde oder Bekannte kontaktieren, sondern Gewerbetreibende.
Mehr auf Netzwertig.
RFC: Deutsche Übersetzung der Open Definition 2.0
Adrian Pohl und ich haben den ersten Entwurf einer Übersetzung der Open Definition 2.0 ins Deutsche erstellt. Der Entwurf befindet sich in einem Etherpad und ist zur Kommentierung und Verbesserung freigegeben. Bitte beteiligt Euch, da diese Definition hoffentlich für ein paar Jahre eine wichtige Referenz der Diskussion, was „open“ wirklich bedeutet, sein könnte.
Das Dokument folgt diesem Aufbau:
Überschrift englisch / Überschrift deutsch
Englisches Original.
Deutsche Übersetzung
Also zum Beispiel:
1. Open Works / Offene Werke
The work must be available under an open license (as defined in Section 2). Any additional terms accompanying the work (such as a terms of use, or patents held by the licensor) must not contradict the terms of the license.
Ein Werk ist offen, wenn die Art und Weise seiner Verbreitung den folgenden Anforderungen entspricht:
Die Übersetzung soll sich möglichst dicht ans Original halten. Es gibt vielleicht Schwächen in der Definition. Diese zu beheben, darf aber nicht Aufgabe der Übersetzung sein.
Einige Stellen, bei denen wir eine präzise Übersetzung ins Deutsche nicht finden konnten, haben wir unter dem Dokument aufgelistet. Wer teilnehmen möchte, folge bitte diesen Beispielen! Bei Fehlern und Verbesserungsvorschlägen bitte die Originalzeile mit Abschnitts- und Zeilenangabe unter diesen Abschnitt kopieren, fett markieren und mit Name/Namenskürzel/Pseudonym signieren. Danke!
Die doppelten Leerzeichen nehmen wir noch raus, die müssen nicht gesondert kommentiert werden. Das ist eine nervige Etherpad-Eigenheit…
Hier geht es zum Etherpad: https://pad.okfn.org/p/OpenDefinitionde
Für die Kommentierung möchten wir eine Woche vorschlagen, also bis zum 27. Oktober 2014.
Weltbrand-App der SUB Hamburg
Markus Trapp schreibt in seinem Blog über die Präsentation der Weltbrand-App der SUB Hamburg.
Die Folien sehen schon einmal chic aus. Wer hat die App schon ausprobiert?
Nobelpreistragende Forschungsberichte (gratis) im Katalog
Im letzten Dezember beschrieb ich hier, wie man (als GBV-Bibliothek) die an der TIB/UB Hannover gesammelten und elektronisch frei zugänglichen Forschungsberichte in den eigenen Bibliothekskatalog übernehmen kann. Dieses Verfahren wurde bislang – soviel ich weiß – von der FH Erfurt und der TULB Jena adaptiert. Und dadurch bieten wir unseren Nutzern Zugriff auf folgende Publikationen:
- Teilvorhaben Evaluierung und Anpassung von Lebendzell-Markierungen für die STED-Mikroskopie im Verbundprojekt Nanoimaging in lebenden Zellen NANOLIVE im Rahmen des Förderprogramms „Biophotonik III“ : Schlussbericht ; Laufzeit: 01.10.2007 – 30.09.2010
- BMBF-Gesamtverbund Nanoskopie, Teilprojekt „Innovative Lichtquellen auf der Grundlage Halbleiter-basierter Pikosekundenlaser für die optische Nanoskopie“ : Schlussbericht ; Laufzeit des Vorhabens: 1.01.2004 bis 31.03.2006
Bei beiden Berichten ist der frischgebackene Nobelpreisträger Stefan W. Hell beteiligt gewesen. Und diese Publikationen, für deren „Erwerb“ wir keinen Cent zahlen mussten, sind nun willkommene Steilvorlage für bibliothekarische Öffentlichkeitsarbeit, die sich in gewohnter Weise trittbrettfahrend an das aktuelle Tagesgeschehen anhängt.
Pinguine zählen für einen guten Zweck
Eine der schwierigsten Hürden in der Citizen Science ist die Aktivierung freiwilliger Helferinnen und Helfer. Im hier vorgestellten Fall wird das den Initiatoren von Zooniverse (siehe auch hier im Blog) nicht besonder schwer gefallen sein. Denn es geht darum, Pinguine zu zählen.
Viel mehr muss man gar nicht sagen. Auf geht’s zur Penguin Watch!
PS: Im Open Science Radio ging es übrigens auch schon 2x um Zooniverse.
Swets-Gruppe ist insolvent
Der Informationsdienstleister Swets (Swets & Zeitlinger Group B.V.) mit Sitz im niederländischen Leiden hat Insolvenz angemeldet. Eine entsprechende Meldung hat die deutsche Tochter Swets Information Services bestätigt.
Swets ist der breiten Öffentlichkeit vielleicht unbekannt und hat zur Zeit nicht einmal einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel – hier geht es zum englischen Artikel. Es handelt sich dabei jedoch um ein Branchen-Schwergewicht, das nicht nur als Mittler oder Makler zwischen wissenschaftlichen Zeitschriftenverlagen und Bibliotheken agiert(e), sondern unter anderem auch die Institutional Edition von Mendeley bewarb und vertrieb. Springer und Elsevier sind sicherlich nicht die einzigen, die derzeit eindringliche Botschaften an Bibliotheken bezüglich der Zahlungsabwicklungen senden…
Und: Die Aufsatztitel der Online Contents werden von Swets geliefert und täglich aktualisiert.
Onleihe macht Bibliotheken zum Buchhandelsschaufenster
Über den neuesten Unsinn zur Onleihe muss ich mich nicht selbst aufregen, das haben andere schon für mich gemacht. Lesenswert:
Jürgen Plieninger in Netbib:
Stellen Sie sich eine Stadtbücherei vor: Wenn ein Buch ausgeliehen wird, kommt eine örtliche Buchhandlung und stellt einen Stellvertreter ein, auf dem dafür geworben wird, doch das Buch zu kaufen, anstatt zu warten, bis es wieder im Regal auftaucht. […]
Ob die Bibliotheken hier nicht die Gewinner sind? – Schließlich könnten sie doch verschiedene Buchhandlungen und Lieferanten gegeneinander ausspielen und den Button dessen nehmen, der die meiste Provision springen lässt. Wie, das geht nicht?
Dörte Böhner auf Bibliothekarisch.de:
Und nein, ich finde es von den Bibliotheken, die sich da an der Pilotphase beteiligen, nicht in Ordnung, dass sie sich dafür zur Verfügung stellen. Liebe Stadtbüchereien Düsseldorf, Hamburger Öffentlichen Bücherhallen und liebe Bibliotheken des Onleihe-Verbunds Oberlausitz, warum lassen Sie sich so vor den Karren der ekz spannen und sorgen nicht dafür, dass wenigsten in gewisser Weise noch eine Wahlfreiheit für Ihre Nutzer bleibt? Warum lassen Sie zu, dass Ihre Angebote kommerzialisiert werden? Ist der Bibliotheksnutzer bereits gedanklich soweit zum Kunden geworden, dass er Geld ausgeben soll, damit Ihr Angebot besser aussieht? Das ist aus meiner Sicht nicht mehr Service, sondern der falsche Weg. Verbessern Sie Ihr E-Book-Angebot, in dem Sie die Lizenzbedingungen angehen. Ideen, was man da machen könnte, gibt es viele. Ca 2000 Bibliotheken sind der Onleihe verfallen? Warum setzen Sie nicht auf diese Masse, um Dinge in Bewegung zu bringen?
Jürgen Fenn in Schneeschmelze:
Geradezu absurd erscheint aber die Lage, die die Onleihe mit diesem neuen Dienst herbeiführt. Erst wird die Verfügbarkeit von digitalen Texten durch das DRM künstlich verknappt, so daß ich z. B. die Zeitung von gestern nur eine Stunde lang lesen darf. Dann wird dem zu spät gekommenen Leser durch den Verkaufsbutton suggeriert, wenn er den Text jetzt lesen wolle, könne – vielleicht kommt bei ihm sogar an: müsse – er ihn bei dem Tochterunternehmen der EKZ und der Onleihe kaufen. Und schließlich sinken infolgedessen auch noch die Ausleihzahlen bei den Bibliotheken, weil die Leute von dort in den Online-Shop geschickt werden – in den sie in Zukunft gleich direkt gehen können? Mit einer so erworbenen Provision entzieht die Bibliothek ihrem eigenen Modell selbst den Boden und sägt an dem Ast, auf dem sie und das gesamte Bibliothekswesen hierzulande sitzt.
DonBib in Ultra Biblioteka:
Es ist, Dörte hat es wunderbar formuliert, bereits anstrengend sich die Onleihe schönzureden, denn wir unterstützen als Bibliotheken ein unsägliches System. Dieser Kaufknopf mit anschließender Provision für die Bibliotheken widert mich aber schlicht an. Ich kann dafür ethisch keine Tür entdecken, die so eine Idee möglich machen sollte, da sind bildlich gesprochen nicht mal Fenster in der Mauer vor dieser Idee. Auch fachlich ist der Schaden dieses Ansatzes unberechenbar. Gleichwohl folgt diese Idee dem so unwissenschaftlichen wie unethischen Grundsatz eine Bildungseinrichtung als Unternehmen führen zu wollen. Ich kann die KollegInnen in Düsseldorf und Hamburg nur auffordern, sich schnellstmöglich fachöffentlich zu äußern.
Ich bin gespannt, ob es zu einer ähnlichen Aufregung kommen wird wie im Falle der Amazonlinks im Heidelberger Katalog.